Neusten Informationen zufolge soll der Nachfolger von Spiegel-Chefredaktor Stefan Aust nicht aus den eigenen Reihen kommen. Wie das Online-Portal der Financial Times Deutschland am Freitag vermeldete, haben weder Gabor Steingart, der ehemalige Chef des Berliner Spiegel-Büros, noch Mathias Müller von Blumencron, derzeit Chefredakteur von Spiegel Online, Chancen auf den Posten. Steingart steht dem scheidenden Chefredakteur nahe, Müller von Blumencron fehle es an politischem Profil.
Als heisse Kandidaten werden in Gesellschaftskreisen derzeit Zeit-Chefredakteur Giovanni die Lorenzo und Uwe Vorkötter, der Chefredakteur der Frankfurter Rundschau gehandelt.
Der bisherige Chefredaktor Stefan Aust erfuhr nach 13 Jahren am Donnerstag vor einer Woche nur über Umwege von seiner Absetzung. Sein Stellvertreter Joachim Preuss informierte den im Urlaub befindlichen Aust am Handy darüber, dass bereits nach einem Nachfolger gesucht werde. Die Vertreter der Mitarbeiter-Gesellschaft (KG), die über mehr als die Hälfte der Verlagsaktien waltet, hatten Aust heimlich abserviert. Auch Franziska Augstein, die Tochter des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein, galt seit Jahren als Feindin des Redaktionsleiters.
Stellvertreter Joachim Preuss wird nun gemeinsam mit seinem ehemaligen Chef den Verlag verlassen. «Wenn sie Aust hier rauskegeln, gehe ich hinterher», sagte Preuss gegenüber Kress.de. Der seit 30 Jahren beim Spiegel tätige Preuss will gemäss eigenen Angaben nicht noch eine Demontage eines Chefredakteurs wie jene von Hans-Werner Kilz vor 13 Jahren miterleben müssen. Die Geschäftsleitung Mitarbeiter KG, welche aus Redaktionsmitgliedern besteht, will Aust loswerden, wie letzte Woche bekannt wurde. Dieser muss bis spätestens Ende 2008 gehen. Das Vorgehen der Gesellschafter des Spiegel-Verlags bezeichnete Preuss gegenüber Kress.de als «Dämlichkeit erster Güte». Aust soll von seinem drohenden Rauswurf erfahren haben, indem er mitbekommen habe, dass die Geschäftsführung bereits eifrig nach einem Nachfolger suchte. In der Spiegel-Redaktion gärt es bereits seit längerem; die Süddeutsche Zeitung etwa spricht nicht nur von Führungskrise, sondern gar von internem Bürgerkrieg. Das Grundproblem liege daran, dass gemäss Zeitungsstatut die Mitarbeiter gleichzeitig die Unternehmensleitung stellen. So scheint auch nach dem Abgang von Aust und Preuss im Hamburger Zeitungshaus ein Friede noch fern.