Testkunden sind die besseren Werber

Trend. Tryvertising funktioniert nach dem Motto: Bring den Kunden dazu, dein Produkt zu testen, und lass ihn gut darüber reden.

 
Trend. Tryvertising funktioniert nach dem Motto: Bring den Kunden dazu, dein Produkt zu testen, und lass ihn gut darüber reden.  
Das perfekte Shoppingparadies: einfach in einen Laden spazieren, Uhren, Designer-Accessoires oder den neuesten technischen Schnickschnack mitnehmen und dafür nichts bezahlen. Was utopisch klingt, ist in Japan bereits Realität. In Tokio eröffnete in diesem Jahr ein Laden mit dem Namen Sample Lab. Gegen eine kleine Jahresgebühr können die Besucher die neuesten Produkte aus den unterschiedlichsten Bereichen kostenlos ausprobieren. Das Angebot reicht von der scharfen Grillsauce bis zum schweren Sportgerät. Die Produkte können im Shop, aber auch zu Hause getestet werden. Das Interesse der japanischen Kundschaft ist enorm. Die Shopbetreiber verdienen mit ihrer Idee gutes Geld. Zum einen bezahlen Firmen für die blosse Präsenz, zum andern für Daten und Informationen über die Konsumenten.
Die Geschäftsidee aus Japan hat einen Namen: Tryvertising. Die Wortschöpfung kommt vom Englischen «try» und «advertising». Dahinter steckt eine einfache Überlegung: Man bewirbt ein Produkt, indem man es von den Kunden testen lässt. Tryvertising ist eine Weiterentwicklung des Product Placements. Dabei werden Produkte nicht in Filme integriert, sondernin das nicht heimische Umfeld der Konsumenten. Es ist erwiesen, dass Menschen ausserhalb ihrer eigenen Markenwelt offener für Neues sind.
In den USA ist Tryvertising ein grosses Thema, weil klassische Werbung immer weniger Konsumenten erreicht. Verschiedenste Studien des Marktforschers Forrester Research zeigen, dass lediglich 13 Prozent der US-Konsumenten Produkte kaufen, die sie aus der Werbung kennen. Gerade mal sechs Prozent der Verbraucher vertrauen den Botschaften aus der Werbung. Es ist in der Konsumgesellschaft zum Paradigmenwechsel gekommen. Zukunftsforscher sprechen von der Trysumer-Bewegung. Der neue Konsument ist ein erfahrener Verbraucher, der ein Produkt dank neuer Möglichkeiten erst kostenlos testet und bei Gefallen kauft.
Weil der Trysumer stark vernetzt ist, forcieren Unternehmen ihre Online-Aktivitäten. So zum Beispiel Procter & Gamble. Der Konsumgüterriese kreierte vor zwei Jahren eine Online-Plattform namens Tremor.com. Jugendliche können Produkte bestellen, diese testen und im Netz Testberichte verfassen. Bis heute haben sich mehr als eine Viertelmillion Teenager registrieren lassen. Das Portal ist eine gigantische Marktforschung. Den Erfolg will der Multi nun bei Müttern wiederholen. Deshalb wurde im letzten Jahr Moms.tremor.com gelauncht.
Aber auch andere Big Brands haben das Product Placement für sich entdeckt. Mercedes Benz versorgt die Nobelhotels von Ritz Carlton mit Fahrzeugen. Clubmitglieder der weltweit aktiven Hotelkette können während ihres Aufenthaltes unbeschränkt Modelle Probe fahren. Gleiches tun die Marken Maybach und Porsche. Der Sportwagenhersteller ist mit den Fairmont-Hotels in den USA eine Partnerschaft eingegangen.
Ansätze auch in der SchweizAuch Möbel werden bewusst positioniert, damit sie getestet werden. In Deutschland beispielsweise belieferte Ikea die Hotelkette Etap. Einzelne Zimmer wurden mit dem skandinavischen Mobiliar ausgestattet. Was mit Möbeln geht, funktioniert auch bei Schuhen. Der Sportartikelhersteller Nike liess sich eine spezielle Tryvertising-Kampagne einfallen. Mit so genannten «Nike Trial Vans» tourte der Schuhhersteller dieses Jahr durch Europa. In Sportregionen bot Nike Tausende von Schuhen zum Test an. Ohne Verpflichtungen konnten Läufer vor Ort jeden Schuh probelaufen.
In der Schweiz ist Tryvertising noch nicht so populär wie im Ausland. Wie eine Telefonrecherche der Werbewoche zeigt, distanzieren sich beispielsweise Schweizer Hotels von dieser Art Product Placement. Der Grundtenor: Wir haben unsere eigenen Produkte, die zum Hotelkonzept passen. Die Nachfrage nach Tryvertising ist aber stark vorhanden. Silvia Affolter, Geschäftsführerin des Hotelfernsehkanals Cityguidetv, wird von Firmen regelmässig um Produktplatzierungen angefragt. Affolter: «Klar, wer sich in einem Top-Hotel positionieren kann, macht in einem exklusiven Umfeld Werbung, und das bei einem kaufkräftigen Publikum.» Dem Schweizer Hotelierverband sind noch keine Tryvertising-Kampagnen bekannt.
Zwar wird nicht im Hotel, dafür im Spital geworben. Bulgari, Hersteller von Luxusartikeln wie Parfum, Schmuck und Handtaschen, konnte in diesem Jahr mit der Privatklinik Hirslanden in Aarau eine Partnerschaft eingehen. Im kommenden Jahr können gutbetuchte Patienten Düfte von Louis Widmer probieren.
Christian Lüscher

Lob und Lohn der Moral

Ethik Der Harbour-Club tagte zum Thema Moral als Wettbewerbsvorteil. Ein Augenschein.

 
Ethik Der Harbour-Club tagte zum Thema Moral als Wettbewerbsvorteil. Ein Augenschein. 
Wenn der Top-Manager 300-mal mehr verdient als ein normaler Angestellter, herrscht Erklärungsbedarf. Erklären müssen so etwas die smarten Ladies und Gentlemen, die abwechselnd als CCOs, Heads of Corporate Communication und – etwa von Christoph Blocher – als «Fassadenreiniger» bezeichnet werden. 50 von dieser Sorte haben sich zum Harbour Club zusammengeschlossen: einem Forum für Führungskräfte, die sich in der traditionellen Verbandsstruktur der Kommunikations- branche nicht mehr zu Hause fühlen; Leute, für welche die Bezeichnungen «Pressesprecher», «PR-Leiter» oder «Sponsoring-Verantwortlicher» zu kurz greifen, weil sie eben Verantwortung für die gesamte Kommunikation ihres Unternehmens tragen.
Diesem hohen Anspruch werden die November-Symposien des HC von Jahr zu Jahr besser gerecht, weil sie eben der Wirklichkeit nicht ausweichen, sondern auch sperrige Themen zulassen. Dieses Jahr lautete die kecke Affiche, die man je nachdem mit Ausruf- oder Fragezeichen versehen konnte: Moral als Wettbewerbsvorteil – Kommunikation im Zeitalter des Wertepluralismus.
Wenn Offenheit, Bereitschaft zur Selbstbefragung und laterales Denken Markenzeichen für gute Kommunikation sind, dann war die Veranstaltung – sie fand im grosszügigen und praktischen räumlichen Rahmen des Fernsehzentrums Zürich-Leutschenbach statt – überdurchschnittlich gut. Sybille Sachs,
Professorin an der Uni Zürich/ HWZ, legte in einer eingängigen Mischung aus Theorie und durch Erfahrung erhärteter Praxis das Fundament, indem sie den Stakeholder-Ansatz gerade aus dem modischen Shareholder-Denken heraus begründete: Ist der Kapitalgeber der einzige Risikoträger? Wohl nicht, denn: «Arbeitnehmer und Lieferanten investieren ebenfalls in die Firmen – in Form von Ideen, Lebenszeit, Wissen.» Sachs wagte eine Rangliste der wichtigsten Stakeholder. Nach den Kunden und Mitarbeitern sind es in absteigender Reihenfolge Shareholder sowie Investoren, Gesellschaft, Regulierungsbehörden, Partner, Regierung, Lieferanten, Politik und Gewerkschaften. Medien stehen bei ihr erst auf Platz 15. Aus ihren Untersuchungen an praktischen (Firmen-) Beispielen resultiert klar: Soziale Verantwortung, politisches Zusammenspiel, Innovationsbereitschaft und andere positive Verhaltensweisen erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit und senken die Unternehmerrisiken.
Wie solche Risiken konkret aussehen können, führte Kaspar Schuler, Geschäftsführer von Greenpeace Schweiz, gleich mit einer fulminanten Präsentation seiner ebenso aufsässigen wie wirksamen Organisation vor. Sie hat sich vorgenommen, «die Welt mit Kinderaugen zu sehen». Ihre Kampagnen – stets medienwirksam visualisiert und inszeniert – dauern von drei Tagen (gegen unlautere Heizöl-Werbung) bis zu acht Jahren (Chemiedeponien im Jura). Die Mittel von Greenpeace sind Druck von unten, Mobilisierung von (vor allem pensionierten) Whistleblowers, aber auch von strategischen Stellen, beispielsweise Auditors, denen es mulmig wird. Der Erfolg ist messbar. Novartis hat soeben 200 Millionen in eine Altlasten-Stiftung einbezahlt.
Ulrich Gygi, CEO der Post, stellte anhand des Wandlungsprozesses seines Unternehmens vom Monopolbetrieb zum Wettbewerbsteilnehmer die Werte vor, die er in seiner «inneren Mission» von den Mitarbeitenden forderte: Glaubwürdigkeit, unternehmerischer Geist, Partnerschaftlichkeit. Von ihm stammte auch das Bonmot des Tages: «Wir müssen lernen, uns im Wandel wohlzufühlen.»
Dass der Wandel zum sozial verantwortlichen, offenen Handeln, nicht bloss zum Reden darüber, Widerstand hervorruft und Widersprüche aufdeckt, kam in den vier Workshops klar zum Ausdruck. Sie waren hervorragend vorbereitet und – wie die ausgeglichenen Teilnehmerzahlen bewiesen – sehr gut auf die spezifischen Interessen der zahlenden Teilnehmer abgestimmt.
Felix Wehrle, Kommunikationsleiter Coop und Erfinder der Naturaplan-Idee, zeigte detailliert, wie aus der grünen Vision von 1990 eine Massenbewegung für Bio-Ernährung und fairen Handel entstand, der heute 50 Prozent der Coop-Kunden regelmässig überzeugt. Ueli Haldimann, Chefredaktor des Fernsehens DRS, führte an aktuellen Beispielen (FC Thun) vor, wie medienethisch relevante Entscheide unter Zeitdruck entstehen. Hans-Ulrich Märki (IBM Europe) zeichnete das Riesenprojekt nach, in einem globalen Konzern mit 360’000 Mitarbeitenden in 160 Ländern ein gemeinsames neues Wertesystem zu etablieren, und Reto Ringger, CEO der SAM-Group, lieferte eine brillante Einführung in die Welt der nachhaltigen Anlagen und Anlageprodukte.
Das abschliessende Podium, geleitet von René Lüchinger, erfreute sich der zusätzlichen Beiträge von Pater Lukas Niederberger vom Lasalle-Haus sowie Rechtsanwalt Valentin Landmann. Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre und Rolf Schläpfer (Roche) brachen das Tagesthema auf ihre jeweilige Unternehmenswirklichkeit herunter: Auf das Medienunternehmen mit Service- Public-Auftrag und auf den mit Wertefragen täglich konfrontierten globalen Pharmakonzern.
Es war ein prall gefüllter Tag mit nachdenkenswerten Themen, plausiblen Fallbeispielen und offenkundigem Nutzen für die über 120 Teilnehmenden.
Karl Lüönd

Aufgefallen: Cicero auf den Spuren von Style

Magazine Mit einer «etwas umständlichen Ausrede» hat der Verlag von Cicero in den vergangenen Tagen ausgewählte Leserinnen und Leser aus ihrem Zielpublikum um die Zustellung eines Fotos gebeten. Jetzt ist das Geheimnis dieser Anfragen gelüftet worden.

 
Magazine Mit einer «etwas umständlichen Ausrede» hat der Verlag von Cicero in den vergangenen Tagen ausgewählte Leserinnen und Leser aus ihrem Zielpublikum um die Zustellung eines Fotos gebeten. 
Jetzt ist das Geheimnis dieser Anfragen gelüftet worden. Für den Monat Dezember ist das «Magazin für politische Kultur» mit 160’000 individuellen Titelseiten auf den Markt gekommen. Die einzigartige Jahresendausgabe erscheint damit erstmals mit einem Foto-Cover. Dazu sind aber in einem gigantischen logistischen Aufwand nicht nur 50 Millionen verschiedene Reuters «Bilder des Jahres» platziert worden, sondern auch die Fotos von 20’000 Persönlichkeiten. Diese dürfen sich nun über ihr eigenes Konterfei auf dem Cover von Cicero freuen, wie wenn sie ein Casting von SI Style gewonnen hätten. Nur natürlich etwas seriöser drein schauender. (pan)

Leserbrief: Unseren Kunden hat es noch nie genützt

LeserbriefAntwort auf den Leserbrief von Walter Merz, Werbewoche 41/07 vom 15. November.

 
Leserbrief Antwort auf den Leserbrief von Walter Merz, Werbewoche 41/07 vom 15. November.  
Lieber BSW, ich verstehe, dass Ihr wegen des Austritts der TBWA\ aus dem BSW und wegen der Direktheit der Begründung etwas ungehalten reagiert. Doch wir sitzen nun mal nicht mehr im selben Boot. Und einen neuen Kurs haben wir auch eingeschlagen. Das wird nun ein paar Tage dauern, und dann haben wir uns aus der Ferne wieder lieb. Einen der vielen kleinen Seitenhiebe möchte ich jedoch nicht unkommentiert lassen, weil er nicht nur TBWA\ angeht:
Das Ranking: Ich habe die zum Zeitpunkt des Interviews einzig gültige Position für TBWA\ erwähnt. Top 5. Anno 2002. Dass der BSW tatsächlich beabsichtigt, ein derart unkomplettes Ranking zu veröffentlichen (über ein Drittel der Agenturen haben nicht mitgemacht, darunter die beiden grössten Netzwerke), hätte ich nie erwartet. Reiner Zufall übrigens, dass es ausgerechnet in derselben Nummer der Werbewoche erschien. Eine unvollständige Liste aus 36 Agenturen, mit zum Teil konsolidierten und in (mir bekannten) Einzelfällen massiv manipulierten Zahlen zu veröffentlichen, kann nicht dem Anspruch der Leading Agencies entsprechen. Reine Grösse hat im Übrigen kaum Aussagekraft und erzählt nichts über die wahren Ressourcen einer Unternehmung. Das Ranking diente dem BSW schon immer nur zu einem Zweck: Die Agenturen sollen ihre Revenues soweit wie möglich nach oben schrauben, damit der BSW höhere, umsatzabhängige Beiträge geltend machen kann. Deshalb habt Ihr ja hartnäckig darauf bestanden, dass möglichst viele mitmachen. Dass 22 BSW-Agenturen (darunter auch Sarbanes-Oxley-Unbetroffene) ihre Zahlen dazu nicht hergeben, kann ja auch bedeuten, dass sie viel mehr Umsatz gemacht haben, aber nicht mehr Beiträge auf den Tisch legen möchten. Wir werden es wohl nie erfahren, denn TBWA\ misst sich künftig definitiv nicht mehr mit BSW-Agenturen. Weil es unseren Kunden noch nie genützt hat.
Andy Hostettler, CEO, TBWA\ Switzerland

Publicis schickte Landjugend ans Heavy-Metal-Konzert

Die Zürcher Agentur Publicis sorgte mit einer Guerilla-Aktion im Zürcher Volkshaus für Verblüffung unter den Heavy-Metal-Fans: Eine Gruppe von ländlichen Jugendlichen in stalltauglichen Kleidern verteilte Postkarten für den PostShop.

Die Zürcher Agentur Publicis sorgte mit einer Guerilla-Aktion im Zürcher Volkshaus sorgte für Verblüffung unter den Heavy-Metal-Fans. Eine Gruppe von ländlichen Jugendlichen in stalltauglichen Kleidern mischte sich unter das mehrheitlich schwarz gewandete, gepiercte und tätowierte Publikum am Apocalyptica-Konzert. Statt der üblichen Flyer verteilten die Hinterwäldler urchige Postkarten aus dem Muotathal. Darauf war zu lesen, dass es Tickets vom Ticketcorner für dieses Konzert auch im hintersten Schweizer Dorf zu kaufen gab – nämlich in der Post im PostShop. Die eingefleischten Fans haben gemäss Mitteilung mit viel Humor auf die Aktion reagiert. Die Aktion unterstützte die Kampagne von Publicis für das Ticketcorner-Sortiment an den Verkaufsstellen des PostShops. Sie kommuniziert das neue Angebot direkt in der Kernzielgruppe sowie bei Fachjournalisten, die über Musik, Stars und Konzerte berichten.
Verantwortlich bei PostShop:
Andreas Etter, Angela Hächler (Marketing-Kommunikation). Verantwortlich bei Publicis: Philipp Skrabal (CD), Roy Spring (Text), Denis Schwarz (AD), Simone Platz (Grafik), Tamara Gysi (Fitting), Marion Marxer, Deborah Herzig und Bojana Taraba (Beratung).

Schaffhausen und Basel gegen Polit-Spots

Schaffhausen und Basel-Stadt haben sich gegen das Begehren der Staatspolitischen Kommission, Parteien und Abstimmungskomitees kostenlose Sendezeit in Fernsehen und Radio zu garantieren. Die Kommission will damit mehr Fairness in eidgenössischen Abstimmungen erreichen.

 
Die Regierungen der Kantone Schaffhausen und Basel-Stadt haben sich in der Vernehmlassung gegen das Begehren der Staatspolitischen Kommission des Nationalrates ausgesprochen, Parteien und Abstimmungskomitees kostenlose Sendezeit in Fernsehen und Radio zu garantieren. Die Kommission will mit der Parlamentarischen Initiative mehr Fairness im Wahl- und Abstimmungskampf erreichen, wie die SDA mitteilte. Die Kantone müssen bis am 30. November ihre Antworten einreichen.Die Schaffhauser Regierung schrieb, das Anliegen sei an sich begrüssenswert, aber Fairness in Abstimmungskämpfen könne kaum gesetzlich festgeschrieben werden. Parteien und Komitees stünden in Diskussionssendungen der elektronischen Medien genügend geeignete Plattformen zur Verfügung, um ihre Argumente darzulegen. Die Stimmberechtigten wiederum seien mündig genug, allenfalls überdimensionierte oder unfaire Abstimmungskampagnen richtig einzuordnen.
Die Basler Regierung begrüsst das Begehren nach mehr Fairness ebenfalls, räumt aber ein, dass das im Vorentwurf vorgeschlagene Instrumentarium nicht geeignet sei. Sie sieht keine überzeugenden Gründe dafür, das Verbot politischer Werbung an Radio und im Fernsehen bereits wieder aufzuweichen. Zudem würde auch ein Ungleichgewicht zwischen finanzstärkeren und –schwächeren Parteien entstehen, denn die Werbespots müssten von den Parteien selbst bezahlt werden. Mit mehr Geld könnten auch wirksamere Spots produziert werden.

Google ermöglicht Handy-Werbung in der Schweiz

Seit Dienstag ist es auch in der Schweiz möglich, auf Googles Handy-Suchseite Werbung zu schalten. Google betrachtet mobile Geräte als die zentralen Informationsgeräte der Zukunft.

 
Seit Dienstag ist es auch in der Schweiz möglich, auf Googles Handy-Suchseite Werbung zu schalten: Text-basierte Werbebotschaften erscheinen auf dem Mobiltelefon, sobald eine Internet-Suchanfrage über Google gestartet wird. Die sogenannten Mobile Ads verfügen über dieselben Grundfunktionen wie die Text Ads beim Zugang auf Google via PC. Allerdings ist die Anzahl Zeichen beschränkt, wie es in der Miteilung vom Dienstag heisst. Google betrachtet mobile Geräte als die zentralen Informationsgeräte der Zukunft. Gemäss Rikard Steiber, Produktmarketing-Direktor bei Google EMEA, gibt es bereits jetzt weltweit mehr mobile Geräte als PCs und TV-Geräte zusammengenommen.Die als Werbung gekennzeichneten Anzeigen erscheinen bei den Suchergebnissen auf dem Handy am oberen und unteren Ende der Seite. Die Anwender können über den Textlink zu einer Handy-tauglichen Webseite gelangen oder aber es wird eine Telefonnummer angezeigt, über welche die beworbenen Dienste in Anspruch genommen werden können. Anzeigekunden können handy-taugliche Webseiten gratis generieren, indem sie Googles Adwords Business-Seiten für den Mobile-Ads-Service nutzen. Auch können Botschaften zeitlich gesteuert werden, so dass der Anwender die Seiten beispielsweise nur während der Geschäftszeiten zu sehen bekommt. Registrierte Anzeigenkunden erhalten zudem einen Zugang zu AdWords.

Adlink vermarktet neues Portal des Zürcher Oberländer

Per 1. Dezember 2007 wird die Online-Plattform der beiden Tageszeitungen Zürcher Oberländer und Anzeiger von Uster neu lanciert, was auch den Start eines Web-TV beinhaltet. Adlink wird exklusiver Vermarkter und sieht den Neuzugang als ideale Ergänzung.

 
Der Zürcher Oberländer liftet seine Webseite, Adlink Media vermarktet sie. Die Goldbach-Media-Tochter sieht den Neuzugang als ideale Ergänzung. Die attraktive Zielgruppe aus der wirtschaftsstarken Region Zürcher Oberland stelle eine optimale Ergänzung des Adlink-Netzwerkes hinsichtlich Quantität und Qualität dar, so Martin Radelfinger, Geschäftsleiter von Adlink Media in einer Mitteilung. Per 1. Dezember 2007 wird die Online-Plattform der beiden Tageszeitungen Zürcher Oberländer und Anzeiger von Uster neu lanciert, was auch den Start eines Web-TV beinhaltet. Ab dann ist ein Zugriff auf alle Nachrichten kostenlos. Die aktuellen Ausgaben der beiden Tageszeitungen stehen dem Nutzer in Form eines E-Papers als vergünstigtes Abo und den Zeitungsabonnenten kostenlos zur Verfügung.

Gewerkschaft kritisiert Ringier wegen Stellenabbau

Die Mediengewerkschaft Comedia äussert in einer Mitteilung Kritik an der Ankündigung Ringiers, Stellen bei der Blick-Gruppe abzubauen. Es sei bedauerlich, dass Ringier beim Personal spare, statt in die Mitarbeitenden zu investieren und damit journalistische Qualität zu gewährleisten, findet die Gewerkschaft.

 Die Mediengewerkschaft Comedia äussert in einer Mitteilung Kritik an der Ankündigung Ringiers, Stellen bei der Blick-Gruppe abzubauen. Nach dem Aus für die Wirtschaftszeitung Cash sei dies «die zweite Hiobsbotschaft in diesem Jahr aus dem Hause Ringier», schreibt Comedia. Es sei bedauerlich, dass Ringier beim Personal spare, statt in die Mitarbeitenden zu investieren und damit journalistische Qualität zu gewährleisten. Die Gewerkschaft fordert den Ringier-Verlag auf, allen betroffenen Mitarbeitenden eine gleichwertige Stelle innerhalb des Medienhauses anzubieten. Wo dies nicht möglich sei, brauche es einen Sozialplan. Comedia will das Personal und ihre Vertretung bei den Sozialplanverhandlungen unterstützen.

JWT+H+F bringt Mädels für 105TV zum Kreischen

Seit der Lancierung des Web-Fernsehens 105TV am 28. September 2007 betreut die Zürcher Werbeagentur JWT+H+F diesen neusten Coup von Medienunternehmer Giuseppe Scaglione. Jetzt heisst es, möglichst viele Nutzer vor den Bildschirm zu locken.

Seit der Lancierung des Web-Fernsehens 105TV am 28. September 2007 betreut die Zürcher Werbeagentur JWT+H+F diesen neusten Coup von Medienunternehmer Giuseppe Scaglione. Basis sei nicht nur die reine Entwicklung von Werbemassnahmen, sondern ein permanenter Austausch von Know-how, heisst es in einem Communiqué der Agentur. Erste Arbeiten von JWT+H+F für 105TV waren das Einladungsinserat sowie VIP-Einladungskarten für die Lancierungsparty im Zürcher Hauptbahnhof. Jetzt heisst es, möglichst viele Nutzer vor den Bildschirm zu locken. Bei 105TV kann der Zuschauer aber auch zum Star werden: Man muss lediglich sein Video auf die Site laden und sich vom Publikum bewerten lassen. Den siegreichen Nutzern winkt der Gewinn eines Autos. Die anderen kriegen viele verrückte Fans.
Verantwortlich bei 105TV:
Giuseppe Scaglione (Geschäftsführer). Verantwortlich bei JWT+H+F, Zürich: Mike Krüll (Creative Direction), Isa McInnes (Art Direction), Franco Elsener (Beratung).

JvM/Limmat inszeniert den Fahrplanwechsel für die SBB

Per 9. Dezember ändert der SBB-Fahrplan mit der Folge, dass verschiedene Destinationen ein gutes Stück näher rücken. Jung von Matt/Limmat dramatisiert den Kundenvorteil mit drei Sujets.

 
Per 9. Dezember ändert der SBB-Fahrplan mit der Folge, dass verschiedene Destinationen ein gutes Stück näher rücken. So verkürzt sich etwa die Reisezeit von Zürich nach Paris um gute eineinhalb Stunden, von Basel ist man eine knappe halbe Stunde schneller im Berner Oberland und von Bern ins Wallis spart man runde 80 Minuten. Jung von Matt/Limmat dramatisiert den Kundenvorteil mit drei Sujets. Gezeigt werden die topographischen Auswirkungen des Fahrplanwechsels. Der Landschaftsteppich zwischen Paris und Zürich wird ganz einfach zusammen geschoben. Gigantische Wellen formen sich zwischen Basel und dem in die unmittelbare Nachbarschaft gerückten Berner Oberland, und selbst die Bundeshauptstadt liegt nur mehr ein paar Wagenlängen vom Matterhorn entfernt.Verantwortlich bei den Schweizerischen Bundesbahnen SBB:

Reto Meissner (Gesamtverantwortung) und Sabine Walther (Projektleitung).Verantwortlich bei Jung von Matt/Limmat:
Alexander Jaggy (CD), Lukas Frei (AD), Livio Dainese (Text), Fabian Röthlisberger, Simone Jehle und Jonas Brändli (Beratung), Didi Knall (Art Buying) und John Hollander (3D-Illustration).

«Die Haltung beim Blick wird offener werden»

Die Blick-Gruppe streicht Stellen, will aber gleichzeitig mehr investieren. Blick-Chefredaktor Bernhard Weissberg gibt Auskunft über Sparmassnahmen, inhaltliche Verlagerungen und die unvoreingenommene politische Haltung, die der neue Blick pflegen will.

Die Blick-Gruppe streicht Stellen, will aber gleichzeitig mehr investieren. Blick-Chefredaktor Bernhard Weissberg gibt Auskunft über Sparmassnahmen, inhaltliche Verlagerungen und die unvoreingenommene politische Haltung, die der neue Blick pflegen will. Werbewoche: Die Blick-Gruppe baut Stellen ab. Wieso ist dieser Abbau nötig? Bernhard Weissberg: Einerseits streichen wir Stellen im Bereich des Back Office. Hier holen wir teilweise nach, was in der Vergangenheit versäumt wurde. Daneben sparen wir quasi voraussehend auf das neue Konzept: Was und damit wen brauchen wir in Zukunft noch, was und wen nicht. Die Mediengewerkschaft Comedia kritisiert, dass beim Personal gespart wird, statt in die journalistische Qualität zu investieren. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf? Wir sparen nicht nur beim Personal, sondern haben bis anhin rundum geschaut, wo Einsparungen möglich sind. Irgendwann muss man dann auch beim Personal ansetzen. Die Gleichung, dass mehr Geld auch höherer journalistischer Qualität entspreche, stimmt in meinen Augen ausserdem nicht zwangsläufig.
Sie informierten die Betroffenen erst, nachdem der Gesamtredaktion und der Öffentlichkeit schon mitgeteilt wurde, dass es zu einem Stellenabbau kommt. Wieso? Egal, ob man zuerst die Öffentlichkeit oder die Betroffenen informiert: Beide Wege haben Nachteile. Wir haben uns dafür entschieden, zuerst mit der Redaktion als Ganzes zu sprechen. Andernfalls wissen die gekündigten Mitarbeiter bei der Gesamtorientierung schon, dass sie betroffen sind, was für sie eine unangenehme Situation erzeugt.
Wie viele Leute sind denn beim Blick nach dem Abbau noch beschäftigt? In der Hauptredaktion rund 70, beim Sportteil sind es heute gegen 50 Leute.
Gleichzeitig mit dem Stellenabbau kündigte Ringier aber auch an, dass man weiter investieren wolle und beispielsweise den Umfang beim Blick heraufsetzen wird. Das ist doch ein Widerspruch. Zum einen streichen wir nicht nur Stellen, sondern holen auch neue Leute. Es wird eine Verlagerung geben innerhalb der Ressorts. Zum anderen ist das Problem nicht, dass wir zuwenig Leute und folglich zu wenig Geschichten haben. Ich habe im Gegenteil zu viel Geschichten und zu wenig Platz dafür.
Dann braucht es also mehr Anzeigen? Mehr Anzeigen wären immer schön, darüber freut sich jeder. Dem Blick geht es aber nicht so schlecht, wie manche Konkurrenten das gerne hätten. Wir verdienen immer noch gutes Geld, wenn auch nicht mehr so viel wie früher.
Steht der Stellenabbau in Zusammenhang mit dem geplanten integrierten Newsroom für Online und Print, den Ringier für den Blick angekündigt hat? Nein.
Wie gestalten Sie diesen Newsroom? Steht hier Axel Springer Pate? Das Projekt eines integrierten Newsrooms wird erst gestartet. Springer steht hier nicht Pate, aber natürlich haben wir uns die wenigen bis jetzt umgesetzten Projekte für einen sogenannten «integrated Newsroom» in Skandinavien, England und den USA angeschaut. Über die Details kann ich jetzt noch nichts sagen.
Sie sagen, Sie wollen auch neue Leute an Bord holen, weil eine inhaltliche Verlagerung erfolgt. Wie soll die aussehen? Die ganzen Massnahmen stehen in Zusammenhang mit dem neuen Blick, den wir im März lancieren. Es wird Verlagerungen innerhalb der Ressorts geben, dafür benötige ich Leute, die für die neuen Gefässe geeignet sind. Beispielsweise Reporter, die auch mal eine längere Reportage schreiben können. Es verhält sich hier wie im Privaten: Will man an einem Ort mehr investieren, muss man an anderswo sparen.
Wohin soll sich denn der neue Blick entwickeln? Er soll weiterhin spannend und nahe am Geschehen sein. Insgesamt soll der Blick mehr Schwerpunkte setzen, «magaziniger» werden.
Das heisst? Weniger Krimskrams, also weniger kleine Textlein, mehr Schwerpunkte, grosszügigere Bilder, längere Texte. Unsere Leserschaftsforschung hat ergeben, dass längere Texte auch bei den Blick-Lesern mehr geschätzt werden als Kurzfutter. Als der Blick vor 48 Jahren startete, schrieb er die kürzesten Artikel überhaupt. Mittlerweile sind Gratiszeitungen und Online-Angebote auf dem Markt, die auch kurze Texte bringen. Die Lage hat sich also geändert.
Wie sieht es denn mit der politischen Ausrichtung beim neuen Blick aus, kommt es zu einem Kurswechsel? Ich will, dass meine Leute mit offenen Augen und Neugier an die Geschichten gehen. Die Meinung zu einem Thema soll nicht schon gefasst sein, wenn sie sich an einen Artikel setzen. Die Haltung beim Blick wird offener werden. Es sollen vermehrt unterschiedliche Meinungen zum Zuge kommen.
Dann wird der Blick zu einer Weltwoche im Tagesformat? Nun, die Weltwoche lässt ja nicht viele verschiedene Meinungen gelten. Der Blick wird im Vergleich zu ihr sicherlich offener bleiben. Aber unsere Redaktoren sollen unvoreingenommen an die Geschichten herangehen.
Am Dienstag gab die SDA bekannt, dass künftig der Blick und der Sonntagsblick wieder zu ihren Kunden gehören. Ging es beim Blick nicht ohne SDA? Es hat Vor- und Nachteile, kein Abonnement der SDA zu haben. Wir hätten weiterhin ohne SDA leben können, so ist es aber einfacher, vor allem für unsere Kollegen bei heute und den Radios, die regionale News gut gebrauchen können. Zudem wollen wir uns solidarisch zeigen mit den anderen Schweizer Medienhäusern. Sonst kaufen die Österreicher am Schluss auch noch die SDA auf (lacht).
Interview: Carole Scheidegger

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