TV-Zeitschriften
Axel Springer positioniert TV-Star und Tele neu, um Schweizer Illustrierte und Schweizer Familie zu konkurrenzieren.
Als Axel Springer Schweiz vor fünf Monaten Ringiers TV-Zeitschriften Tele, TV2 und TVvier übernahm, kündigte das Unternehmen, das schon die Hefte TV-Star und TV Digital im Portfolio hatte, eine Neupositionierung seiner Programmzeitschriften-Palette an. Davon wurden bisher erst die (zum Teil massiven) Tarifreduktionen per 2008 sichtbar: TV Digital senkte seinen Preis für 1/1-Seite vierfarbig um 67 Prozent, TV2 ging um 17 Prozent zurück, TV-Star um 1 Prozent und Tele um 0,2 Prozent. Einzig TVvier blieb beim heutigen Preis. Entgegen den Erwartungen der Branche stellte jedoch Axel Springer keine Titel ein. Manche vermuteten, der Konzern lege Tele und TV-Star zusammen oder stelle das offensichtlich unrentable TV2 ein, das dieses Jahr mit nur einer Inserateseite pro Ausgabe auskommen musste. Diesen Spekulationen tritt jetzt Jörg Tobuschat, seit drei Monaten Verlagsgeschäftsführer TV-Zeitschriften bei Axel Springer Schweiz, mit aller Deutlichkeit entgegen: «Es wird kein Titel vom Markt genommen noch werden Titel zusammengelegt», sagt er. Klar ist auch: Das Herzstück jedes Titels bleibt das TV-Programm.
Tobuschats zweite Botschaft betrifft die Wochentitel Tele und TV-Star. Bisher waren beide inhaltlich stark auf People ausgerichtet und jagten sich gegenseitig Primeurs ab. Doch mit der Konkurrenz ist es nun vorbei, denn die beiden zielen neu auf unterschiedliche Lesersegmente. TV-Star, schon heute mit leicht höherem Leserinnenanteil, soll noch weiblicher werden, sagt Tobuschat. Dazu erfährt das Heft punkto Layout demnächst einige Anpassungen. Inhaltlich aber pflegt TV-Star weiterhin den Promi-Fokus: Im Zentrum des Interesses stehen weiterhin Schweizer TV-Moderatorinnen, Regisseure und Filmschauspielerinnen, zudem programmliche Veränderungen insbesondere beim Schweizer Fernsehen sowie Hintergrundgeschichten zu wichtigen TV-Ereignissen.
Tele hingegen erhält ein ganz neues Konzept. Die Familienzeitschrift mit Schwerpunkt TV und Kino soll künftig thematisch viel breiter fahren. Promis kommen zwar weiterhin vor, neu stehen aber Themen ausgehend vom aktuellen TV-Wochenprogramm im Vordergrund. Wenn zum Beispiel Sendungen oder Dokumentationen über Vulkane, Euro 08, Zinsen auf Privatkonti oder Tiger ins Auge stechen, dann wird die Tele-Redaktion zu diesen Themen Hintergrundberichte liefern, gegebenenfalls in Kooperation mit dem betreffenden Sender. «Im Grunde kann man so alle Themen anbieten, denn das TV-Programm ist so vielfältig wie das Leben selbst», sagt Tobuschat. Gleichzeitig bietet das Konzept auch die Möglichkeit, feste Ressorts einzurichten, etwa Gesundheit, Auto, Natur oder Technik. «Das wiederum schafft interessante Umfelder für Werbetreibende», erklärt Tobuschat. Letzteres ist bitter nötig, denn die Programmzeitschriften in der Deutschschweiz sind (im Gegensatz etwa zu jenen in der Romandie) keine Goldgrube. Tele zum Beispiel hat seit 2004 rund die Hälfte des damaligen Anzeigenvolumens verloren, Tendenz weiter sinkend.
Themenwahl nach GutdünkenWelche Ressorts bei Tele eingerichtet werden, steht noch nicht fest. «Wir werden das neue Konzept im ersten Halbjahr 2008 sukzessive einführen», sagt Tobuschat. Vorerst werde die Redaktion nach eigenem Gutdünken die Themenauswahl treffen, künftig aber wird mittels Marktforschung eruiert, ob man die Interessen der Leser auch wirklich trifft. Interessant dabei und ein Novum: Ein und dieselbe Redaktion wird die Inhalte für Tele und TVStar, aber auch für die andern drei Hefte aufbereiten. Publizistischer Gesamtleiter wird der bisherige TV-Star-Chefredaktor Gion Stecher. Dennoch behält Tele seinen eigenen Chefredaktor: Urs Padel, bisher stellvertretender Redaktionsleiter beim ehemaligen Ringier-Titel, kümmert sich um jene Crew, die ausschliesslich für Tele arbeitet.
Drei Dinge sind es, die Tobuschat die Gewissheit geben, dass das Tele-Neukonzept aufgehen könnte. Zum einen erhielt er von Kundenseite positive Reaktionen. Zweitens funktioniert das deutsche Programmheft Hörzu, das er bis vor kurzem bei Axel Springer Deutschland betreut hatte, genau nach demselben Muster. Drittens machte TV-Star seit 2006 Versuche in eine ähnliche Richtung – mit der Lancierung von Beauty- und Autobeilagen. Gemäss Anzeigenleiter Patrick Knecht waren diese Beilagen im Markt erfolgreich. «Nun werden sie zwar bei TV-Star eingestellt – thematisch aber bei Tele integriert», sagt Knecht, der neu alle fünf TV-Zeitschriften betreut.
Über den Zaun fressenKlar ist: Als Titel, der stärker auf TV- und Film-Promis fokussiert, tritt TV-Star künftig Ringiers Schweizer Illustrierte (SI) vermehrt ins Gärtchen. Tele hingegen dürfte punkto Machart und thematischer Breite eher bei Tamedias Schweizer Familie (SF) über den Zaun fressen. «Diese beiden Titel wollen wir tatsächlich etwas ärgern», bestätigt Tobuschat. Das gilt auch im Anzeigenmarkt. Denn künftig bietet Axel Springer Schweiz seine Programm-Guides im Kombi an: Wer nach freier Wahl zwei der Titel bucht, erhält 10 Prozent Rabatt auf die entsprechenden Einzeltarife, wer drei Titel belegt, erhält 12,5 Prozent, und wer alle fünf schaltet, erhält 15 Prozent. Mit Tele und TV-Star zusammen bekommt man also eine grössere Reichweite als bei SI oder der Schweizer Familie, und zwar zu einem Tausendleserpreis von 25,96 Franken, gut ein Franken günstiger als bei der SI. Knecht wird deshalb nächstes Jahr vor allem die Kombivermarktung in den Vordergrund stellen. Sein Hauptargument: Wer alle fünf Titel bucht, spricht rund 1,2 Millionen TV-affine Personen an, die sich trotz TV-Programm in Tageszeitungen und Gratiszeitungen zusätzlich eine abonnierte Programmzeitschrift leisten wollen und können. Mit dem Paket lässt sich also jeder vierte Deutschschweizer ansprechen – zu einem TLP von 29,25 Franken.
Was geschieht aber mit TVvier, TV2 und TVDigital? Auch diese werden fit getrimmt. Bei TVvier will Tobuschat am wenigsten ändern. «Immerhin ist das Heft am Kiosk die bestverkaufte Programmzeitschrift, mit steigender Tendenz», sagt er. Bei TV2 und TVDigital hingegen gibt es einiges zu tun. «Wir haben viele Optionen, doch entschieden haben wir noch nichts», sagt er.
Markus Knöpfli