Den Filmern fehlen die Worte

Fernsehen In den USA zwingt der Autorenstreik die etablierten TV-Sender in die Defensive. Bereits fordern Werbekunden tiefere Preise.

 
Fernsehen In den USA zwingt der Autorenstreik die etablierten TV-Sender in die Defensive. 
Amerikas Film- und Fernsehautoren streiken. Sie fordern von den Medienunternehmen einen Anteil von 2,5 Prozent an den Einnahmen, die durch den Vertrieb von TV-Serien und Spielfilmen über das Internet und andere digitale Plattformen generiert werden. Seit dem 1. November stehen Streikposten vor den Gebäuden der grossen Medienhäuser in New York und Los Angeles – und ein Ende ist nicht in Sicht. «Es geht um die Zukunft des Vertriebes von Inhalten», sagt Max Frye, Mitglied der Writers Guild of America (WGA), der schon für alle grossen Hollywoodstudios gearbeitet hat. «In zehn Jahren gibt sich kein Mensch mehr mit DVDs ab.»Rund 50 TV-Serien und immer mehr Filmproduktionen, darunter «24» und «Desperate Housewives», sind vom Streik betroffen. Die Protestaktion begann wenige Wochen, nachdem im amerikanischen Fernsehen die TV-Herbstsaison mit ihren neuen Serien begonnen hatte. Die meisten neu produzierten TV-Folgen sind inzwischen gesendet, und die Renaissance billiger Reality-Serien von «Big Brother» bis hin zu Donald Trumps «Celebrity Apprentice» hat auf praktisch allen Kanälen begonnen.
Viele Werbekunden fordern mittlerweile eine Senkung der Werbepreise – in den USA oft die einflussreichste Kraft auf die TV-Manager. Doch angesichts der Knappheit qualitativ hochwertiger Ware bleibt ihnen nichts anderes übrig, als für diese Sendungen noch mehr zu bezahlen als zuvor. «Die Marketer kaufen TV-Werbung», sagt Fred Dubin, Direktor für Branded Entertainment bei der Media-Agentur Mediaedge. «Wenn keine Serien zur Verfügung stehen, dann kaufen sie eben ewas anderes. Es herrscht Business as usual.» Der Trend kommt vor allem der Hitshow «American Idol» auf Fox zu Gute, die ein Massenpublikum von rund 30 Millionen Zuschauern verbucht und es Fox derzeit ermöglicht, Spitzenpreise von bis zu einer Million Dollar pro 30-Sekunden Spot zu verlangen. Ein Spot in einem Drama wie «Grey’s Anatomy» verbucht durchschnittlich 250000 bis 450000 Dollar.
Doch die TV-Netzwerke kommen allmählich in Bedrängnis. NBC verbuchte allein durch den Ausfall der Golden-Globes-Feier Verluste von 10 bis 15 Millionen Dollar, und ob ABC wiederum 80 Millionen Dollar für die Oscars scheffeln wird wie im letzten Jahr, ist mehr als fraglich. Schon im Dezember lagen die durchschnittlichen Primetime-Einschaltquoten der Networks elf Prozent niedriger als im Vorjahr.
Branchenbeobachter halten es für wahrscheinlich, dass die so genannten Upfronts in diesem Jahr gar nicht stattfinden werden. Bei den Upfronts stellen die TV-Sender jedes Jahr im Mai ihre neuen Serien vor, um die Marketer zu bewegen, so viel Werbezeit wie möglich im Voraus zu buchen. «Den Werbekunden gefällt die Idee, dass das übliche Rennen um die besten Werbemöglichkeiten ausfällt», sagt Dom Serafini, Chefredaktor der Zeitschrift Videoage International. «Das bedeutet weniger horrende Preise pro Werbespot.» Die Sender nahmen bei den Upfronts 2007 insgesamt 9,2 Milliarden Dollar ein.
Was der WGA Kopfschmerzen bereitet: Durch den Streik müssen Tausende von anderen Produktionsangestellten wie etwa Friseure, Beleuchter oder Setdesigner Arbeitsausfälle hinnehmen, ohne dafür entschädigt zu werden. In Los Angeles, wo ein Grossteil der TV-Serien produziert wird, sind dies allein 15’000 Beschäftigte. Nach Angaben der Los Angeles Economic Development Corporation hat der Streik die Filmstadt bisher 1,4 Milliarden Dollar an Verdienstausfällen gekostet. Damit beginnt der diesjährige Streik weitaus grössere Dimensionen anzunehmen als die letzte Arbeitsniederlegung der Autoren im Jahr 1988. Damals streikte die Gewerkschaft fünf Monate lang, was der Filmindustrie Verluste von 500 Millionen Dollar einbrachte.
Neue Hoffnung auf ein Ende des Autorenstreiks kam kürzlich durch die Directors Guild of America (DGA): Die gewerkschaftlich organisierten Regisseure, die mit einem ähnlichen Streik wegen der gleichen Fragen drohten, kamen zu einer vorläufigen Einigung mit den Filmstudios. Die WGA will prüfen, ob die Vereinbarung auch für sie gelten könnte, allerdings gilt die DGA als weitaus kompromissfreudiger als die WGA. Sollten beide Gewerkschaften zu einer Einigung mit den Studios kommen, dürfte auch ein Streik der Schauspieler, der für diesen Sommer angekündigt ist, obsolet werden. Wenn nicht, so stellen sich viele der Beteiligten auf eine lange Eiszeit ein.
Gerti Schön, New York

Schallende Ohrfeige für Kall & Co.

Zustellung In Sachen Zuvo bekommen Tamedia und NZZ Konkurrenz von Ringier und von der Post.

Zustellung In Sachen Zuvo bekommen Tamedia und NZZ Konkurrenz von Ringier und von der Post. 
Als der Ringier-Konzern am 17. Januar vermeldete, er habe die Schweizerische Post ab März mit der Frühzustellung des Blick in grösseren Städten beauftragt, wurde dies fast kommentarlos zur Kenntnis genommen. Dabei birgt die Meldung Erstaunliches. Zum Beispiel dies: Die Post hat in der Deutschschweiz keinen Agglo-abdeckenden Frühzustelldienst für die anspruchsvolle adressierte Verteilung. Ihre 50-Prozent-Tochter Direct Mail Company (DMC), die sich seit September bemüht, die Gratiszeitung .ch frühmorgens zu verteilen, ist ausschliesslich in der einfacheren unadressierten Distribution tätig. Die Post muss also extra für den Blick eine eigene Zustellorganisation aufbauen. Quasi flächendeckend. Sie hat dafür im Dezember die Firma Postmail AG gegründet.In Bern allerdings muss sie nicht bei Null beginnen. Denn dort hat die Post bereits eine weitere 50-Prozent-Tochter namens Bevo, die sowohl in der adressierten Frühzustellung (u. a. Berner Zeitung, Bund, Tages-Anzeiger, NZZ) als auch in der Tagzustellung tätig ist.
Geflecht von BeteiligungenDoch die Bevo hat einen Haken: Deren zweite Hälfte gehört dem Zürcher Medienkonzern Tamedia, der mit der NZZ die Frühzustellorganisation Zuvo betreibt. Im Bereich adressierte Frühzustellung von Zeitungen ist die Zuvo die Nummer eins – und zusammen mit ihren Partnern, an denen sie zum Teil beteiligt ist, deckt sie fast die ganze Deutschschweiz ab.
Es dürfte deshalb an der Zürcher Werdstrasse und im Bevo-VR ziemlich gekracht haben, als Ringier und die Post das Zuvo-unabhängige Blick-Frühzustellprojekt kommunizierten. Noch selten ist der Zuvo ein so dicker Fisch entwischt.
So war es nicht verwunderlich, als Tamedia und NZZ nur vier Tage später mitteilten, dass sie ihrerseits die Zustellung ausbauen, womöglich die Bevo mit der Zuvo zusammen führen und dabei auch «das Verhältnis zur Schweizer Post klären» wollen. Wobei «Klärung» in diesem Fall wohl Trennung und erbitterte Konkurrenz bedeutet. Und falls die Post die Bevo nicht «freiwillig» verlässt, sind die Verlage am längeren Hebel: Sie kündigen der Bevo einfach alle Zustellaufträge und übertragen diese einer neu zu eröffnenden Zuvo-Filiale.
Somit ist klar: Die beiden Logistik-Verlautbarungen haben einen Zusammenhang. Mit den höheren Posttaxen, mit denen sie vielerorts in Verbindung gebracht wurden, haben sie hingegen nichts zu tun.
Ringiers Korb an die ZuvoEine Frage bleibt: Weshalb gab Ringier der bewährten Zuvo einen Korb und wählte die Frühzustell-Anfängerin Post als Vertriebspartnerin? Ringier-Sprecher Marco Castellanetas Antwort: «Uns ist es egal, wer es macht. Aber die Post hat uns überzeugt – mit ihrem neuen Angebot ebenso wie in der Vergangenheit: Sie war immer zuverlässig. Deshalb bleiben wir bei der Post.»
Was Castellaneta nicht sagt: Die Zuvo war aus Ringier-Sicht nicht immer zuverlässig. Qualitativ gab es zwar kaum etwas auszusetzen, doch die Art und Weise, wie vorab Tamedia mit Ringier umsprang, nahm den Herren an der Dufourstrasse die Lust auf eine weitere Zusammenarbeit. Beispiele: Die Zuvo durfte den SonntagsBlick erst in den sonntäglichen Frühzustelldienst aufnehmen, als auch Zuvo-Teilhaber NZZ sein Sonntagsblatt lancierte. Als sich dann Ringier bei der Zuvo beteiligen und mitreden wollte, war es wiederum Tamedia, die abwinkte. Das Fass zum Überlaufen brachte die überraschende Kündigung der SoBli-Frühzustellung per Ende 2007. Ringier-intern vermutete man, dass die Zuvo, die zwecks besserer Auslastung seit einigen Monaten auch Zeitschriften vertreibt, es auf die grossauflagigen Ringier-Periodika abgesehen hatte und so auf Ringier Druck ausüben wollte.
Doch diese Rechnung ging nicht auf. Zwar beliess Ringier den SoBli bei der Zuvo (wohl mangels Alternativen), doch den Blick vertraut man nun der Post an. Und auch bei den Zeitschriften machte Ringier keine Zugeständnisse: Sie verbleiben ebenfalls beim Gelben Riesen. Wegen seines grossen Gesamtpakets kommt dies Ringier wohl günstiger, als wenn der Verlag das Volumen aufgeteilt hätte.
Tamedias Schuss ging also nach hinten los. Deren Geschäftsgebaren trieb Ringier ausgerechnet in die Arme des grossen Konkurrenten Post, gegen die Martin Kall und Jürg Brauchli so gerne eine Alternative Tagzustellorganisation (AZO) aufbauen würden. Ringiers Ausscheren hat diesem Projekt nun aber einen Dämpfer verpasst. Und der Post zum Start in die adressierte Frühzustellung verholfen.
Markus Knöpfli

Verwirrspiele im Ruzicka-Prozess

Justiz In Wiesbaden begann die Hauptverhandlung um den ehemaligen Aegis-Media-Geschäftsführer Aleksander Ruzicka. Aegis Media gerät dabei zunehmend selber in ein schiefes Licht.

 
Justiz In Wiesbaden begann die Hauptverhandlung um den Ex-Aegis-Media-CEO Aleksander Ruzicka. Aegis Media gerät dabei zunehmend selber in ein schiefes Licht.
 
Die Hauptverhandlung am Landgericht Wiesbaden begann am 15. Januar mit der Verlesung der Anklage. Sie umfasste nicht mehr 167, sondern nur noch 60 Seiten. Staatsanwalt Wolf Jördens verlas die Anklage während zwei Stunden. Die Kernfrage des Prozesses lautet: Stehen Freispots, welche die TV-Sender den Kunden der Media-Agenturen gewähren, im Eigentum der Kunden oder der Agentur? Die Ankläger gehen davon aus, dass «Freespace der Agentur Aegis Media zuzuordnen ist». Die Anklage meint weiter, dass Aegis Media mit diesen Freispots «100 Prozent Gewinn hätte machen müssen». Dieser sei ihr durch das Vorgehen der Angeklagten entzogen worden. Alle Gelder seien zu den Firmen Camaco, Watson, Life 2 Solutions und Ortago und damit in die Privatsphäre der Angeklagten geflossen. In jedem der 86 angeklagten Fälle sei dies «ohne ersichtlichen Rechtsgrund» geschehen. Die Mehrzahl der vermeintlichen Straftaten wurde zudem nach dem 5. Juli 2005 begangen, dem Zeitpunkt also, seit dem der Staatsanwalt und die einzig mögliche geschädigte Partei Aegis Media vom angeblich kriminellen Vorgehen Ruzickas detailliert Kenntnis hatten.
Verteidigung fordert Aussetzung des VerfahrensRuzickas Verteidiger Marcus Traut brachte nach Verlesung der Anklage einen Antrag auf Aussetzung des Verfahrens ein. Die Staatsanwaltschaft habe vor der Eröffnung der Hauptverhandlung dem Gericht und der Verteidigung Einblick in wesentliche Unterlagen vorenthalten. Eine Verteidigung seines Mandanten als auch eine objektive Wahrheitsfindung durch das Gericht seien daher nicht möglich. So seien die Zeugen Reinhard Zoffel (ehem. GF ZHP) und Aegis-Media- CEO Andreas Bölte erst kürzlich vernommen worden, und die entsprechenden Ergebnisse seien nicht in den Akten.
Aegis-CEO gilt für die Anklage als BeschuldigterDies ist von besonderer Brisanz, da der Nachfolger von Ruzicka, Aegis- Media-CEO Andreas Bölte von der Staatsanwaltschaft als Beschuldigter und nicht mehr nur als Zeuge geführt wird. Um beurteilen zu können, ob die Geldflüsse tatsächlich «ohne ersichtlichen Rechtsgrund» erfolgt sind, wie die Anklage in jedem der 86 Fälle behauptet, fordert Verteidiger Traut die Beischaffung von Kundenbetreuungsverträgen, Geschäftsbesorgungsverträgen, Mediaplänen, Vertragsunterlagen mit den TV-Sendern, Share-Verträge, Business-Pläne und Bilanzen von Aegis Media der Jahre 2002 bis 2006.
Staatsanwalt Wolf Jördens replizierte am betreffenden Verhandlungstag, der Antrag der Verteidigung sei abzuweisen, da die angeforderten Dokumente keine Relevanz im Strafverfahren gegen Aleksander Ruzicka hätten. Umgekehrt ist die Staatsanwaltschaft einem richterlichen Beschluss noch nicht nachgekommen, nämlich die Akten gegen den Beschuldigten Aegis-Media- CEO Andreas Bölte dem Gericht vorzulegen. Laut Staatsanwalt Jördens habe Aegis Media erklärt, dass die angeforderten Kundenbetreuungsverträge, Geschäftsbesorgungsverträge, Mediapläne etc. gar nicht existierten. Minuten später präsentierte Jördens dem Richter und den verdutzten Zuhörern jedoch zwei Vertragsdummys (Zitat) entsprechender Verträge (zwischen Carat und der Werbeagentur ZHP einerseits und der Firma Camaco mit der Barter-Firma Emerson FF andererseits), die ihm von Aegis Media während der laufenden Verhandlung übergeben worden sind. Diese seien aber nie zur Unterschrift gekommen. Damit räumt Aegis-Media-CEO Andreas Bölte erneut ein, dass man bei Aegis Media natürlich Kenntnis von Ruzickas angeblicher Schein- und Tarnfirma Camaco hatte. Im September 2006 hatte er das bestritten.
Staatsanwaltschaft verlangt AufschubStaatsanwalt Jördens erbat sich eine weitere Woche, um vorhandene Akten dem Gericht zu übergeben. Das Gericht wird über den Antrag «zeitnah» entscheiden. Die schwer unter Druck geratene Staatsanwaltschaft Wiesbaden versucht demnach, soviel Zeit zu gewinnen, bis die Wahl des Hessischen Landtages am 27. Januar beendet ist. Aegis Media wehrt sich mit Händen und Füssen gegen die Situation, in die sie sich selbst nach der gegen den eigenen CEO Ruzicka lancierten Anzeige vom 5. Juli 2005 gebracht hat.
Da die Staatsanwaltschaft Wiesbaden bei den Hausdurchsuchungen am 12. September 2006 das vom Richter verlangte Material nicht sichergestellt hat, wird dessen Existenz nun bestritten. Es ist schwer nachvollziehbar, dass Aegis Media Kunden wie die Werbeagentur ZHP betreut hat, ohne dafür einen Geschäftsbesorgungsvertrag zu schliessen. Zudem ist Aegis Media in der peinlichen Situation, erneut einen CEO an der Spitze zu haben, dem kriminelle Handlungen als Beschuldigtem in einem Ermittlungsverfahren vorgeworfen werden – das nach dem Beschluss des Richters vom 10. Januar nun Teil des «Ruzicka-Prozesses» geworden ist.
Ruzickas Firmen seit Jahren im Dienst von Aegis Media?Inzwischen verdichten sich bei Recherchen die Erkenntnisse, dass Ruzickas Firmen Watson und Camaco bei Aegis Media nicht nur bekannt waren, sondern deren Dienste jahrelang aktiv in Anspruch genommen wurden. Von leitenden Aegis-Managern wie CEO Andreas Bölte bis hin zu Mitgliedern der Konzernleitung in London. Aegis Media schweigt dazu. Kein Kommentar.
Einzig der Schweizer CEO von Aegis Media, Andy Lehmann, äussert sich. Er ist in der komfortablen Lage, dass das Vertragsverhältnis zwischen Kunden, Media-Agentur und Medien in der Schweiz ein anderes ist als in Deutschland oder Österreich. Das verkleinert den Spielraum für Deals, Kickbacks und Freispots erheblich. Dem Kommunikationsdienst persoenlich.com sagte Lehmann kürzlich: «Freespace in jeglicher Form gehört ganz klar dem Kunden. Wie dies in der täglichen Praxis gehandhabt wird, ist in den Verträgen mit unseren Kunden geregelt.»
Grosskunden ziehen ihre Etats abWährend Andy Lehmann erkannt hat, dass mit dem Thema bei Aegis Media im Interesse von Kunden und Mitarbeitern tatsächlich pro-aktiv umgegangen werden muss, schweigt sich Andreas Bölte beharrlich aus. Konsequenz daraus: Erste Grosskunden ziehen ihre Etats von Carat Deutschland ab. So zum Beispiel die 10 Media-Millionen des Kunden Pit Stop. Pikant daran: Spots des Dienstleisters sind namentlich in der Anklage erwähnt. Auch die ausgerechnet in Wiesbaden ansässige R&V Versicherung hat ihren Etat von Carat Wiesbaden zu OMD Hamburg vergeben. Beide Unternehmen dementieren auf Nachfrage einen Zusammenhang mit der Affäre rund um Aegis Media.
Es wird immer deutlicher, dass es hier nicht um das «Fehlverhalten Einzelner» geht, wie Andreas Bölte in einer Aussendung im September 2006 Glauben machen wollte. Bölte hat die Öffentlichkeit wohl mehrfach belogen. Aegis Media, und damit er selber als CEO, hatte bereits im Jahre 2005 Kenntnis der fraglichen Firmen: Camaco ist in der skurrilen Anzeige als Basis des Strafverfahrens mehrfach erwähnt. Die Dienste der Firma Watson hat Carat jahrelang aktiv genutzt. Persönliche Nachfragen am Kreuzberger Ring in Wiesbaden, im Aegis Media Headquarter Zentraleuropa, enden für Journalisten mit einem Rauswurf: Kein Kommentar.
Der Vorsitzende Richter Jürgen Bonk, der eloquent und souverän die Hektik und Aufregung im Vorfeld des Verfahrens aus der Hauptverhandlung genommen hatte, vertagte die Verhandlung.
Michael Ziesmann, Wiesbaden

«Packen wir das neue Jahr» 

Verpackungsindustrie Das Neujahrsgespräch des Schweizerischen Verpackungsinstituts SVI hat Tradition. Die Branchenprognosen für 2008 sind gut.

 
Verpackungsindustrie Das Neujahrsgespräch des Schweizerischen Verpackungsinstituts SVI hat Tradition. Die Branchenprognosen für 2008 sind gut. 
Mit einem weltweiten jährlichen Zuwachs von durchschnittlich 4,5 Prozent gehört die Verpackungsindustrie klar zu den Wachstumsbranchen. In der Schweiz beschäftigt sie in rund 280 Betrieben –mehrheitlich KMU – an die 20’000 Mitarbeitende und erwirtschaftet einen Umsatz von über 6 Milliarden Schweizer Franken. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Verpackungsmaterialien liegt hier zu Lande bei etwas über 700 Franken pro Jahr. Damit befindet sich die Schweiz im europäischen Vergleich in der Spitzengruppe. Claude R. Cornaz, Präsident des Schweizerischen Verpackungsinstituts SVI und CEO der Vetropack Holding, zog für 2007 eine positive Bilanz. «Die Mehrzahl der Unternehmen war gut ausgelastet und konnte in einem gesättigten  Schweizer Markt die Umsätze steigern.» Auch für die kommenden Monate erwartet Cornaz einen guten Geschäftsgang. Den Herstellern machen jedoch die hohen Energie- und Rohstoffpreise zu schaffen, die sich nur teilweise durch Effizienzsteigerungen auffangen lassen. «In nächster Zeit werden weitere Preisanpassungen unumgänglich sein», sagte er.Positivliste sorgt für UnmutIm Dachverband der Industrie, dem Schweizerischen Verpackungsinstitut SVI, sind über 220 Betriebe organisiert. Als ein wesentliches Verbandsziel will Geschäftsführer Wolfgang Durrer für 2008 die Stärkung der Mitgliederbasis und die Aus- und Weiterbildung in der Branche vorantreiben.
So wurde zum Beispiel neu ein 20-tägiger Kurs mit dem Abschluss zum Packaging Process Manager konzipiert. Zu den Hauptaufgaben des SVI gehört auch das politische Lobbying, das derzeit besonders gefragt ist. Eine der Problemstellungen, mit denen sich das SVI bereits seit einiger Zeit auseinandersetzen muss, ist die Verordnung des EDI über Bedarfsgegenstände und dort die geplanten Änderungen im Bereich Verpackungsdruck unter Federführung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Massiv negative und bisher noch gar nicht
absehbare Auswirkungen auf die Schweizer Druck- und Verpackungsindustrie dürfte dabei die geplante Positivliste für Druckfarben für Lebensmittelverpackungen haben, weil damit nur noch 20 Prozent der bisherigen Farben- und Farbkomponenten zur Verwendung zugelassen sind.
Die vom Verband der Schweizerischen Lack- und Farbenfabrikanten (VSLF) und dem SVI angestossenen Bemühungen haben im Verbund mit weiteren Organisationen dazu geführt, dass die vom BAG beabsichtigten Einschränkungen im Bereich Druckfarben und Verpackungsdruck per 1. Januar 2007 nicht in Kraft getreten sind. Die so genannte Positivliste für Druckfarben war somit nicht Bestandteil der auf Anfang 2007 in Kraft getretenen Änderungen im Lebensmittelrecht. Ob und in welcher Form das BAG auf Anfang 2008 diese Regelung, die im Übrigen ein Alleingang der Schweiz ist, einführen wird, ist derzeit offen. «Trotz intensiver Lobby-Arbeit und erneut starkem Abwehkampf ist der aktuelle Stand der Dinge  unklar», erklärte Durrer.
Erfolgreiche FamilienfirmaMit der in Volketswil ansässigen Wipf-Gruppe präsentierte das SVI wiederum eine seiner innovativen Mitgliedfirmen. Das bald 100-jährige Familienunternehmen wird heute in dritter Generation von Christian Wipf geleitet. Es beschäftigt an mehreren Produktionsstandorten, hauptsächlich in der Schweiz und Österreich, 600 Mitarbeitende, davon 200 in Volketswil. Die Unternehmen der Wipf-Gruppe operieren in zwei Sparten. So produziert die Wipf AG flexible Verpackungen, die Seetal Elco AG stellt Briefumschläge, Schreibwaren sowie Blöcke her und bietet Direktwerbe-Lösungen an. Der Gesamtumsatz von rund 203 Millionen Schweizer Franken verteilt sich hälftig auf beide Sparten. Hauptumsatzträger für flexible Verpackungen ist mit 42 Prozent die Schweiz, gefolgt von Deutschland und Österreich mit 22 und 13 Prozent. Für ihre Produkte wurde die Wipf AG regelmässig mit bedeutenden nationalen und internationalen Verpackungspreisen ausgezeichnet. So erhielt sie erst kürzlich für den neuen Standbeutel Ecovel, der zu 96 Prozent aus Bio-Materialien besteht, den Swiss Star und den World Star. Bio-Verbundfolien sind eine ökologische Alternative zu erdölbasierten Kunststoffen und eignen sich im vorliegenden Fall vor allem für trockene oder leicht feuchte Füllgüter wie Kaffee, Instant-Produkte, Tee, gefriergetrocknete Lebensmittel usw.
Von der Folie bis zum BeutelUnter dem Begriff flexible Verpackungen produziert die Wipf AG Verpackungsfolien aus Kunststoffen mit Aluminiumfolie oder anderen Sperrschichten. Alles, was heute mit hochdichten Verpackungsfolien umhüllt ist, kann seinen Ursprung in Volketswil haben. Das sind beispielsweise Beutel für Rösti, Müesli, Reis und Biskuits, Katzen- und Hundefutter, Medizinalprodukte oder Produkte für den Non-Food-Bereich. »Beutel für den Steril-Bereich mit Barriere sind unsere Stärke«, sagt Christian Wipf. Zu den Kunden gehören Grossunternehmen wie Nestlé, Kraft Food, Migros und Coop. Von der Erzeugung und Veredelung der Verpackungsfolien, über die Beutelherstellung bis zur Ausgusseinsiegelung läuft die Fertigung über alle Stufen bei Wipf inhouse. Dazu zählt auch das Bedrucken der Verpackungen im Tief- oder Flexodruck mit bis zu zehn Farben. Für die Beutelherstellung mit den modernsten Convenience-Hilfen stehen insgesamt 16 Anlagen mit jährlichen Kapazitäten von an die 800 Millionen Stück zur Verfügung. Der Kunde kann dabei zwischen Siegelrandbeutel, Standbeutel oder Seitenfaltenbeutel sowie unterschiedlichen Formen und Formaten auswählen. Je nach Beutelart kommen verschiedene Öffnungs- und Verschlusshilfen wie Laserperforation, Easy Peel oder Zipperverschluss zum Einsatz.
Aromaschutz- und Überdruckventile, die unter der Marke Wicovalve®  produziert werden, sind eine weitere Spezialität des Hauses. 400 Millionen Stück werden davon jährlich produziert. Sie finden sich bei Produkten wie Kaffee, Sauerkraut, Soja, Teig, pasteurisierten Fertiggerichten sowie beim Dream-Steam-Schnellgarsystem, das für die Mikrowelle eingesetzt wird. Im Labor wird zudem jede neue Verpackungsversion bis zum Äussersten geprüft: auf Lesbarkeit des EAN-Codes, Farbhaftung, Restmittel, Siegelnahtfestigkeit, Verbundhaftung, Berstdruck.
Christian Wipf ist überzeugt, dass dem Unternehmen auch künftig die Arbeit nicht ausgehen wird. Denn mit einem Wachstum von 10 bis 15 Prozent gehört der Standbeutel weiterhin zu den Gewinnern im Verpackungsmarkt. Mit seinem geringen Gewicht und Volumen verdrängt er zunehmend Packmittel wie Glas und Stahlblech und etabliert sich in deren bisher angestammten Bereichen.
Sabine Flachsmann
Schweizerisches Verpackungsinstitut SVIDachverband der Schweizerischen Verpackungsindustrie. Mitglieder: 220 Betriebe der Verpackungswirtschaft. Zu den Hauptaufgaben des Verbandes zählen ein umfassendes Ausbildungsprogramm, Öffentlichkeitsarbeit, Lobbying sowie die jährliche Verleihung des international bekannten Verpackungspreises Swiss Star.
www.svi-verpackung.chWipf-GruppeInternational tätiges Familienunternehmen mit Produktionsschwerpunkten in zwei Sparten: flexible Verpackungen sowie Briefumschläge und Direktwerbelösungen. Zur Holding gehören die Wipf AG in Volketswil, die Wipf AG Austria GmbH in Marchtrenk, Österreich, die Seetal Elco AG in Brugg sowie die Eurobloc SAS in St. Amarin, Frankreich. Die Gruppe beschäftigt 600 Mitarbeitende und erwirtschaftet einen Umsatz von 203 Mio. Schweizer Franken.
www.wipf.ch

Die Treue der Piraten

Aufgefallen Der offizielle Start ist erst am 17. März. Doch bereits heute sendet Radio 1 auf 93,0 MHz in Zürich ein Testprogramm.

Radio Der offizielle Start ist erst am 17. März. Doch bereits heute sendet Radio 1 auf 93,0 MHz in Zürich ein Testprogramm. Die eingespielten Songs haben es in sich, so wie man das von einem Programm «nur für Erwachsene» erwartet. Aufgefallen ist uns auch die Eigenwerbung. Ob Christian Heeb aus Basel, Daniel Ambühl, Röbi Koller oder Ursi Spaltenstein: Alle ehemaligen Weggefährten von Roger Schawinski wünschen ihm mit ehrlicher Stimme viel Glück bei seinem neuen Projekt. In einer Medienwelt, wo sonst eine Durchschnittszeit von zwei Stunden gilt, in der leitende Mitarbeiter bei den bald zum Alltag gehörenden «Umstrukturierungen» ihre Büros räumen müssen, ist eine solche Treue zum alten Chef absolut nicht mehr normal. Aber beim Macher von Radio 1 war eben schon früher auch die Firmenkultur in seinen diversen Unternehmungen etwas «nur für Erwachsene». (pan)  

Zu guter Letzt: StudiVZ als StasiVZ verunglimpft

Ein mit einer «Scream»-Maske vermummter Rapper greift auf einem Musikvideo der Marke Eigenbau bei Youtube die Studentenplattform StudiVZ an, weil sie die Benutzerprofile vermarkten will. Gleichzeitig wirbt er für eine Alternative namens Kaioo.de. «Der Krieg hat begonnen, kommt alle zu Kaioo». Bei StudiVZ ist man nicht amüsiert.

 
Offenbar ist die Wut unter den erbosten StudiVZ-Benutzern wegen den Vermarktungsplänen des StudiVZ-Besitzers Holtzbrinck noch nicht verraucht. Auf Youtube ist ein Video aufgetaucht, auf dem ein unbekannter (und künstlerisch offenbar am Anfang stehender) Rapper im T-Shirt mit «StasiVZ»-Aufdruck  Stimmung gegen das Studentenportal macht. Der mit einer «Scream»-Maske vermummte Jugendliche vergleicht die Vermarktung persönlicher Daten und die Preisgabe der Privatsphäre durch StudiVZ mit Stasimethoden. Denen gilt es sich zu entziehen, wie er mantrenhaft immer wieder singt: «Mein Profil, meine Gruppe, meine Fotos, meine Freunde, meine Hobbys, meine Daten sind weg. Meine Gedanken, mein Herz, mein Leben, meine Welt steht nicht mehr im VZ.» Gleichzeitig werben er und die zweite Person im Video für die Alternative Kaioo.de. Kaioo.de ist eine im Entstehen begriffene Netzwerkplattform, die nach eigenen Angaben alle Werbeeinnahmen gemeinnützigen Organisationen spenden will. Wegen Verdacht auf unlautere Werbung überlegt sich StudiVZ nun rechtliche Schritte einzuleiten. «Wir prüfen dies», so ein Sprecher zu Wuv.de. Kaioo-Geschäftsführer Thomas Kreye hingegen beteuert, die Entstehung des Videos habe mit seinem Unternehmen nichts zu tun. Da scheint sich Kreye mit dem StasiVZ-Rapper einig zu sein, wenn dieser singt: «Ehrlisch, so was unterschtütz isch nischt.»

Wemf-Inseratestatistik 2007: Ein Viertel mehr Stelleninserate

Die gute Wirtschaftslage hat in der Schweiz 2007 zu prallen Stellenanzeigern geführt. Auch die kommerziellen Anzeigen verzeichneten ein Umsatzplus. Die Bilanz der verschiedenen Zeitungsgattungen zeigt hingegen ein uneinheitliches Bild.

 
Bei einem Blick auf die seit Mittwoch vorliegende Inseratestatistik der Wemf AG für Werbemedienforschung fällt vor allem eines auf: Die gute Wirtschaftslage hat in der Schweiz 2007 zu prallen Stellenanzeigern geführt. Die verkauften Tages- und regionalen Wochenzeitungen konnten ihre Erlöse in dieser Sparte um 24,6 Prozent erhöhen. Aber auch der Bereich kommerzielle Anzeigen hat zugelegt: Nach einem leichten Rückgang im Jahr 2006 verzeichnete er ein Umsatzplus von 4,8 Prozent. Insgesamt stiegen die Inserateeinnahmen in verkauften Tages- und regionalen Wochenzeitungen damit um 8,5 Prozent und so wieder etwas stärker als im Vorjahr.Die Bilanz bezüglich Inserateeinnahmen der verschiedenen Zeitungsgattungen zeigt ein uneinheitliches Bild: Die Sonntagspresse sowie die Finanz- und Wirtschaftstitel legten mit 8,9 Prozent beziehungsweise 8,7 Prozent ähnlich stark zu. Das Plus bei der Publikumspresse betrug 6,7 Prozent. Die Inserate in Fachzeitschriften gingen bezüglich Volumen um 5,7 Prozent zurück, in Spezialzeitschriften um 6,8 Prozent. Die Gratiszeitungen (Tages- und regionale Wochenpresse) haben beim Inseratevolumen um 12,7 Prozent zugelegt. Aus technischen Gründen werden die Gratiszeitungen nicht nach Umsatz erhoben, wie die Wemf auf Anfrage der SDA erklärte. Die beiden Neulinge in der Deutschschweiz – News und .ch – sind in der Volumenstatistik noch nicht mitgezählt.

Werber des Jahres: Der Film

An der diesjährigen Verleihung zum Werber des Jahres wurden alle sechs Nominierten per Film vorgestellt. Laden Sie sich hier den Clip herunter.

Am Mittwoch vergangener Woche hat die Branche Pius Walker zum diesjährigen Werber des Jahres gekürt. Bevor ihm Sven Epiney den Egon überreichte, wurden alle sechs Nominierten per Film vorgestellt, und zwar in der Casting-Sendung «Superwerber». Vor den gestrengen Augen des dreifachen Jurymitglieds Claudio Zuccolini mussten die Kandidaten Aufgaben lösen und Fragen beantworten. In den Hauptrollen: Peter Brönnimann, Markus Gut, Valentina Herrmann, Pedro Simko, Pius Walker und Andreas Widmer. Drehbuch und Regie stammen von Andreas Panzeri, dem stellvertretenden Chefredaktor der Werbewoche. Möglich wurde der Film mit Unterstützung von Condor Films. Schauen Sie sich den Clip an:

Fotos von der Egon-Verleihung gibt es
zu sehen. Unterwegs an der Sause waren auch die Leute von Action TV. Sie haben sich mit den Besuchern unterhalten und die Verleihung auf Band gebannt. Ihre Sendung finden Sie .

Ein rundum kompetenter Ratgeber

Druck Unter Printadvice fasst Man Roland neu alle Beratungsleistungen für Bogen- und Rollenkunden zusammen.

 
Druck Unter Printadvice fasst Man Roland neu alle Beratungsleistungen für Bogen- und Rollenkunden zusammen. 
Man Roland möchte Kunden mit Printadvice gebündeltes Beratungswissen und langjährige Erfahrung rund um den Druckprozess bieten und mit einem differenzierten und umfassenden Beratungsangebot die Wettbewerbsfähigkeit von Man-Roland-Kunden in Zukunft noch mehr stärken. Ein sinnvolles Ziel, denn das Druckgeschäft wird für Anwender wie für Hersteller immer komplexer. Der Zugang zu qualifizierter Information ist für Druckunternehmen ein entscheidender Erfolgsfaktor. Printadvice zeigt Druckereien Potenziale auf und unterstützt sie wirkungsvoll in ihrer strategischen Planung. Man Roland will mit diesem Leistungsangebot ausserdem den Anspruch als einer der Branchenführer in Sachen Print untermauern. Die Marke Printadvice transportiert diese Kompetenz und verankert sie fest im Markt.
Inhaltlich werden viele Angebote und Aufgaben von Printadvice bereits heute vom Tochterunternehmen Eurografica Systemplanungs GmbH erbracht. In der bestehenden Markenfamilie Printvalue bündelt Man Roland mit Printservice, Printcom, Printnet und Printadvice das gesamte Know-how des etablierten Unternehmens rund um die Druckmaschine und bietet ihren Kunden damit einen entscheidenden Mehrwert von der Systemevaluation bis zur produktiven Performance. www.man-roland.de
Sabine Flachsmann

Flugs sind wir Europameister

Euro 08 Euro RSCG Dialog & Digital realisiert für Swiss Airlines eine Kampagne für Fussballfans.

 
Euro 08 Euro RSCG Dialog & Digital realisiert für Swiss Airlines eine Kampagne für Fussballfans. 
Das grosse Fussballfest in Österreich und der Schweiz wird nicht nur die Emotionen hochgehen lassen, sondern soll auch der Swiss im Sommer mehr Aufwind bringen. Nicht nur zum weltweiten Einfliegen der Fans, sondern auch zwischen den Stadien in Wien und Zürich will sich die Swiss deshalb rund um die Euro 08 als «Airline for all fans» anpreisen. Bereits ist ein von Köbi Kuhn getaufter «Hopp Schwiiz»-Flieger der Swiss in ganz Europa unterwegs. Dazu lässt die Lufthansa-Tochter seit Mitte Januar in Genf, Basel und Zürich je ein «Fantram» durch die Städte gondeln. Die Strassenbahn ist mit jubelnden Fussballfans geschmückt. Für die Fotos haben sich Mitarbeitende der Swiss zur Verfügung gestellt und in Fan-Outfits der teilnehmenden Fussballnationen vor der Kamera posiert. Die Swiss fliegt schliesslich alle Länder an, die sich für die Endrunde qualifiziert haben. Die drei Fantrams wurden werbewirksam vom Stapel gelassen. In Zürich stand Stadtpräsident Elmar Ledergerber Pate, das Basler «Drämmli» wurde vom Basler Regierungsrat Ralph Lewin getauft.Die Trams sind von Euro RSCG Dialog & Digital gestaltet worden. Die Agentur ist verantwortlich für alle Massnahmen im Bereich Direktmarketing und Below-the-Line der Swiss. «Euro RSCG Dialog & Digital ist die offizielle Agentur der Swiss Airlines und arbeitet bereits seit einigen Monaten im Bereich Dialog für die Swiss», präzisiert Frank Bodin. Das Mandat geht somit unabhängig weiter – auch nach dem Pitch, der jetzt für das klassische Budget der Swiss ausgeschrieben ist. Hier wird die bisherige Agentur Jung von Matt/Limmat noch bis im März «mit voller Schubkraft» arbeiten, wie CD Alexander Jaggy erklärt.  
 
Andreas Panzeri

Kopf der Woche: Die Macherin

Christa Löpfe hat mit ihrer Einfrau-Agentur für Medienprojekte eine ideale Balance zwischen Herausforderung und Freude an der Arbeit gefunden.

Christa Löpfe
hat mit ihrer Einfrau-Agentur für Medienprojekte eine ideale Balance zwischen Herausforderung und Freude an der Arbeit gefunden. 
Hat sie es je bereut, bei der Annabelle gekündigt zu haben? Diese Frage musste die ehemalige Chefredaktorin in den letzten drei Jahren unzählige Male über sich ergehen lassen. «Vor allem Kollegen haben ziemlich verständnislos reagiert. Niemand wollte glauben, dass man eine solche Position aus freien Stücken aufgibt», sinniert Christa Löpfe.Um die Antwort vorweg zu nehmen: Nein, sie hat es nicht bereut. Und: Die Aussteigerin ist heute wieder voll im Geschäft. Soeben hat sie für Toyota ein neues Kundenmagazin konzipiert.
Löpfe hat sich den Entscheid damals, bei der Annabelle auszusteigen, nicht leicht gemacht. Der Prozess dauerte ein halbes Jahr. «Ich war ziemlich zerrissen, denn die Annabelle war mein Kind und die Redaktion meine Familie. So etwas verlässt man nicht von heute auf morgen.» Aber sie wollte «tabula rasa». Zuerst die Scheidung friedlich durchziehen. Dann die Kündigung. Schliesslich noch die Wohnung verkaufen. Und dann auf eine grosse Weltreise?
«Nein. Ich hasse es, zu reisen. Meine Abenteuer erlebe ich im Kopf», meint sie. So wurde aus ihrem Aufbruch schliesslich eine Reise zu sich selbst. «Dafür wollte ich mir Zeit nehmen. Und es hat sich gelohnt.»
Fast zwei Jahre lang hat Christa Löpfe diese Suche genossen. Gelegentlich auch durchlitten. Plötzlich gab es ganz viele Möglichkeiten.  Aber keines der mehreren Jobangebote hat sie überzeugend gelockt. Sie merkte, dass sie gewisse Sachen nicht mehr erträgt. Wie zum Beispiel gewisse Manager. Sie lacht. In diesem Sinn sei sie Martin Kall «extrem dankbar» für ihren neuen Weg. «Obwohl es eigentlich gar nie zu meinem Lebensplan gehörte, dass ich einmal selbstständig werde.»
Was hat ihr als Angestellte nicht mehr gefallen?
«Ich kam mir vor wie eine Tanne, die man in die Wüste versetzt hat, oder eine Palme, die man auf 3000 Meter haben will. Es ist nichts falsch an der Wüste und auch nichts falsch an 3000 Meter. Aber es passt einfach nicht zusammen.» Christa Löpfe merkte, dass sie in dieser neuen Kultur, die Martin Kall bei der Tamedia eingeführt hat, «nicht leben will».
Als Chefredaktorin hat sie bei der Annabelle einen Turnaround erreicht, nachdem das Magazin jahrelang in den roten Zahlen dümpelte. Innerhalb eines Jahres hat Löpfe schwarze Zahlen geschrieben und das fünf Jahre lang halten können. Das hat unter dem damaligen Konzernchef Michel Favre natürlich ein Vertrauensverhältnis ergeben. «Das hat mir später gefehlt. Denn Vertrauen ist unabdingbar in einem solchen Job.» In einem Klima des Misstrauens und der Kontrolle kann sie nicht kreativ arbeiten.
Für den Turnaround ist Löpfe «an die Wurzeln der Probleme gegangen». Sie schaffte «ein gutes Fundament» und hat dazu die ganze Redaktions-Infrastruktur geändert, Budgetverantwortung für die Ressortleitenden eingeführt, die Verkaufsorganisation ebenso wie die technischen und redaktionellen Arbeitsabläufe reorganisiert. Dazu wurde die Annabelle «neu konzipiert und aufgegleist». Die zu einem Drittel auch von Männern gern gelesene Frauenzeitschrift hat in Löpfes Zeit erstmals einen Journalistenpreis gewonnen. «Wir sind wieder ernst genommen worden von guten Autorinnen und Autoren.»
Mit solchen Resultaten machte ihr die Arbeit Spass, denn Löpfe war schon immer am liebsten Redaktorin und Managerin gleichzeitig. «Ich brauche viel Spielraum und Entscheidungsfreiheiten. Dafür übernehme ich aber auch die Verantwortung.» So interessierte sich die heutige Spezialistin für Medienprojekte schon immer für den wirtschaftlichen Aspekt und das Organisatorische genau so wie für die Redaktion. «Eines gibt es ohne die anderen beiden nicht.»
Gelernt hat sie das mit einem Lebenslauf, der sie quer durch alle Bereiche der Medien führte.
Christa Löpfe ist im Glarnerland aufgewachsen und zog nach Zürich für die Grafikausbildung an der Kunstgewerbeschule. Drei Jahre arbeitete sie in Werbeagenturen. Dort erreichte sie 1983 ein Angebot aus dem Hause Tages-Anzeiger. Für das neue Magazin Voilà, das sich an junge Frauen richtete, sollte sie die Art Direction übernehmen. Das war zum erstenmal eine leitende Position mit Führungsaufgabe, und Löpfe realisierte: «Das ist meine Welt.»
Nach dem Voilà realisierte sie ihr erstes Neukonzept für den Beobachter. «Alles spannende Zeiten, weil immer etwas im Umbruch war.»
Die nächste Station war die Publishing-Abteilung von Ringier Print. Dort gewann Löpfe die Kundenzeitschrift für Amag. Später wirkte sie für Thomas Trüb am Aufbau verschiedener Projekte in der damaligen Tschechoslowakei mit. Ringier lancierte Blesk, den tschechischen Blick, sowie eine Bilanz.
Löpfe pendelte zwischen Prag und Zürich, wo sie in einem Hinterraum der Redaktion von Cash ihr kleines Büro hatte, «eine Besenkammer hinter dem Empfang». Dafür war sie der Redaktion sehr nahe. Und so hat sich «fast nachbarschaftlich» der Auftrag ergeben, zusammen mit Hanspeter Peyer einen ersten grossen Relaunch von Cash zu erarbeiten.
In der Redaktion sollte Löpfe eigentlich nur das Neukonzept einführen. Aber auf der Redaktion hat es ihr so gut gefallen, dass sie sieben Jahre geblieben ist. Nach wenigen Monaten wurde die Art Directorin in die leitende Redaktion berufen. Sie war jetzt Produktionschefin mit einem Team von 23 Leuten. «Zum erstenmal im Leben hatte ich Budgetverantwortung.» Eine Funktion als Scharnier zwischen Menschen und Aufgaben gibt ihr die grösste Befriedigung.
Toppen konnte sie diese Erfahrung 1999 schliesslich mit der Berufung zur Annabelle.
Eine Zusatzausbildung hat die zur Chefredaktorin mutierte ehemalige Grafikerin nie genossen. «Es war alles learning by doing.» Auch Führungskurse hat die Kaderfrau keine besucht. «Ich hatte viele miserable Chefs, von denen ich vor allem eines lernte: So will ich es nicht machen.»
Als ihr eigener Chef erlaubt sich Christa Löpfe heute, ihre Arbeiten nach drei Kriterien auszusuchen. Erstens muss ein Projekt Freude machen, zweitens Sinn und drittens das nötige Geld bringen. «Ansonsten funktioniere ich, ohne gross zu planen. Ich habe in meinem Leben immer alles auf mich zukommen lassen.» So hat sich auch ihr erster Kontakt mit Toyota durch einen Zufall ergeben. Im letzten Jahr weilte Karl Lüönd in den USA. Deshalb bat er Löpfe, ihn bei einer wichtigen Toyota-Sitzung zu vertreten: Es ging um das 40-Jahre-Jubiläum des Autohauses. An diesem Meeting wurde klar, dass das Jubiläumsbuch «Intelligenz auf Rädern» von Karl Lüönd zwar als Textmanuskript vorlag – das Buch aber innerhalb von nur vier Wochen realisiert werden musste. Löpfe hat das Problem umgehend gelöst und zusammen mit dem AZ Verlag auch noch eine Jubiläumszeitung aus dem Boden gestampft.
Weitere Projekte, die Löpfe umgesetzt hat, sind: Styling-Grundsätze  für die Moderierenden des Schweizer Fernsehens erarbeiten und implementieren, eine Frauenzeitschrift in Vietnam auf Vordermann bringen, den Lifestyle-Teil einer Zeitung mitkonzipieren. Ein weiteres grosses Projekt war die Um- und Neupositionierung der Coop-Zeitung, in das sie als Beraterin involviert war.
Und nun also Toyota: Löpfe obliegt es, das von GD Philipp Rhomberg abgesegnete Neukonzept seines zweimal jährlich erscheinenden Kundenmagazins umzusetzen: Projektleitung, Chefredaktion, Produktion – «Um- und Aufbau» haben Christa Löpfe ja schon immer am meisten Spass gemacht.
Andreas Panzeri

«Alternativen suchen»

Brad Adgate, Direktor beim Medienforschungsinstitut Horizon Media in New York, schildert die Auswirkungen des Streiks auf das Fernsehen. Die Einschaltquoten sinken.

 
Brad Adgate, Direktor beim Medienforschungsinstitut Horizon Media in New York, schildert die Auswirkungen des Streiks auf das Fernsehen. 
WW: Was sind die Auswirkungen des Streiks auf das Netzwerk-Fernsehen?Brad Adgate: Die Netzwerke sehen allmählich den Rückschlag, den der Streik mit sich bringt. Die tieferen Einschaltquoten weisen darauf hin, dass die Zuschauer anfangen, sich nach Alternativen umzuschauen.
Was könnte das sein?Sie schauen sich an, was im Kabelfernsehen läuft, oder leihen mehr Spielfilme bei Netflix aus. Jüngere Medienkonsumenten nutzen verstärkt Online-Angebote wie YouTube und Spiele, aber das ist eine Zielgruppe, die sich ohnehin vom Netzwerk-Fernsehen abwendet.
Könnten sich die Sehgewohnheiten langfristig völlig ändern?Das hängt davon ab, wie lange der Streik dauert. Einige der Reality-Shows sind durchaus passabel und hatten gute Einschaltquoten. Fernsehen ist ein süchtig machendes Medium, es ist schwer, sich ganz davon abzuwenden. Aber mittelfristig ist es dennoch möglich, dass sich die Sehgewohnheiten ändern, vor allem in der Hauptsendezeit.
Interview: Gerti Schön
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