Valora-Verwaltungsrat ohne Agosti

Unternehmer Adriano Agosti ist nicht in den Verwaltungsrat des Kiosk-Konzerns Valora gewählt worden. An der Generalversammlung vom Mittwoch verweigerten ihm die Aktionäre mit 707'599 zu 817'124 Stimmen den Einzug in das Aufsichtsgremium.

 Unternehmer Adriano Agosti ist nicht in den Verwaltungsrat des Kiosk-Konzerns Valora gewählt worden. An der Generalversammlung vom Mittwoch verweigerten ihm die Aktionäre mit 707’599 zu 817’124 Stimmen den Einzug in das Aufsichtsgremium und wählten stattdessen die von der Valora-Führung vorgeschlagenen Rolando Benedick und Markus Fiechter. Der monatelange Machtkampf (siehe auch ), dem bereits Verwaltungsratspräsident Fritz Ammann zum Opfer fiel, ist damit entschieden. Die Führung des Konzerns hat gegen die Investorengruppe um Agosti schlussendlich die Oberhand behalten.Spürbar gross waren die Vorbehalte gegen Aktionär Agosti, der über ein Aktienpaket von gut vier Prozent verfügt. Unter anderem wurde gegen ihn vorgebracht, seine Forderungen seien angesichts seiner geringen Beteiligung übertrieben. Es gebe zudem einen möglichen Interessenskonflikt, weil Agosti auch Fondsverwalter sei.

Freispruch für Star-TV-Chef in Pornografie-Prozess

Das Zürcher Obergericht hat Paul Grau, den Geschäftsführer des Privatsenders Star TV, vom Vorwurf der Pornografie umfassend freigesprochen. Der Fall drehte sich um Sex-Angebote auf Handys. Start TV hat aber lediglich Sendezeit für Werbung gegen Entgelt zur Verfügung gestellt, schreibt das Gericht.

 Das Zürcher Obergericht hat Paul Grau, den Geschäftsführer des Privatsenders Star TV, vom Vorwurf der Pornografie umfassend freigesprochen. Zwei weitere Angeklagte, Vertreter von MMS-Mehrwertdienstleistern, wurden hingegen wegen der mehrfachen Nichtverhinderung einer strafbaren Veröffentlichung verurteilt. Das Obergericht kippte damit einen Entscheid des Zürcher Bezirksgerichts weitgehend. Dieses hatte im Herbst 2006 allen drei Beklagten Geldbussen zwischen 2’500 und 5’000 Franken aufgebrummt. Der Vorwurf lautete, dass die Medienunternehmer für Sex-Angebote auf Handys verantwortlich seien: Minderjährige Jugendliche könnten nächtlich ausgestrahlte Porno-Videos als MMS auf ihre Mobiltelefone laden (siehe
). Die Verteidiger sprachen dagegen bloss von einer straflosen Unterlassungssünde ihrer Klienten. Die Verantwortung für die Kontrolle der Jugendlichen und deren Fernsehkonsum würden die Erwachsenen tragen. Beim Star-TV-Geschäftsführer hatte die Verteidigung damit Erfolg. Er hat lediglich Sendezeit für Werbung gegen Entgelt zur Verfügung gestellt, wie im schriftlich begründeten Urteil steht.
Die beiden anderen Angeklagten hätten hingegen unbestreitbar in Kauf genommen, dass Personen im Schutzalter direkt MMS mit pornografischem Inhalt mit entsprechend eingerichteten Telefongeräten empfangen konnten, schrieben die Oberrichter weiter. Tatmotiv seien finanzielle Interessen gewesen.
Die Oberrichter würdigten das Vergehen als Nichtverhinderung einer strafbaren Veröffentlichung, nicht aber als Pornografie. Der ehemalige Geschäftsführer der Firma Lawa sowie ein Vertreter von Televox wurden deshalb zu bedingten Geldstrafen von je 90 Tagessätzen zu 55 Franken verurteilt.
Dem freigesprochenen Paul Grau sprach das Gericht eine Prozessentschädigung von 4’000 Franken zu. Er muss allerdings einen Drittel der Kosten für das erstinstanzliche Verfahren tragen.

Prickelnde Party

Softdrinks Schweppes gilt vermehrt als beliebtes Apéro- und Partygetränk. Dieser Entwicklung trägt die Feldschlösschen Getränke Rechnung und fokussiert mit der neuen Kampagne auf ein junges und dynamisches Zielpublikum.


Softdrinks Schweppes gilt vermehrt als beliebtes Apéro- und Partygetränk. Dieser Entwicklung trägt die Feldschlösschen Getränke Rechnung und fokussiert mit der neuen Kampagne auf ein junges und dynamisches Zielpublikum. Basierend auf der neuen Identity hat Advico Young & Rubicam die Kampagne für den Schweizer Markt adaptiert. Die Plakate und Inserate zeigen Tanzende in einem surrealen Umfeld. Dieses symbolisiert ihre Emotionen, den Beat der Musik und die prickelnde Frische von Schweppes. Die Printkampagne wird ergänzt durch einen Instore-Spot, der die aufkommende Partystimmung mit Schweppes dramatisiert.

Jung von Matt/Limmat holt Sonntagsblick-Etat

Die Zürcher Agentur Jung von Matt/Limmat beerbt Euro RSCG als Werbeagentur für den Sonntagsblick. JvM/Limmat setzte sich in einer Agenturevaluation durch und realisiert eine Markenkampagne, die ab April zu sehen sein wird.

 Die Zürcher Agentur Jung von Matt/Limmat hat im Rahmen einer Agenturevaluation den Zuschlag für die Betreuung des Sonntagsblick-Budgets gewonnen. Die Zürcher Agentur realisiert für das Ringier-Blatt eine nationale Markenkampagne, die ab April 2008 zu sehen sein wird. Zur Agenturwahl sagt Sonntagsblick-Verlagsleiter Thomas Passen im Communiqué: «Jung von Matt/Limmat versteht, wie die Medienwelt tickt und hat uns mit ihrem Know-how und ihrer Kreativität absolut überzeugt.» Dominique von Matt erklärte gegenüber der Werbewoche, dass seine Agentur auf Crossmedialität setzen wird: «Die Kampagne wird auf verschiedenen Kanälen laufen». Weitere Details wollte er noch nicht verraten, zeigte sich aber begeistert vom neuen Kunden: «Es ist ein deutlicher Aufbruch und Schwung in diesem Titel zu spüren. Das soll die Kampagne auf alle Fälle reflektieren.»
Zuvor hatte Euro RSCG das Sonntagsblick-Mandat inne, der entsprechende Vertrag wurde aber im vergangenen November nicht verlängert (siehe
). Als Begründung führte Ringier-Sprecher Marco Castellaneta damals die «Phase der kompletten Erneuerung» an, die im vergangenen Jahr beim Sonntagsblick stattgefunden hatte.

Mach gestaltet CVP-Sprachrohr Die Politik

Die Badener Agentur Mach Corporate & Werbung hat das Gestaltungskonzept des CVP-Magazins Die Politik kreiert. Sie zeichnet ausserdem für die laufende Gestaltung der Frontseiten verantwortlich.

Die Badener Agentur Mach Corporate & Werbung hat das Gestaltungskonzept des CVP-Magazins Die Politik kreiert. Sie zeichnet ausserdem für die laufende Gestaltung der Frontseiten verantwortlich. Das zwölfseitige Monatsmagazin erscheint seit Februar 2005 und hat in dieser Zeit die Auflage von 8’000 auf 10’000 Exemplare gesteigert. Es versteht sich als Sprachrohr gegen die politische Polarisierung und will die Wertehaltung und Standpunkte der CVP widerspiegeln. Neben der deutschen Ausgabe erscheint eine inhaltlich identische Fassung auf Französisch. Die von Mach gestalteten Titelseiten bestehen aus drei Elementen: Prägnante Hauptbotschaft, plakatives Bild und schliesslich ein Lösungsansatz. Verantwortlich bei der CVP Schweiz:
Barbara Häseli (Chefredaktorin, Generalsekretariat). Verantwortlich bei Mach Corporate & Werbung: Rolf Kälin (CD), Louis Dreyer (Beratung).

Zu guter Letzt: Preiswürdiges Kuscheln im Heu

Bauer Jürgen sucht verzweifelt eine Frau. Eine, die auf seinem Hof nach dem Rechten schaut, die Küchenarbeit übernimmt und auch hin und wieder für etwas Abendunterhaltung sorgt.

 Bauer Jürgen sucht verzweifelt eine Frau. Eine, die auf seinem Hof nach dem Rechten schaut, die Küchenarbeit übernimmt und auch hin und wieder für etwas Abendunterhaltung sorgt. Die zwei Frauen, die ihm im Rahmen der rustikalen Romantikshow «Bauer sucht Frau» auf dem deutschen Privatsender RTL vermittelt werden, wollen dann aber plötzlich leider beide nicht mehr. Der 32-jährigen Cornelia ist der schlaksige Jürgen einfach «zu nett». Sie verweist ihn an ihre mollige Konkurrentin Gun-Britt (30 Jahre alt, hatte noch nie eine Beziehung), von der sie weiss, dass sie nur zu gerne eine einwöchige Testphase auf Jürgens Hof absolvieren würde. Jürgen jedoch, ganz Tollpatsch, quittiert die Frauen-Rochade im Beisein aller mit den Worten: «Tja, etwas schlanker wär natürlich schon schöner, ne», und verspielt sich damit auch bei Gun-Britt alle Chancen. Schauspiele wie dieses konnte man in der RTL-Show bis Ende Jahr wöchentlich mitverfolgen. Nun ist die dritte Staffel für den renommierten Grimme-Preis nominiert worden. Eine deutsche Erfindung ist die ländliche Kuppelkiste deswegen noch lange nicht: Bereits vor 25 Jahren führte das Schweizer Fernsehen im Rahmen der Sendung «Bauer sucht Bäuerin» geneigte Landwirtschaftler zusammen. Derzeit strahlt Schweiz Aktuell jeweils montags die Folgen im Rahmen eines Rückblicks nochmals aus. Darin geht es allerdings weitaus zahmer zu als in der deutschen Adaption.

Direktor Christoph Ottiger verlässt das SPRI

Christoph Ottiger, der Direktor des Schweizerischen Public Relations Institut (SPRI), scheidet «aufgrund unterschiedlicher Auffassungen» aus. Bis die Nachfolge bestimmt ist, übernimmt der Stiftungsrat die operative Leitung.

 Beim Schweizerischen Public Relations Institut (SPRI) kommt es zu einem Wechsel in der operativen Führung: Der bisherige Direktor Christoph Ottiger scheidet «aufgrund unterschiedlicher Auffassungen» aus, wie es in einer Mitteilung heisst. Uneinig war er sich mit dem Stiftungsrat über die künftige strategische Ausrichtung der Ausbildungsstätte. Die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin ist eingeleitet. Zwischenzeitlich übernimmt der Ausschuss des Stiftungsrates unter der Leitung der Präsidentin Marion Starck selbst das Ruder. Ottiger war während fünf Jahren als Dozent, Kurs- und Studienleiter sowie als Mitglied der Geschäftsleitung und Direktor tätig.

Kopf der Woche: Key-Player

Jann Jenatsch setzt als CEO der umstrukturierten Keystone auf Kontinuität und will schon bald auch Video anbieten.

 
Jann Jenatsch setzt als CEO der umstrukturierten Keystone auf Kontinuität und will schon bald auch Video anbieten. 
Die Übernahme der Bildagentur Keystone durch die Austria Presseagentur (APA) und die Schweizerische Depeschenagentur (SDA) war zu Beginn dieses Jahres für alle «ein bisschen überraschend». Für den mit diesem Strukturwechsel vom COO zum CEO beförderten Jann Jenatsch ist diese Lösung aber die beste. «Keystone ist in einen Bereich überführt worden, wo die Agentur auch hingehört. Es hätte ja auch ganz anders laufen können, und wir wären an irgendwelche Investoren verkauft worden.» Mit Verlegern sowie Medienproduzenten als neuen Eigentümern sieht Jenatsch eine Chance, in Zukunft «das zu machen, was die ehemaligen Besitzer mit dem Verkauf auch angestrebt haben, nämlich Kontinuität garantieren und Entwicklung ermöglichen». Ein Wechsel zeichnete sich schon länger ab. Walter Grolimund, der die Keystone vor 17 Jahren übernommen hatte und von einer kleinen Agentur zum wichtigsten Bildanbieter in der Schweiz entwickeln konnte, will nur noch als Präsident des Verwaltungsrates tätig sein. Sein Lebenswerk rief verschiedene Investoren auf den Plan. «Die Breite des Angebots von Keystone ist in der Schweiz einmalig. Und Bilder werden immer wichtiger, nicht nur zum Visualisieren trendiger Websites.» Einen solchen Bildbestand wie Keystone kann niemand auf die Schnelle aus dem Ärmel schütteln. Auch das Know-how nicht, das Jann Jenatsch als jahrelanger Produktionsleiter und Nummer 2 neben Grolimund mit seinem Team bei Keystone aufbauen konnte.
Es geht also wirklich «so weiter wie bisher», kann der neue CEO seine Kunden beruhigen. Es werden allerdings ein paar interessante Neuerungen dazu kommen. Die neuen Besitzer APA und SDA versprechen Synergien. In Kooperation mit der Nachrichtenagentur in der Schweiz will Keystone – «alles aus einer Hand» – die Bilder noch näher zum Text bringen. Dank den österreichischen Partnern gibt es einen Technologieschub, denn die APA ist hier bereits weiter und beschäftigt in ihrer IT-Abteilung 70 Leute – bei Keystone sind es 5. Da die APA zu einem grossen Teil dem ORF gehört, spielt in Wien auch Video bereits eine wichtige Rolle. Ein Potenzial, das Jenatsch auch für die Schweiz schon länger erkannt hat.
Im März startet bei Keystone deshalb eine Video-Unit: «Keine Konkurrenz zum Fernsehen, da haben wir kaum Chancen.» Bewegte Bilder als erweitertes Angebot zu den Fotos werden aber als Webvideo sicher ihren Boom erleben. «Es gibt ein Bedürfnis, wir haben das Know-how, und die Online-Medien freuen sich bereits», verrät Jenatsch. Für das neue Angebot sollen aber nicht etwa die 20 fest angestellten Fotografen eingespannt werden. Die neue Abteilung wird parallel aufgebaut und soll eigene Spezialisten haben. «Der Fotograf muss den Event auf ein Bild verdichten, der VJ erzählt das Geschehen in Form einer Sequenz. Das sind zwei verschiedene Ansätze.»
Jenatsch selber hat die Welt der Bilder auf seinem Berufsweg durch sämtliche Sparten hindurch kennen gelernt. Der Bündner hat in Zürich Architektur studiert. Mit 25 Jahren meinten seine Eltern, dass er nun langsam für sich selber sorgen könnte. Also suchte er neben der ETH nach einem Job und landete «als Laufbursche» bei Keystone. «Das waren andere Zeiten», lacht er und erinnert sich an das Büro beim Zürcher Seilergraben, «nah bei der Safari Bar». Jenatsch musste die Repros in Couverts verpacken, an den Bahnhof bringen und auf dem Rückweg Sandwiches einkaufen. Schon bald entdeckte er aber auch anspruchsvollere fotografische Jobs. In den späten Achtzigerjahren baute Jenatsch das erste Farblabor für Keystone auf. Das war die Zeit, als man für Werbekunden zum Beispiel noch Dias duplizieren musste.
Weil er fand, er mache alles besser als sein Arbeitgeber – «was in diesem Alter normal ist» –, gründete er zwischenzeitlich neben seiner Arbeit als Redaktor bei Keystone auch die eigene Agentur «Delay». Mit dieser konnten sich Jenatsch und seine Partner Christoph Ruckstuhl (heute NZZ) und Willi Helfenberger (heute 20 Minuten) fünf Jahre lang als offizielle Festivalfotografen für die Filmszene in Locarno und Solothurn behaupten. Jenatsch fotografierte für Delay auch Stars wie Louis Malle in Paris oder Robert De Niro in Berlin. Dieser Auftrag für japanische Medien wurde aber zum Flop. Der Traum, einen Superstar wie De Niro in einer exklusiven Aufnahme vor die Kamera zu kriegen, war so aufregend, dass Jenatsch «alles ein wenig misslang».
Bei Keystone betreute Jenatsch die Infografik und gestaltete sie auch gleich selber. Zudem baute er ab 1996 die Bilddatenbank auf und entwickelte daraus die heute grösste Abteilung bei Keystone. Die letzten sieben Jahre wirkte er als Produktionsleiter und «rechte Hand» von Walter Grolimund.
Eine wichtige Herausforderung wird es für den neuen CEO sein, Keystone weiter auch für die Bedürfnisse der Werber richtig zu positionieren. Obwohl seit 1981 Themen- und Stockbilder produziert und vertrieben werden, wird Keystone nach wie vor mehrheitlich als News-Agentur verstanden. «Durch die Präsenz in den Zeitungen ist dies fast unumgänglich.» Keystone arbeite aber «extrem in die Breite» und ist entsprechend stark am Ausbauen der Auftragsfotografie für Firmen, Verbände und Organisationen.
Die Lust am Job gewinnt Jenatsch aus seiner Freude an den Bildern. Selber fotografiert er heute nur noch in den Ferien. Als idealen Ersatz für ein Hobby erlebt Jenatsch in der Agentur das «Projekt Schweiz». Mit externen Fotografen wird eine visuelle Dokumentation zum Zustand unseres Landes erstellt. Aktuell wird die «Fussballlandschaft Schweiz» fotografiert. Die 250 Bilder zum Thema «Fussball im weitesten Sinn» werden im Frühling in einer Ausstellung in Winterthur zu sehen sein.
Andreas Panzeri

Gruner und Jahr übernimmt FTD ganz

Der Hamburger Verlag Gruner und Jahr wird alleiniger Besitzer der Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland (FTD). Die britische Mediengruppe Pearson verkauft ihren 50-Prozent-Anteil an der Zeitung an die Bertelsmann-Tochter.

 Der Hamburger Verlag Gruner und Jahr wird alleiniger Besitzer der Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland (FTD). Die britische Mediengruppe Pearson verkauft ihren 50-Prozent-Anteil an der Zeitung an die Bertelsmann-Tochter. Bei Pearson erscheint das englische Mutterblatt Financial Times. Über den Kaufpreis machten die beiden Verlage am Mittwoch in London und Hamburg keine Angaben. Der Kaufvertrag sieht den Angaben zufolge einen lang laufenden Lizenzvertrag vor, mit dem Pearson dem deutschen Verlagshaus eine Lizenz für die Nutzung des Zeitungsnamens und redaktioneller Inhalte erteilt. Dem Verkauf müssen noch die Wettbewerbsbehörden zustimmen.
Die FTD soll Bestandteil der Verlagsgruppe Wirtschaftsmedien von Gruner und Jahr werden. Dort erscheinen auch die Monatsmagazine Capital und Impulse sowie das wöchentliche Anlegermagazin Börse Online.

Hilflose Zeitungsbranche

Kolumne Die Panik der Entscheider: Fünf Torheiten auf dem Weg zur Selbstkannibalisierung.

Kolumne Die Panik der Entscheider: Fünf Torheiten auf dem Weg zur Selbstkannibalisierung.Die Branchenpresse mag den Vorfall mit einer Kurzmeldung abfeiern – denn das Ereignis hat sich, rein geografisch betrachtet, in weiter Entfernung zugetragen: Zum dritten Mal innerhalb von drei Jahren hat die Los Angeles Times, eine der grossen Qualitätszeitungen der Welt,  ihren Chefredaktor  verloren, weil er im zermürbenden Clinch mit dem Konzernmanagement um eine angemessene Ausstattung seiner Redaktion den Kürzeren zog. Chefredaktorensessel sind indes nicht nur in Kalifornien zu ungemütlichen Schleudersitzen geworden, aus denen auch erfolgsverwöhnte Journalisten über Nacht heraus katapultiert werden. Dies ist ein Alarmsignal, aber auch ein Zeichen der Hilflosigkeit.
Ein Alarmsignal, weil das dreifache Scheitern erahnen lässt, wieviel Energie beim Cutback-Management verzehrt wurde und wie aufgeheizt die Stimmung in einer Redaktion sein muss, die von einer drastischen Kürzungsrunde in die nächste taumelt – auch weil ihre Zeitung zum Spielball von Investoren geworden ist, die nicht ganz unbegründet im Verdacht stehen, alsbald Kasse machen und ihre Mittel nicht langfristig in einer Branche binden zu wollen, die dem Untergang geweiht scheint.
Ein Zeichen der Hilflosigkeit, weil in der Zeitungsbranche im Moment niemand weiss, ob und wie sich mit Qualitätsjournalismus auf gedrucktem Papier in zehn Jahren noch Geld verdienen lässt. Dies führt offensichtlich auch bei erfahrenen Entscheidern zu Panikreaktionen, die sich nur noch als Selbst-kannibalisierung  bewerten lassen:
Torheit Nr. 1 war es, online «alles gratis» anzubieten, was man, wenn es mit herkömmlicher Drucktechnologie produziert  wird, weiterhin teuer verkaufen möchte. Man stelle sich vor, Coca Cola würde sein Gebräu in modernen Plastikflaschen verschenken, während für dasselbe Produkt, in Glas abgefüllt, die Preise erhöht würden. Kaum anders verfahren all jene Verleger, die ihre Inhalte  zum «Nulltarif» ins Netz stellen, während sie für bedrucktes Papier auf den alten Vertriebswegen weiterhin abkassieren. Der Wert der eigenen hoch angesehenen Marken wurde in der Zeitungsbranche zu spät erkannt – und  ramponiert, indem man im Netz aus Angst vor Microsoft, Google & Co. den billigen Jakob mimt.
Torheit Nr. 2 war und ist es, den Zeitungsmarkt selbst mit Gratisprodukten zu überschwemmen. Damit liess sich zwar zunächst auch in der Schweiz viel Geld scheffeln (20 Minuten), während sich die Nachahmer (Cash daily, heute, .ch und News) bereits deutlich schwerer tun. Alle zusammen fügen aber mit Gewissheit den (meist hauseigenen) Qualitätstiteln Schaden zu. Zum einen ist der Werbemarkt für Printprodukte nicht unbegrenzt. Zum anderen schwenken eben nicht nur Blick-Leser auf Gratistitel um. Vermutlich greift jeder von uns ab und an zu – und spart sich so ein paar Franken, die er am Kiosk für ein Qualitätsblatt berappen müsste und die deren Redaktionen dringend brauchen.  
Torheit Nr. 3 ist unmittelbare Folge von Torheit Nr. 1 und 2: Wo nicht mehr genügend Geld für redaktionelle Eigenleistungen vorhanden ist, werden die Einfallstore für Gratis-Zulieferungen aus der PR weit geöffnet. Erfolgreich im
redaktionellen Teil platzierte PR unterminiert jedoch die journalistische Glaubwürdigkeit. Und sie reduziert auch das Anzeigenaufkommen der Zeitungshäuser, sofern der angestrebte Kommunikationszweck über Öffentlichkeitsarbeit billiger zu erreichen ist als mit einem Inserat.
Dass sich mit «Kollateral-Produkten» gute Geschäfte machen lassen, wurde von den Verlagen so spät erkannt wie der Markenwert ihrer Blätter selbst – doch spät ist besser als zu spät.
Torheit Nr. 4 besteht allerdings darin, die hauseigenen Labels und Produkte völlig hemmungslos im redaktionellen Teil anzupreisen. Zumindest bei intelligenten Lesern untergräbt das ebenfalls die Glaubwürdigkeit des Journalismus.
Torheit Nr. 5 war und ist es, Redaktionsetats auf Teufel komm raus zu plündern. Wenn gesundes Fleisch amputiert wird, bluten Redaktionen aus; journalistische Qualität und die Glaubwürdigkeit werden neuerlich beschädigt – und Torheit Nr. 3 weiter begünstigt.
Die Tragikomödie der Los Angeles Times besteht darin, dass der Anfang ihres Niedergangs einem Top-Manager in die Schuhe geschoben wird, der als Branchenfremder in geradezu visionärer Weise seiner Zeitung und der Branche Wege aus der Krise wies: Mark Willes. Der Mann, der aus der Lebensmittelbranche kam, brachte pfiffige Marketing-Ideen mit, die den grossen Zeitungs-Tanker vor dem Schlingern hätten bewahren können, ohne die Integrität des Blatts zu beschädigen. Statt ihm zu folgen, wurde er von der eigenen Redaktion und von Wettbewerbern skandalisiert – und schliesslich entmachtet.
Willes lebt heute als Pensionär auf Hawaii. Er wird wohl mit Spannung darauf warten, wann man sich in Los Angeles, aber vielleicht auch in Europa auf seine Konzepte zurückbesinnt, statt einen Chefredaktor nach dem anderen zu verschleissen.
 
Stephan Russ-Mohl leitet das Europäische Journalismus-Observatorium der Universität Lugano.

Kleine Kleber, grosse Wirkung

Versicherungen Mit einer frechen Idee für AXA Winterthur überrascht KSB/SJ diese Woche in der Weltwoche und in TV Star. Trägeranzeigen von Maurice Lacroix und Panasonic wurden mit je einem Kleber von der AXA Winterthur versehen.


Versicherungen Mit einer frechen Idee für AXA Winterthur überrascht KSB/SJ diese Woche in der Weltwoche und in TV Star. Trägeranzeigen von Maurice Lacroix und Panasonic wurden mit je einem Kleber von der AXA Winterthur versehen. So wird auf subtile und doch Aufmerksamkeit weckende Weise gezeigt, wie gross die Bandbreite der Sachgegenstände ist, die man bei der AXA Winterthur optimal versichern kann. Deshalb ist der Kleber einmal auf einer Uhr platziert und das andere Mal klebt er auf einem TV-Gerät. Auf dem Kleber selber steht der schon landauf und landab bekannte Kampagnen-Claim von AXA Winterthur: «Sie lieben es. Wir versichern es.»

Wenn Männer masslos leiden

Pharma Wirz Werbung dramatisiert mit einem witzigen Spot, wie Pretuval hilft. Auch bei Männergrippe.

 
Pharma Wirz Werbung dramatisiert mit einem witzigen Spot, wie Pretuval hilft. Auch bei Männergrippe. 
Kaum haben Männer mal ein Wehwehchen, werden sie zu quengelnden, nervigen, unleidigen Kindern. Und hätten ihre Partnerin am liebsten als treu sorgende Mama ständig an ihrem Bett. Oder als Krankenschwester. Oder zumindest als Geschichtenerzählerin. Das zeigt Wirz Werbung zusammen mit der Filmproduktion Wirz & Fraefel in einem witzigen Spot, der bestimmt vielen Frauen aus dem Herzen spricht. Für CD Matthias Freuler holt Bayer (Schweiz) mit dieser Story «die Zielgruppe auf humorvolle und unterhaltsame Weise ab». Der TV-Spot für Pretuval erzählt die Geschichte einer «geplagten» Ehefrau, die ihrem Mann aus einem zu ihr völlig unpassenden Magazin namens «Monster-Truck» vorliest. Und dabei etliche Mühe bekundet. Der 30-Sekünder, der sich wohltuend von andern Pharma-Spots unterscheidet, ist ab sofort in der ganzen Schweiz zu sehen.Die Agentur Wirz arbeitet schon länger für Bayer. Meistens müssen dabei Ideen aus Deutschland angepasst werden. Für diesen Spot durften Freuler und sein Team selber kreativ werden, weil Pretuval nur in der Schweiz vertrieben wird. «Bayer hat unseren Mut zu unkonventioneller Pharmawerbung voll unterstützt», meint der CD. Etwas schwieriger war es, die Idee an den Richtlinien der Swissmedic vorbei zu bringen.
Andreas Panzeri
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