Distribution Dank Blick kann die Schweizerische Post in der Deutschschweiz eine flächendeckende adressierte Frühzustellung anbieten. Will sie nun die Verlage in die Knie zwingen? Michel Kunz, Leiter PostLogistics/PostMail und damit oberster Logistiker der Post, nimmt Stellung.
WW: Nach dem Zuschlag von Ringier für die Blick-Frühzustellung hat die Post bei verschiedenen Frühzustellfirmen der Verlage Offerten eingeholt. Wird es da und dort zur Zusammenarbeit kommen?Michel Kunz: In der Startphase nicht. Wir werden die Blick-Frühzustellung selber initialisieren. Dabei können wir auch auf eigenes Personal aus der Tagzustellung ausweichen – zumindest als Übergangslösung. In einer späteren Phase sind aber Kooperationen mit einzelnen Vertriebsorganisationen der Verlage möglich.
Wie steht es in Bern – wird dort die 50-prozentige Post-Tochter Bevo von Beginn weg in die Blick-Frühzustellung einbezogen?Ja, die Bevo wird im Raum Bern die Frühzustellung übernehmen.
Einige Verleger sind über die neue adressierte Frühzustellung der Post empört. Sie sagen, es gehe nicht an, dass die Post zuerst die Zeitungstransporttarife erhöhe und dann mit den zusätzlichen Einnahmen die Verlage in der Frühzustellung konkurrenziere – und das erst noch mit Bundessubventionen.(lacht) Es wäre ja allzu schön, wenn wir aus dem Zeitungstransport ein finanzielles Polster hätten. Dem ist aber nicht so. Die Tarife haben wir erhöht, weil der Bund die Subvention der Zeitungstransporttarife bekanntlich von 80 Millionen auf 30 Millionen Franken reduzierte. Mit der Tariferhöhung kompensieren wir aber nicht einmal 40 Prozent der wegfallenden 50 Millionen Franken. Kurz: Trotz Tariferhöhung verdienen wir jetzt weniger als vorher.
Was halten Sie von folgender These: Mit ihrer adressierten Frühzustellung will die Post der Zuvo und ihren Partnern so lange das Leben schwer machen, bis diese klein beigeben, zu einer Kooperation mit der Post bereit sind und beispielsweise eine Minderheitsbeteiligung bei der Postmail AG eingehen.Machtspiele sind nicht unsere Absicht. Der Grund, weshalb wir in die adressierte Frühzustellung einsteigen, ist ein anderer: Durch den Wegfall eines Teils der Subventionen wird die Tagzustellung teurer. Somit wird auch die Preisdifferenz zwischen der Tagzustellung und der teureren Frühzustellung kleiner. Dadurch wird es aber für die Verlage attraktiver, künftig auch Zeitschriften in die eigene Frühzustellung zu geben – Volumina, die dann wiederum bei der Tagzustellung der Post verloren gehen. Es ist diese Entwicklung, die uns zum Schritt in die adressierte Frühzustellung veranlasste. Unser Ziel ist es, aus einer Hand eine umfassende Distributionsdienstleistung anbieten zu können – adressierte und unadressierte Frühzustellung sowie Tagzustellung.
Ich frage anders: Ist die Post grundsätzlich offen für eine Beteiligung der Verlage bei der Postmail AG?Soweit sind wir gedanklich noch nicht. Jetzt schauen wir erst einmal, wie die Verlage reagieren. Denn wir können uns vorstellen, neben dem Blick noch weitere Titel in die Frühzustellung zu nehmen. Derzeit sind wir mit verschiedenen Verlagen im Gespräch.
Wie gross war bisher der preisliche Unterschied zwischen adressierter Frühzustellung und Tagzustellung? Und wie gross ist er seit Neujahr?Das kann nicht generell gesagt werden. Denn das Gewicht der Sendung hatte beim subventionierten Preis der Post bisher einen wesentlich grösseren Einfluss auf den Tarif als bei der Frühzustellung. Die Frühzustellung kostete aber pro Exemplar in vielen Fällen etwa 10 Rappen mehr. Der nicht mehr subventionierte Preis hat sich diesem Niveau nun angenähert.
Interview Markus Knöpfli
Kein Neuland für die PostAusser bei der Bevo
in Bern ist die Post auch andernorts in der adressierten Frühzustellung tätig. So stellt sie etwa den Boten der Urschweiz in der Frühzustellung zu. «Und wir haben bereits vor Jahren für einzelne Verlage Frühzustellungen organisiert, so zum Beispiel im Kanton Aargau», sagt Michel Kunz. In der Westschweiz besitzt die Post eine Mehrheit an der Firma Epsilon, welche den Verlagen die Frühzustellung von La Chaux-de-Fonds bis Genf anbietet. (mk)