Bis ins feinste Detail
Veredelung Das Laserstanzen ist noch wenig bekannt. Damit sind filigrane Motive möglich, die mit herkömmlichen Werkzeugen nicht zu realisieren sind.
Veredelung Das Laserstanzen ist noch wenig bekannt. Damit sind filigrane Motive möglich, die mit herkömmlichen Werkzeugen nicht zu realisieren sind.
Das Auge kauft mit. Das gilt für Produktverpackungen wie für Drucksachen. Mit Veredelung lassen sich die vielfältigsten Effekte erzielen, die die Attraktivität des Produkts erhöhen und ihm eine hochwertige Anmutung verleihen. Das Stanzen spielt bei Drucksachen besonders dann eine Rolle, wenn z. B. spezielle Formen in Karton oder Papier umgesetzt werden sollen. Zudem kann mit Fenstern oder Aussparungen die optische und haptische Wirkung verstärkt werden. Sind feinste Stanzteile oder filigrane Muster gefragt, stossen herkömmliche Stanzwerkzeuge schnell an ihre Grenzen. Diese Aufgaben sind mit Laserstanzen, das auch als Filigranlaser bezeichnet wird, optimal lösbar. Das Verfahren eignet sich, um Firmen- oder Markenlogos, filigrane Grafiken, feinste Ornamente und sogar Rasterbilder in fühlbarer Weise wiederzugeben. Solche feinen Stanzteile können z. B. als Designelemente beim Cover für Werbebroschüren und Geschäftsberichte, bei Schmuckverpackungen oder auch bei exklusiven Etiketten eingesetzt werden.
Für feinste Stanzungen «Einen Markt für Filigranlasertechnik gibt es schon lange. Das Verfahren ist auch keineswegs neu», sagt Hubert Gantschnigg, Geschäftsführer der in Bern ansässigen Indivisuell GmbH. Anders als in Deutschland, Skandinavien und Frankreich werden hier zu Lande jedoch die Möglichkeiten der Filigranlasertechnik nur ungenügend genutzt. Das mag auch daran liegen, dass die Technologie zu wenig bekannt ist und die Investitionen hoch sind. Indivisuell ist die Schweizer Vertriebspartnerin der in Neuss ansässigen Druckerei Schroeder GmbH, die Aufträge im Bereich Filigranlasertechnologie ausführt. «Wir arbeiten dabei mit zwei grundsätzlich unterschiedlichen Laserstanz-Verfahren und können unseren Kunden deshalb das breiteste Leistungsspektrum in diesem Bereich anbieten», sagt Gantschnigg.
So besteht mit dem Digitallaser die Möglichkeit, entsprechend der übermittelten Vektordaten ein Lasermotiv entlang der Kontur quasi auszuschneiden. Auf Grund der digitalen Flexibilität eignet sich dieses Verfahren besonders für Einzelmuster, Kleinauflagen oder Personalisierungen. «Gerade bei Kleinauflagen in der Grössenordnung 100 bis 200 Stück rechnen sich die Kosten für die Stanzformen, die beim herkömmlichen Stanzverfahren anfallen, nicht», erklärt Gantschnigg. Der P4-Permanent-Hochleistungslaser (4000 W) ist das weltweit schnellste Laserstanz-System, das die gewünschten Sujetflächen flächendeckend «wegbrennt». Anhand der gelieferten Daten oder eines Offsetfilms wird eine 0,3 mm starke Kupferschablone erstellt. Diese Schablone wird zusammen mit dem Papier unter dem permanenten Laserstrahl durchgeführt. Überall dort, wo der Laserstrahl durch die Schablone durchdringen kann, wird das darunter befindliche Material komplett weggebrannt. Damit sind Feinheiten von ca. 0,3 bis 0,5 mm möglich. Diese sind von Material und Sujet abhängig. «Mit diesem Verfahren realisieren wir feinste und passgenaue Stanzungen sowohl in Klein- wie auch in Grossauflagen», sagt Gantschnigg. Die maximale Motivgrösse beträgt beim Digitallaser 400 x 400 mm, respektive beim Permanent-Hochleistungslaser 140 x 700 mm bei einem Durchgang.
Papierwahl und MotiveFür das Laserstanzen können alle Papiere und Kartons bis zu einem Gewicht von ca. 500 g/m2 verwendet werden. Dabei sind ungestrichene und Naturpapiere besser geeignet als solche, die mit Kreide, Kaolin oder anderen Materialien beschichtet bzw. gestrichen sind. Bei der Erstellung eines Lasersujets ist zu beachten, dass alle geschlossenen Formen, die nicht herausfallen sollen, durch kleine Stege gehalten werden müssen. Das ist natürlich auch bei Buchstaben wie z. B. A, D, O zu berücksichtigen. Beim Lasern entsteht zudem auf der Rückseite (Brennseite) an den Laserkanten ein unterschiedlich feiner, brauner Rand, der sehr einfach durch gedruckte Farbflächen oder durch den Einsatz eines eingefärbten Papiers gemindert oder nahezu unsichtbar gemacht werden kann.
Für die Weiterverarbeitung wie das Falzen, Rillen, Kleben oder Binden empfiehlt Gantschnigg, die entsprechende Papierstärke auszuwählen. Zu berücksichtigen ist vor allem, dass je nach Grösse oder Feinheit eines Motivs die Stabilität des Papiers beeinflusst wird. Auch die Position des Lasersujets zu einer Falzkante oder einem Rill ist zu beachten. Steht dieses nämlich zu nahe an einer Falzkante, kann es zu Problemen beim Umklappen kommen bzw. das Lasermotiv kann beschädigt werden. Ebenfalls zu bedenken ist die Lauffähigkeit bei Briefbögen, z. B. im Laserdrucker oder Faxgerät.
Umfassende BeratungDie Kosten für die Drucksachenveredelung mit dem Filigranlaser hängen von verschiedenen Faktoren ab. «Einfluss haben dabei Papiersorte und Grammatur, Bogenformat, Druckumfang, Lasersujet-Grösse, Nutzenzahl, Auflage und Weiterverarbeitung», sagt Gantschnigg. «Wir bieten eine umfassende Beratung an, die nicht nur das Verfahren an sich, die zu realisierenden Motive und die Kosten, sondern z. B. auch die Papierwahl beinhaltet.» Infos unter www.filigranlaser.ch sowie auchwww.filigran-laser.de
Sabine Flachsmann
