Bis ins feinste Detail

Veredelung Das Laserstanzen ist noch wenig bekannt. Damit sind filigrane Motive möglich, die mit herkömmlichen Werkzeugen nicht zu realisieren sind.

 
Veredelung Das Laserstanzen ist noch wenig bekannt. Damit sind filigrane Motive möglich, die mit herkömmlichen Werkzeugen nicht zu realisieren sind. 
Das Auge kauft mit. Das gilt für Produktverpackungen wie für Drucksachen. Mit Veredelung lassen sich die vielfältigsten Effekte erzielen, die die Attraktivität des Produkts erhöhen und ihm eine hochwertige Anmutung verleihen. Das Stanzen spielt bei Drucksachen besonders dann eine Rolle, wenn z. B. spezielle Formen in Karton oder Papier umgesetzt werden sollen. Zudem kann mit Fenstern oder Aussparungen die optische und haptische Wirkung verstärkt werden. Sind feinste Stanzteile oder filigrane Muster gefragt, stossen herkömmliche Stanzwerkzeuge schnell an ihre Grenzen. Diese Aufgaben sind mit Laserstanzen, das auch als Filigranlaser bezeichnet wird, optimal lösbar. Das Verfahren eignet sich, um Firmen- oder Markenlogos, filigrane Grafiken, feinste Ornamente und sogar Rasterbilder in fühlbarer Weise wiederzugeben. Solche feinen Stanzteile können z. B. als Designelemente beim Cover für Werbebroschüren und Geschäftsberichte, bei Schmuckverpackungen oder auch bei exklusiven Etiketten eingesetzt werden.
Für feinste Stanzungen «Einen Markt für Filigranlasertechnik gibt es schon lange. Das Verfahren ist auch keineswegs neu», sagt Hubert Gantschnigg, Geschäftsführer der in Bern ansässigen Indivisuell GmbH. Anders als in Deutschland, Skandinavien und Frankreich werden hier zu Lande jedoch die Möglichkeiten der Filigranlasertechnik nur ungenügend genutzt. Das mag auch daran liegen, dass die Technologie zu wenig bekannt ist und die Investitionen hoch sind. Indivisuell ist die Schweizer Vertriebspartnerin der in Neuss ansässigen Druckerei Schroeder GmbH, die Aufträge im Bereich Filigranlasertechnologie ausführt. «Wir arbeiten dabei mit zwei grundsätzlich unterschiedlichen Laserstanz-Verfahren und können unseren Kunden deshalb das breiteste Leistungsspektrum in diesem Bereich anbieten», sagt Gantschnigg.
So besteht mit dem Digitallaser die Möglichkeit, entsprechend der übermittelten Vektordaten ein Lasermotiv entlang der Kontur quasi auszuschneiden. Auf Grund der digitalen Flexibilität eignet sich dieses Verfahren besonders für Einzelmuster, Kleinauflagen oder Personalisierungen. «Gerade bei Kleinauflagen in der Grössenordnung 100 bis 200 Stück rechnen sich die Kosten für die Stanzformen, die beim herkömmlichen Stanzverfahren anfallen, nicht», erklärt Gantschnigg. Der P4-Permanent-Hochleistungslaser (4000 W) ist das weltweit schnellste Laserstanz-System, das die gewünschten Sujetflächen flächendeckend «wegbrennt». Anhand der gelieferten Daten oder eines Offsetfilms wird eine 0,3 mm starke Kupferschablone erstellt. Diese Schablone wird zusammen mit dem Papier unter dem permanenten Laserstrahl durchgeführt. Überall dort, wo der Laserstrahl durch die Schablone durchdringen kann, wird das darunter befindliche Material komplett weggebrannt. Damit sind Feinheiten von ca. 0,3 bis 0,5 mm möglich. Diese sind von Material und Sujet abhängig. «Mit diesem Verfahren realisieren wir feinste und passgenaue Stanzungen sowohl in Klein- wie auch in Grossauflagen», sagt Gantschnigg. Die maximale Motivgrösse beträgt beim Digitallaser 400 x 400 mm, respektive beim Permanent-Hochleistungslaser 140 x 700 mm bei einem Durchgang.
Papierwahl und MotiveFür das Laserstanzen können alle Papiere und Kartons bis zu einem Gewicht von ca. 500 g/m2 verwendet werden. Dabei sind ungestrichene und Naturpapiere besser geeignet als solche, die mit Kreide, Kaolin oder anderen Materialien beschichtet bzw. gestrichen sind. Bei der Erstellung eines Lasersujets ist zu beachten, dass alle geschlossenen Formen, die nicht herausfallen sollen, durch kleine Stege gehalten werden müssen. Das ist natürlich auch bei Buchstaben wie z. B. A, D, O zu berücksichtigen. Beim Lasern entsteht zudem auf der Rückseite (Brennseite) an den Laserkanten ein unterschiedlich feiner, brauner Rand, der sehr einfach durch gedruckte Farbflächen oder durch den Einsatz eines eingefärbten Papiers gemindert oder nahezu unsichtbar gemacht werden kann.
Für die Weiterverarbeitung wie das Falzen, Rillen, Kleben oder Binden empfiehlt Gantschnigg, die entsprechende Papierstärke auszuwählen. Zu berücksichtigen ist vor allem, dass je nach Grösse oder Feinheit eines Motivs die Stabilität des Papiers beeinflusst wird. Auch die Position des Lasersujets zu einer Falzkante oder einem Rill ist zu beachten. Steht dieses nämlich zu nahe an einer Falzkante, kann es zu Problemen beim Umklappen kommen bzw. das Lasermotiv kann beschädigt werden. Ebenfalls zu bedenken ist die Lauffähigkeit bei Briefbögen, z. B. im Laserdrucker oder Faxgerät.
Umfassende BeratungDie Kosten für die Drucksachenveredelung mit dem Filigranlaser hängen von verschiedenen Faktoren ab. «Einfluss haben dabei Papiersorte und Grammatur, Bogenformat, Druckumfang, Lasersujet-Grösse, Nutzenzahl, Auflage und Weiterverarbeitung», sagt Gantschnigg. «Wir bieten eine umfassende Beratung an, die nicht nur das Verfahren an sich, die zu realisierenden Motive und die Kosten, sondern z. B. auch die Papierwahl beinhaltet.» Infos unter www.filigranlaser.ch sowie auchwww.filigran-laser.de
Sabine Flachsmann

Globale Perspektiven

Versicherungen McCann Erickson startet mit neuen Motiven ins sechste Jahr der XL-Capital-Kampagne. Die Bilder des Starfotografen Tom Nagy sind einmal mehr - gross.

 
Versicherungen McCann Erickson startet mit neuen Motiven ins sechste Jahr der XL-Capital-Kampagne. 
Seit 2003 betreut McCann Erickson von Zürich aus erfolgreich XL Capital, einen der grössten Industrieversicherer der Welt. Für das sechste Jahr der Kampagne hat die Agentur sechs neue Motive kreiert. Diese demonstrieren wiederum die fundamentale Stärke – dank finanzieller Sicherheit und Deckung – von XL Capital. Die Sujets gehen verstärkt auf industriespezifische Themen wie zum Beispiel Luftfahrt oder Telekommunikation sowie deren spezifischen Produkte ein. Nebst der internationalen Markenkampagne werden die Motive auch länderspezifisch von XL Insurance für Produktewerbung eingesetzt. Realisiert hat wiederum der Starfotograf Tom Nagy in Osaka, Singapur, Chicago, Barcelona, Belgien und Österreich. Als AD wirkte Tom Kees.Zur Zusammenarbeit des global tätigen Unternehmens mit einer Zürcher Agentur ist es gekommen, weil McCann Erickson Ende der 90er-Jahre bereits Winterthur International betreute. Als dieser Industrieversicherer der Winterthur an XL Capital verkauft wurde, gab es zuerst ein Dual-Branding sowie anschliessend einen Pitch. Diesen haben die Zürcher gegen renommierte Agenturen auch aus New York gewonnen. Neben der laufenden Kampagne hat McCann Erickson auch das ganze integrierte Programm für XL Capital realisiert, wie der Gesamtverantwortliche Urs Jaermann erklärt.
Die Kampagne wird laufend von Wirkungsforschung begleitet und zeigt für den Versicherer «grossen Erfolg».
Andreas Panzeri

Premiere will Schadenersatz wegen geknackter Kudelski-Verschlüsselung

In Deutschland haben Hacker die Technologien der Waadtländer Kudelski-Gruppe zur Verschlüsselung von Fernsehprogrammen geknackt. Der Pay-TV-Sender Premiere will nun Schadenersatz. An der Börse tauchten die Kudelski-Aktien.

 In Deutschland haben Hacker die Technologien der Waadtländer Kudelski-Gruppe zur Verschlüsselung von Fernsehprogrammen geknackt. Der Pay-TV-Sender Premiere will nun Schadenersatz. An der Börse tauchten die Kudelski-Aktien. Der Finanzchef von Kudelski, Mauro Saladini, versuchte die Situation zu entschärfen: Der Austausch der so genannten Smart Cards bei Premiere werde die Gruppe weniger als zehn Millionen Franken kosten, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Dies liege im Rahmen der normalen Geschäftsplanung und werde nicht zu Sonderkosten führen.
Die Befürchtung, Kudelski könnte nun einen seiner wichtigsten Kunden verlieren, wies Saladini zurück. Der Vertrag mit Premiere laufe bis 2012 und könne um weitere drei Jahre verlängert werden.
Premiere will aber mit Kudelski über Schadenersatzansprüche verhandeln, wie ein Sprecher des Senders in München sagte. Juristische Schritte seien jedoch nicht vorgesehen: «Wir sind in Gesprächen, mehr ist nicht geplant», erklärte der Sprecher.
2007 musste Premiere einen Umsatzrückgang auf 0,985 Milliarden Euro hinnehmen. Im Vorjahr hatte die Gesellschaft noch einen Umsatz von 1,055 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das operative Ergebnis konnte allerdings trotz des Umsatzrückgangs deutlich gesteigert werden.

Rate, rate, Häusle baue

Architektur Das von Zürich aus betriebene Portal World-architects.com lanciert ein kreatives Gewinnspiel. Zu gewinnen gibt es dank Partnern unter anderem fünf Wochenenden in einem Designhotel.

 
Architektur Das von Zürich aus betriebene Portal world-architects.com lanciert ein kreatives Gewinnspiel. 
Das Portal www.world-architects.com definiert sich als eine Plattform für gute Architekten und «erste Adresse» für Branchenleute, die «mehr als nur Häuser bauen wollen.» Der Interessengemeinschaft sind Verbände in aller Welt mit 1’500 einzelnen Büros, Designern oder anderen Spezialisten angeschlossen. Die Website verzeichnet gemäss dem Gesamtverantwortlichen Hans Demarmels in Zürich monatlich 370’000 Visitors. Um das Informations-Tool jetzt noch breiter bekannt zu machen, hat er bei der freien CD Valentina Herrmann ein Gewinnspiel entwickeln lassen. Das Ratespiel ist rund um die internationale Einrichtungsmesse imm in Köln lanciert worden. Die globale Trendshow präsentierte Ende Januar 1’300 Aussteller aus 60 Ländern. Beworben wird das Gewinnspiel in den DACH-Ländern mit Anzeigen und Banners. Zu gewinnen gibt es dank Partnern 5 Weekends in einem Designhotel, Abos für das Frame Magazine sowie Gadgets von Computerworks für zukunftsweisende 3-D-Spielereien.Andreas Panzer

Zuvo-Partner sind gespalten

Distribution Die Front der Verleger gegenüber der Post bröckelt. Der Verteiler Zuvo hat sich das wohl selber zuzuschreiben.

 
Distribution Die Front der Verleger gegenüber der Post bröckelt. Der Verteiler Zuvo hat sich das wohl selber zuzuschreiben. 
«Jetzt kann uns die Post bei der adressierten Frühzustellung flächendeckend angreifen.» Diese Erkenntnis machte sich rasch unter den Verlagen mit eigener Frühverteilung breit, nachdem bekannt wurde, dass Ringier dem Gelben Riesen die Blick-Frühzustellung übertragen hatte (siehe WW 3/08). Ab Anfang März werden somit in den meisten grösseren Agglomerationen zwei Vertragungsfirmen hintereinander herlaufen, um abonnierte Tageszeitungen zu verteilen: wie bisher die Zürcher Zuvo und ihre Partner in Basel, Aarau, Luzern und Chur und neu auch die junge 100-prozentige Post-Tochter Postmail AG. Mittlerweile ist man bei den Verlagen aber noch um eine zweite Erkenntnis reicher: Die Zuvo-Offerte war offenbar preislich attraktiver als jene der Post (siehe Interview mit Jürg Brauchli auf Seite 14). «Also hat Ringier mit der Wahl der Post einen politischen Entscheid getroffen», sagt ein Verleger, der nicht genannt sein will. Und weiter: «Für mich ist das unerklärlich. Gerade im Hinblick auf die Postliberalisierung wird uns dadurch ein gemeinsamer Auftritt gegenüber der Post erschwert, vielleicht auch verunmöglicht.»Andernorts aber spielt man die neue Konkurrenz herunter. Etwa bei der AZ Medien. «Der Konkurrent war vorher schon da, nur nicht in der Frühzustellung. Er hat zwar einen Kunden, jedoch noch keine Organisation», sagt Eva Keller, Sprecherin der AZ Medien. «Unsere Pressevertriebs GmbH hätte den Blick sicher auch vertragen, aber entscheiden tut immer der Auftraggeber», zeigt sich auch Erwin Bachmann, VR-Delegierter der LZ Medien, gelassen. Aber etwas stösst ihm dennoch auf. «Zuerst erhöhte die Post die Tarife für den Zeitungstransport, und nun kann sie damit offenbar eine zweite Frühzustellung im gleichen Raum mitfinanzieren.»
Nachdenklich zeigt sich auch Beat Meyer, CEO der Basler Zeitung Medien (BZM). Die BZM habe zwar keinen bisherigen Auftrag verloren, sagt er, doch müsse sie nun damit rechnen, dass die Post früher oder später versuchen wird, ihr den Frühzustellauftrag der Basellandschaftlichen Zeitung (bz) abzuluchsen. Der bz, die als Teil der Mittelland Zeitung in erbitterter Konkurrenz zur BZM steht, wäre ein solches Angebot vielleicht sogar willkommen. Für Meyer ist es denn auch «durchaus denkbar», dass die Post die Verleger solange weich klopfen will, bis diese ihre Frühzustellfirmen mit jener der Post zusammenlegen. «Die Post hat den Verlagen schon in der Vergangenheit immer wieder solche Avancen gemacht. Es ist daher möglich, dass sie nun den Druck erhöht», sagt Meyer.
Locker, ja pragmatisch zeigt man sich bei den Zuvo-Partnern in Chur und Schaffhausen, die unlängst noch Differenzen mit der Zürcher Verteilorganisation hatten. So kennt etwa Norbert Neininger, Verleger der Schaffhauser Nachrichten und VR-Präsident der Zustellfirma Schazo, gegenüber der Post keine Berührungsängste. «Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Als die Zuvo letztes Jahr in Schaffhausen gegen uns antrat, begannen wir, sehr gut mit der Post zusammen zu arbeiten», erinnert er sich. «Als bloss kleiner Zuvo-Partner» schlägt er deshalb vor, dass sich Verleger und Post bald zusammensetzen. «Das Ziel ist ein günstiger, distanzunabhängiger Frühzustell-Tarif für alle. Konkurrenz allein nützt uns hier nichts», sagt er.
Südostschweiz-Verleger Hanspeter Lebrument, der sich vor eineinhalb Jahren bei der Sonntagszustellung ebenfalls mit der Zuvo angelegt hatte, stösst ins selbe Horn: «Weshalb ein Machtkampf mit der Post? Ich würde kooperieren, falls eine gemeinsame Frühzustellung billiger zu stehen käme», sagt er. Er hat jedenfalls sein Päckli mit der Post schon geschnürt. «Die Post hat uns versichert, dass sie den Blick von unserer Südostschweiz Pressevertriebs AG vertragen lässt, sobald die Blick-Frühzustellung auch in unserem Gebiet startet», sagt er. Im Übrigen zeigt er Verständnis dafür, dass die Post nun auch in die Frühzustellung eintritt. «Im Hinblick auf einen vollliberalisierten Markt muss sie diese Dienstleistung anbieten können», sagt er. Der Präsident des Verlegerverbandes betrachtet im Übrigen auch Ringiers Ausscheren nicht als Problem. «Die Konkurrenz unter den Verlegern ist ohnehin sehr hart», sagt er und erinnert an die Gratiszeitungen und den Sonntagsmarkt.    
Markus Knöpfli

Concours Eurovision de la Création

Ranking Der ADC hat schnell gehandelt. Nach dem Eclat im Januar wegen Überfremdungsangst bei Kreativwettbewerben führt er analog zu Schengen die Kreativfreizügigkeit ein.

 
Ranking Der ADC hat schnell gehandelt. Nachdem bei der Jurierung Ende Januar ein paar Mitglieder von einem Unwohlsein befallen wurden, weil zwei Mercedes-Spots von Jung von Matt/Limmat aus einer offenbar mehrheitlich deutschen Küche stammten, will der ADC jetzt mit einem neuen Rezept das Ranking am ADC-Dinner wieder für alle Teilnehmer geniessbar machen. Neues Vorbild für das bisherige Würfelspiel des ADC wird somit der «Concours Eurovision de la Chanson». So wie dort Ukrainer für die Schweiz singen dürfen oder auch die Jury aus Bosnien-Herzegowina ungeachtet der Qualität alle Stimmen für Mazedonien oder Montenegro abgeben darf oder im Extremfall sogar Italiener für Irland singen, sollen auch bei der ADC-Punkteverteilung die Grenzen für kreative Gastarbeiter und Gefälligkeiten offiziell geöffnet werden. Das Würfelspiel wird in diesem Sinn in «Concours Eurovision de la Création» umbenannt. Als sinnliche Logik wird der bisherige Würfel zu einer globalen Kugel umgeformt. Anders als ein Würfel mit Ecken und Kanten kann eine Kugel rollen, wohin sie will. Sie ist deshalb auch ein Symbol für die neu geltende «kreative Freizügigkeit». Dank diesem an das Abkommen von Schengen gekoppelten Gesetz kann in Zukunft ein Mercedes-Spot, der in der Schweiz als Schweizer Beitrag gelaufen ist, in Cannes trotzdem wieder als deutsche Kreation eingereicht werden, wie ADC-Juristen erklären. (pan)

Am Ende des Regenbogens

Kolumne Du, eine der skurrilsten und rührendsten Schweizer Medienlegenden, erwacht wieder zu neuem Leben. Einmal mehr ist ein optimistischer Verleger auf dem Weg zur anderen Seite des Regenbogens.

 
Kolumne Du, eine der skurrilsten und rührendsten Schweizer Medienlegenden, erwacht wieder zu neuem Leben. 
Am Ende des Regenbogens ist der grosse Schatz vergraben, sagt die Sage, und viele sind unterwegs, ihn zu heben. Geld gemacht wird derzeit mit immer schnelleren, auf Zeitlücken gerichteten Medien. Aber die ganz Tapferen, die grossen Optimisten sind unterwegs ans andere Ende des Regenbogens und werfen sich auf ganz langsame Qualitätsmedien. Mit dem erfolgreichen Cicero hat Ringier in Deutschland gezeigt, dass es funktionieren kann. Jetzt versucht es auch ein beweglicher Kleinverleger: Oliver Prange, der schon mit Persönlich (und damit als respektierter Konkurrent der Werbewoche) gezeigt hat, wie man verjährte Titel vitalisiert. Kürzlich war die Relaunch-Party für das Du. Dass über dreihundert Leute gekommen sind – und was für welche! –, signalisierte schon die Bedeutung des Anlasses. Hier wurde eine der skurrilsten und rührendsten Schweizer Medienlegenden wiederbelebt.Das Du hat es sogar ins Schweizer Lexikon geschafft. Dort steht: «Kulturelle Monatsschrift, 1941 von A. Kübler gegr., urspr. im Verlag Conzett & Huber, heute von der Tages-Anzeiger AG in Zürich hg.; fusionierte mit der Ztschr. «Atlantis», Aufl. 1990: 24’000.» Inzwischen ist die Zeit über das Du hinweggegangen. Als die Tages-Anzeiger AG zur börsenkotierten Tamedia wurde, war für das noble Kulturprojekt kein Platz mehr. Der Titel ging 2003 an den auf Architektur, Kunst und Typografie konzentrierten Buchverleger Niggli, aber der kam mit der Zeitschrift nicht zurecht und reichte sie an Prange weiter.
Die Ahnenreihe des Titels berechtigt zu schönen Hoffnungen, was Neugier und Nonkonformismus betrifft. Conzett & Huber ist ja inzwischen nur mehr eine Erinnerung – aber eine faszinierende. Der Drucker und Verleger Conrad Conzett (1848-1907) war Unternehmer und Sozialist zugleich, druckte den Grütlianer und die Arbeiterstimme, war Präsident des Gewerkschaftsbundes. Sein Sohn Hans (1886-1918) war Drucker und Verlagsteilhaber, SP-Nationalrat und unterstützte die Streikenden. Hans Conzett junior, geboren 1915, förderte als Verleger die heute noch existierende Manesse-Bibliothek der Weltliteratur und die Zeitschift Du. Die politische Familientradition führte er fort, indem er von 1951 bis 1971 Nationalrat der BGB war – ja, er war einer von denen, die die linksbürgerlichen Demokraten in die neue SVP führten.
Das Du gründete Conzett & Huber, um seine Fähigkeiten als Tiefdrucker regelmässig einem internationalen Fachpublikum vorzuführen – es war ein monatlich erscheinendes Referenzobjekt für die Druckerei, die sich damals gegen Ringier, Walter Olten, Bucher Luzern usw. durchsetzen musste. Der im Lexikon erwähnte A. Kübler hiess Arnold (1890-1983) und war einer der ungewöhnlichsten Zürcher Kulturtäter des 20. Jahrhunderts: Bildhauer, Illustrator, Schauspieler, Cabarettist, Schriftsteller (mit seinen «Öppi»-Romanen, die er im Zürcher Bahnhofbuffet schrieb). 1929-41 leitete er für Conzett & Huber die Zürcher Illustrierte, die sich als Konkurrenz für Ringiers Schweizer Illustrierte vor allem in Sport und Kultur profilierte; als «Gegengift» gegen die anfangs erfolgreiche ZI hat Paul Ringier dann die Sie & Er gegründet. Kurt Guggenheim hat Kübler in seinem grossartigen Zürcher Roman «Alles in allem» ein Denkmal gesetzt.
Als die Zürcher Illustrierte wirtschaftlich nicht mehr tragbar war, kam das Du – erst mit Arnold Kübler, dann mit Weltwoche-Gründer Manuel Gasser: ein Themenheft mit Pionierprofil. Im Du lernte das Schweizer Bildungsbürgertum erstmals Klee, Picasso, Braque und Miró kennen. Das Du machte Fotografen wie Werner Bischof, Emil Schulthess, Hans Staub und Paul Senn berühmt. Als Autoren begegnete man Walter Robert Corti, Emil Schulthess, Hugo Loetscher, Willy Rotzler. Viele Jahre lang gehörten die um grosse Themen gebauten Du-Hefte zur kulturellen Grundausstattung des gehobenen Schweizer Bürgerhaushalts und zum Inventar in Hunderten von Wartezimmern. Das Du war angesehen, wurde gesammelt und in Jahrgangsbände gebunden, manche herausragende Nummern werden noch heute in den Antiquariaten teuer gehandelt.
Aber mit der Zeit trat das tückischste aller Medienphänomene ein: «Everybody likes it – nobody buys it». Vom guten Ruf und von der ehrenvollen Vergangenheit allein kann man nicht leben. Aber es kann helfen, vor allem, wenn das neue Du den freien Geist und den Hang zum lustvollen Querdenken seiner verlegerischen und journalistischen Ahnen wieder zu beleben vermag. Gott gebe, dass es «verhebe» …
 
Karl Lüönd ist freier Publizist und Buchautor

Ben Silverman erhält Ehrenrose von Rose d’Or

Das Luzerner Fernsehunterhaltungsfestival Rose d'Or zeichnet in diesem Jahr Ben Silverman mit der Ehrenrose aus. Silverman ist seit 2007 Vorsitzender der NBC Entertainment and Universal Media Studios. Das Festival findet dieses Jahr vom 2. bis 6. Mai statt.

 Das Luzerner Fernsehunterhaltungsfestival Rose d’Or zeichnet in diesem Jahr Ben Silverman mit der Ehrenrose aus. Silverman ist seit 2007 Vorsitzender der NBC Entertainment and Universal Media Studios. Fünf Jahre zuvor gründete er Reveille, ein Produktions- und Vertriebsunternehmen, das sich auf die Nutzung weltweiter Rechte an geistigem Eigentum konzentriert und internationale Serien wie «The Office» adaptiert. Der Preis wird am 48. Festivals Rose d’Or vom 2. bis 6. Mai 2008 in Luzern übergeben, wie Rose d’Or am Mittwoch mitteilte. Die Ehrenrose hatten zuvor Unterhalter wie Benny Hill, Monty Python, Ben Elton oder «Big Brother»-Schöpfer John de Mol erhalten.
Das Festival Rose d’Or wurde 1961 ins Leben gerufen. Über 2000 Produzenten und Fernsehanstalten sind jedes Jahr eingeladen. Aus allen eingesandten Fernsehprogrammen – über 40 Länder sind jeweils vertreten – werden am Festival die besten des Jahres gewürdigt. Acht Gewinner aus folgenden Kategorien erhalten die Goldene Rose: Comedy, Sitcom, Drama, Entertainment, Reality, Game Show, Performing Arts und Arts Documentary.

Euros sollen rollen

Flughafenwerbung Der Euroairport will seine Aussenwerbeflächen attraktiver machen, indem die Zahl der Plakatstellenanbieter reduziert werden. Da die Plakatkonzessionen Ende 2008 auslaufen, sollen noch im Februar die rund 200 Plakatstellen ausgeschrieben werden.

 
Flughafenwerbung Der EuroAirport will Aussenwerbeflächen attraktiver machen. 
Aus Schweizer Sicht ist er mit einem Passagieraufkommen von 4,2 Millionen Personen (2007) zwar «nur» die Nummer drei unter den Flughäfen, der EuroAirport Basel-Mulhouse scheint unter den Aussenwerbern dennoch heiss begehrt zu sein: In den vergangenen Jahren boten bis zu sechs Aussenwerber gleichzeitig ihre Plakatstellen an, sagt Werner Parini, Leiter Departement Passagiere beim EuroAirport. Neben dem französischen Plakatierer JCDecaux sind die Schweizer Affichage, die amerikanische Clear Channel Outdoor (CCO) sowie einige kleinere Firmen präsent. Das grosse Interesse hat zweifellos mit der Lage im Dreiländereck Frankreich-Deutschland-Schweiz zu tun.Klar ist jedoch: So viele Firmen sind einige zuviel. «Wer zum Beispiel während der Euro 08 am EuroAirport werben will, muss bis zu vier Offerten einholen», beschreibt Parini die Situation aus Sicht der Werbekunden. Nun soll die Attraktivität der Aussenwerbung verbessert werden. Da Ende Jahr die bestehenden Plakatkonzessionen auslaufen, führt der EuroAirport für seine rund 200 Plakatstellen noch im Februar eine Ausschreibung durch – europaweit publiziert. «Betreffend der Anzahl künftiger Aussenwerbepartner wollen wir uns etwas konzentrieren», sagt Parini. Optimal seien wohl zwei Plakatierer, meint er. Nicht etwa ausgerichtet nach Sprachen, wie dies bisher partiell der Fall war, sondern eher nach Aussenwerbung (Richtung Strassen) und Innenwerbung (in den Gebäuden). Spätestens im September will der EuroAirport dann bekannt geben, wer den Zuschlag erhält.
Die Aussenwerbung am EuroAirport verzeichnete letztes Jahr mit 4,2 Millionen Passagieren einen Rekordwert an Kontaktchancen. Der Zuwachs gegenüber 2005 betrug 6 Prozent. Dieses Jahr wird mit einer weiteren Steigerung um rund 5 Prozent gerechnet. Wie hoch die Einnahmen der letzten Jahre waren, die dem EuroAirport aus den Konzessionsabgaben der Aussenwerber zuflossen, war nicht in Erfahrung zu bringen. Auch der Jahresbericht schweigt sich darüber aus.
 
Markus Knöpfli

Mission: Possible

Prävention Life Science Communication und By Heart Werbeagentur haben für die Aids-Hilfe Schweiz eine HIV-Präventionsaktion konzipiert und umgesetzt. Mission: Possible startete am 1. Februar und dauert bis zum 1. Mai 2008.

 
Prävention Life Science Communication und By Heart Werbeagentur haben für die Aids-Hilfe Schweiz eine HIV-Präventionsaktion konzipiert und umgesetzt. Mission: Possible startete am 1. Februar und dauert bis zum 1. Mai 2008. Die Aktion richtet sich an Männer, die Sex mit Männern haben. Bei ihnen ist die Zahl der HIV-Diagnosen in den letzten Jahren gestiegen. Die Kampagne vermittelt Informationen zur Primoinfektion, der ersten Phase einer HIV-Infektion. In dieser Zeit ist man höchst ansteckend und weiss unter Umständen noch nicht, dass man selbst HIV-positiv ist. Ziel von Mission: Possible ist, neue Primoinfektionen zu verhindern. Dies kann erreicht werden, wenn alle schwulen Männer während drei Monaten die Safer-Sex-Regeln einhalten. Dadurch wird die Übertragungskette für das HI-Virus unterbrochen.

Vier gewinnt

Computer Hewlett-Packard setzt auf eine virale Online-Promotion von Angelink.

 
Computer Hewlett-Packard setzt auf eine virale Online-Promotion von Angelink.  
Der Computerhersteller Hewlett-Packard setzt für die Bekanntmachung seines Portals hpstore.ch auf Viral Marketing. Statt mit einem lustigen Filmchen, das von den Usern per Mail verbreitet wird, für Aufsehen zu sorgen, will das Computerschwergewicht den Intellekt seiner künftigen Käuferschaft fordern. Die Aktion nennt sich «The HP Friends Quiz». «The HP Friends Quiz» ist ein Frage-und-Antwort-Spiel. Dabei genügt es nicht, die Fragen richtig zu beantworten. Der Teilnehmer wird zum Laufburschen. Und hier kommt der Viraleffekt ins Spiel: Der Teilnehmer beantwortet auf hpfriendsquiz.ch die erste Frage. Anschliessend muss die E-Mail-Adresse einer bekannten Person angegeben werden, die per E-Mail die nächste Quizfrage gestellt bekommt. Die Quiz-Kette setzt sich so fort, bis vier Personen vier Quizfragen beantwortet haben. Haben alle Spieler die Fragen richtig beantwortet, sind sie im Rennen für lukrative Preise: HP Digitalkamera, Tickets für den Champions-League-Final 2008 in Moskau, ein Shopping-Weekend in Paris oder Eintritte für das Bon-Jovi-Konzert in Amsterdam im Juni.
Wer denkt, dass das Quiz spielend einfach ist, irrt. Selbst dem treusten HP-Fan dürften sich einzelne Fragen als Knacknuss erweisen. Markus Gabriel von der Agentur Angelink, die das Quiz entwickelt hat, sagt: «Die Fragen sind teils so schwierig, dass man zwangsweise auf den HP-Webseiten nach den Antworten suchen muss.» Die sonst trockenen Informationen werden so zu Lerninhalten. Das Konzept funktioniert angeblich ganz gut und ist nicht zum ersten Mal im Einsatz: Wie Markus Gabriel sagt, hätten schon verschiedene Kunden das virale Denkspiel eingesetzt. So zum Beispiel Henkel Deutschland.
Gabriel sieht im Quiz die ideale Möglichkeit, E-Mail-Adressen sauber zu akquirieren. Statt Adressen teuer zu erwerben, könne über ein solches Spiel der E-Mail-Stamm aufgefrischt werden. Gemäss einer Studie sei die Akzeptanz der mitwirkenden Quizspieler sehr hoch. Vier von fünf Teilnehmer könne man künftig bedenkenlos per Email anschreiben, ohne dass die Nachrichten als störend empfunden würden.
Beworben wird das Quiz mit speziellen Bannern, die Angelink programmiert hat. Die Banner finden über das Affiliate-Netzwerk von HP Verbreitung.
Christian Lüscher

Lehrling gewinnt Plakatwettbewerb

Preis Bei einem Wettbewerb des Caribana Festivals an der Eracom ist das Projekt von Gaël Clot, Lehrling in der Agence Trio, aus 12 präsentierten Arbeiten zum Sieger gewählt worden.

 
Preisgewinn Bei einem Wettbewerb des Caribana Festivals an der Eracom (École romande d’art et de communication in Nyon) ist das Projekt von Gaël Clot, Lehrling in der Agence Trio, aus 12 präsentierten Arbeiten zum Sieger gewählt worden. Visualisiert in einem Retro-Rock’n’Roll-Universum, mit Pin-ups, Tätowierungen und Underground-Ambiente, hat Gaël den Ursprung des Caribana in das Plakat einfliessen lassen. Mit diesem Old- School-Plakat konnte der Lehrling die Organisatoren des Festivals in Nyon, das sich zu den Wurzeln der Rockmusik besinnt, zu einem Stilwechsel in ihrer Kommunikation überzeugen.
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