Online Mediabox will im Internet mit trendigen Nischen-Sites Geld verdienen. Der neue Szenen-Pool verspricht ein lukratives und exklusives Werbeumfeld.
Die Mediabox rüstet sich für die Zukunft im Internet. Der Spezialist für Below-the-line-Werbung und Vermarkter von Jugend- und Szenenzeitschriften will künftig auch mit Internetseiten gutes Geld verdienen. Das ist Neuland für die junge Agentur, sie will aber lukrative Nischen ausgemacht haben: eher kleine Webseiten, die wegen ihrer Reichweite für grosse Vermarkter wie Adlink und Web2com bis heute wenig attraktiv waren. Speziell zielt Mediabox auf Lifestyle- und Szenenseiten, deren Inhalte vor allem trendbewusste Jugendliche ansprechen. Wie Mediabox-Geschäftsführer Sandro Proietto sagt, sei man mitten im Aufbau eines Jugendszenen-Pools, der noch in diesem Monat an den Start gehen soll, acht Webseiten beinhaltet und sich auf die Themen Sport, Lifestyle, Gaming, Musik und Film konzentriert. Nichts Neues, das gibt es schon, sagen sich jetzt Branchenkenner und haben damit nicht unrecht. Die beiden Online-Platzhirsche Adlink und Web2com lancierten in den letzten Jahren zwei Jugend-Pools, die nach eigenen Angaben damit fast zwei Drittel der Schweizer Jugend mit Plattformen wie Tilllate oder 20min-Online erreichen.
Auf Exklusivität setzenDie Trendsetter tummeln sich allerdings nicht auf den Spielwiesen solcher Massensites. Die coolen Schlüsselfiguren setzen auf Exklusivität und informieren sich dort, wo neue Strömungen geboren werden. Wie Proietto sagt, wolle er seinen Kunden dieses «exklusive» Werbeumfeld mit Hilfe eines Pools bieten, der so auch auf die auf Kundenseite gewünschte Reichweite komme.
Für die Entwicklung des Szenen-Pools hat Proietto die «Giving the Beat II»-Studie des Musiksenders MTV studiert. Die Verfasser der Studie untersuchten das Markenverhalten junger Erwachsener. Ihr für das Marketing relevantes Fazit: Damit sich Jugendliche auf Marken einlassen, müssen zuerst junge Trendsetter überzeugt werden. Bei den so genannten Cors werden Trends geboren, entwickelt, fallen gelassen und in den Mainstream entlassen. Das Bindeglied zwischen dem Mainstream und den Cors sind die Players, die sich durch ihre breite Vernetztheit auszeichnen und das Verhalten der Cors massentauglich machen können.
Die so genannten Players hat Mediabox für den Szenen-Pool ins Visier genommen. In einem aufwendigen Verfahren hat die Agentur all jene Schweizer Internetangebote untersucht, die sich zwischen Mainstream und den Trendepizentren bewegen. Bei der Auswahl zeigte sich das Mediabox-Team äusserst wählerisch. So hätten es Angebote wie lautundspitz.ch, die abgespeckte Version des Nachtschwärmerportals Tilllate, nicht in den Pool geschafft, weil die Seite «zu sehr Mainstream» sei. Der Pool könne aber situativ mit solchen Online-Angeboten erweitert werden, wenn beispielsweise die Streetparade oder andere Grossanlässe stattfänden, meint Proietto.
Ehrgeiziges VorhabenGründe für den Einstieg ins Online-Geschäft gebe es laut Proietto verschiedene. Im Mittelpunkt stehe die Möglichkeit, Kunden neben den klassischen Below-the-line- und Magazinangeboten auch im Online aus erster Hand zu bedienen. Wie Proietto ausführt, sei die neue Rolle als Online-Vermarkter auch die logische Konsequenz dessen, was die Agentur den Kunden stets predigt, nämlich innovativ zu sein. Die Idee sei nicht von heute auf morgen entstanden, sondern existierte schon seit Agenturgründung. Da die Infrastruktur nun gegeben und die Zeit reif sei, könne man ein solches Projekt angehen, so Proietto. Das Vorhaben ist auf jeden Fall ehrgeizig. Nicht zuletzt deshalb, weil der Agentur zwei Grossvermarkter gegenüberstehen, die das Online-Business fest im Griff haben. Das hat Proietto gelegentlich schon zu spüren bekommen. Für den Mediabox- Geschäftsführer ist aber klar, dass ihm die Entwicklung des Internets entgegen kommt: «Die Zukunft geht in Richtung Communities. An den kleinen Lagerfeuern werden Trends geboren.»
Der USP des künftigen Szenen-Pools ist das attraktive Preismodell, das Mediabox in diesen Tagen kommunizieren will. Proietto ist überzeugt, dass das Angebot auf jeden Fall einschlagen wird. Auch die Seitenbetreiber versprechen sich so einiges. So zum Beispiel Florian Rieser von aightgenossen.ch, einer auf Hip-Hop-Musik ausgerichteten Webseite. Rieser spricht ein generelles Problem an, das viele kleine Seitenbetreiber hätten: «Wir haben schlicht die Kapazitäten nicht, um an grosse Kunden heranzukommen.» Dazu fehlen, speziell in seinem Fall, das Wissen und die Kontakte, um an grosse Aufträge zu kommen. «Man sah uns als die Hip Hopper mit den breiten Hosen und nicht als die Macher des grössten Rap-Portals der Schweiz», meint Rieser. Die Vermarktung will er voll und ganz in die Hände von Proietto legen und hofft dabei, dass er künftig mehr Zeit haben wird, um das Portal auszubauen. Auch Romano Strebel, Betreiber des Szenen-Newsletters Ronorp’s Mail, sieht im Mediabox-Vorhaben die Chance, das Angebot künftig auszubauen. Er gibt sich auch überzeugt, dass der Werbemarkt vom kleinen, aber spannenden Umfeld nur profitieren kann.
Lancierung neuer Werbemittel Neben des Szenen-Pools will die Mediabox auch eine neue Generation von Online-Werbemitteln im Markt einführen. Die Rede ist vom Adspot und Sitebar. In beiden Formaten sieht Proietto eine viel versprechende Zukunft. Der Adspot ist ein Bewegtbild-Format, das stumm auf der Website läuft und sich erst bei einer Mouse-over-Aktion vergrössert und den Spot dann mit Ton abspielt. Der Spot wird erst gezeigt, wenn die Bildqualität und Ladezeit stimmen. Grosser Vorteil dieser Streaming-Technologie ist, dass der Endanwender für das Betrachten der Videobeiträge keine spezielle Video-Software benötigt. Beim Sitebar handelt es sich um einen Banner im bekannten Skyscraper-Format, der sich am freien Bildschirmplatz automatisch anpasst. «Erste Tests zeigen, dass sich der User an den Bannern nicht stört», meint Proietto.
Christian Lüscher
Der Szenen-Pool der Mediabox Aightgenossen.ch:
Informiert täglich über die neusten Nachrichten aus der urbanen Hip-Hop- und Black-Music- Szene. Aightgenossen.ch verfügt dank vielen Partnern über einen hohen Bekanntheitsgrad. Die Webseite weist monatlich rund 202’000 Unique Clients aus. Twoleftfeet.ch:
Ist laut den Betreibern Europas grösstes und umfangreichstes deutschsprachiges Board-Sport-Portal. Twoleftfeet.ch setzt auf täglich aktuelle Berichterstattungen rund um den nationalen und internationalen Board-Sport. Die Webseite weist 120’000 Unique Clients monatlich aus. Ronorp.ch:
Ronorp’s Mail bietet ausgewählte Tagestipps in verschiedenen Städten. Ein Newsletter erscheint von Montag bis Freitag. Die Seite vermag monatlich 77’000 Unique Clients zu erreichen. Gbase.ch:
Ist das grösste Schweizer Gaming-Portal. Die Redaktion trägt täglich die News aus der Games-Branche zusammen, verfasst Testberichte und Vorschauen aus der PC- und Videospiele-Szene. Die Seite weist nach eigenen Angaben 250’000 Unique Clients monatlich aus. Art-tv.ch:
Ist das erste Schweizer Kulturfernsehen im Netz mit täglich neuen Kulturtrailern, Videoberichten und Filmkritiken. Ein monatlicher Newsletter weist auf aktuelle Kultur-Highlights hin. Die Seite weist monatlich 30’000 Unique Clients aus. 78s.ch:
Ist ein interaktives Online-Magazin rund um das Thema Musik. Täglich berichtet ein 12-köpfiges Redaktionsteam über Neuigkeiten aus der Musikszene, aktuelle Veröffentlichungen und Konzerte. Die Seite erreicht monatlich 24’000 Unique Clients. Hexadance.ch:
Mit 145’000 Unique Clients pro Monat ist Hexadance.ch die führende Seite im Schweizer Szenen-Bereich der elektronischen Kunst und Musik. Das Portal wird zu 80 Prozent von Westschweizern besucht. Klangundkleid.ch:
Ist mit über 60’000 Produkten aus dem Lifestyle-Bereich eine der grössten E-Commerce- und Shopping-Websites der Schweiz. Sie weist pro Monat 80’000 Unique Clients aus. (cl)