Der Kampf um eine Jugendkonzession in Zürich geht in die nächste Runde: Nun fechtet Egon Blatter vom Zürcher Internetradio DJ Radio den Entscheid des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) vor dem Bundesverwaltungsgericht an. Nach jahrelangem Seilziehen hatte das Uvek im Dezember der Music First GmbH von Giuseppe Scaglione die Konzession für ein Jugendradio in Zürich erteilt. Damit kippte es seinen früheren Entscheid aus dem Jahre 2004. Damals hatte es die Konzession dem Konkurrenten DJ Radio zugesprochen, worauf sich Scaglione beim Bundesrat wehrte. Nun werden die Gerichte weiter mit dem Fall beschäftigt sein. Mit der Beschwerde verhindert Blatter ausserdem vorläufig, dass Music First auf Sendung gehen kann. Blatter erhebt verschiedene Vorwürfe gegen den Entscheid. Unter anderem ist er der Ansicht, dass «die ausländische Beherrschung von Radio 105 und somit von Music First» im Entscheid des Uvek völlig «verharmlost worden sei» und wirft den Behörden vor, nicht alle Abklärungen unternommen zu haben.
Beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hiess es auf Anfrage der SDA, man habe bei der Prüfung des Konzessionsgesuchs selbstverständlich auch die Frage der ausländischen Beteiligung mitberücksichtigt. Ein italienisches Unternehmen sei zwar an Music First beteiligt, beherrsche den Sender aber nicht, sagte Bakom-Sprecher Roberto Rivola.
Blatter findet ausserdem, dass sein Sender besser geeignet sei, die Angebot- und Meinungsvielfalt zu gewährleisten. Sein Ansinnen untermauert er mit einer
. Diese «enthülle» die «wahren Gründe» des Konzessionsentscheids, verspricht Blatter. In der einer Regional-TV-Talkshow nachempfundenen Sendung, aufgezeichnet im Zürcher Palavrion, wirft Blatter den Behörden vor, dass sie Music First die Konzession verliehen hätten, um deren Betreiber Scaglione ruhigzustellen. Scaglione hat sich nämlich mit anderen Projekten für zwei weitere Konzessionen in Zürich beworben. Da es um diese auch ein Gerangel geben werde, solle nun Scaglione, der den Behörden seit Jahren zusetze, mit dem Jugendradio beruhigt werden, argwöhnt Blatter. DJ Radio dagegen hat in den kommenden Konzessionskämpfen das Nachsehen: Weil man nicht auf mehreren Hochzeiten tanzen wolle, habe man sich in der grossen Ausschreibung vom vergangenen Jahr nicht beworben, erklärt Blatter auf Yotube. Seitens des Uvek siganalisierte man im Dezember Verständnis für Blatters Enttäuschung. Den Vorwurf, man habe Music First mit der Konzession ruhig stellen wollen, nannte das Departement gegenüber der Werbewoche schlicht lächerlich. Scagliones Gesuch sei einfach «einen Tick besser» gewesen.
Blatter wird nun also rechtliche Schritte einleiten. Das habe man mit «mehreren Anwälten lange und seriös geprüft», sagt er auf Yotube. Genugtuung scheint ihm zu bereiten, dass Music First nun vorläufig gestoppt ist. Mit einem Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts sei kaum vor Ende Jahr zu rechnen, schreibt Blatter im Communiqué.
Scaglione betonte, dass sein Radio nicht von einem italienischen Unternehmen finanziert werde. Es handle sich vielmehr schlicht um eine Minderheitsbeteiligung eines italienischen Partners. Dieses bestehe bereits seit zehn Jahren.
Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Beschwerde abgewiesen wird. Es handle sich um eine
«hilflose Aktion», mit der man Music First eins auswischen wolle.