Martin Sinning ist seit März Geschäftsführer von Planetactive Schweiz und Österreich und sieht in Zürich grosses Wachstumspotenzial für Online-Werbung.
Er bezeichnet sich als ein «Digital Media Junkie» und wartet mit grosser Spannung auf die baldige Zukunft. In dieser wird dank Breitband die Vernetzung von klassischer Werbung mit Online noch schneller als bisher täglich überraschende Ideen oder gar neue Medien zur Welt bringen. Mitgestalten will Martin Sinning diese Entwicklungen in einer Agentur mit dem verheissungsvollen Namen Planetactive. Hier wirkt er seit anfangs März als Geschäftsführer für die Märkte Schweiz und Österreich.Die Niederlassung Schweiz von Planetactive ist im November 2000 gegründet worden. Das Mutterhaus in Düsseldorf konnte 2007 das 10-Jahre-Jubiläum feiern. Seit 2005 sitzen auch zwei Mitarbeiter in Wien. Seit 2006 gehört Planetactive komplett zur Ogilvy-Gruppe. Schon vorher gab es eine Verbindung zu WPP, die als Holding über Ogilvy steht und schon länger Gesellschafter von Planetactive war. «So kamen wir ins Spiel, als sich Ogilvy weltweit kompetenter im Bereich Digital Marketing aufstellen wollte und das globale Digital Media Network NeoOgilvy gegründet hat.»
Für alle drei Märkte Schweiz, Deutschland und Österreich sind die Services und Fachabteilungen zentral in Düsseldorf organisiert. «Es macht wenig Sinn, Kreation, Media, Entwicklung und Technik in jedem Markt separat aufzubauen», meint Sinning. Diese Struktur habe sich in den letzten Jahren «sehr gut etabliert» und ist auch bei den Kunden anerkannt. «Der Kontakt ist sicher gestellt», weiss Sinning aus Erfahrung und rechnet vor, dass sein Büro mit dieser Struktur eine Agentur von über 90 Mitarbeitern repräsentiert. «Das definiert unsere Schlagkraft und Flexibilität, auch wenn wir in Zürich eigentlich nur mit sechs Beratern sitzen.»
In Deutschland gehört Planetactive im Bereich Digital Marketing zu den Top-Ten-Agenturen. Bereits heute liefern die Schweizer vom Umsatz her aber einen deutlichen Beitrag zum Gesamtumsatz der Gruppe. Und Sinning erwartet ein grosses Wachstum, denn in der Schweiz fliessen erst rund 1,4 Prozent aller Werbeausgaben ins Online, während die Entwicklung in Deutschland der 5-Prozent-Marke zusteuert. Dies vor dem Hintergrund, dass in der Schweiz eine ähnlich grosse Durchdringung mit Internet herrscht und auch das Breitband bereits sehr populär ist.
Planetactive ist als Keimzelle aus einer klassischen Media-Agentur hervorgegangen. Die ersten Jobs waren klassische Website-Projekte. Ein erster Kunde der jungen Agentur in Deutschland war die Europazentrale von General Motors in Zürich. «1997 durften wir für Opel eine internationale Plattform entwickeln. Nach über zehn Jahren schliesst sich für mich persönlich jetzt der Kreis, denn ich habe diesen Kunden damals als Berater betreut», erinnert sich der neue Geschäftsführer in Zürich.
Vor seinem Einstieg in die Online-Welt hat Sinning in Trier Betriebswirtschaft, Marketing und strategisches Management studiert. Durch Zufall ist er dann 1995 in ein Online-Projekt reingezogen worden, «woraus sich eine kleine Firma entwickelt hat». Bereits in dieser Pionierzeit des Internets hat er «auf der noch grünen Wiese» erste Konzepte entwickelt und dabei realisiert, «dass hier ein Medium der Zukunft entsteht».
Er lernte die Gleichgesinnten von Planetactive kennen, war bei der Gründung dabei und hat seither die Kundenberatung sowie später den Mediabereich aufgebaut. Ein Agenturwechsel hat sich für Sinning nie aufgedrängt. «Der Wechsel hat rund um uns herum genug intensiv stattgefunden.» Zuerst die Agentur aufbauen, dann die Internetblase bewältigen, «in welcher wir unser Baby nicht aufgeben wollten», anschliessend den neuen Erfolg geniessen, das Zusammengehen mit Ogilvy durchziehen und jetzt die Herausforderung als Geschäftsführer für die Märkte Schweiz und Österreich.
Die Entwicklung einer Website, eines Newsletters oder Suchmaschinenmarketing sind mögliche Einzeldisziplinen im Fullservice von Planetactive. Die eigentliche Kernkompetenz ist aber die sinnvolle Vernetzung all dieser Disziplinen. «Die digitalen Kanäle und Medien werden zunehmend komplexer. Alle halben Jahre kommt ein neuer Kanal dazu, mit dem sich der Werbetreibende auseinander setzen muss.» Ein Teil der Zielgruppe wandert plötzlich ab und ist nicht mehr wie anhin auf den grossen Portalen erreichbar, sondern mehr in Social Communities oder immer besser auch über das Handy. Wie kriege ich diese Leute jetzt gepackt mit meiner Werbung? Wie kann ein Kunde die digitalen Kanäle am besten nutzen? Um hier kompetent Antwort geben zu können, hat Planetactive eine Reihe von Tools entwickelt rund um den Begriff TEM – Technology Enabled Marketing.
«Mit diesen Tools können Marketingkonzepte, Online-Kampagnen und Media im Internet konkret messbar und damit für Kunden optimierbar werden.» In der Folge wird bei Planetactive je nach Analyse für die Kundenbindung zum Beispiel zu einem Online-Club geraten, ein Newsletter entwickelt oder eine starke Plattform kreiert, auf der eine Marke erlebbar gemacht wird. «Und das vielleicht mit einem TV-Spot und einer klassischen Massnahme verbunden, wo das Zielpublikum aktiviert wird, ins Netz zu gehen, wo dann eine ausführliche Marken-Experience stattfinden kann.»
So wie aktuell zum Beispiel auf der neuen Website von Toblerone. Dieser Schweizer Auftritt für den Ogilvy-Kunden Kraft Foods soll später auch auf andere Länder ausgeweitet werden. Eine wichtige Referenz der Zürcher Planetactive ist auch Swisscom. «Das war unser Startkunde im 2000, und seitdem betreuen wir jedes Jahr unterschiedlichste Aktivitäten», freut sich Sinning. Dazu gehört ewa die Entwicklung der Website für Bluewin TV oder kürzlich die Kampagne für Swisscom Karaoke, wo Planetactive neben der klassischen Arbeit von Contexta den Online-Teil sowie die Plattform verantwortete, wo man die Videos einsenden und voten konnte.
Für AXA Winterthur plant Planetactive das Suchmaschinenmarketing, ebenso für das Trendlabel Freitag. Für die Migros haben die Planetaktivisten vor zwei Jahren Migros.ch komplett konzipiert und gestalterisch umgesetzt sowie auch die M’08-Plattform oder M-cooking.ch. Hier kann man sich jede Woche eine von Endemol produzierte zehnminütige Kochshow über Breitband ansehen oder auch als Podcast abonnieren.
«Meine Frau und ich kochen seither mit dem Laptop neben dem Herd», untermauert Sinning sein Image als «Digital Media Junkie», denn sie würden auch regelmässig mit den Eltern seiner maltesischen Frau auf der Mittelmeerinsel skypen. Nur der Sohn muss mit 21 Monaten noch nicht so schnell ans Netz angeschlossen werden. In diesen Tagen wird die Familie Sinning nämlich auch physisch von Düsseldorf nach Zürich ziehen.
Andreas Panzeri