TV Beim Schweizer Fernsehen gibt man sich optimistisch und setzt auf die bekannten Formate. 2008 steht ganz im Zeichen der Fussball-EM.
«Mit einem Marktanteil von 33,5 Prozent sind wir zufrieden», sagte SF-Direktorin Ingrid Deltenre kürzlich an der Jahres-Medienkonferenz des Schweizer Fernsehens in Zürich Leutschenbach. Zwar gebe es stets leichte Schwankungen – SF hat 2007 ein Prozent gegenüber dem Vorjahr verloren –, man befinde sich aber auf sehr hohem Niveau und 0,1 Prozentpunkte über dem Jahr 2005. Zwar hat der Sender im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat um die 3 Prozent Zuschauer verloren.
Als Gründe nennt Deltenre einerseits das Fehlen der vielbeachteten Talentshow Music Star, die es im Vorjahr auf stolze 46 Prozent Marktanteil gebracht hatte, ferner auf die fehlende Ski-WM und auch auf die Wettersituation, die sich stets proportional zur TV-Nutzung verhalte. «Aber restlos erklären können wir uns die starken Schwankungen nicht», sagte Deltenre. Besonders deshalb, weil man keine gesicherten Marktdaten aus der Publikumsforschung erhalte. «Wir warten immer noch auf Erklärungen von Mediapulse», meinte sie an die Adresse des Medienforschungsunternehmens, das 2006 aus dem SRG-Forschungsdienst hervorgegangen war.
Ein plausibler Grund könnte gemäss Deltenre die Umstellung auf DVBT sein. Dadurch, dass SF nicht mehr wie bisher analog empfangen werden könne, hätten sich wohl etliche Zuschauer eine Satellitenschüssel angeschafft und verbrächten vorerst einmal die Zeit damit, sich durch das riesige Angebot zu zappen. Diesen Trend habe man unter anderem auch in Österreich im Zuge der Umstellung beobachten können. Die Schwankungen würden sich aber mit der Zeit wieder einpendeln, gab sich die Fernsehdirektorin gelassen.
Was den Fernsehmachern mehr und mehr Kopfzerbrechen bereitet, ist die Tatsache, dass das Publikum das TV-Gerät zunehmend nicht bloss für das klassische Programm nutzt, sondern auch für TV on demand, für Spiele und zum Betrachten von DVDs. Seit 2005 hat sich dieser Anteil – zwar auf kleinstem Niveau – verdoppelt, während das klassische Fernsehen einen leichten, aber stetig zu beobachtenden Rückgang verzeichnet.
Grösste Konkurrenz zu SF ist in der Schweiz die RTL-Gruppe mit einem Marktanteil von 16,3 Prozent. Seit ungefähr vier Jahren ist ausserdem eine Zunahme weiterer empfangbarer Sender zu beobachten, darunter eine Vielzahl von Kleinst- und Spartensendern, die als Gruppe zusammengefasst auf einen Marktanteil von 13 Prozent kommen. Die Schweizer Privaten liegen mit 4,4 Prozent Marktanteil am Schluss.
Programmmässig haben die Verantwortlichen 2007 zu Gunsten von mehr Qualität und Tiefgang die Sparten Wirtschaft und Wissen mit den Sendungen «Eco», «Start up», «Einstein» (anstelle von «MTW –Menschen, Technik, Wissenschaft») sowie «SF-Wissen» auf www.sf.tv ausgebaut. Vermehrt wurden «Dok», «Reporter» und Specials zu aktuellen Ereignissen produziert, unter anderem zur Neat oder zur Blocher-Abwahl. In der Sparte Kultur wurde höhere Aktualität angestrebt, etwa mit Mozarts «Zauberflöte» im Zweikanalton oder mit insgesamt sieben Premieren von Schweizer Filmen (u.a. «Herbstzeitlosen»).
Zur stärkeren Zuschauerbindung launchte SF eine Reihe von Unterhaltungssendungen wie «SF bi de Lüt», «Heimspiel» oder «Landfrauen». Ferner hat sich SF im vergangenen Geschäftsjahr mehr Emotionalität bei den Sportsendungen auf die Fahne geschrieben und sein Angebot für Kinder und Jugendliche ausgebaut. «Mit dem Kinderprogramm sind wir aber noch nicht zufrieden», sagte Deltenre. Ein eigener SF-Kinderkanal sei zwar gegenwärtig auf Eis gelegt, doch das Thema werde die Verantwortlichen im laufenden Jahr weiter beschäftigen.
Grundsätzlich ist das Publikum SF gegenüber positiv eingestellt, wie die dritte Befragung von rund 1’000 Personen ergab. Sie fiel in allen Bereichen besser aus als im Vorjahr. In den Sparten Information, Sport, Unterhaltung, Kultur und bei den Serien gilt SF als Sender erster Wahl. Bei den Spielfilmen kommt er auf Platz zwei.
Das laufende Jahr steht bei SF ganz im Zeichen der Euro 08, mit umfassender Berichterstattung und Live-Übertragungen sowie einer 17-stündigen Spezialsendung im Juni. Ein weiterer Schwerpunkt wird die Präsidentschaftswahl in den USA sein. Ausserdem soll die «Arena» ab August lebendiger und interaktiver werden. Auch das Gesundheitsmagazin «Puls» wird einem Relaunch unterzogen. Im Sommer wird die Dok-Serie mit Kriminalfällen fortgeführt, diesmal unter dem Titel «Wenn Frauen töten». Anstelle der abgesetzten Sendung «Zart oder Bart» kommt ein neues Quiz «1 gegen 100». Kultureller Höhepunkt wird wohl die Aufführung von Verdis «Traviata» im Zürcher Hauptbahnhof.
René Worni