TV erhöht Emotionen

GEMI Der Goldbach Electronic Media Index (GEMI) zeigt die indexierte Entwicklung des Werbedrucks diverser elektronischer Medien im Vergleich zum Gesamtmarkt und weist im Februar nur bedingt nach oben.

 
GEMI Der Goldbach Electronic Media Index (GEMI) zeigt die indexierte Entwicklung des Werbedrucks diverser elektronischer Medien im Vergleich zum Gesamtmarkt und weist im Februar nur bedingt nach oben. TV-Spots vermögen nicht nur Zuschauer emotional zu überzeugen, sondern für Emotionen sorgt auch die Zunahme des Werbedrucks von 436 auf 443 Indexpunkte. Das Wachstum ist nämlich nicht nur für die Zunahme der E-Medien von 413 auf 418 Indexpunkte verantwortlich, sondern auch für das Gesamtwachstum der von Media Focus erfassten Medien um einen Indexpunkt auf 199. Dagegen blieb der Werbedruck von Internet und Radio je mit 253 (256) unter den Erwartungen, Teletext verlor drei Indexpunkte und liegt nun bei 125 (128). Bei Internet fehlen gemäss Media Focus die Daten eines Lieferanten. Der von Goldbach Media initiierte Index basiert zu 100 Prozent auf den monatlich erfassten und publizierten Media-Focus-Daten.

Startbahnwest: Ovo grüsst nach Deutschland und Österreich

Die Agentur Startbahnwest hat für Ovomaltine Werbung umgesetzt, welche auf deutschen und österreichischen Milchverpackung zu sehen ist. Herhalten musste zu diesem Zweck der Schweizer Dialekt.

 
Die Agentur Startbahnwest hat für Ovomaltine Werbung umgesetzt, welche auf deutschen und österreichischen Milchverpackung zu sehen ist. Herhalten musste zu diesem Zweck der Schweizer Dialekt, und zwar so, wie ihn ein Deutscher oder Österreicher gerne nachahmt.Realisiert wurden verschiedene Versionen, die teilweise mit einem Wettbewerb verknüpft wurden, wie es in einer Mitteilung vom Donnerstag heisst. Hier zeigten die Rückläufe, dass die Idee sowohl in Deutschland wie auch in Österreich funktioniere.
 
Verantwortlich bei Wander:
Christof Stulz (Marketing & Sales Manager), Eliane Albisser (Junior Product Manager). Verantwortlich bei Startbahnwest: Hartmut Vetter (Strategische Planung), Zoe Maritz, Yves Burgener (Beratung),Rüdiger Flothmann (Creative Direction), Christine Manger (Art Director), Gesine Dittrich (Grafik), Dominque Wirz (Text), Jlona Camenzind (DTP).

Der Mann, der gegen den Strom tickt

Uhren II Jean-Claude Biver hat Blancpain und Hublot zu grossen Marken gemacht. Er erklärt, wieso sein Marketing anders ist.

 
Uhren II Jean-Claude Biver hat Blancpain und Hublot zu grossen Marken gemacht. Er erklärt, wieso sein Marketing anders ist. 
Er ist der perfekte Showman. Sein Business sind aber nicht Gags und schillernde Effekte, sondern elegante Uhren. Und seine Welt ist nicht die kleine Bühne im Schweizer Jura, sondern der internationale Edelmarkt der Konsumgüter. 250 Millionen Franken Umsatz erwirtschaftete Jean-Claude Biver im letzten Jahr mit seiner Schweizer Uhrenmarke Hublot. 46 Millionen davon sind Gewinn. Übernommen hat er diese Goldgrube im Jahre 2004. Doch seine Hublot mit Preisen ab 14’000 Franken bis zu Auktionsrekordpreisen von einer Million Euro ist nicht aus Gold oder schwerem Platin, sondern hat ein Band aus Kautschuk und ein Gehäuse aus federleichtem Magnesium. Die Uhr ist – «The Art of Fusion» – eine Kombination von Vergangenheit und Zukunft. Und wo zwei Welten zusammenprallen, kann manchmal etwas Neues entstehen mit der Bedeutung eines «Urknalls». Biver verkauft die neuste Hublot deshalb unter dem Namen «Big Bang».Im Januar hat Jean-Claude Biver vor dem Zürcher Werbeclub sein Erfolgskonzept für Uhrenmarketing vorgestellt. Der Vortrag hatte gröss-ten Unterhaltungswert. Immerhin war Biver bis 2003 zwölf Jahre lang in der Konzernleitung der Swatch-Gruppe und leitete dort die Kommunikation. Seine wichtigste Botschaft jetzt in eigener Sache: «Ich muss immer das Gegenteil von dem machen, was die Spezialisten raten.» Ein konkretes Beispiel zur Illustration: Wenn ein Segelteam fünf Minuten nach dem Start von Alinghi mit einem langsameren Boot zum Rennen aufbrechen kann, wird es Alinghi nie einholen, wenn es in ihrem Kielwasser segelt. Steuert das langsamere Schiff aber in eine völlig andere Richtung, bläst dort vielleicht ein Wind, der ihm zum Sieg verhelfen könnte. «Ich will immer in eine Richtung gehen, wo die anderen nicht sind. Damit kann ich gewinnen», gab Biver preis. Und auf Uhren übertragen: «Wenn ich irgendwo bin, wo niemand ist, habe ich Ruhe. Da kann ich ganz leise sprechen und man hört mich. Wenn ich dahin gehe, wo alle laut schreien, dann hört mich keiner.»
1982 hat der Sohn eines Schuhhändlers und studierte Ökonom nach ersten Jobs bei Audemars Piguet die Nobelmarke Blancpain gekauft. Biver zahlte dafür 18’000 Franken, denn die Marke war seit 1959 nicht mehr auf dem Markt. Aber das Label ging zurück auf eine Gründung von 1735. Wieso also nicht diese Rarität noch einmal neu aufgemotzt mit einem Quarzwerk in die Läden bringen? Alle Spezialisten in diesen Achtzigerjahren hätten es so gemacht, wie die Entwicklungsgeschichte von anderen Edelmarken zeigt. Biver machte es anders. Er liess noch einmal die alten mechanischen Werke ausgraben, produzierte die damals einzige Edelmarke ohne neumodischen Quarz und konnte Blancpain 1992 «mit Millionengewinn» an Hayek verkaufen.
Ohne viel eigenes Geld – «denn 18’000 Franken sind ja nichts» – kann man im Uhrenland Schweiz in diese prestigeträchtige Industrie einsteigen, witzelte Biver bei seinem Referat. Dabei sei diese so genannte Industrie nur ein Mythos. 2006 machte die Schweizer Uhrenbranche gerade mal 13 Milliarden Franken Umsatz. «Dieser gesamte Umsatz ist gleichviel, wie die Nestlé Gewinn macht, und vielleicht halb so viel, wie die UBS als Verlust abschreiben muss», zeigte Biver wieder ein wenig Showtalent, bevor er seinen nächsten «Big Bang» vorstellte.
Diese Modellreihe aus der Kollektion von Hublot gilt heute als Schweizer Uhr, wurde aber 1980 «von Italienern gegründet», wie Biver frotzelte. Und er machte sich auch lustig, dass die Übersetzung der Marke Hublot «Glubschauge» heisst. Wer kauft schon eine Marke namens «Glubschauge»? Aber es klingt elegant, weil französisch. Und da spielt es auch keine Rolle, dass das Armband aus Gummi ist. So wie die Autoreifen, die man damals noch mit grossem Gestank verbrannt hat. Aber auch teure Bändchen aus billigem Gummi sind nicht die Norm. Und so hat Biver 2004 die Marke Hublot schliesslich gekauft, nachdem sie seit Mitte der Neunzigerjahre immer weniger in Mode war und zuletzt einen Verlust von 2,6 Millionen Franken schrieb. Wieso?
«Im Luxusmarkt ist zu beobachten, dass jemand, der 4’000 Franken für eine Uhr ausgibt, im gleichen Jahr kaum mehr eine zweite kauft. Der Kunde kommt auch im dritten Jahr noch nicht zurück.» Jemand, der für 20’000 Franken eine Uhr kauft, und sie gefällt ihm, «kauft aber nach drei Monaten noch einmal mindestens drei oder vier weitere dazu». In der Schule für Marketing lerne man das nicht. Biver hat es aber mit Blancpain hautnah erfahren können. Denn eine Uhr kauft man heute nicht mehr, um die Zeit ablesen zu können. «Der arme Kerl, der 20’000 Franken ausgibt, um die Zeit ablesen zu können, tut mir leid. Dafür hat man das Handy.»
Mit der Uhr im Luxussegment will sich der Mensch etwas anderes leisten. «Er will sich einen Traum erfüllen und kauft sich dazu ein Statussymbol.» So wie die schönen Frauen, die in Paris mit einem Range Rover durch die flachen Strassen kurven, obwohl es den Vierradantrieb dort gar nicht braucht. «Auch eine Uhr zeigt, wer ich bin, welche Erziehung ich habe, welche Kultur und welche Persönlichkeit.»
Aus diesem Grund hat Biver nach seinem Kauf der Marke Hublot eine Uhr bauen lassen, auf der man die Zeit gar nicht mehr sehen kann. Seine «All Black» hatte ein schwarzes Zifferblatt, schwarze Zahlen und schwarze Zeiger. Biver nannte die Kreation «Die unsichtbare Sichtbarkeit». An der folgenden Uhrenmesse wurden 2’727 Stück bestellt. Biver hat aber nur 250 ausliefern lassen. Seither ist die «All Black» im Internet für 22’000 Franken zu haben.
Die Weiterentwicklung mit «Big Bang» will jetzt die Tradition der Uhrmacherkunst mit der Welt des Hightech verbinden. Ein mechanisches Werk wie früher. Aber völlig neue Materialien. Wenn Vater Biver früher eine Blancpain in die Hand genommen hat, konnte er den Reichtum spüren. «Wow! Platin.» Die Uhr war schwer. Wenn sein Sohn, der «im 21. Jahrhundert erwachsen geworden ist», eine Hublot-Uhr in die Hand nimmt, dann sagt er: «Wow! Magnesium.» Die Uhr ist leicht. Die jungen Menschen von heute erleben, dass alles Wertvolle klein und leicht ist. Velos aus Carbon und Autobremsen aus Keramik, das ist die neue Welt der edlen Produkte. Hublot bringt somit Materialien zusammen, «die normalerweise nicht zusammengehören». Das kann für die Zukunft der Branche «ein neues Universum öffnen».
Auch in der Werbung bringt Jean-Claude Biver für seine Hublot zwei anscheinend völlig unpassende Welten zusammen. Er sponsert mit der Edelmarke Hublot das populäre Fussballhappening Euro 08. Wer soll dort im Stadion eine 20’000 Franken teure Uhr kaufen? – Popstars leisten sich eigene Fussballclubs, Bankgeneräle lassen sich gerne als Besitzer einer erfolgreichen Elf feiern, ebenso die Erbin eines Chemiemultis und sogar ein ehemaliger italienischer Staatspräsident. Die Stadien werden von Stararchitekten gebaut. Die Spieler für zweistellige Millionenbeträge verkauft. «Wieso soll ich in diesem Umfeld mit Hublot nicht als Sponsor auftreten?», antwortete Biver den staunenden Marketingleuten vom Werbeclub. Der Mythos einer Marke wird nicht dort geschaffen, wo sie auch verkauft wird. «Jedes Kind in den Favelas von Rio kennt die Marke Ferrari. Für Millionen TV-Zuschauer ist dieses Auto ein Traum.» Aber kaum jemand kann sich ein solches Auto leisten. Umso erfüllter wird er für die, die es wirklich geschafft haben.
Aber Biver müsste nicht Biver sein, wenn er auch hier einen völlig anderen Weg einschlagen würde. Vor wenigen Tagen hat er nämlich bekannt gegeben, dass er die Sponsoring-Flächen im Wert von drei bis fünf Millionen in den Euro-Stadien einer Stiftung gegen Rassismus verschenken will. Plakate von «Unite Against Racism» werden so anstelle von Hublot während der Spiele weltweit über die Bildschirme flimmern.
 
 
Andreas Panzeri

007-Sammlerstück

Luxus In den letzten Jahren trug der im Dienst des Secret Service stehende Agent eine Seamaster von Omega. Fans des Geheimagenten als auch Liebhaber exklusiver Uhren warten voller Spannung auf die neue Version dieses besonderen Zeitmessers.

 
Luxus In den letzten Jahren trug der im Dienst des Secret Service stehende Agent eine Seamaster von Omega. Fans des Geheimagenten als auch Liebhaber exklusiver Uhren warten voller Spannung auf die neue Version dieses besonderen Zeitmessers. Omega wird eine spezielle Neuauflage der Seamaster Diver 300 m James Bond lancieren, welche von 007 seit Goldeneye getragen wird. Der neuste 007-Film mit Regisseur Marc Forster soll im November 2008 international anlaufen. Erneut ist Daniel Craig als James Bond im mittlerweile 22. Film der Bond-Serie zu sehen.

Image Werbeagentur wird für Eurosoccer aktiv

Die Image Werbeagentur DSL in Frick übernimmt ab sofort den Anzeigenverkauf des Schweizer Fussballmagazins Eurosoccer.

 Die Image Werbeagentur DSL in Frick übernimmt ab sofort den Anzeigenverkauf des Schweizer Fussballmagazins Eurosoccer. Eurosoccer erscheint laut Mitteilung vom Donnerstag im Zürcher Sportverlag Europa Medien mit einer Auflage von 50’000 Exemplaren. Vor und während der Euro 08 wird sich das Magazin mit verschiedenen Sonderausgaben präsentieren.

Kleine und kleinste Schritte

Regionalpresse Die Regionalisierung des Tages-Anzeigers konnte den Leserrückgang bisher nicht zu stoppen.

 
Regionalpresse Die Regionalisierung des Tages-Anzeigers konnte den Leserrückgang bisher nicht zu stoppen. 
Der Tages-Anzeiger verliert kontinuierlich Lesende. Laut der neuesten Mach-Basic-Studie der AG für Werbemedien- forschung (Wemf) beträgt der Reichweitenverlust gegenüber der Vergleichsperiode 2007/2 20’000 Leserinnen und Leser. Der Verlust ist jedoch nicht allein für den Tages-Anzeiger typisch. «Die Leserzahlen der abonnierten Tageszeitungen gehen überall zurück, in Europa wie im angelsächsischen Raum», sagt Tamedia-Konzernsprecher Christoph Zimmer. Veränderte Nutzerbedürfnisse und die wachsende Bedeutung der elektronischen Medien sind die Gründe und nicht die Gratiszeitungen, wie ein Blick nach Deutschland zeigt, wo es die klassische Pendlerpresse nicht gibt. Beim Tagi kann der Wert nicht für absolut genommen werden, weil die aktuellen Reichweiten (2008/1) nicht mit den beiden vorangegangenen Erhebungsperioden verglichen werden können. Denn im Februar 2007 haben die Verantwortlichen eine Grossauflage gestartet und streuen jeden Dienstag rund 178’000 zusätzliche Exemplare in der Grossregion Zürich. Damit ergibt sich ein Erhebungszeitraum mit und einer ohne Grossauflage. Dennoch kann man von einer Abwärtstendenz der Tagi-Reichweiten sprechen.
Der Tages-Anzeiger ist jedoch insofern ein Phänomen, als er wie kein anderer Titel seit 2006 eine konsequente regionale Wachstumsstrategie mit eigenen Regionalredaktionen verfolgt, nachdem die Perspektive, ein nationaler Titel zu werden, aufgegeben wurde. Mehr und mehr wird dabei klar, dass die auf maximal zehn Jahre angelegte Strategie eine der kleinen und kleinsten Schritte ist. «Die Regionalausgaben des Tages-Anzeigers werden an der generellen Stagnation der Leserzahlen mittelfristig nichts ändern», bilanziert Zimmer. Nach anderthalb Jahren Dauerbetrieb der Regionalisierung klingt das nüchtern. Seit November 2006 liegt dem Tagi täglich ein zusätzlicher Regionalbund aus dem Zürcher Unterland, dem Oberland, von beiden Ufern des Zürichsees und aus der Stadt Zürich bei, die von eigenständigen Regionalredaktionen gemacht werden.
Die Tamedia-Strategen haben über 60 neue Arbeitsplätze geschaffen und lassen sich die Regionalisierung eine Stange Geld kosten, pro Redaktion schätzungsweise zwischen einer und zwei Millionen Franken jährlich. Hinzu kommt die erwähnte Grossauflage, womit die Zürcher Landzeitungen in die Knie gezwungen werden sollen. Doch auch hier ist der erhoffte Effekt kaum ersichtlich. Jedenfalls hat die Konkurrenz, die Zürichsee-Zeitung, es bis heute nicht für notwendig erachtet, an den Seeufern in den Bezirken Horgen und Meilen mit einer eigenen Grossauflage auf die Tagi-Offensive zu reagieren. Eine eigene Grossauflage streut das Blatt nur am Obersee als Bollwerk gegen die Südostschweiz und die Obersee-Nachrichten, an denen Südostschweiz-Verleger Hanspeter Lebrument die Mehrheit hält. Es komme hie und da zu kleinen Verschiebungen bei den Inserenten, doch bis heute stelle die Tamedia-Strategie keine unmittelbare Gefahr dar, heisst es unverändert bei den Verantwortlichen der Zürichsee-Zeitung.
Deshalb erstaunt nicht, dass Tamedia-intern die hohen Kosten für die Regionalisierung immer mal wieder in die Kritik geraten. «Eine Diskussion darüber wird nicht geführt», sagt Zimmer und betont, man halte an der Regionalisierung fest, weil man von der langfristigen Strategie überzeugt sei.
René Worni

Ernüchterte SoSo

Mach Basic II Die Sonntagsausgabe der Südostschweiz ist viel teurer als bisher geschätzt.

 
Mach Basic II Die Sonntagsausgabe der Südostschweiz ist viel teurer als bisher geschätzt.Als die Südostschweiz-MedienGruppe vor bald zwei Jahren ihre siebte Ausgabe am Sonntag (SoSo) lancierte, glaubte man noch an einen wachsenden Sonntagsmarkt. Mit der Mach Basic 2008-1 ist dieser Traum ausgeträumt – alle Sonntagstitel verlieren an Reichweite. Mit einer Ausnahme: Die SoSo weist erstmals 83’000 Lesende aus – eine ansehnliche Reichweite. Die SoSo kommt somit aufgrund der verteilten 50’000 Exemplare (Selbstdeklaration) auf 1,7 Leser pro Exemplar (LpE).Dennoch dürfte man in Chur über die neuen Zahlen ernüchtert sein, denn bisher ging man dort gemäss Tarifdokumentation von einer geschätzten SoSo-Leserschaft von 130’000 Personen aus, was gut 2,5 LpE entspricht. Ein stolzer Wert, kommt doch die werktägliche SO auf 1,8 LpE. Verleger Hanspeter Lebrument bedauert: Man sei damals auf Anraten der Wemf vom genannten Wert ausgegangen.
So oder so, ein Problem bleibt: Der 4c-Tausendleserpreis, der mit 49,30 Franken angegeben ist, kommt mit der tatsächlichen Reichweite effektiv auf 78,70 Franken zu stehen. Lebrument liess auf Anfrage offen, ob jetzt eine Tarifreduktion erfolgen wird. Klar sei hingegen, dass man die Verbreitung der SoSo forciere. «Unser Ziel ist es, so schnell wie möglich die angepeilten 130’000 Leser zu erreichen», sagt er. Neu würden auch jene SO-Abonnenten eine Sonntagsausgabe erhalten, die ausserhalb des sonntäglichen Frühzustellgebietes wohnen. Sie erhalten die SoSo allerdings erst montags per Post.
Markus Knöpfli

Keine Ressourcen für Qualität

Kolumne Verlässliche journalistische Information werden wir auch in Zukunft brauchen. Zu welchem Preis hängt aber von der Einsicht der Werbebranche ab, dass auch im Internet Inserate bei glaubwürdigen Werbeträgern mehr bringen.

 
Kolumne Verlässliche journalistische Information werden wir auch in Zukunft brauchen. Zu welchem Preis hängt aber von der Einsicht der Werbebranche ab, dass auch im Internet Inserate bei glaubwürdigen Werbeträgern mehr bringen. 
Wenn Mitte April Amerikas Zeitungsverleger und Chefredakteure zu ihrer gemeinsamen Jahrestagung in Washington D.C. einfliegen, werden sie sich einmal mehr gegenseitig Mut zusprechen müssen. Die Auflagenrückgänge beschleunigen sich, und auch das Anzeigengeschäft läuft miserabel – nicht nur rezessionsbedingt, sondern weil immer mehr Kleinanzeigen auf Nimmerwiedersehen ins Internet abwandern.Ob der eine Lichtblick am Horizont sich nicht bald als Fata Morgana erweisen wird, muss sich noch zeigen: Die Amerikaner versorgen sich zusehends aus dem Internet mit Nachrichten – und klicken dabei immer häufiger die Websites der grossen Zeitungen an. Bei den Online-Offerten gibt es zudem weiterhin satte Zuwachsraten beim Werbeaufkommen. Sie kompensieren allerdings längst nicht die Verluste im herkömmlichen Geschäft mit gedruckten Zeitungen. Ärgerlich ist auch, dass den Löwenanteil an Clicks und damit an Werbeeinkünften Trittbrettfahrer absahnen: Google, Yahoo und Co., die auf ihren Portalen Nachrichten anbieten, ohne sich an den redaktionellen Erstellungskosten angemessen zu beteiligen.
Folgt man dem diesjährigen «Report zum Zustand der US-Medien» des Project for Excellence in Journalism, dann sind die Aussichten für den Qualitätsjournalismus trübe: «Das grösste Problem traditioneller Medien ist nicht mehr die Frage, wo sich die Leute ihre Informationen holen, sondern wie für diese bezahlt werden soll. Es kristallisiert sich heraus, dass die Werbewirtschaft nicht mit den Konsumenten zusammen in die Online-Nachrichtenwelt übersiedelt. Nachrichtenangebote und Werbung scheinen sich fundamental zu entkoppeln», heisst es in dem Report. Träfe dies zu, verlöre nicht nur die gedruckte Tageszeitung dauerhaft ihre  Finanzierungsbasis, sondern der anspruchsvolle Journalismus überhaupt.
Eigene Eindrücke bestätigen das Bild: Viele Grossstadtblätter sind innerhalb weniger Jahre erschreckend ausgedünnt. Zwei Beispiele: Im San Francisco Chronicle finden sich auf Seite eins oftmals nur Lokalnachrichten. Auf den folgenden Seiten dann ein Billigverschnitt aus AP, New York Times, Los Angeles Times und Washington-Post – ein Auslaufmodell. Das Blatt hat innerhalb von vier Jahren knapp 30 Prozent seiner Auflage eingebüsst. Aber auch das zweite grosse «Metro Paper» in der Bay Area, der San Jose Mercury News, der das Silicon Valley abdeckt, ist abemagert und nur noch ein Schatten seiner selbst. Vor wenigen Jahren noch wurde er als Trendsetter gefeiert. Er wies den Weg, wie die Zeitungszukunft im Internetzeitalter aussehen könnte. Womöglich tut er das ja immer noch, nur gibt es dann eben für das gedruckte Blatt keine Zukunft mehr.
Selbst die «graue alte Lady», wie die New York Times einst liebevoll genannt wurde, irritiert. Sie stöckelt neuerdings immer mal wieder in schriller Aufmachung auf dem Boulevard einher. Erst versuchte sie, dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten McCain eine Affäre mit einer Lobbyistin anzuhängen, ohne dies letztendlich beweisen zu können. Dann landete sie einen «echten» Scoop und brachte den New Yorker Gouverneur Spitzer zu Fall. Die wichtige Frage, ob der Sex-Skandal nicht in erster Linie deshalb ein Skandal war, weil staatliche Ermittlungsbehörden rabiat die Privatsphäre des Politikers verletzt haben, ging aber im Medienspektakel unter. Tags darauf berichtete Amerikas Leitmedium Nummer eins stattdessen über die Prostituierte, mit der sich Spitzer amüsiert hatte – mit Fotostrecke und Details aus deren Privatleben. Im Skandalstrudel wurden obendrein die eigentlichen Top-News praktisch übersehen: Der Kommandeur der US-Streitkräfte im Nahen Osten und damit auch im Irak, William J. Fallon, war zurückgetreten – offenbar im Dissens mit der Regierung Bush.
So wird alles Mögliche und Unmögliche ausprobiert, aber ein Ausweg aus der Krise scheint nicht in Sicht. Die Medienexpertin Michele McLellan hat kürzlich die Zeitungsbranche mit Telefonherstellern verglichen, die verzweifelt einem alten Schnur- und Tastentelefon neue «buttons» hinzufügen, obschon das iPhone längst als Wettbewerber auf dem Markt ist. Leider hinkt der Vergleich: Das iPhone hat die alte Technologie überflüssig gemacht. Verlässliche journalistische Information werden wir dagegen auch in Zukunft brauchen – und dafür wohl etwas tiefer in die Tasche greifen müssen, falls die Werbebranche nicht doch noch rechtzeitig wiederentdeckt, dass auch im Internet Inserate mehr bringen, wenn sie von besonders glaubwürdigen Werbeträgern verbreitet werden.
Stephan Russ-Mohl leitet das Europäische Journalismus-Observatorium der Universität Lugano. 

Reaktionen auf Carrefour-Entscheid der Weko

Nun ist es offiziell: Coop darf die zwölf Schweizer Carrefour-Filialen übernehmen. Dies teilte die Wettbewerbskommission Weko am Donnerstag in einer Pressemitteilung mit.

 Nun ist es offiziell: Coop darf die zwölf Schweizer Carrefour-Filialen übernehmen. Dies teilte die Wettbewerbskommission Weko am Donnerstag in einer Pressemitteilung mit. Das Duopol von Migros und Coop werde dadurch zwar verstärkt, gesamtschweizerisch stehe der Markt aber auch nach der Übernahme unter dem Druck neuer Konkurrenten, schreibt die Weko. Bereits am Wochenende hatte die Sonntagszeitung dies mit Berufung auf gut unterrichtete Kreise vermeldet.Die Reaktionen von Coop und dem schweizerischen Markenartikelverband Promarca liessen nicht lange auf sich warten. Promarca erachtet es als positiv, dass bei den Auflagen des Entscheides der Weko keine Ungleichbehandlung von Unternehmen stattfindet. Der Verband kritisiert aber die Beurteilung der zukünftigen Marktsituation durch die Weko. Promarca hält es für unwahrscheinlich, dass Aldi und Lidl mit ihrem kleinen Sortiment den Zugang für innovative Markenprodukte auf dem Schweizer Markt ermöglichen. Zudem führe der Zusammenschluss von Coop und Carrefour zu einer weiteren Verminderung der Angebotsvielfalt für den Endkonsumenten.
Coop nahm den Entscheid der Weko erleichtert zur Kenntnis. Nach Ansicht der Nummer zwei im Schweizer Detailhandel hätte eine vorbehaltlose Übernahme die bestehende dynamische und preisaktive Wettbewerbssituation im Schweizer Markt nicht beeinträchtigt. Falls sich die Verhältnisse wesentlich ändern, etwa durch die Expansion von Aldi und den Markteintritt von Lidl, kann Coop gemäss dem Entscheid ab dem 1. Januar 2010 die Aufhebung der Auflagen beantragen.
Die Carrefour-Verkaufsstellen sollen nun schnellstmöglich in Coop Megastores umgewandelt werden. So sollen die Kunden rasch Zugriff auf das grösste Markenartikelangebot der Schweiz erhalten. Den Carrefour-Mitarbeitenden wird, wie angekündigt, eine Weiterbeschäftigung bei Coop im Rahmen des Gesamtarbeitsvertrags ermöglicht.

Bloss nicht!

René Worni über das grosse Zögern im Mittelland und die Frage, ob es der Verleger aus eigener Kraft schaffen kann die sechste Gratiszeitung der Schweiz zu stemmen.

 
René Worni über das grosse Zögern im Mittelland. 
Seit dem vergangenen Spätherbst war nach Drohgebärden nichts Konkreteres von Peter Wanner mehr zu hören. Aber man spürt es förmlich, wie sehr sich der Verleger der Aargauer Zeitung unter der Gratis-Offensive von Tamedia windet und um eine Entscheidung ringt. Gerüchteweise soll er in Gedanken auch schon den Verkauf seines Hauses durchgespielt haben. Das ist zwar unwahrscheinlich, passt aber zum Bild eines Verlegers, der mit gesenktem Blick in seinem Arbeitszimmer Kreise ins Parkett schreitet und immer und immer wieder seine Optionen durchrechnet. Wanner sitzt dabei nicht allein in der Falle. Will er angemessen reagieren, muss er auch seine Verlegerkollegen der Mittelland Zeitung davon überzeugen, dass ein neuer Gratistitel die Antwort auf die Zürcher Eroberung des Mittellandes ist. Doch ist sie das tatsächlich?Die jüngsten Meldungen aus dem Hause AZ – Investitionen für neue Online-Angebote (14 neue Stellen) und Ausbau der Speditionsanlage in Aarau – lassen jetzt vermuten, dass der eingekesselte Verleger sich zu gewissen Entscheidungen durchringen konnte und es ihm mit dem Launch eines eigenen Gratisblattes langsam ernst ist.
Doch kann es der Verleger aus eigener Kraft schaffen, die notabene sechste Gratiszeitung der Schweiz zu stemmen? Die Signale aus Baden, man sei für die Zusammenarbeit mit anderen Medienhäusern offen, sprechen Bände. Gehen wir davon aus, dass Gespräche (sagen wir mal mit dem Hause NZZ) noch keine konkreten Ergebnisse gebracht haben. Wanner muss also zuerst das Produkt auf den Tisch legen, bevor er andere zum Mittun einladen kann. Das tut er bereits mit seinem Sonntagstitel, den er geschickt der Neuen Luzerner Zeitung andient, an der die NZZ die Mehrheit hält. Wo Sonntag sich als vierte Sonntagszeitung national etablieren will, kann ein neuer Gratistitel nur auf die lokale Verwurzelung der AZ setzen – vor allem aus Rücksicht auf die beschränkten Ressourcen. Die Antwort auf News (und auch auf 20 Minuten, .ch und Blick am Abend) muss deshalb strictly local ausfallen. Warum also nicht die tabloiden Regionalbeilagen der AZ in eine Gratiszeitung umwandeln? Doch angesichts der Flut von Gratistiteln, die vor allem den Medienmanagern Freude bereiten, möchte man dem Verleger zurufen: Bloss nicht
René Worni, Redaktor

Mediapulse Stiftung übernimmt Publica Data

Die Mediapulse Stiftung für Medienforschung hat rückwirkend auf den 1. Januar 2008 die Vermarktungs- und Vertriebsorganisation Publica Data von der SRG übernommen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Publica Data bleibt als Einheit bestehen.

 Die Mediapulse Stiftung für Medienforschung hat rückwirkend auf den 1. Januar 2008 die Publica Data von der SRG übernommen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, wie es in einer Mitteilung vom Donnerstag heisst. Die Mediapulse Gruppe umfasst somit die Stiftung sowie zwei Firmen: die Mediapulse AG, welche die grossen Forschungssysteme für TV und Radio betreibt, und die Publica Data AG, welche für die Vermarktung dieser Daten zuständig ist.
Die unabhängige Mediendatenerhebung wird im Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) vorgeschrieben, welches seit April 2007 in Kraft ist. Damals war die Mediapulse Stiftung für Medienforschung gegründet und als erstes der ehemalige SRG-Forschungsdienst als Mediapulse AG integriert worden. Nach gemäss Mitteilung «längeren aber stets einvernehmlichen Verhandlungen» hat man sich nun darauf geeinigt, dass auch die Publica Data hinzukommt. Sie bleibt als Einheit bestehen und hat den personell identischen Verwaltungsrat wie ihre Schwesterfirma Mediapulse AG.
Publica Data war im Oktober 1993 als 100-prozentige Tochtergesellschaft der SRG gegründet worden. Sie vermarktet seitdem die Daten aus Telecontrol und Radiocontrol an die privaten elektronischen Medien. Künftig soll sie sämtliche Nutzer der elektronischen Medienforschung bedienen. Für die bisherigen Kunden soll sich kaum etwas verändern. Sämtliche Vertragsverhältnisse werden weitergeführt. Die Standorte der Publica Data – Bern und Zollikon ZH – bleiben bestehen.

«Zu viele Häuptlinge»

Job-Rotationen Im letzten Juni übernahm Roberto Blank die Anzeigenleitung der Tageszeitung Südostschweiz, nun habe er bereits wieder gekündigt. Bestätigen will er das zwar nicht.

 
Job-Rotationen Im letzten Juni übernahm Roberto Blank die Anzeigenleitung der Tageszeitung Südostschweiz, nun habe er bereits wieder gekündigt. Bestätigen will er das zwar nicht. Nach offizieller Sprachregelung sei er «mit dem Hause Lebrument noch im Gespräch», sagt Blank. Doch im Hause Lebrument wird der bevorstehende Abgang bestätigt. «Das ist ein völlig normaler Wechsel. Die einen bleiben halt länger, die andern kürzer. Die Fluktuation bei uns beträgt sechs bis acht Prozent», sagt Verleger Hanspeter Lebrument.Allerdings fällt auf, dass dem Churer Medienhaus innert ungefähr eines Jahres schon neun Kadermitarbeiter davongelaufen sind – Jürg Räber, Karin Waltenspühl, Andrea Götz, Daniela Brunner, um nur einige zu nennen. Was ist los? Lebrument reagiert leicht gereizt. Er habe das Kader reduziert, weil es ohnehin «zu viele Häuptlinge und zu wenig Indianer gibt». Zudem seien beim Zusammenlegen der SO Presse AG mit der SO Print AG sowie beim Umbau der Südostschweiz Publicitas AG halt ein paar Kaderstellen weggefallen. (mk)
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