Die am Dienstag veröffentlichten Zahlen der MACH Basic 2008-1 der Wemf AG für Werbemedienforschung zeigen im Vergleich zur Vorjahresstudie eine weitere Verlagerung hin zu Kontakten bei der Gratispresse. Insgesamt hält ein leichter Negativtrend an. Weiterhin bleiben die Schweizerinnen und Schweizer aber ein Volk von Zeitungs- und Zeitschriftenlesenden: 91,6 Prozent der Schweizer Bevölkerung ab 14 Jahren lesen mehr oder weniger regelmässig mindestens eine der Zeitungen und 92,0 Prozent eine der Zeitschriften, die an der MACH Basic teilnehmen. Insgesamt haben die in der MACH ausgewiesenen Titel (ohne die lokale Wochenpresse) total 256’000 Kontakte verloren. Die relativ unspektakuläre Zahl kaschiert jedoch eine starke Verlagerung innerhalb der Titel. Klammert man nämlich die Tagespresse (verkauft und gratis) aus, kumulieren sich die Verluste auf total 1,276 Millionen Kontakte. Die Tagespresse hat also 1,02 Millionen neue Leser generiert. Dahinter wiederum stehen die Gratiszeitungen mit einem Plus von zirka 1,193 Millionen und die verkauften Tageszeitungen mit einem Minus von rund 173’000 Kontakten.
Der Anteil der Gratiskontakte bei der Tagespresse liegt jetzt in der deutschen Schweiz bei 28,5 und in der Westschweiz bei 41,3 Prozent. Allerdings bildet die MACH Basic 2008-1 die heutige Realität in diesem Bereich noch keineswegs ab, da weder News noch .ch enthalten sind. Die Distributionserweiterungen von 20 minutes und Le matin bleu werden erst teilweise, diejenige von 20 Minuten überhaupt noch nicht abgebildet. Falls die beiden neuen Gratistitel in der deutschen Schweiz ihre Ziele erreichen würden (was noch keineswegs sicher ist), stiege der Marktanteil der Gratispresse in die Grössenordnung von 45 Prozent.
Mit signifikanten Verlusten unter dem Erfolg der Gratis-Tageszeitungen gelitten haben in der Auswertung 2008-1 die Zürcher Landzeitung, das St. Galler Tagblatt und die Basler Zeitung in der deutschen sowie der bezahlte Matin und die Tribune de Genève in der französischen Schweiz. Die Abendzeitung Heute hat gegenüber 2007-2 signifikant, aber eher bescheiden (auf 259’000 Leser) zugelegt. Dies dürfte den Entscheid, das Blatt durch einen Blick am Abend abzulösen, wohl erleichtert haben.
Im immer heftiger umstrittenen Sonntagsmarkt bildet die neuste Auswertung den Effekt des Titels Sonntag noch nicht ab. Trotzdem haben sowohl der Sonntagsblick als auch die Sonntagszeitung gegenüber 2007-1 signifikant verloren. Erstmals ausgewiesen wird die Südostschweiz am Sonntag, die auf bescheidene 83’000 Lesende kommt (werktags sind es 233’000).
Die Publikumspresse hat gegenüber 2007-1 insgesamt über 300’000 Lesende verloren. Weiterhin stark gebeutelt ist die Programmpresse der deutschen Schweiz wo mit Tele, TVStar, TVtäglich, TV vier und dem Radiomagazin gleich fünf der sieben ausgewiesenen Titel signifikant Leserinnen und Leser verloren haben. Eine Überraschung hält die News- und Themenpresse bereit. Hier hat das Strassenmagazin Surprise signifikant zugelegt und die WOZ deutlich hinter sich gelassen. Signifikant verloren haben dafür NZZ Folio sowie die Schweizer Illustrierte, deren Ableger SI Style aber neuer Reichweitenleader der Frauenpresse geworden ist.
Positiv fällt für einmal auch das Ergebnis von Sélection (Reader’s Digest) aus, das seine Reichweite in der Westschweiz signifikant von 6,1 auf 7,3 Prozent steigern konnte. Diese Entwicklung wird sich aber noch bestätigen müssen, da sie sowohl gegen den bisherigen Trend als auch gegen denjenigen der deutschsprachigen Schwester (Das Beste) verläuft.
Bei der Wirtschaftspresse ist Cash daily mit 73’000 Lesern erstmals regulär ausgewiesen. Dieser nicht gerade berauschende Wert entspricht dem Durchschnitt im ersten Jahr seit der Lancierung und dürfte inzwischen sicher höher liegen. Ob die vom Verlag vor einem halben Jahr hochgerechneten 127’000 Leser der gedruckten Ausgabe von der MACH bestätigt werden, muss sich noch zeigen. In der Westschweiz ist derweil ein Führungswechsel zu verzeichnen. Der Geldratgeber Tout compte fait ist mit 8,1 Prozent neuer Reichweitenleader der Wirtschaftspresse. Fokussiert man allerdings auf die Männer, liegt Bilan weiterhin deutlich vorn.
Auch bei der Spezialpresse hält der Negativtrend an. Nicht weniger als 26 Publikationen haben signifikant insgesamt über 600’000 Leserinnen und Leser verloren. Die relativ höchsten Verluste weisen mit Fundgrueb und Auto Börse zwei Kleinanzeigenblätter aus. Es scheint, dass die Zeiten der gedruckten Informationen in diesem Bereich zu Ende gehen. Verluste weisen die Gruppen Jugendliche/Veranstaltungen/Film, Informatik, Landwirtschaft, Individualverkehr (vor allem die Autotitel), Gesundheit, Sport, Haus/Wohnen/Garten und Kultur/Reisen aus. Kurzfristig zugelegt hat die Konsumentenpresse sowie die Gruppe Essen und Trinken.
Detaillierte Analysen zur neuen MACH Basic sind in der Spezialausgabe des Media Trend Journals zu finden, die der kommenden Ausgabe der Werbewoche beiliegt.