Das Verlagshaus AZ Medien hat eine neue Online-Plattform angekündigt. Christoph Marty, Leiter Crossmedia, gibt Auskunft über lokale Inhalte, Vorbilder und den Ausbau der News-Inhalte.Werbewoche: AZ Medien hat eine neue Online-Plattform angekündigt. Planen Sie ein neues Portal mit eigener URL oder wird die bestehende Seite azonline.ch ausgebaut?Christoph Marty: Wir starten ein neues Portal mit eigener Adresse; die URL wollen wir aber noch nicht kommunizieren. Darauf werden zum Start im Frühsommer hin zu etwa 60 Prozent neue Inhalte und zu etwa 40 Prozent bestehende Inhalte zu sehen sein. Bietet die neue Plattform vor allem Service-Informationen? Ja, wir werden hier stark auf Dienstleistungen im Bereich strukturierte Verzeichnisse setzen.
Wieso bauen Sie den Service-Teil aus und nicht die klassischen redaktionellen Inhalte, so wie dies andere Medienhäuser tun? Wir machen beides! In einem ersten Schritt, ab Frühsommer 2008, bauen wir die Informationen im Bereich strukturierte Verzeichnisse aus. In einer zweiten Phase, ab Herbst diesen Jahres, werden wir aber auch das News-Angebot aufstocken.
Sie sehen offensichtlich ein Bedürfnis für lokale Service-Infos? Ja, wir wollen den Nutzern Informationen auf lokaler Ebene bieten. So wie sie sich bei Swissquote über Börsenkurse und bei der NZZ über Wirtschaftsthemen informieren, sollen sie bei uns alles Wissenswerte über ihren Wohnort finden – von Veranstaltungen über Vereine bis zu lokalen Nachrichten.
Arbeiten Sie dafür mit Partnern zusammen? Ja. So wird uns beispielsweise Swisstombola Angaben zu Vereinen liefern. Daneben sind weitere Partnerschaften in der Pipeline, die wir aber noch nicht nennen wollen. Beispielsweise werden wir auch Veranstaltungen aus dem Raum Zürich, Basel und Bern publizieren; diese Inhalte produzieren wir aber nicht selbst.
Das neue Portal wird auch einen Teil enthalten, der sich «Nachbarschafts-Plattform» nennt. Er enthält von Vereinen, Institutionen und Parteien eingesandte Beiträge. Verdrängt er die bisherigen Forums-Seiten in der gedruckten Ausgabe der Mittelland-Zeitung? Nein, die bleiben erhalten. Wir können bis anhin nur etwa 10 Prozent der eingesandten Beiträge drucken; mit der Online-Plattform bieten wir hier Abhilfe. Die in der Zeitung abgedruckten Beiträge werden künftig also eine Art «Best-of» sein.
Sind darauf auch Community-Elemente vorgesehen? Ja, sie werden aber redaktionell bearbeitet. Wir wollen redaktionelle Inhalte mit Community-Elementen verbinden.
Gibt es Vorbilder für Ihre neue Plattform? Wir haben uns natürlich umgesehen, was es bereits gibt. Unsere Plattform wird sicherlich Elemente der deutschen Plattform «Der Westen» der WAZ-Mediengruppe enthalten, aber auch Aspekte der Community-Site Meinberlin.de.
Sie werden also mit der neu angekündigten Plattform und der bisherigen News-Site azonline.ch zwei Auftritte im Netz haben? Es ist gut möglich, dass die beiden Sites zusammengeführt werden.
Wie gross wird die Redaktion sein? Wir stocken um 14 Stellen auf. Insgesamt sollten wir bis Ende Jahr für das Online-Angebot über 25 Stellen verfügen, die sich auf Technik, Redaktion und Verkauf/Marketing verteilen.
Werden Sie das Portal gemeinsam mit anderen Medienhäusern realisieren? Die Zeitungen des Mittelland-Verbunds sind in der vorbereitenden Arbeitsgruppe mit dabei und wir hoffen, dass sie auch an der Umsetzung beteiligt sein werden. Es hängt davon ab, wie gut unser Konzept ankommt. Für weitere Partner sind wir darüber hinaus offen.
Ist Ihre Plattform eine Reaktion auf das angekündigte News-Netzwerk von Tamedia, Espace Media und Basler Zeitung Medien? Nun, wir passen uns natürlich den Veränderungen in der Medienbranche an. Aber es ist keine direkte Antwort, denn die Service-Plattform planen wir schon seit langem. Wir reagieren damit vor allem auf Anbieter wie Swisscom Directories oder Local.ch, die Verzeichnisse für den lokalen Raum lanciert haben.
Sie investieren in die Online-Inhalte – da drängt sich die Frage auf, ob Sie auch auf den derzeit beliebten Newsroom setzen werden? Es kommt natürlich darauf an, wie man Newsroom definiert – aber einen übergreifenden Newsdesk haben wir bereits geplant. Die baulichen Veränderungen dafür sind gestartet und sind im Herbst 2009 fertig. Wie dann neben Print und Online auch TV und Radio am Newsdesk beteiligt sein sollten, muss noch entschieden werden.
Interview: Carole Scheidegger