Das vergangene Jahr sei für das Schweizerisches Ausbildungszentrum für Marketing, Werbung und Kommunikation (Sawi) ausserordentlich bewegt und bewegend gewesen, erklärte Präsident Hans-Peter Rohner an der Mitgliederversammlung vom Freitag in Luzern. Damit war nicht nur der erfolgte Umzug von Biel nach Zürich-Stettbach gemeint: Das Sawi befinde sich mitten in einem Strukturwandel und sehe sich in allen wesentlichen Ausbildungsbereichen intensivierter Konkurrenz ausgesetzt, so Rohner. Den Nimbus als Nummer 1 habe es in verschiedenen Teilbereichen eingebüsst – oder sei zumindest stark gefordert, seine Position sofort zu verteidigen. In Rohners Augen ist es zwingend, dass die internationale Anerkennung der oberen und obersten Ausbildungsstufen erreicht werde. Dies setze voraus, dass das Sawi «so schnell wie möglich» Fachhochschulstatus erringe, befand der Präsident weiter. Man müsse rechtzeitig «wichtige Änderungen» vornehmen. In einer Lagebeurteilung liess Rohner anklingen, dass namentlich in Frage stehe, ob die beiden Trägerverbände Schweizer Werbung (SW) und Swiss Marketing (SMC) weiterhin die Organisatoren von eidgenössischen Prüfungen sein könnten. Konkurrenten des Sawi würden sich an dieser Situation stören. Ausserdem würden sich die Anforderungen der Märkte und der Auszubildenden schneller verändern als die den Berufsprüfungen zugrunde liegenden Berufsbilder. Dies führe in den Trägerverbänden zu Differenzen, so Rohner.
Spannungen in Trägerverbänden Das Dilemma dabei: Orientiere sich das Sawi primär an den Marktbedürfnissen, so würden sich daraus «Spannungen» ergeben mit jenen Trägerverbänden, die Prüfungen organisieren. Orientiere es sich an den Berufsbildern, würde sich das Sawi sukzessive den eigenen Markt kleiner machen, fand Rohner weiter. Er stellte zudem in Frage, ob es heute noch machbar sei, dass jemand Prüfungsleiter, Dozent und Prüfungsexperte gleichzeitig ist. Das sei «in den Augen der interessierten Öffentlichkeit» zunehmend problematischer. Man werde im Sawi eine Diskussion darüber zu führen haben, wie die Trägerschaftsorganisation weiterzuentwickeln sei.
Zur Sprache kam auch die Führungsorganisation des Sawi. Rohner würdigte den verstorbenen Direktor der Westschweiz, Cédric Hinterberger, mit warmen Worten und einer Schweigeminute. In der Romandie leitet nun interimistisch Marcello Romano die Geschäfte, der seine Aufgabe zur Zufriedenheit aller Beteiligten erfülle. Die Suche nach der definitiven Besetzung laufe. Die Direktion Polycom in der Westschweiz wird unverändert von René Engelmann wahrgenommen.
Bedarf nach mehr Stabilität Weniger stabil sei die Situation dagegen in der Deutschschweiz. Die Direktorin Pia Kasper habe zusammen mit den Mitarbeitenden viel Aufbauarbeit in Zürich geleistet. Es seien nach wie vor viele «heikle Situationen» zu meistern gewesen, weil durch den Umzug von Biel nach Zürich sehr viel Know-how verloren gegangen sei. Dies sei heute zu einem grossen Teil wieder kompensiert, doch es bestehe im Sawi Deutschschweiz ganz klar ein ausgewiesen Bedürfnis nach «mehr Stabilität und Kontinuität in Führung und Daily Business», formulierte Rohner. Für Pia Kasper sei eine Top-Priorität die Bildung einer stabileren Bildungsorganisation in der Deutschschweiz und das Wiederheranbilden eines positiven Klimas am Sawi. Darauf lege der Vorstand viel Wert.
Diese Aussage Rohners ist wohl eine vorsichtige Formulierung angesichts dessen, dass aus verschiedenen Kreisen eine deutliche Unzufriedenheit mit der Direktion zu vernehmen ist. Rohner nahm darauf insofern Bezug, als dass er erwähnte, dass viel und auch viel Negatives über die Ausbildungsstätte geschrieben worden sei. Er wolle die vorhandenen Probleme nicht wegreden, rief aber dazu auf, auch das Positive zu sehen. Derzeit herrsche rund um das Sawi Deutschschweiz ein Klima, das durchaus die «Lust auf Selbstzerstörung» beinhalte.
Auch im Vorstand geht es anscheinend hoch zu und her: Das Klima lasse sich durchaus vergleichen mit der Stimmung im eidgenössischen Parlament im vergangenen Dezember. Der Präsident begrüsste die engagierten Diskussionen, doch würden in seinen Augen bei manchen Anträgen nicht nur die Sache im Vordergrund stehen, sondern auch verbandliche oder persönliche Partikularinteressen.
Schweizer Werbung nicht einverstandenKritisch gegenüber der Situation am Sawi steht der Verband Schweizer Werbung: Die SW sei als wichtigste Trägerin des Sawi in Frage gestellt, weil sie sich mit der aktuellen Situation am Lehrinstitut nicht einverstanden erklären könne. Die SW werde sich deshalb über das weitere Vorgehen Gedanken machen und zu gegebener Zeit informieren, teilte der Verband am Samstag mit.
Schwarze Zahlen am SawiErfreuliche Resultate gab es an der Sawi-Mitgliederversammlung in Sachen Finanzen e zu vermelden: Trotz der Investitionen von über einer halben Million Franken in die neuen Schulungsräume in Zürich-Stettbach schloss die Jahresrechnung mit schwarzen Zahlen. Der Jahresgewinn lag bei 28’326 Franken. Pia Kasper wies in ihren Ausführungen darauf hin, dass die Baukosten mit grossen Anstrengungen gegenüber den erwarteten Ausgaben stark gesenkt werden konnten. Laut Rohner trugen ausserdem ein gestrafftes Kostenmanagement, der Abbau von Arbeitsplätzen, Sponsoringbeiträge und die Reduktion von Privilegien und Sonderabkommen zum Ergebnis bei.
Gegen Ende der Mitgliederversammlung gab es ausserdem einige Wechsel im Vorstand zu verzeichnen: Zurückgetreten sind Otto Meier (bis anhin für den VSW im Vorstand), Urs Schneider (SW) und Beat Fritsch (Comm-on). Neu gewählt wurden Moreno Cavaliere (VSW), Daniel Brüngger (SW) und Alessandra Finazzi (Comm-on).