Direktbuchungsrabatt Die Vergünstigung grassiert auch online –und offenbar werden die Werbeauftraggeber nicht informiert.
Als Tamedia letzte Woche mitteilte, dass der Konzern künftig nicht nur im Print, sondern auch im Online-Werbemarkt auf Eigenvermarktung setzt, liess man ganz nebenbei auch eine kleine Bombe platzen. «Tamedia führt ausserdem für alle Online-Angebote eine transparente Kommissionspolitik ein, wobei sich die Vermittlerkommissionen innerhalb von drei Jahren stufenweise dem Niveau der Online-Direktbuchungsentschädigung angleichen sollen», hiess es im dritten Abschnitt.Das Pikante daran: Tamedia tut, als sei eine Online-Direktbuchungsentschädigung (DBE) das Normalste der Welt. Das ist es aber nicht. «Für mich ist das neu. Bisher wurden wir von Tamedia nicht informiert», hält Jürg Siegrist, Direktor des Verbandes Schweizer Werbeauftraggeber (SWA) fest. Und verärgert fügt er hinzu: «Aber das überrascht mich nicht.»
Tatsächlich sprachen die Verleger bisher nie von einer Online-DBE. Ausnahme: Als einziger Verlag hatte die Espace Media schon Anfang 2007 mitgeteilt, dass sie sowohl für die Berner Zeitung als auch für ihr Portal Espace.ch eine DBE gewähre, und zwar eine einheitliche von 1,5 Prozent. Die anderen Verlage dagegen hatten den Online-Bereich sogar ausgeklammert. Offiziell zumindest.
Dabei ist unterdessen klar: Erste DBE-Vereinbarungen zwischen einzelnen Tamedia-Websites und einzelnen Media-Agenturen gab es schon vor etwa zwei Jahren. «Sie entstanden individuell, und im Unterscheid zur DBE bei Print kann man nicht von einem einheitlichen Angebot sprechen», sagt Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer. Namen von Websites mit DBE-Vereinbarungen mag er nicht nennen, ebensowenig einzelne Konditionen. Nur so viel: «Die Konditionen waren bisher unterschiedlich, die DBE bewegt sich aber um 15 Prozent herum. Nun wollen wir schrittweise ein unternehmensweites Angebot schaffen.» Zimmers Angaben stimmen in etwa mit Brancheninformationen überein: Dort ist zu hören, dass der Nachlass 15 bis 20 Prozent beträgt – je nach Website und Medienhaus. Jedenfalls hätten nicht nur Tamedia-Websites DBE-Vereinbarungen abgeschlossen.
Wer aber sonst noch? Klare Antworten kamen von der Basler Zeitung Medien und von Edipresse: Dort kennt man keine solchen Angebote. Auch nicht bei der NZZ. Dort fügt Markus Ehrle, Leiter Werbemarkt, noch hinzu: «Wir sehen auch keinerlei Grund mitzuziehen, da in den unterschiedlichen Mediagattungen differenzierte Wertschöpfungsketten und Vermarktungsmodelle bestehen und das Angebot von Tamedia wohl eher auf eine Art Konzernrabattierung hinausläuft.»
Die Antwort von Ringier blieb dagegen bis Redaktionsschluss aus und bei Axel Springer Schweiz machte man daraus ein Geheimnis. CEO Ralph Büchi schrieb: «Wir haben im Online-Geschäft auf Grund des vorderhand noch begrenzten Volumens keine generellen, sondern nur individuelle Lösungen. Und die publizieren wir nicht.»
Das ärgert den SWA. «Wenn jemand eine DBE anbietet, wollen wir das wissen. Wir verlangen, dass dies auch in der Tarifdokumentation vermerkt ist», sagt Siegrist. Der SWA stellt sich auf den Standpunkt, dass alle Rabatte, auch die DBE, dem Auftraggeber gehören, es sei denn, Agentur und Auftraggeber haben vertraglich etwas anders geregelt.
Doch ein Nachlass, der nicht bekannt ist, kann nicht geregelt werden. In der Branche ist man denn nicht nur erfreut über Tamedias «Geständnis», bringt es doch die Media-Agenturen erneut in die Bredouille. Eben erst hatte Carlo Schmid, Präsident der Schweizer Werbung (SW), mehr Transparenz im Mediageschäft gefordert und dazu eine neue Kommission ins Leben gerufen – worauf der BSW auf seine Branchengrundsätze verwies und seinerseits auf Transparenz und faire Honorare pochte. Und nun lenkt Tamedia den Verdacht erneut auf die Media-Agenturen, was in der Branche als «heikel» bezeichnet wird. Das tat BSW-Geschäftsführer Walter Merz auch, als die Werbewoche anfragte.
Es stellt sich auch die Frage, weshalb Tamedia ausgerechnet jetzt ein verstecktes und kleinlautes Geständnis ablegt. Zeigt Carlo Schmids lautstarkes Poltern bereits Wirkung? Nein, sagt Christoph Zimmer, der Entscheid, eine transparente DBE- und Kommissionspolitik einzuführen, sei das Resultat eines längeren Prozesses unter Einbezug aller Verantwortlichen – und ein solcher dauere länger als zwei Wochen. «Transparente Kommunikation war uns von Anfang an wichtig.»
Und wie stellt man sich beim Verband Schweizer Presse zur neuen DBE-Form? Immerhin ist dort eine Projektgruppe «Markttransparenz» seit einem Jahr daran, eine Übersicht über heute gebräuchliche Rabatt- und Kommissionsmodelle sowie deren Konditionen und Geldflüsse zu erstellen. War dort eine Online-DBE schon mal ein Thema? Dazu Toni Vetterli, Leiter Marketing beim Verlegerverband und Mitglied der Projektgruppe: «Nein, noch nicht. Wir sind derzeit noch mitten in der Arbeit und haben mal die Auslegeordnung für Print gemacht. In einer weiteren Phase wollen wir aber auch andere Mediengattungen, auch Online, einbeziehen. Im optimalen Fall gelingt der zweite Schritt in Zusammenarbeit mit den anderen Branchenverbänden und Gattungsmarketern.»
Markus Knöpfli
Grosse UnterschiedeWährend die DBE für Print
je nach Verlag zwischen einem und zwei Prozent des Bruttovolumens beträgt, soll sich jene im Online-Bereich zwischen 15 und 20 Prozent bewegen. Warum dieser grosse Unterschied? Der Grund: Die Online-Volumina sind auf einem wesentlich tieferen Niveau als jene von Print – entsprechend höher ist die Marge. Auch die Vermittlungskommission (VK) ist entsprechend höher und liegt bei 30 bis 50 Prozent. Tamedias Ansinnen, die VK der DBE anzugleichen, überrascht in der Branche deshalb nicht. Bei wachsenden Online-Volumina sei dies normal. Ambitiös sei einzig, dass Tamedia diese Angleichung innert dreier Jahre erreichen will. Eine VK von 20 Prozent sei ab einem Online-Bruttovolumen von 150 Millionen Franken gerechtfertigt, findet ein Insider. 2007 wurden aber erst 52 Millionen Franken in die Online-Werbung investiert, 10,1 Prozent mehr als im Jahr zuvor.Kein Problem für AdlinkDass Tamedia auch im Online-Bereich ganz auf Eigenregie setzt
, hat Folgen für Adlink. Denn die Goldbach-Media-Tochter verliert 3 von gut 150 Exklusivpachten, nämlich jene für die Tamedia-Sites Sonntagszeitung.ch, Radio24.ch und Telezueri.ch und kann diese neu nur noch in Vermittlung buchen. «Das tut uns nicht weiter weh», sagt Adlink-Geschäftsleiter Stephan Suter jedoch gelassen. «Zwar verlieren wir einzelne Titel innerhalb unserer Themenpools, diese fallen jedoch auf die Gesamtreichweite bezogen nur wenig ins Gewicht.» Zudem seien die Tamedia-Sites ja weiterhin belegbar. Auch die Online-DBE tangiere Adlink kaum, meint Suter. Denn die Werbekunden nähmen die Adlink-Hilfe primär dann in Anspruch, wenn sie Online-Werbepools oder mehrere Titel gleichzeitig buchen wollen, was aus technischen oder logistischen Gründen komplex und aufwändig sei. Tamedias Online-DBE dürfte deshalb eher Web2com und vor allem Admazing weh tun, meint Suter. (mk)