Der Blick am Abend hat das Licht der Welt erblickt und Chefredaktor Peter Röthlisberger zeigte sich mit dem Produktionsablauf der ersten Nummer sehr zufrieden: Es habe auf redaktioneller Seite alles gut geklappt. Nur im Zusammenspiel mit der Druckerei sind Pannen passiert – und ganz nach Murphy’s Law stieg ausgerechnet am ersten Produktionstag ein Farbdrucker aus. Viel Übungszeit für den neuen Blick am Abend gab es nicht. Im Voraus hatte die Redaktion bloss eine Nullnummer erstellt und musste auf den Montag hin gleich noch einen Wechsel beim Redaktionssystem vollziehen: Wie viele Zeitungen wird nun auch der Blick am Abend mit Indesign gemacht. Dazu kommt, dass der Redaktionsschluss neu eine halbe Stunde früher angesetzt ist, nämlich um 13 Uhr. Damit soll die grössere Auflage bewältigt werden, die auf die Fussball-EM hin gedruckt wird. «Weil die Redaktion schon eingespielt ist und die Abläufe bekannt sind, hat aber doch alles funktioniert», so Röthlisberger gegenüber der Werbewoche. Besonders gut gefällt ihm in der ersten Nummer die Titelgeschichte, in der für Fussballer David Degen eine Freundin gesucht wird. Ein Primeur sei der Artikel im Wirtschaftsteil über die Eröffnung des ersten McDonald’s-Café im Zürcher Niederdorf.
Keine institutionelle Zusammenarbeit mit BlickDer Blick am Abend soll auch künftig mit vielen People- und Lifestyle-Geschichten aufwarten, in der Tonalität ist er «unbeschwert und positiv», wie der Chefredaktor sagt. «Wir wollen den Leser am Abend nicht mit tragischen News belasten, sondern ihm vermitteln, dass das Leben schön ist.» Damit soll auch die Abgrenzung zum Hauptblatt Blick gegeben sein. Dort werden die klassischen Boulevardgeschichten und längeren Reportagen stattfinden, abends wird dem Leser Fröhliches serviert. Mit der Blick-Redaktion gebe es keine institutionelle Absprache; man wolle in einem gewissen Wettbewerb stehen. Treffe er Blick-Chef Bernhard Weissberg im Lift an, tausche man sich aber natürlich aus, sagt Röthlisberger.
Zu einem grossen Teil ist es die Crew des soeben verblichenen Abendblatts Heute, welche den neuen Blick am Abend macht. «Seit Anfang Jahr hat etwa ein Drittel der Redaktion gewechselt», erklärt Röthlisberger. Entlassungen gab es keine. Die Redaktionsmitglieder sind jung, im Schnitt zählen sie zwischen 20 und 25 Jahren. Röthlisberger führt sie seit rund einem Monat. Er habe einen guten Eindruck: «Alle sind sehr engagiert und erfüllen das hohe Arbeitspensum mit viel Elan», urteilt der Chef. Dass sie nun alle plötzlich für eine neue Publikation arbeiten, obwohl sie noch am gleichen Schreibtisch sitzen, werde akzeptiert: «Die Leute hatten Zeit für den Abschied von Heute. Und für den Blick am Abend können sie weiterhin ihre Geschichten schreiben, viele haben zusätzlich neue Aufgaben erhalten.»
Auch im Internet «brombeerfarben»Im Internet ist der Blick am Abend nicht mehr mit einem separaten Onlineauftritt präsent, sondern die Inhalte fliessen auf Blick.ch ein. «Wir liefern die People- und Lifestyle-Meldungen, der Blick dagegen die News», sagt der Chefredaktor. Abgegrenzt werden die Inhalte mit einem farbigen Elementen: Die Inhalte aus dem Blick am Abend sind brombeerfarben unterlegt, jene vom Blick im klassischen Rot. Auch die neue Gratiszeitung wird mit einem E-Paper im Netz vertreten sein.
Die Vorgängerzeitung Heute sei bei den Lesern akzeptiert gewesen, habe aber im Werbemarkt gekränkelt, wird von Seiten Ringier stets betont. Wie will der Blick am Abend dem gleichen Schicksal entgehen? «Die drei Titel Blick, Sonntagsblick und Blick am Abend stehen mit einer starken Marke im Verbund. Das ermöglicht gute Kombinationen», erläutert Röthlisberger. Zudem sei die Zielgruppe erweitert worden und umfasse nun nicht mehr nur die 14- bis 32-Jährigen die allerdings weiterhin schwerpunktmässig angesprochen werden.