Klick ins Bild genügt
Online-Werbung Das Hypervideo fordert Skyscraper und Pop-ups heraus. Künftig kann der User Details aus Webvideos direkt anklicken.
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Es ist Samstagabend und die Schweizer Durchschnittsfamilie sieht fern. Plötzlich lehnt sich die Mutter nach vorne. Sie drückt einen Knopf, weil ihr ein Kleid von Julia Roberts gefällt. Auf dem Bildschirm erfährt sie die Kleidergrösse, aus welchem Material es ist und was es kostet. Ausserdem beamt sie sich ins Kleid, betrachtet sich von allen Seiten und bestellt das Ding. Am nächsten Tag liefert ihr der Kurier die Bestellung. Am Wochenende trägt sie das Cocktailkleid an einer Party.Das beschriebene Szenario ist Fiktion. Noch können Zuschauer keine Kleider über die Flimmerkiste bestellen. Was im Fernsehen noch nicht ist, funktioniert im Internet aber schon eine Weile. Internetvideos bieten heute mehr Inhalt, als man auf den ersten Blick vermutet. Ähnlich wie beim Hypertext Links in Texte eingebettet werden, verknüpfen heute Werber in Videos Objekte mit Webseiten oder Zusatzinfos. Ganze Filmstreifen sind verlinkt und erlauben dem Zuschauer, Informationen abzurufen. Sei es die Handtasche, die beispielsweise eine «Sex and the City»-Darstellerin trägt, ihre Schuhe oder den Champagner, den sie an einer Bar trinkt.
Alles ein LinkDer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Einzelne Regionen des Videos werden markiert und mit einer Beschreibung und Links versehen. Wandert der Mauszeiger beim Schauen des Films über die entsprechende Region, stoppt das Video, und die für das jeweilige Objekt hinterlegte Information wird eingeblendet. Damit das Ganze nicht zum Suchspiel ausartet, leuchten Markierungen im Video auf, sobald Informationen verfügbar sind. Selbst gefilmte Objekte wie vorbeifahrende Autos sind klickbar. Zuschauer können frei nach ihrem Interesse auf Informationen zugreifen.
Die Video-Technologie ist in den USA schon weit verbreitet. Inwiefern Werber in Übersee das Klickpotenzial erkannt haben, zeigt ein Besuch auf die Webseiten Asterpix.com oder Videoclix.tv. Die Filmdatenbanken bieten einen Einblick, wo und für was solche Hypervideos bereits zum Einsatz kamen.
Kommerziell führend in diesem Geschäft ist das Software-Unternehmen Eline Technologies, das die Software Videoclix entwickelt hat, um Links in Videos zu hinterlegen. Bereits haben Kunden wie Apple, Disney und Sony ihre Filmprojekte damit verlinken lassen. Wie Eline-Chef Babak Maghfourian sagt, seien die interaktiven Werbespots im Web, was die Zugriffszahlen im Web betrifft, weit erfolgreicher als traditionelle Fernsehwerbung.
Auch in der Schweiz wird mit dem Hypervideo-Format experimentiert. Die Firma Clixmedia aus Wädenswil hat die Technologie-Lizenzen aus Übersee eingekauft und ist gegenwärtig daran, Schweizer Kunden vom Vorteil interaktiver Videos zu überzeugen. Clixmedia-Chef Tom Lanbacher sieht deshalb grosses Potenzial, weil die Internet-User nach seinen Beobachtungen ein «Entdecker-Gen» hätten und alles anklicken, was sie interessiert. Die Akzeptanz dieser Art von Werbemodell sei gegeben, weil der Betrachter unaufgefordert mit Werbung bedient wird. Der User entscheidet, ob er sie anklicken und mehr wissen will. Um Kunden von der Technologie zu überzeugen, verfasste Lanbacher kürzlich ein mehrseitiges Plädoyer für die neue Technologie. Seine Botschaft: Die neue Generation von Werbung ist unaufdringlich und trotzdem effektiv.
Ringier prüft TechnologieVon den strategischen Möglichkeiten von Hypervideos zeigt sich das Medienunternehmen Ringier sehr angetan. Die Technologie wird seit Monaten einer Tauglichkeitsprüfung unterzogen. Noch sind aber keine konkreten Projekte umgesetzt worden. Man sei immer noch in einer «internen Prototyp-Phase», so ein Mitarbeiter. Die berühmte Nasenlänge weiter ist das Werbefilm-Unternehmen Pumpkin, das einen gedrehten Werbespot zum Hypervideo aufrüsten wollte. Noch ohne Erfolg. New Media Producer Götz Hudelmaier sagt: «Wir konnten den Film nicht wie geplant katalogisieren, weil er zu schnell geschnitten ist.»
Christian Lüscher
Product Placement – Austauschen leicht gemachtNeben den neuen Verlinkungsmöglichkeiten von Videos
ist auch eine neue Form von Product Placement ein grosses Thema. Das israelische Start-up Seambi hat eine Technologie entwickelt, die es erlaubt, Werbeflächen und dreidimensionale Objekte in fertig produzierten Web-Videos einzubinden. Was heisst, dass in einer TV-Serie die Wohnstube mit einer gut sichtbaren Stehlampe von Ikea ergänzt werden kann. Oder die Cola-Dose mit einer von Pepsi ersetzt wird. Für die Werbewirtschaft sind so gut wie keine Limits gesetzt, weder beim Videoformat noch bei der Werbeeinblendung. Die Vorteile gegenüber herkömmlicher Online-Werbung ist offensichtlich: Die einmal in das Video eingesetzten Werbeflächen können schnell mit verschiedenen Werbungen versehen werden. Wie in der Fachzeitschrift W&V zu lesen ist, gilt die Technologie als «kampagnenfähig» und wird bereits vom Medienunternehmen Hubert Burda Media verwendet. Die Branche dürfte grosse Hoffnung in solche Technologien legen, weil die Ausgaben für Product Placement jährlich ansteigen. Und Webvideos sind ein gern gesehenes Angebot. Bereits die Hälfte aller User im Internet ruft mindestens einmal pro Monat solche Filmchen ab. Rund ein Viertel der User klickt gelegentlich auf Videowebsiten, so eine Studie von Universal McCann. (cl)
