Innert Jahresfrist sind der Presse 717’000 Leserinnen und Leser abhanden gekommen. Total 36 Titel haben signifikant verloren aber immerhin 14 zugelegt. Bei der Tagespresse stehen vier Gewinnern fünf Verlierer gegenüber. Bei der Publikums- und Wirtschaftspresse sind es vier Gewinner und elf Verlierer und bei der Spezialpresse sechs Gewinner und 20 Verlierer.
Titel mit signifikanten Veränderungen gegenüber Mach Basic 2007-2 und 2008-140 Prozent lesen gratisWeiter zugenommen hat der Gratisanteil der Tagespresse. In der Westschweiz werden jetzt erstmals die Auswirkungen der Distributionserweiterungen von Le matin bleu und 20 minutes auf das ganze Sprachgebiet voll sichtbar. Die beiden kleinformatigen Gratisblätter erzielen einen Lesermarktanteil von nicht weniger als 45 Prozent. Dabei liegt der Gratismatin weiterhin vor 20 minutes.
Der Abstand hat sich aber um etwa einen Drittel reduziert, da 20 minutes stärker zulegen konnte. Lag das Tamediablatt vor einem Jahr noch drei Prozentpunkte hinter dem bezahlten matin zurück, so hat es ihn inzwischen um über 13 Punkte distanziert. Denn der orange matin hat 2,8 Reichweitenpunkte verloren und ist neben der Tribune de Genève (-1,4 Prozentpunkte) der zweite Titel mit signifikanten Verlusten in der Westschweiz.
In der deutschen Schweiz ist 20 Minuten dagegen nur noch bescheiden – aber doch signifikant – gewachsen. Mit einer Reichweite von 30,5 Prozent übertrifft das Pendlerblatt jetzt die Sonntags-Werktagskombination des Blick (Power Duo) bereits um zwei Prozentpunkte. Der Metropool liegt sogar schon sechs Punkte zurück. Denn sowohl Blick und Sonntagsblick als auch Tages-Anzeiger und Basler Zeitung haben gegenüber 2007-2 signifikant an Reichweite verloren. Zugelegt hat dagegen das durch den Brombeerblick abgelöste heute. Mit einer Reichweite von 6,8 Prozent liegt es jetzt auf der Höhe der NZZ (6,9%). Der Gratisanteil ist in der deutschen Schweiz auf 30 Prozent angestiegen – allerdings ohne News und .ch von denen es noch keine Zahlen gibt.Erstmals separat ausgewiesen wird dagegen das Magazin des Sonntagsblick. Mit 11,8 Prozent erreicht es aber nur gerade 56 Prozent der Leserinnen und Leser des Trägerblattes, übertrifft damit aber immerhin die NZZ am Sonntag. Für die Zukunft ist im Sonntagsmarkt allerdings mit deutlich mehr Bewegung zu rechnen. Sonntag und Zentralschweiz am Sonntag werden auf die Leserzahlen der sprachregionalen Titel sicher Einfluss haben. Bis sich das in der MACH Basic niederschlägt, dürften aber noch ein bis zwei Jahre vergehen.
Publikumspresse geht weiter bergabBei der Publikumspresse kommen die Verlierer aus allen Titelgruppen. Besonders gebeutelt ist aber die Programmpresse in der deutschen Schweiz. Vier der sieben Titel haben gegenüber 2007-2 signifikant verloren. Zu den Verlierern gehören auch die Marktleader TV täglich und Tele. Der Abotitel von Springer erreicht aber zusammen mit den anderen Programmzeitschriften aus dem gleichen Haus als Tele Kombi XXL mit 22,6 Prozent die praktisch gleiche Reichweite wie die Gratisbeilage TV täglich von Ringier und Tamedia.
Zusammen mit dem Beobachter (der ebenfalls signifikant verloren hat) erreicht das Springer-Millionenkombi sogar mehr als einen Drittel der Bevölkerung in der deutschen Schweiz. Gegen die Genossenschaftstitel von Migros und Coop hat aber auch das Millionenkombi keine Chance – obwohl beide signifikant an Reichweite eingebüsst haben.
Bei der Wirtschaftspresse sieht es auf den ersten Blick positiv aus. In der Westschweiz erhöhte das populäre Tout compte fait seine Reichweite innert Jahresfrist um über 20 Prozent. Und in der Deutschschweiz legte die Handelszeitung um 13,5 Prozent zu. Zu verdanken ist dieser Zuwachs der Übernahme des Abonnentenstamms der Cash-Wochenzeitung.
Wie weit diese Leser langfristig gehalten werden können, muss sich aber noch zeigen. Zum insgesamt positiven Bild bei der Wirtschaftspresse trägt auch der Umstand bei, dass Cash vor Jahresfrist bereits nicht mehr ausgewiesen wurde. Im Vergleich zu 2004 fehlen deren fast 300’000 Leser natürlich weiterhin. Die 85’000 von Cash daily machen sie noch lange nicht wett – allerdings enthalten diese Werte nach wie die Bildschirmnutzung via Livepaper nicht. Es zählt nur die Nutzung auf Papier.
Ueli Custer