Die Printreichweiten-Studie Mach Basic kommt langsam an ihre Grenzen: In wenigen Jahren ist sie nicht mehr repräsentativ genug. In den letzten Jahren haben sich die Rahmenbedingungen für die Printmedienforschung derart schnell geändert, dass sich die AG für Werbemedienforschung (Wemf) bereits seit zwei Jahren Gedanken über die dritte Mach-Generation macht. Anders als beim letzten Generationenwechsel geht es diesmal aber nicht primär um eine Verbesserung der Währung. «Der LpA-Wert ist auch international gesehen nach wie vor absolut state of the art», sagt Wemf-Forschungsleiter Harald Amschler. Das Ziel sei aber, die bisherige Währungsqualität zu halten. Denn diese sei gefährdet.
Amschler nennt zwei Hauptgründe. Seit man die eigene Telefonnummer nicht mehr ins Telefonbuch eintragen lassen muss, fehlen dort immer mehr Festnetz- und erst recht die Handy-Nummern. Personen, die auf ein Festnetztelefon verzichten und einzig über ein Handy verfügen, sind somit auf diesem Weg nicht mehr kontaktierbar. Zwar sei diese Personengruppe «noch überschaubar», sagt Amschler. Aber die Zahl wachse und stelle früher oder später die Repräsentativität der Mach-Stichprobe in Frage. Der zweite Grund für eine drohende Qualitätseinbusse: Im Schweizer Blätterwald existieren immer mehr Titel mit ähnlichen Namen. «Sonntag» zum Beispiel heisst die siebte Ausgabe der MittellandZeitung, jedoch auch ein Wochenmagazin des Verlags CAT-Medien. Weitere Beispiele: NZZ und NZZ am Sonntag, Schweizer Illustrierte und SI Style, 20 Minuten und 20 Minuten Week, Blick, SonntagsBlick und Blick am Abend. Dies erhöht bei diesen Titeln bei rein telefonischer Abfrage das Verwechslungsrisiko – und führt damit zu falschen Angaben. Dasselbe gilt für Brandwechsel wie von TR7 zu TVStar oder von 20 Minuten Week zu 20 Minuten Friday.
Qualitätsprobleme werden beseitigtDie Wemf hat inzwischen schon eine Reihe neuer Erhebungsmethoden evaluiert und dabei auch elektronische Messsysteme geprüft. Doch Amschler und der Wemf-Verwaltungsrat kamen zum Schluss, dass für eine elektronische Messung der Printnutzung die Technik entweder ungeeignet oder noch zu unausgereift ist (siehe Kasten). Die Konsequenz: Die Wemf bleibt methodisch bei Befragungen, wie das im Übrigen auch die Forschungsorganisationen unserer Nachbarländer tun. Die Wemf modifiziert diese aber so, dass die erwähnten Qualitätsprobleme beseitigt werden. Konkret hat sie sich für ein mehrstufiges Verfahren («Zweiteiliges CATI mit RDD») entschieden. Dabei sucht man die Nummern nicht mehr wie heute computerunterstützt aus den (unvollständigen) Telefonverzeichnissen, sondern lässt sie von einem Zufallsgenerator (RDD) zusammenstellen (auch solche mit Mobile-Vorwahl 079, 078 …) und automatisch anwählen.
Ist die Nummer in Betrieb, kann die entsprechende Person für eine Studienteilnahme angefragt werden. Macht sie mit, erhebt man in einem ersten kurzen telefonischen Interview die Grunddaten (Alter, Geschlecht, Wohnort …) und kündigt ihr an, dass sie per Post Zeigematerial erhält. Darin sind unter anderem die zur Befragung anstehenden Printtitel mit ihrem Logo abgebildet. Gleichzeitig vereinbart man mit der Person einen Termin für das Hauptinterview (Abfrage der gelesenen Titel). Dieses wird ebenfalls telefonisch geführt, wobei die befragte Person das Zeigematerial zu Hilfe nimmt, um Titelverwechslungen zu vermeiden.
Im Wesentlichen möchte die Wemf also von einer rein verbalen zu einer kombinierten gestützten Befragung (verbal und optisch) wechseln, ähnlich wie sie es heute schon bei der MA Leader tut. Gleichzeitig will sie Gewähr bieten, dass wieder alle telefonisch erreichbaren Personen in der Anfangsstichprobe enthalten sind.
Ob sich mit der Methodik auch der Befragungsinhalt ändert, steht noch nicht fest. Amschler geht aber davon aus, dass die Reichweiten weiterhin nach dem LpA-Ansatz (bei Zeitungen etwa «gestern gelesen») erhoben werden. «Wahrscheinlich kommen andere Zusatzfragen hinzu – etwa zur crossmedialen Nutzung von Channels und Content», sagt er. Doch Amschler warnt davor, den Fragebogen der Mach3 Basic zu überladen. «Es ist schon heute schwierig, die Leute zum Mitmachen zu gewinnen. Für zusätzliche Bedürfnisse gibt es die Möglichkeit, parallele Erhebungen im Mach-System durchzuführen», sagt er.
Teurer als heutige StudieNächstes Jahr will die Wemf eine erste Mach3-Pilotstudie durchführen lassen, parallel zur heutigen Erhebungsart. Sie soll nicht nur zeigen, ob die neue Methodik funktioniert, sondern auch, wie stark die Ergebnisse von jenen der heutigen Erhebung abweichen. Die Mach3 wird auf jeden Fall teurer als die heutige Studie.
Läuft alles nach Plan, wird die Mach3 Basic bereits im Jahr 2010 erstmals voll erhoben. In diesem Fall könnte die Wemf 2011 die Resultate publizieren. Doch Amschler betont: «Dank unserem proaktiven Handeln haben wir genug Zeit, die Mach3 sorgfältig zu entwickeln und auszutesten. In der Zwischenzeit allerdings tut die Mach2 nach wie vor zuverlässig ihren Dienst.»
Markus Knöpfli
Elektronische Printmessung – wo haperts?Mit Mediawatch, MediaScan, Arbitron, Eurisko oder Handycameras existieren zwar mehrere Ansätze für die elektronische Messung der Printnutzung, doch ist immer die aktive Mitarbeit des Probanden erforderlich: Er muss ins Gerät sprechen, per Taste eingeben, fotografieren oder einscannen, was er gerade liest – und wie lange. Das erfordert viel Disziplin. Und führt gemäss Harald Amschler kaum zu zuverlässigeren Resultaten als das Erinnerungsvermögen, auf dem die Mach-Interviews aufbauen.
Derzeit misst nur eine Methode passiv, das heisst ohne bewusstes Zutun des Probanden. Dabei werden die zu untersuchenden Printtitel mit einem RFID-Tag versehen, ein flacher Chip, ähnlich wie er heute zur Diebstahlsicherung unter Etiketten Anwendung findet. Das vom Probanden getragene Messgerät erkennt dann mittels ausgesandter und reflektierter Radiowellen, welches Medium wann wie lange genutzt wurde. Das Problem hier: Für die Zwecke der Medienforschung steht diese Technologie erst am Anfang. Sie ist deshalb noch sehr teuer und vor allem fehleranfällig. Zum Beispiel werden die Radiowellen von anderen Metallgegenständen reflektiert, was zu Fehlsignalen führt. (mk)
Mach-GenerationenWenn in der Schweizer Medienforschung in Zukunft häufiger die Begriffe Mach1, Mach2 und Mach3 fallen, so ist nicht von Schallgeschwindigkeit die Rede. Mach steht für Media-Analyse Schweiz (CH) und mit den Zahlen benennt man die Studiengenerationen. Derzeit stehen wir im Zeitalter der Mach2, die seit 2000 für Print und Kino mit dem LpA-Wert (Leser pro Exemplar) die offizielle Reichweitenwährung liefert. Die Grundlage dafür bilden 23’500 Telefoninterviews à rund 35 Minuten zur Nutzung von Presse und Kino, die pro Jahr und über 365 Tage verteilt geführt werden (sogenannte CATI-Methode). Die erste Mach-Generation mit dem unschärferen K1-Wert war übrigens von 1991 bis 1999 im Markt. Zuvor gab es von 1965 bis 1989 die Medienstudie «MS». (mk)