Kommentar: Gemischtwarenladen (2)

René Worni über clever terminierte Medienerzeugnisse der Post.

Wir haben es bereits einmal vermeldet: Der Gemischtwarenladen Post gebärdet sich auch verlegerisch und will selber Zeitungen und Zeitschriften publizieren. Alles halb so wild, winkten die Verantwortlichen der Posttochter DMC ab. Bisher ging es auch bloss um eine Art Minizeitung «in-», die zweimal wöchentlich, jedoch bald in einer Auflage von einer Million Exemplaren in die Haushalte verteilt wird. Das Potenzial ist enorm.
Zum jährlichen Verlegerkongress gibt die Post zusammen mit dem Verlegerverband die 16-seitige Kongress-Zeitung heraus mit praktischem Nutzwert in Form eines faltbaren Kongressführers, der beiliegt. Das Blatt beleuchtet nicht bloss die Kongressagenda, sondern steuert kongruente Inhalte bei: Ein Interview mit der LeTemps-Verlagsleiterin zur Gratispresse in der Romandie, ein Frontbericht über den sich wandelnden Arbeitsalltag des Auslandkorrespondenten, Expertenmeinungen zur Debatte über die Herausforderungen im Journalismus bis hin zur geschickten Eigenwerbung über die Vorzüge der Frühzustellung oder über ein Vertriebsportal im Internet. Das Heft ist seriös gemacht, bestandene Journalisten und Fotografen waren am Werk und man merkt, die Post hat das Zeug zur Verlegerin. Sie wird nicht zögern, wenn sie, durch die fortschreitende Postmarktliberalisierung genötigt, neue Erlösquellen erschliessen muss.

Kopf der Woche: Designergeist

Rolf Widmer versteht unter dem Begriff «Design» den Gestaltungsprozess von Produkten und Dienstleistungen, die unser Leben nachhaltig angenehmer, intelligenter und ökologischer machen. Mit seinem Unternehmen Designstudios GmbH in Ostermundigen arbeitet er seit 25 Jahren in diesem Sinn.

Gutes Design ist einfach. Einfach in der Konstruktion, in der Produktion, in der Logistik, zum Verstehen und in der Handhabung. Einfach ist nicht simpel, sondern «einfach gut». Zu dieser Philosophie von Rolf Widmer passt es, dass der Designer aus Ostermundigen genau gleich lang wie er sein Unternehmen führt – bereits seit 25 Jahren – als Fitness für Geist und Körper Karate betreibt. Die scheinbar einfachen Bewegungen erfordern hohe Konzentration, Disziplin und fördern die mentale Stärke.
Zu den Stärken des Teams der Designstudios gehört die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen, zu analysieren und komplexe Aufgaben einfach und verständlich umzusetzen. Als Basis für die Lösungsfindung sieht Widmer die Kombination von Kreativität und Methodik.
Die Kernkompetenz der Designstudios in Ostermundigen ist die Lösung von Gestaltungsaufgaben. Die Firma deckt ein breites Spektrum ab. Vor allem auch Kunden, die nicht mehrere Spezialisten zur Lösung eines Problems beiziehen wollen, finden bei den Designstudios alles aus einer Hand. Konzipiert und realisiert werden Lösungen im Bereich Corporate Design, Printmedien wie zum Beispiel Broschüren, Company Profiles und Jahresberichte. In diesem Zusammenhang werden auch Gestaltungslösungen für das Internet umgesetzt. Die Programmierung dieser Projekte erfolgt durch ein Partnerunternehmen im gleichen Haus. In den letzten Jahren wurden vermehrt auch Corporate Filme in Zusammenarbeit mit Netzwerkpartnern realisiert. Das Kernteam der Firma besteht aus sechs Mitarbeitenden und wird bei Bedarf durch qualifizierte Freelancer ergänzt.
Klare Freiräume schaffen
Die Geschicke der Designstudios GmbH leitet Rolf Widmer seit 1989 zusammen mit seiner Ehefrau und Geschäftspartnerin.
Nach dem Wechsel der Trends in den 25 Jahren seines Metiers befragt, sieht Widmer, dass heute vieles freier sein muss. Früher hätten «dicke Manuals» für das CI mitgeholfen, die Entwicklung eines Unternehmens zu blockieren. Heute muss ein CI so formuliert sein, dass es Entwicklungen unterstützt. «Es müssen klare Freiräume geschaffen werden, die neben den wichtigen Fixpunkten das Potenzial eines Unternehmens fördern. Neue Herausforderungen, Veränderungen im Umfeld und neue Trends muss ein Unternehmen frühzeitig erkennen, um entsprechend agieren zu können.»
In diesem Sinn arbeitete Widmer einige Jahre für den Kunden Bauhaus in Deutschland. Für diesen Fachmarkt haben seine Designstudios während dieser Zeit jährlich bis zu 400 Packungen gestaltet. Angefangen hat es mit der Produktlinie «Alpha Tools». Das erfolgreiche Konzept hat dazu geführt, hat das Team schliesslich mehr als zwölf umfassende Produktlinien betreut hat. Eine Reorganisation beim Kunden hätte eine grössere Teamerweiterung und einen zweiten Standort in Mannheim vorausgesetzt. Die daraus resultierende einseitige Ausrichtung auf einen einzelnen Grosskunden passte nicht in die Strategie Widmers und seiner Partnerin. Rolf Widmer will auch in Zukunft nicht primär Managementaufgaben übernehmen. Er liebt nach wie vor die Herausforderung abwechslungsreicher Aufgaben, für die er mit neuen Ideen und Kreativität Lösungen sucht. Dazu greift er mit Vorliebe zu Bleistift, Pinsel und Skizzenbuch, bevor mit modernster Technik diese Ideen zur Produktionsreife gebracht werden.
Heute suchen die Designstudios im Bereich Packaging Design kreative Lösungen zum Beispiel für Chocolats Camille Bloch, im Corporate Design u. a. für die ARA Thunersee oder die SQS. Im Bereich Industrial Design hat Rolf Widmer verschiedene Sitzmöbel und Tische gezeichnet, mit einem Entwurf für die Carrosserie eines Monorails einen Designwettbewerb gewonnen und war er an der Entwicklung des Passagier-Informationssystems «iQube2 für die Précimation SA in Biel beteiligt. In diesem Zusammenhang konzipierte er für den Bahnhofplatz Biel die Signalethik-Lösung für die VBB. Aktuell arbeitet er am Signalethik-Projekt für die Verkehrsbetriebe Tübingen (D).
Schweizer Kreuz als Intarsie
Ein Ausstellungspavillon, den Widmer mit seinen Partnern im Auftrag des Bundesamtes für Verkehr für die Informationsarbeit der Neat gestaltet haben, hat in München, Dortmund, Hamburg und in Wien Aufklärung in Sachen Alpentransversalen geleistet. Dieser Pavillon, den Widmer als eine dreidimensionale Version des Neat-Logos mit zwei Bergspitzen und den beiden Tunnels gestaltet hat, zeigt auf, wie die Designstudios es verstehen, von der Architektur über die Möbel bis zu Multimedia mit drei Filmen sowie Grafik, Informations-Panel und Printmedien ein eindrucksvolles Gesamtwerk zu schaffen. Die Wirkung im Grossen wird durch die Liebe zum Detail – z. B. mit einem leuchtenden Schweizer Kreuz als Intarsie in den Theken oder als Griff für Schranktüren perfektioniert. Bei diesem Auftrag musste die Realisation ebenso schnell über die Bühne gehen wie beim Job für Schweiz Tourismus, wo innert fünf Wochen 24 Tische von 6 bis 14 Meter Durchmesser in Form des bekannten Edelweiss-Logos entwickelt, gebaut und für den Event zur Eröffnung der Wintersaison auf das Jungfraujoch transportiert werden mussten. In solchen Momenten, wo die Planung vor dem Budget-Entscheid viel länger als die Zeit für die Realisation in Anspruch nahm, kann eine termingerechte Lösung nur dank einem ausgezeichneten und eingespielten Netzwerk realisiert werden.
In solche Projekte fliesst die 25-jährige Erfahrung ein. «Ich hatte das Glück, meine Lehre als Grafiker in einem Betrieb zu machen, wo man nebst klassischer Werbung auch Ausstellungen gestaltete und im Messebau tätig war», erzählt er. Und weil es im Messebau immer wieder saisonale Spitzen mit engen Terminen gibt, wurde der Grafiker in dieser Zeit regelmässig auch beim Messebau eingesetzt. «Dabei konnte ich nebst den gestalterischen auch meine handwerklichen Fähigkeiten einsetzen.» Für den Designer bedeutete das: «Ich habe dadurch im dreidimensionalen Bereich und im Umgang mit verschiedensten Materialien sehr viel gelernt.» Diese Einsätze weckten das Interesse an der dritten Dimension, sodass Widmer seine Grafikausbildung nebenberuflich in Deutschland mit einem Studium im Bereich Industrie-Design ergänzte.
Sturmerprobt ist Rolf Widmer aber nicht nur als Designer und Projektleiter. Bereits fünf Jahre vor der Gründung seiner Firma hat er die Herausforderung beim Segelsport auf den Weltmeeren gesucht. Nebst Job und Familie findet er noch heute regelmässig Zeit, diese Leidenschaft zur Erholung auszuüben.
Andreas Panzeri

Zu guter Letzt: Zum Fingerlecken gut, und so soll es bleiben

Ein Besuch bei Bekannten in Deutschland steht an. Und wie immer wurden im Vorfeld von deutscher Seite einige Wünsche angebracht: Was Süsses muss es sein. Also kurz vor der Abfahrt des Zuges noch schnell zu Sprüngli...

Ein Besuch bei Bekannten in Deutschland steht an. Und wie immer wurden im Vorfeld von deutscher Seite einige Wünsche angebracht: Was Süsses muss es sein. Also kurz vor der Abfahrt des Zuges noch schnell zu Sprüngli. Eine Schachtel Luxemburgerli holen. Als wir vor der Vitrine stehen, die verschiedenfarbigen Miniburger betrachten und der netten Bedienung unsere Bestellung diktieren, denken wir plötzlich: «Was hat diese Dame doch für einen unglaublich tollen Beruf. Den ganzen Tag mit diesen Köstlichkeiten herumspielen, das wär doch was!» – Und dann haben wir’s ihr auch schon genau so gesagt. Die Antwort ist ein ziemlich verstörter, leidender Blick. Scheint so, als verliere sich das Interesse bei intensiverer Beschäftigung mit der Materie. An der Qualität der Ware kann’s nicht liegen, müssen wir nach dem Verzehr der nach Geheimrezept hergestellten Ware feststellen. Deshalb ist auch verständlich, dass Firmen wie Sprüngli, Coca Cola oder Kentucky Fried Chicken (KFC) dieses unbedingt bewahren wollen. Wie der Boston Herald diese Woche vermeldete, wurde am Dienstag zum ersten Mal seit Jahrzehnten das höchstgehütete Geschäftsgeheimnis von KFC an einen anderen Ort verlegt. Das von Firmengründer Colonel Harland Sanders vor 68 Jahren handschriftlich verfasste Rezept mit elf speziellen Kräutern und Gewürzen wurde vom Hauptsitz der Firma in Louisville, Kentucky, in einen noch sichereren Safe gebracht. «Ich will nicht der Präsident sein, der dieses Rezept verliert», sagte KFC-Chef Roger Eaton und kettete den Reisesafe persönlich an das Handgelenk seines Sicherheitschefs. Pouletflügel sind eben nicht gleich Pouletflügel, und «fingerlicking good» sind sie ja anscheinend nur bei KFC.

Alles neu und transparent bei der APG

Ab 2009 bietet die APG dem Werbemarkt Plakattarife, die neu auf gemessenen statt erfragten Reichweiten ¬basieren. Die Umstellung erfolge «preisneutral», sagt die APG.

«Ab jetzt herrscht gnadenlose Transparenz», so lautete der Titel eines Communiqués, mit dem die Aussenwerberin APG diese Woche ankündigte, dass sie ihr Tarifsystem per 2009 auf Reichweitenwerte aus dem SPR+-Messsystem umstellen wird. Der Wechsel von erfragten auf GPS-gemessene Leistungswerte führe ab 2009 zu «gerechten» Tarifen und werde über das Gesamtangebot «preisneutral» ausfallen, schrieb APG-Marketingleiter Roger Möschler weiter.
Was die APG dem Werbemarkt nun auftischt, sieht jedoch auf den ersten Blick nach Preiserhöhung aus. Denn bei 27 von 38 präsentierten Plakatnetzen hebt sie den Wochentarif um bis zu 20 Prozent an, obwohl nur drei Plakatnetze künftig höhere Reichweiten aufweisen. Die Preisreduktionen machen dagegen maximal 7,2 Prozent aus, bei zum Teil massiv tieferen Reichweiten.
Doch Vorsicht, dieser erste Eindruck trügt. Zwar kosten die meisten Plakatnetze im Wochenaushang künftig tatsächlich mehr. Doch ein direkter Leistungs-, Preis- oder TKP-Vergleich ist gar nicht zulässig, weil es punkto Reichweite zu einem Währungsbruch kommt. Zudem werden zwei- und dreiwöchige Netz-Belegungen in vielen Fällen günstiger. Drittens hat die APG ihre Netze völlig neu zusammengestellt. Und viertens hat sie deren Zahl reduziert: War bisher die Hälfte der rund 30’000 APG-Strassenflächen in Netze eingebunden, sind es ab 2009 nur noch 40 Prozent. Der grosse Rest wird als Einzelflächen verkauft. Von diesen wird die Mehrheit laut Möschler günstiger, ausgenommen jene an Toppositionen, die pro Woche mehr als 100’000 gewichtete Plakatkontakte generieren (vier Prozent aller Flächen).
Wo ist denn hier die Transparenz?
Angesichts dieses Multipacks an Änderungen werden sich zwar einige APG-Kunden fragen, was denn am neuen Tarifsystem noch «gerecht», «preisneutral» oder gar «transparent» sein soll. Der Karren wurde womöglich überladen. Eines muss man der APG aber zugute halten: Die neue Währung nach SPR+ ist markant besser. Ein Vergleich der bisherigen mit der neuen Erhebungsmethodik zeigt dies.
Bisher erhob der grösste Schweizer Aussenwerber die Plakatreichweiten nach der Copland-Methode: Personen wurden nach den Wegstrecken befragt, die sie in den letzten sieben Tagen zurückgelegt hatten. Basierend darauf wurde eruiert, welche Plakatstellen sie passiert haben mussten. Jeder dieser Flächen wurde folglich ein Kontakt gutgeschrieben, egal, ob sie auch wirklich beachtet wurde. Die Reichweite wurde dann anhand der Ortsgrösse (Einwohner) hochgerechnet. Man ging also davon aus, dass alle Plakatflächen innerhalb derselben Ortschaft regelmässig von allen Einwohnern passiert werden.
Beim Messsystem SPR+ (Swiss Poster Research plus) werden ebenfalls Wegstrecken verfolgt, jedoch mittels kleiner GPS-Geräte, die die zurückgelegten Wegstrecken der Probanden während einer Woche im Sekundentakt metergenau aufzeichnen. Überträgt man die Strecken auf digitale Karten, lässt sich feststellen, welche Plakatflächen der Proband passiert hat. Zwar gibt auch SPR+ keine Auskunft darüber, ob ein bestimmtes Plakat wirklich beachtet wurde. Ganz abgesehen davon, dass die Kontaktqualität ja auch von der Bewegungsrichtung, der Passiergeschwindigkeit, der Tageszeit, vom Plakatformat oder von der Anzahl Plakate am selben Standort beeinflusst wird. Doch das Messsystem SPR+ berücksichtigt genau diese Faktoren, indem für jedes Plakat ein Sichtbarkeitsraum definiert wird. Bewegt sich ein Proband beispielsweise mit 10 Kilometer pro Stunde und bei Tageslicht im Sichtbarkeitsraum eines alleinstehenden Plakates, und zwar frontal auf dieses zu, so wird dies als ein Kontakt gewichtet. Passiert die Person das Plakat hingegen nachts, ergibt dies bei Leuchtplakaten einen, bei unbeleuchteten Flächen jedoch keinen Kontakt. Und wenn die Person tagsüber parallel am Einzelplakat vorbeigeht, so gilt dies noch als halber Kontakt. Mit andern Worten: Während bei SPR+ mehrere Hürden verhindern, dass eine Passage vorschnell als Kontakt gerechnet wird, zählte man nach Copland jede noch so flüchtige Passage als Kontakt.
Doch die APG geht bei der Reichweitenberechnung für ihre Netze noch weiter: Sie berücksichtigt zusätzlich, dass die Kontaktqualität auch von der Plakatgestaltung (Art-Work) abhängt. Ihre Netzgestaltung ist deshalb so angelegt, dass eine durchschnittliche Werbebotschaft auf F12 mindestens drei volle Kontakte generieren muss, um überhaupt als Reichweite zu gelten (= Kontaktklasse KK 3). Ein F200 benötigt gar vier Kontakte (= KK 4). Das hat Auswirkungen auf die ausgewiesenen Reichweiten: Das heutige Netz «City200 Big9» zum Beispiel, das die neun grössten Städte mit 482 Flächen abdeckt, generiert gemäss Copland 80 Prozent Reichweite. Die Auswertung derselben 482 Flächen nach SPR+ und mit KK 4 ergibt dagegen nur 72 Prozent Reichweite. Setzt man die KK jedoch auf >0, womit ein Kontakt noch immer strenger gewichtet wird als bei Copland, steigt die Reichweite von «City200 Big9» auf über 80 Prozent. Das zeigt: SPR+ ergibt wesentlich härtere Reichweitenwerte. Überhaupt setzt die APG mit dieser Reichweitenberechnung einen neuen Standard. Vermutlich weltweit. Denn kaum ein anderes Medium setzt die Messlatte so hoch.
Teurere Bahnhofstrasse Zürich
Doch nicht nur wegen der neuen Reichweiten-Währung, auch weil die APG ihre Netze per 2009 ganz neu zusammensetzt, macht ein direkter Vergleich keinen Sinn: Einige Netze, etwa das «Big Cities F12», umfassen künftig bis zu 65 Plakate mehr als heute, es gibt aber auch solche mit weniger Flächen. Dass die APG die bisherigen Netz-Bezeichnungen dennoch beibehält, ist zumindest aus Kundensicht etwas unglücklich.
Auch die Preisgestaltung ist nicht so transparent, wie Roger Möschler behauptet. Zwar glaubt man ihm gern, «dass bei den F12, F24 und F200 die individuell gemessene Leistung als neue Preisbasis gilt». Es ist daher nachvollziehbar, dass ein Plakat an der Zürcher Bahnhofstrasse künftig mehr kostet als eines in Altstetten. Unklar ist aber, welchen Anteil die Kontaktleistung der Plakatfläche am Verkaufspreis hat. Fest steht nur, dass sie eine von fünf Preiskomponenten darstellt. «Zur prozentualen Verteilung machen wir keine Angaben», sagt Möschler nur.
Positiv aus Kundensicht ist, dass die APG eine Leis¬tungsgarantie einführt. «Die Media-Daten pro Netz sind neu als garantierte Mindestwerte definiert und die Preise pauschal festgelegt», sagt Möschler. Darauf könne sich der Kunde verlassen, selbst dann, wenn etwa wegen einer Baustelle Plakatflächen kurzfristig wegfallen. Möschler: «In solchen Fällen garantieren wir den Kunden mindestens gleichwertigen Ersatz.»
Übrigens: Ab 2009 gewährt auch die APG einen Konzernrabatt. Sie folgt damit andern Mediengattungen und kommt einer langjährigen Forderung des Verbandes Schweizerischer Werbeauftraggeber (SWA) entgegen.
Markus KnöpfliWas leisten die Clear-Channel-Flächen?Obwohl Clear Channel Outdoor Plakanda (CCOP) vor drei Jahren beim damaligen SPR ausgestiegen ist, ist das Nachfolgesystem SPR+ weiterhin in der Lage, die Reichweiten der CCOP-Flächen auszuweisen. Diese Werte sind zwar nirgends aufgelistet, aber erhältlich: Man kann sich von SPR+, einer 100-prozentigen Affichage-Tochter, eine CCOP-Offerte oder -Auftragsbestätigung auswerten lassen. APG-Marketingleiter Möschler betont jedoch, dass er die CCOP-Leistungswerte nicht kennt. Auch habe er nie eine Auswertung in Auftrag gegeben, nicht einmal über eine befreundete Agentur.
Bei CCOP selbst war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme erhältlich zur Frage, ob man das eigene Angebot oder die Tarife nach den neuen Reichweitenwerten ausrichten wird.
Bei Star Plakat hingegen wird Inhaber Roberto Schena vorläufig nichts ändern. Zum einen, weil SPR+ nur die 800 Strassenstellen von Star Plakat, nicht aber die 800 (überdachten) Tankstellenflächen ausweisen könne. Zudem will er erst beobachten, was die APG als Marktführerin genau tut. (mk)

Google will kostenlosen Zugriff auf Zeitungsarchive ermöglichen

Der Internetkonzern Google plant ein digitales Zeitungsarchiv, auf welches Jedermann mehrheitlich kostenlos zugreifen kann. Die User würden so direkten Zugang auf die Archive der Verlage erhalten, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Ausgabe vom Mittwoch.

Der Internetkonzern Google plant ein digitales Zeitungsarchiv, auf welches Jedermann mehrheitlich kostenlos zugreifen kann. Die User würden so direkten Zugang auf die Archive der Verlage erhalten, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Ausgabe vom Mittwoch.
Dieses Angebot ist nicht neu. In Amerika und Kanada sind bereits vergleichbare, ebenfalls von Google geführte Archive in Betrieb. Das vollständige Abrufen einiger Artikelinhalte soll allerdings gebührenpflichtig sein, wie die Frankfurter Ztg. ausführt.
Das Internetunternehmen setzt nun auf Zusammenarbeit mit den Zeitungsverlagen. Ein Grossteil der Erlöse, die aus der Werbung des digitalen Projekts resultiere, solle an die Zeitungsverlage gehen.

Heidi zieht in die weite Welt hinaus

Heidiland-Mineralwasser erlebt einen umfassenden Relaunch. Der rundum neue Look wird von By Heart realisiert.

Das kleine Heidi auf der neu gestalteten Etikette vermittelt einen Eindruck davon, wohin die Reise geht: Es schaut über die spiegelnde Fläche des Walensees und über die Bergkette der Churfirsten hinweg in die Ferne. Wo schaut es hin? Bis nach Japan und Australien? Das neue Heidiland-Mineralwasser will seine internationalen Ambitionen nicht verbergen. Nachdem diese Marke in verschiedenen Ländern Asiens, in Australien, Amerika und auch Russland eine sehr gute Aufnahme erfahren hat, sollen diese Märkte jetzt viel gezielter angesprochen werden. Heidi zieht in die Welt hinaus.
Der Mineralwasser-Brand mit dem berühmten Heidi wurde international ausgerichtet und soll urschweizerische Qualitäten von gehobener Gastfreundschaft, reiner Natur und Sicherheit vermitteln. Das neue Management-Team mit Patrick A. Widmer und Kurt Müller setzt damit ein deutliches Zeichen. Mit einem rundum neuen Look, der von der Werbeagentur By Heart entwickelt und umgesetzt wurde, dokumentiert die Marke diesen Premium-Anspruch.
Befragungen setzten Leitplanken
Doch was ist es genau, was die verschiedenen Märkte von einem Schweizer Premium-Mineralwasser erwarten? Unterstützt die Abbildung des kleinen Mädchens den gehobenen Anspruch oder ist es eher hinderlich? Durch Befragungen in den Zielmärkten wurden dem Design-Prozess die Leitplanken gesetzt. «Das Heidiland-Mineralwasser sollte damit zu einem Botschafter des Heidi-Mythos und der Schweizer Gastfreundschaft werden. Und zwar vom Drehverschluss bis zur Etikette», erklärt Peter Krebs von By Heart. Das Edelweiss-Emblem – eine Symbolik der ersten Stunde dieser Marke – wurde ebenfalls neu gezeichnet und in seiner Bedeutung aufgewertet. Es steht für die Natürlichkeit und Reinheit des Wassers. Dieses hochwertige Mineralwasser, ausgewogen mineralisiert und von grösster Reinheit, bringt es in Blindverkostungen mit internatio¬naler Konkurrenz immer wieder auf Spitzenplätze.
Über lange Jahre sickert das ursprüngliche Regenwasser in den Bergen, welche das Tal säumen, durch verschiedenste Gesteinsschichten langsam in die Tiefe. Dabei wird das Wasser sorgfältig gefiltert und mit wertvollen Mineralien angereichert. Rund 170 Meter unter der Erdoberfläche wird schliesslich das Wasser gefasst und dann sprudelt es durch seinen eigenen Druck bis an die Erdoberfläche. Man nennt dies eine artesisch gespannte Quelle. Während viele andere Mineralwässer dieser Welt mit viel Energie und Aufwand aus der Erde gepumpt werden müssen, sprudelt das Heidiland-Mineralwasser ganz von alleine. Es wird der Natur nicht abgerungen, es ist sozusagen ihr freiwilliges Geschenk.
Mit der Einführung eines Wassers mit wenig Kohlensäure wird das Marktpotenzial auch im Heimatland erweitert. Für den professionellen Ausschank wird erstmals auch ein 20-Liter-KEG-Container angeboten. Primär ausgerichtet auf die gehobene Gastronomie, Hotellerie und anspruchsvolle Unternehmenskunden wird das Heidiland-Mineralwasser nun auch im Schweizer Markt Schritt für Schritt aufgebaut. Erste Marketingaktivitäten konzentrieren sich auf die Ferienregion Heidiland, die angrenzenden touristischen Zentren des Bündnerlandes und den Wirtschaftsraum Zürich. Dann werden auch andere Regionen folgen. Und zusätzlich setzt die Marke auf ein bereits erfreulich entwickeltes zweites Standbein: auf die sogenannten Private Labels. Damit wird die Möglichkeit geboten, dass Unternehmen ihr eigenes Mineralwasser erhalten, eine Flasche mit einer Etikette im eigenen Corporate Design. Von diesem Angebot wird bereits rege Gebrauch gemacht. Ab einer Bestellmenge von 1’000 Flaschen in sortenreinen Paletten ist man schon dabei.
Andreas Panzeri
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Besser fahren mit TCS

Der Touring Club Schweiz lanciert eine massgeschneiderte Mitgliedschaft für Junge. Numéro 10 sitzt am Steuer für die Kommunikation.

Der TCS gilt als der grösste Verein der Schweiz. Wie viele Vereine plagen den Club aber Nachwuchssorgen. Dabei hätte der TCS gerade jungen Autolenkern viel zu bieten. Das erste Auto ist bei vielen jungen Leuten meistens noch eine Occasion. Gebrauchte Wagen sind billiger – aber auch anfälliger für Pannen. Die Patrouillen des TCS sind umgekehrt die sicherste Rettung, wenn es um das Beheben einer solchen Panne geht. Der TCS mit seiner Nähe zu Sicherheit und Vorsicht ist aber für junge Leute nicht sexy. In einem Pitch hat der Pannenhelfer deshalb nach einem neuen Image gesucht. Die Lösung hat Gilles Aeby mit seiner Numéro 10 erfunden. «Cooldown Club» tönt nicht nur cool, sondern hat auch eine Botschaft: Cool down, wenn du eine Panne hast. Dann hilft dir nämlich der TCS.
Neue Medien werden integriert
Die Mitgliedschaft in dieser neuen Abteilung des traditionsreichen Helfer-Clubs zielt auf den Nachwuchs von 16 bis 25 Jahren. Die Kosten sind ebenso zielgruppengerecht wie die Werbung und die Angebote. «Neue Medien müssen integriert werden», forderte Gilles Aeby, der in seiner Agentur auch Buzzilla als spezialisierte Abteilung für virales Marketing, Buzz und Guerilla betreibt.
Lanciert wurde die Idee Ende August mit einer Teaser-Kampagne. Auf Plakaten sowie Inseraten zum Beispiel in 20 Minuten wurde um Hilfe für eine gewisse Jenny gerufen. Ein Teaser-Spot im jungen Fernsehen wie Viva zeigte, wie Jenny sich mit dem Auto verfahren hat. Nachts, allein und in einem Wald. All diese Zeichen sollten die Zielgruppe auf eine Website Cooldownclub.ch weiterleiten.
In knapp zwei Wochen wurden mit Jennys flehenden Augen 15’000 Besucher auf die Website gelockt. 3000 davon haben an der «Suchaktion» beziehungsweise am Wettbewerb teilgenommen. «Dabei war der Wettbewerb in der zweiten Woche nur sechs Tage on air», freut sich Cendrine Gafner bei Numéro 10 über den grossen Erfolg.
Auf der Website finden sich Informationen, die vorerst nicht auf den Absender TCS hinweisen. Erst die jetzt anlaufende Produktkampagne mit der Auflösung zeigt den Clubinteressierten fünf lustige Filmchen, in denen der Pannenservice thematisiert wird. Damit es aber keine Panne mit falsch verstandener Werbung gibt, bietet der Cooldown Club natürlich einen echten Mehrwert für junge Kunden. Rabatt beim Tanken mit Tamoil, verbilligte Kinotickets in den Sälen von Pathée, diverse Sonderleistungen bei Ticketcorner sind nur ein paar der Gadgets, welche diesen Jugendclub beim TCS auch neben der Strasse attraktiv machen. Nicht nur wer den Schaden hat, soll vom Club profitieren können. Und wer dann 18 wird und endlich fahren darf, kann sein erstes Auto gratis beim TCS prüfen lassen.
Numéro 10 hat für diese neue Idee den Namen, das Logo und den ganzen visuellen Auftritt konzipiert und gestaltet. In einer Guerilla-Aktion wurden auch 50 Bars und Jugendtreffs mit «Help Jenny»-Klebern heimgesucht. Eine weitere Welle mit neuen Ideen soll den Club auf die Schneesaison hin dann noch einmal bekannter machen.
Andreas Panzeri

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Edipresse steigert Gewinn im ersten Halbjahr

Edipresse hat im ersten Halbjahr den Gewinn von 22 auf 24,2 Millionen Franken steigern können. Mit 358,3 Millionen Franken Umsatz hat das Lausanner Medienhaus hingegen rund 10 Prozent weniger verkauft als in der Vorjahresperiode.

Das Lausanner Medienhaus Edipresse hat im ersten Halbjahr den Gewinn von 22 auf 24,2 Millionen Franken steigern können. In der Schweiz bekommt Edipresse den schwächelnden Inseratemarkt sowie den Erfolg der Gratiszeitungen zu spüren. Dafür wächst das Geschäft mit Publikationen in Osteuropa und Asien weiter gut, wo der Medienkonzern 13 respektive 20 Prozent wuchs.
Das Betriebsergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) sank von 39,6 auf 37,6 Millionen Franken. Mit 358,3 Millionen Franken Umsatz hat Edipresse rund 10 Prozent weniger verkauft als in der Vorjahresperiode, wie der Konzern am Mittwoch bekannt gab.
Die Umsatzzahlen lassen sich allerdings nur bedingt mit dem Vorjahr vergleichen, weil die Edipresse-Beteiligungen in Spanien neu geordnet wurden und deren Erträge nicht mehr in die Gesamtrechnung einfliessen. Ohne diesen Effekt wäre der Umsatz der Edipresse-Gruppe auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr geblieben.
In der Sparte Zeitungen und Internet konnte Edipresse den Umsatz dank der Integration der Online-Plattformen jobup und homegate um 3,2 Prozent steigern. Die Kassen klingelten auch dank des Verkaufs der 50-prozentigen Beteiligung an der portugiesischen Edimprensa.
Insgesamt hat Edipresse im ersten Halbjahr 8,5 Millionen Franken investiert, 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Speziell in Asien will der Konzern mit Magazinen für Luxusgüter weiter wachsen.
Wegen der konjunkturellen Verlangsamung wagt Edipresse keine klaren Prognosen für die unmittelbare Zukunft. Der sich abschwächende Inseratemarkt in der Schweiz und in Spanien werde sich aber auf die Umsätze auswirken. Das Medienhaus erwartet demgegenüber gute Geschäfte in der Sparte Internet.
Für das laufende Jahr kündigt Edipresse weitere Kostenoptimierungen an. Im August hatte Edipresse bekannt gegeben, dass rund 50 Stellen gestrichen werden, um den unsicheren Prognosen auf dem Schweizer Medienmarkt frühzeitig zu begegnen. Betroffen sind auch 17 Journalisten.
Die Mediengewerkschaft Comedia kritisierte dies heftig und warf Epipresse «Profitgier» vor. Edipresse ist das grösste Medienunternehmen der Romandie und gibt unter anderem Le Matin, 24 heures und die Tribune de Genève heraus.

Schweizer Presse schreibt Kampagne als Jungtalent-Wettbewerb aus

In über 100 Zeitungen und Zeitschriften in der Deutschschweiz und der Romandie erschienen die von der Schweizer Presse lancierten «Das kann nur ein Inserat»-Anzeigen. Nun soll die Kampagne mit einem Wettbewerb für Jungtalente erweitert werden.

In über 100 Zeitungen und Zeitschriften in der Deutschschweiz und der Romandie erschienen die von der Schweizer Presse lancierten «Das kann nur ein Inserat»-Anzeigen. Keine andere Kampagne erreichte nur annähernd so viele Leserinnen und Leser, liess die Schweizer Presse verlauten.
Nun soll die Kampagne erweitert werden. Neu soll sie statt einem Einzelsujet 4-6 Anzeigensujets umfassen. Eine Jury – bestehend aus acht namhaften Vertretern der Schweizer Marketing- und Werbewelt – wird dann nach dem Seven-plus System zwei Siegerteams auswählen. Die Resultate werden dann im Frühling, bzw. Herbst 2009 als ganzseitige Füller zu sehen sein.
Zielgruppe der Aktion sind Geschäftsführer, Marketing- und Werbeleiter von Unternehmen und Verbänden, Agenturchefs, Berater und Kreative. Die Kampagnensujets sollen vor allem in Titeln von Allgemeinem Interesse abgedruckt werden.

Leise Hymne auf das Leben im O-Ton

Mit lärmigen Leitartikeln lässt sich der menschliche Alltag deutlich weniger gut beschreiben – geschweige denn beeinflussen – als mit intimen Interviews. Ein Plädoyer für eine Emotionalisierung journalistischer Gesprächsführung.

Dem Sommerloch sei Dank. Zwölf Seiten für solch eine Titelgeschichte räumt wohl selbst das experimentierfreudige Zeit-Magazin nur Mitte August frei. Drei unprominente, dafür umso interessantere Herren im besten Alter erzählen darin von ihrem Bild und ihrem Abschied vom eigenen Vater. «When I walk in my father’s footsteps, it scares me to death», singt Bob Dylan. Die drei Gespräche variieren dieses ewige Männerthema in berührender, phasenweise bedrückender Manier. Man wird Zeuge einer intimen Atmosphäre voll existenzieller Ehrlichkeit, die weit über die Lektüre hinaus nachhallt.
Die Intensität dieser leisen Töne liess mich aus Dankbarkeit fast meinen ersten Leserbrief schreiben. Okay, biografisch bin ich vermutlich reif und deshalb besonders empfänglich für das Vater-Sohn-Motiv. Waschmaschinenwerbung interessiert ja bekanntlich auch speziell jene Zeitgenossen, die gerade entsprechende Kaufabsichten hegen. Wie die Interviewerin Herlinde Koelbl menschliche Irrungen und Wirrungen in subtile Frage-Antwort-Texte kleidet, bewegte und überzeugte aber schon viele Menschen. Davon zeugen ihre hohen Buchauflagen und die vielen Auszeichnungen der bekannten Autorin und Dokumentarfilmerin.
Koelbl ist eine Grossmeisterin der Empathie und Intuition. Wer diese Qualitäten – auch im Journalismus – für spezifisch weibliche hält, den belehrt André Müller seit mehr als 30 Jahren eines Besseren. Der Österreicher, von seinen Auftraggebern (Weltwoche, Zeit, Spiegel) nicht zu Unrecht als «bedeutendster Interviewer deutscher Sprache» gepriesen, seziert seine prominenten Gegenüber mit dem rhetorischen Skalpell. Seinen horrenden Anspruch, nicht nur der Leser, sondern auch der/die Interviewte solle dabei Neues erfahren, kann er jedenfalls häufig einlösen. Elfriede Jelinek etwa entlockte er, dass sie sich, wie eine ihrer Romanfiguren, auch selbst die Vagina mit einer Rasierklinge zerschnitten hat. So viel Mut zur Selbstentblössung hätte sich die Nobelpreisträgerin nie zugetraut, wie sie später einmal zu Protokoll gab.
Aber es muss ja gar nicht solch emotionaler Extremismus sein. Echte Neugier aufs Gegenüber, mehr Mut zum Risiko und Menschenkenntnis würden die gähnende Langeweile auch schon mildern, die 90 Prozent aller Interviewtexte verbreiten, zumal jener mit Krawatten- bzw. Funktionsträgern. Das Argument, politische und wirtschaftliche Fachgespräche dienten dem Transport von Sachinformationen, ist eine reine Schutzbehauptung uninspirierter Journalisten. Denn dann wären Parteiprogramme und Unternehmenskennzahlen ungleich präzisere und verlässlichere Quellen als Minister und CEOs. Oft steckt mangelnde Empathie und Vorbereitung hinter dem geistlosen Geschwätz, das immer mehr Spalten füllt, noch öfter jedoch schlichte Ahnungslosigkeit bezüglich der Potenziale diese Genres. Interviews werden nicht als Kunstform, sondern allzu häufig bloss als redaktionelle Notlösungen gehandhabt: Wenn einem sonst nichts einfällt, macht man halt schnell noch ein «Inti».
Dabei sind gute Gespräche immer Glücksfälle – privat wie publizistisch. Weshalb sie sich auch nicht am Fliessband (re)produzieren lassen. Müller etwa veranstaltet jährlich nie mehr als zwei bis drei seiner akribisch präparierten Seelenstriptease. Auch beim 2003 als reinem Interview-Magazin gestarteten Galore hat man inzwischen gemerkt, dass Quantität der Qualität abträglich ist. Seit diesem Jahr bringt der Pioniertitel nun auch Reportagen, Features und Kolumnen. Offizielle Begründung: Um künftig noch besser zur Geltung zu kommen, werden die Interviews als «journalistische Königsdisziplin» nun von einem Hofstaat anderer Genres umringt. Dass ich mein Abo direkt nach dieser Ankündigung verlängern liess, habe ich bis heute nicht bereut.

Oliver Classen ist Pressesprecher der entwicklungspolitischen Organisation Erklärung von Bern und war zuvor Medienredaktor.

Unikat propagiert die Verdünnung von Apfelsaft

Mit «Apfelsaft wirkt fabelhaft» zog der Schweizerische Obstverband vor fünf Jahren ins Rennen. Nun wird die Kampagne der Küsnachter Agentur Unikat auf die Apfelschorle ausgeweitet.

«Saft schafft Kraft» heisst ein altes Sprichwort, das wir an dieser Stelle wieder einmal zitieren wollen. Der Slogan, den die Küsnachter Agentur Unikat bei der Mandatsübernahme vor fünf Jahren für den schweizerischen Obstverband entwickelt hat, geht in eine ähnliche Richtung. Mit «Apfelsaft wirkt fabelhaft» zog der Verband nämlich damals ins Rennen und konnte damit, laut einer Pressemitteilung der Agentur vom Mittwoch, die Saftabsätze kontinuierlich steigern.
Der Grund dafür liege an der Natürlichkeit des Produkts und am Aufkommen der Apfelschorle, dem mit Wasser verdünnten Apfelsaft, schreibt die Agentur weiter. Und genau diesem Umstand trägt nun auch der neue TV-Spot Rechnung: Er thematisiert das Mischverhältnis der Apfelschorle. Gerade in der italienisch- und französischsprachigen Schweiz sei nämlich weder der verdünnte Apfelsaft, noch der Name sonderlich bekannt. Im Spot wird die Mischung (40 Prozent Wasser und 60 Prozent Apfelsaft) anhand der überraschenden Wirkung, die Apfelschorle angeblich hat, vermittelt. Der Slogan: «Auch Apfelschorle wirkt fabelhaft.»
Verantwortlich beim Schweizerischen Obstverband: Bernadette Galliker (Marketingverantworliche). Verantwortlich bei der Agentur Unikat: Simone Jung (Beratung), Jan Maurer (Managing Direction), Doris Herger (Art Direction), Daniel Meier (Creative Direction), Filmproduktion: Mican Film.

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Das kann nur ein Jungtalent

Das Briefing für den Wettbewerb «Das kann nur ein Inserat» hat sich geändert. Neu soll eine richtige Kampagne mit mehreren Sujets gestaltet werden.

Der Wettbewerb bietet die wohl beste Chance für junge Talente, sich als kreative Gestalterinnen oder Ideenlieferanten in der Schweiz bekannt zu machen. Die Sieger des Nachwuchswettbewerbs «Das kann nur ein Inserat» sehen ihre Arbeiten in über 100 Zeitungen und Zeitschriften in der Deutschschweiz und der Romandie abgedruckt. «Keine andere Kampagne erreichte nur annähernd so viele Leserinnen und Leser», wissen die Veranstalter vom Verband Schweizer Presse.
Früher wurden die Inserate von Profis in den besten Agenturen gestaltet. Seit einigen Jahren vertraut man ebenso gern auf junge Kreative. Mitmachen darf, wer in der Schweiz wohnt und nach dem 1. Januar 1980 geboren ist, also unter 28 Jahre alt ist. Einreichen kann man als «Einzelmaske» oder auch in einem Team von maximal vier Personen. Geblieben ist auch die Aufgabe, dass bei diesem Wettbewerb Gattungswerbung mit Inseraten für die Wirkung der Inserate kreiert werden muss. Neu ist aber, dass nicht mehr nur ein einzelnes Inserat die Argumente transportieren soll, sondern eine «richtige» Kampagne mit vier bis sechs Anzeigensujets. Diese sollen auf einer identischen Grundidee basieren.
Das Verbands-Logo gehört dazu
Gefragt sind Ideen, die keiner Erklärung bedürfen. Es wird kein grosser Aufwand verlangt. Willkommen sind Scribbles oder Präsentationsfotos. Das Format für die Eingabe ist A3, Papierausdruck, nicht aufgezogen. Sprache Deutsch oder Französisch. Das heisst, die Kampagne muss auch in der jeweils anderen Sprache realisierbar sein. Das Logo vom Verband Schweizer Presse gehört in die Anzeige integriert. Angenommen werden ausschliesslich ganzseitige Anzeigen. Doppelseiten oder Sonderplatzierungen wie zum Beispiel U-Boot-Anzeigen sind nicht möglich, ebenso können die Inserate nicht auf bestimmte Erscheinungstage konzipiert werden, da sie von den beteiligten Verlagen gratis und damit als «Füller» geschaltet werden, wie die Projektleiter Pepi Burch und Toni Vetterli beim Verband Schweizer Presse erklären. Beachten sollte man auch, dass für Monatstitel die Idee auch mit nur zwei oder drei Sujets funktionieren muss.
Für die Gestaltung können eigene Bilder verwendet werden. Attraktiv ist auch das Angebot, dass alle Teilnehmenden sich gratis im digitalen Archiv der Bildagentur Keystone bedienen können. Die Auswahl dort umfasst zurzeit fast drei Millionen Bilder. Das Log zur Datenbank kann mit E-Mail an [email protected] bestellt werden, unter dem Stichwort «Das kann nur ein Inserat».
Fette Preise und eine Reise
In der Jury sitzen Andreas Prokesch, Petra Koerfer-Bottiognole, Markus Ehrle, Michael Gassler, Reto Meissner, Tom Seinige, Philipp Skrabal und Patrick Suter. Die Arbeiten werden der Jury ohne Bekanntgabe des Einsenders vorgelegt. Die Jury wählt aus den eingereichten Arbeiten zwei Siegerkampagnen aus. Bewertet wird nach dem «Seven-plus»-System von Michael Conrad, genauso wie beim ADC. Die beiden Siegerteams erhalten je 10’000 Franken in Bargeld sowie ein Sieger-Zertifikat. Dazu kommt zusätzlich der Auftrag für das Realisieren der prämierten Arbeiten. Dafür stehen noch einmal 30’000 Franken Unkostenbeitrag pro Team zur Verfügung. Die prämierten Kampagnen werden im Frühling und im Herbst 2009 publiziert. Pro Team reisen je zwei Personen im Mai 2009 zum «bestYET»-Finale für junge Kreative auf europäischer Ebene nach London. Diese Teilnahme wird durch Publicitas Publimedia gesponsert. Und jetzt also nichts wie los, denn der Einsendeschluss ist am 12. Januar 2009. Mehr Infos und das Logo zum Downloaden finden sich auf www.schweizerpresse.ch
Andreas Panzeri
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