Von der Liebesbeziehung zum Rosenkrieg

In ihrer Werbung spielen die Banken die Kavaliere, in der Realität zahlen die Verführten die Rechnung. Gastkommentar von Josefa Haas, Leiterin des Medieninstituts.

So romantisch können Banker sein. Bei den Fernsehspots der UBS glaubt man sich in einem Film von Rosamunde Pilcher. Ganz persönlich ist die Ansprache, auch wenn das Gleichgewicht schon im Claim etwas gestört ist: Du und wir, You & Us. Bei uns geht es um mehr als bloss um Geld. Unsere Beziehung ist wie eine wirkliche Beziehung, in der du im Zentrum stehst. Deine Wünsche werden dir von den Lippen abgelesen. Aktionäre und Kunden, die den Schmerz über ihre Verluste lindern wollen, sehen sich am besten die Kampagnen auf der Website der Bank an. Dort finden sie liebevolle Aufmunterung, romantische Bilder und entspannende Musik. Die Beziehungswelt der UBS ist hier immer noch rosarot.
Die aktuelle Finanzkrise zeigt einmal mehr, dass die Bankenwelt mit vielen Zungen spricht: Die Taschen der Investoren füllen sich von selbst, die Angestellten dürfen auf hohe Boni zählen, und Innovation in der Branche bedeutet ein risikoreiches Jonglieren mit Hoffnungen und dem Geld anderer Leute. Die Kleinkunden liefern dazu mit ihrem Ersparten das Spielgeld. In der Werbung und in den Beratungsgesprächen wollen die Banken immer deren Bestes: Intime Beziehungen zwischen den einzelnen Kunden und den Beratern aufbauen, wie es die UBS schön formuliert. Bernhard Eggli, Head of Brand Management, setzt auf die Zweisamkeit von Kunde und Berater. In den Kampagnen sind die Krisen freilich nicht vorgesehen. Mit You & Us formuliere die UBS ein Versprechen, sagt der Werbeleiter Mark Roeder, aber nur die Bankangestellten könnten in ihrem täglichen Kontakt mit Kunden beweisen, dass dieses Versprechen gehalten werde.
In der Krise sind denn auch ganz schnell die Schuldigen gefunden. Die Luzerner Kantonalbank zum Beispiel verweist auf die Verantwortung der Bankkunden, die ja über die Risiken informiert würden. Aus deren Perspektive geraten jedoch die Berater ins Visier, welche vermeintlich sichere Anlagen mit Kapitalschutz verkaufen. Die Rolle der Berater ist hingegen nicht so einfach, wie es ein UBS-Spot darstellt. Im täglichen Kontakt erleben die Kunden ihre Berater nämlich häufiger als Verkäufer denn als Helfer. Bankenombudsmann Hanspeter Häni erklärte in einem Interview mit der Aargauer Zeitung: «Gemäss Auftragsrecht muss der Betreuer dem Kunden das raten, was er an dessen Stelle tun würde.» Und er stellt fest: «Will denn eine Bank ihren Kunden wirklich vorwerfen, sie hätten zu viel Vertrauen in die persönliche Beratung gehabt und deshalb die Factsheets zu wenig genau studiert?»
Will denn eine Bank ihren Kunden tatsächlich vorwerfen, diese hätten zu viel Vertrauen in sie gesetzt? Dieser Kritik müssten sich die Banken vielmehr selber stellen. Die Berater an der Front setzen die Vorgaben der Führung um, die Kunden orientieren sich am Image der Institution, an ihrer Grundhaltung und ihrem Leis¬tungsausweis. Die Strategie der Bank bestimmt den Geschäftsalltag, und ihre Kommunikation vermittelt diese auf allen Ebenen, angefangen bei den TV-Spots bis hin zur Sprachregelung für die Berater. Die Kommunikation kann sich deshalb nicht aus der Verantwortung stehlen, wenn die Produkte und Leistungen nicht den geweckten Erwartungen entsprechen.
Seltsam leise reagieren die Banken auf die aktuelle Situation. In der Krisenkommunikation stehen die Kleinkunden nicht im Zentrum, und offensiv sind nur wenige: «Moralisch verpflichtet» fühlt sich zum Beispiel die Berner Kantonalbank gegenüber ihren Kunden. Sie will die Haftung übernehmen bei den Produkten mit Kapitalschutz von Lehmann. Andere Banken nutzen die Gunst der Stunde und kommunizieren ihre auf Sicherheit bedachte Anlagestrategie. Auf der Website der grossen Banken steht immer noch das Wohl der Sparer im Zentrum. Besonders sinnig beschäftigt sich die CS-Kampagne mit dem Wandel, allerdings nicht mit dem eigenen, sondern demjenigen ihrer Kundinnen und Kunden. In ihren aktuellen Spots verspricht die CS: «Sie denken an bewegende Momente. Wir auch an Lösungen, die Sie weiter bringen.»

Streit um Kopierschutz: Hollywood-Studios verklagen Software-Hersteller

Eine neue Software zum Kopieren von DVDs sorgt für Gerichtsstreit. Sechs Hollywood-Studios haben am Dienstag Klage gegen den Multimedia-Spezialisten Real Networks eingereicht.

Eine neue Software zum Kopieren von DVDs sorgt für Gerichtsstreit. Sechs Hollywood-Studios haben am Dienstag Klage gegen den Multimedia-Spezialisten Real Networks eingereicht. Sie werfen dem Unternehmen im Verfahren vor einem Bezirksgericht in Los Angeles vor, mit seiner neuen Software Real DVD auf illegale Weise den Urheberrechtsschutz zu umgehen und fordern ein Aussetzen des Verkaufs.
Die Kläger, darunter Walt Disney, Warner Bros, Fox, Universal City Studios, Viacom, Paramount und Sony, befürchten, dass Nutzer mit der neuen Software kopiergeschützte DVDs ungehemmt kopieren können. Real Networks hat inzwischen Gegenklage bei einem Gericht in San Francisco eingereicht und pocht auf die Rechtmässigkeit der Software.
Der Multimedia-Hersteller betont, dass die neue Software den Konsumenten lediglich erlaubt, ihre rechtmässig erworbenen DVDs auch ohne DVD-Laufwerk abzuspielen. Real DVD, das seit Dienstag in den USA auf dem Markt ist, erlaube es, eine Kopie inklusive des Kopierschutzes auf dem PC zu erstellen. Man sei enttäuscht, das die Filmindustrie in die Fussstapfen der Musik- Industrie trete, liess Real Networks laut der SDA in einer Mitteilung verlauten.
«RealNetworks weiss, dass sein Produkt gegen das Gesetz verstösst und unterwandert das hart erworbene Vertrauen, das zwischen Amerikas Filme-Machern und der Technologie-Gemeinde gewachsen ist», hielt der Interessenverband Motion Picture Association of America in einer Mitteilung entgegen.

Zur Sache: Weltfremder Datenschutz

Social Networks gelten als Erfindung des Web 2.0. Dem ist aber nicht so. Social Networks waren schon immer das Fundament des Internets, nur hiessen sie damals anders. In den Anfangszeiten des Internets gab es Newsgroups, dann bald mal Chatrooms. Auch das waren eigentliche soziale Netzwerke.

Social Networks gelten als Erfindung des Web 2.0. Dem ist aber nicht so. Social Networks waren schon immer das Fundament des Internets, nur hiessen sie damals anders. In den Anfangszeiten des Internets gab es Newsgroups, dann bald mal Chatrooms. Auch das waren eigentliche soziale Netzwerke. Sie dienten alle dem selben Zweck, nämlich dazu, dass Leute andere Leute mit den gleichen Interessen suchen, sich mit denen austauschen und vernetzen. Das ging von wissenschaftlichen Newsgroups bis hin zu zum Teil perversen Sexthemen. Zwar gab es keine Bilder, und die Inhalte waren mühsam zu lesen, aber dies waren die Vorläufer der heutigen Social Networks. Mit dem Web 2.0 wurde es möglich, dass die Internet-User dank einfacher Applikationen eigene Inhalte ins Netz stellen konnten. Und zwar Inhalte jeglicher Form: Texte, Bilder, Videos etc. Man kann sich nun direkt gegenseitig verlinken, ansprechen, in den Freundeskreis einladen und seine eigenen Kontakte à jour halten. Dies geschieht mühelos, weil Änderungen sich im gesamten Freundeskreis automatisch aktualisieren.
Heute sind Social Networks die Shooting-Stars des Internets. Neben den grossen Sites wie MySpace, Facebook, , Xing, StudiVZ gibt es unendlich viele Social-Network-Sites. Einer Studie von Datamonitor ist zu entnehmen, dass sich momentan rund 42 Millionen Europäer in Social Networks aufhalten. Das Wachstum der Sites ist gigantisch, man erwartet ein Ansteigen auf mehr als 100 Millionen in den nächsten Jahren. Weltweit hat MySpace 250 Millionen Mitglieder, Facebook deren 125 Millionen. Auch in der Schweiz boomen die Sites. Facebook hat hierzulande 600’000 Mitglieder. Social Networks sind zu einem wichtigen Faktor für die kommerzielle Kommunikation geworden. Durch die immense Vernetzung können Markenimages innert Kürze hochgejubelt oder vernichtet werden. Dies und noch viel mehr konnte man am Exchange-Event der Werbeagentur-Gruppe Y&R erfahren, der kürzlich stattfand.
Was mich am Phänomen der sozialen Netzwerke fasziniert, ist aber ganz etwas anderes. Die Teilnehmer auf diesen Seiten frönen einem absoluten Exhibitionismus. Sie geben ungefragt und freiwillig alle Details von sich preis. Das geht von beruflichen Fähigkeiten und Ansichten bei Business-orientierten Seiten bis hin zu allerintimsten Details. Details, die die gleichen Leute im persönlichen Gespräch wahrscheinlich nur ungern oder andeutungsweise herausrücken würden. Die vermeintliche Anonymität des Internets, respektive der gewissermassen geschlossene Benutzerkreis, lässt die Leute sich in Sicherheit wiegen. Man ist ja unter sich. Die Grenzen zwischen privaten und beruflichen Details lösen sich auf, man sitzt 24 Stunden im Glashaus. Weltweit und für immer, denn das Internet vergisst nichts. Da kommen einem die Bemühungen der Datenschützer doch sehr weltfremd vor.
Pierre C. Meier, Chefredaktor
[email protected]

Inhalt schlägt Form

Am Bilanz-Geschäftsberichte-Rating 2008 gewinnt Straumann das Double

Beim Bilanz-Geschäftsberichte-Rating 2008 war einiges neu: So zeichnet ab diesem Jahr der HarbourClub, die Vereinigung der Kommunikationschefs bedeutender Schweizer Unternehmen, nicht nur für die Preisverleihung, sondern für die Gesamtdurchführung des Ratings und der Koordination der drei Jurys verantwortlich.
Die Kriterien der bewerteten Geschäftsberichte wurden neu definiert (siehe «Welche Geschäftsberichte wurden bewertet», unten) und die Anzahl bewerteter Berichte auf rund 130 reduziert. Das Augenfälligste ist jedoch, dass das Interesse für die Auszeichnung der Schweizer Geschäftsberichte einen Höhepunkt erreicht hat. Mit fast 200 Teilnehmern nahmen beinahe doppelt so viele Kommunikationsverantwortliche wie im Vorjahr am Event teil. Gleich wie im Vorjahr blieb jedoch der Name des Gesamtsiegers des Geschäftsberichte-Ratings.
Straumann wird zum zweiten Mal in Folge Gesamtgewinner
Es war schon eine kleine Überraschung, dass Straumann seinen Erfolg vom letzten Jahr wiederholen konnte. Das Thema seines Geschäftsberichts 2007 war Küssen. Doch Straumann bekam die Goldmedaille nicht nur wegen der emotionalen Bildsprache, sondern weil es dem Unternehmen gelang, Lesegenuss herzustellen. Wer keine Ahnung von Zahnimplantaten oder oralen Geweberegenerationsprodukten hat, wird nach der Lektüre wissen, worum es in diesem Geschäft geht. Auch der Zahlenteil ist für Laien verständlich geschrieben und liefert einen raschen Überblick.
Der zweite Platz fiel ebenfalls einem Wiederholungstäter zu: Novartis überzeugte nochmals mit dem Vorjahreskonzept, indem es das Unternehmen schafft, Komplexität, Ernsthaftigkeit und die Darstellung des eigenen Erfolgs unter einen Hut zu bringen und sein anspruchsvolles Geschäft einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen
Platz drei gewann die Credit Suisse. Endlich schaffte es wieder ein Finanzdienstleister an die Spitze. Zwar wurden Bildkonzept und Gestaltung nicht besonders gelobt, doch das 1,2 Kilogramm schwere Werk, bestehend aus fünf Teilen, ist gut gegliedert und erfüllt in hohem Mass einerseits die rechtlichen Anforderungen, andererseits die Vorstellungen an gutes «Value Reporting». Besonders lobte die Jury, dass es der CS gelungen sei, das Wichtigste auf 64 Seiten in einem eigenen, übersichtlichen Teil, dem «Geschäftsbericht», zusammenzufassen.
Mittelmässigkeit der Gestaltung
Ein Coup gelang der Gestaltungsjury. Erstmals verlieh sie keinen eindeutigen ersten Platz, sondern zeichnete fünf Unternehmen ex aequo aus. Ein Diplom konnten Bank Coop, Basler Kantonalbank, Migros, Valora und die VP Bank entgegennehmen. Der Grund für diese aussergewöhnliche Bewertung laut Peter Vetter, Coande, Leiter der Gestaltungsjury: «Es ist eine allgemeine Tendenz zur Mittelmässigkeit festzustellen. Verhaltenheit ohne Risiko scheint angesagt. Es fehlt der Mut, etwas Neues, Unvorhergesehenes zu realisieren. Oder prägnant Stellung zu nehmen, sich profiliert darzustellen.»
Inhaltlich immer besser
Positiver sieht die Entwicklung aus, wenn nach inhaltlichen Kriterien beurteilt wird. Während der letzten Jahre erhöhte sich die Qualität der Informationsvermittlung sukzessive, die Transparenz für die Investoren verbesserte sich ebenfalls. Markant sind die Fortschritte namentlich in den Bereichen Risikoanalyse und wert-orientierte Unternehmensführung. Prof. Rudolf Volkart vom Schweizer Bankeninstitut und sein Projektleiter Benjamin Wilding vergaben nach aufwändigen Analysen durch Studierende der Universität den ersten Preis des Value Reportings an Georg Fischer. Auf Platz zwei liegt die UBS, gefolgt von der St. Galler Kantonalbank. Fazit des diesjährigen Geschäftsberichte-Ratings: Der Inhalt schlägt die Form.
Andreas Jäggi

Welche Geschäftsberichte wurden bewertet?
In das Geschäftsberichte-Rating 2008 aufgenommen wurden die Geschäftsberichte 2007 der 100 Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung, die 50 bedeutendsten Unternehmen nach erzieltem Umsatz sowie die 25 grössten Banken und 10 grössten Versicherungen. Nicht berücksichtigt wurden Unternehmen, die keinen Geschäftsbericht herausgeben.
Wie wurde gekürt?
Professor Rudolf Volkart vom Schweizer Bankeninstitut bewertete die Geschäftsberichte zusammen mit Studierenden nach festgelegten inhaltlichen Kriterien für das Value Reporting. Parallel dazu beschäftigten sich zehn Fachleute unter der Leitung von Peter Vetter, Studio Coande, mit Gestaltung, Visualisierung, Typografie und Realisierung der Geschäftsberichte und erstellten die Rangliste der Gestaltungsjury. Die Addition beider Ratings nach Rangpunkten ergibt die Top 20. Daraus erkor die dritte Jury schliesslich die Gesamtsieger des Geschäftsberichte-Ratings 2008.
Die Broschüre zum Rating
Interessierte können das PDF einer 36-seitigen Broschüre zum Geschäftsberichte-Rating herunterladen unter www.harbourclub.ch. Darin finden sich u. a. die detaillierten Rating-Listen und die Covers der besten 60 Schweizer Geschäftsberichte.

Der Gewinner-Geschäftsbericht:

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Luzerner Woche geht in Anzeiger Luzern auf

Das Verlagshaus Anzeiger Luzern plant, unter einer einheitlichen Marke aufzutreten. Dafür werden die beiden Titel Luzerner Woche und Anzeiger Luzern zusammengeschlossen und ab Anfang nächsten Jahres jeweils am Mittwoch und Freitag unter dem Namen Anzeiger Luzern erscheinen.

Das Verlagshaus Anzeiger Luzern plant, unter einer einheitlichen Marke aufzutreten. Dafür werden die beiden Titel Luzerner Woche und Anzeiger Luzern zusammengeschlossen und ab Anfang nächsten Jahres jeweils am Mittwoch und Freitag unter dem Namen Anzeiger Luzern erscheinen.
Die redaktionellen Inhalte der Zentralschweizer Gratiszeitung Luzerner Woche werden in der Mittwochsausgabe des neuen Anzeigers beibehalten und ausgebaut. Die Freitagsausgabe solle ein Anzeigenblatt mit knappem Inhalt für den Stadtraum Luzern werden, so eine Mitteilung des Verlagshauses.
Die redaktionellen Inhalte verschieben sich auf die Mittwochsausgabe, am Freitag können Anzeigen jeder Grösse geschaltet werden. Damit wolle das Unternehmen auf kleinere Gewerbetreibende, Detaillisten, aber auch Private setzen, heisst es in der Mitteilung weiter.
In diesem Zuge wird auch gleich das Internetportal Goodday.ch auf Anzeiger-luzern.ch umgeschaltet.

Als die Banner laufen lernten

Unikat demonstriert für Ikea: Der neue TV-Kanal ist der Banner.

Ein Trend entwickelt sich langsam, aber sicher zum Boom: Immer öfter wird Werbung mit bewegten Bildern nur noch im Internet gezeigt. In den USA sind die für Spots im Internet eingesetzten Werbegelder bereits höher als die Mediaspendings für klassische TV-Spots. Zwar sind die Darstellungsgrössen in Werbe-Bannern im Moment noch limitiert, doch ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch hier noch einiges tun wird.
In der Schweiz wirbt Unikat bereits regelmässig mit solchen kleinen Filmen «in normalen Web-Bannern», wie Managing Director Jan Maurer bei der Zürcher Agentur erklärt. Aktuell war im Netz soeben ein Beispiel zur Rekrutierung einer Matratzentestschläferaktion zu sehen. Für diesen Test hat der schwedische Möbelhersteller Ikea ausschliesslich im Internet mit Banner-Filmen geworben. Das Medium bietet gegenüber dem klassischen TV-Spot den entscheidenden Vorteil, dass der «call to action» gleich integriert ist. «So kann man sich direkt zum Matratzentest anmelden», präzisiert CD Daniel Meier bei Unikat.
Ein weiteres Beispiel von Spots, die nur für Internet-Banner konzipiert wurden, sind zwei aktuelle Küchen-Banner von Ikea. «Solche Filme müssen einfach aufgebaut sein, da der Ton in Bannern nur optional zugeschaltet werden kann und die Bildgrösse aus technischen Gründen limitiert ist», meint Reto Salimbeni bei Manifesto Films, wo die Banner-Spots für die Ikea-Küchen realisiert worden sind. Hier wird die Tatsache dramatisiert, dass hochwertige Küchen von Ikea einen unglaublich tiefen Preis haben und auch die 25 Jahre Garantie einzigartig sind. Man fragt sich bei solch einem Angebot zwangsläufig: Ist das echt? «Es ist, im wahrsten Sinne des Wortes oder des Bildes», bestätigt Marketingleiter Carlos Friedrich bei Ikea Schweiz.
Und die Moral der Geschichte: Die Clickrate liegt bei diesen bewegten Mini-Spots gut doppelt so hoch wie bei «normalen» Bannern.
Andreas Panzeri
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«Mehr Charakter, Debatten und Frechheit»

Eine Frau an der Spitze eines Boulevardblatts? Ariane Dayer, neue Chefredaktorin des Edipresse-Blattes Le Matin, liebt Herausforderungen.

Auf der neugestalteten Webseite lematin.ch läuft ein Videoclip: Ein paar Matin-Redaktoren unterhalten sich vor der Kaffeemaschine über ihre neue Chefin: «Zuerst der Deutschschweizer Rothenbühler und nun auch noch eine Frau!», stöhnen sie. Die kleine Szene gibt den Ton an, mit dem die Zeitung verlorene Leser zurück- und neue gewinnen will: Ironie und Impertinenz.
Es sind auch Charaktereigenschaften, die Ariane Dayer auszeichnen. Die 44-jährige Walliserin hat sich zwischen 1997 und 2002 mit bissigen Kommentaren einen Namen als Chefredaktorin des Ringier-Newsmagazins L’Hebdo gemacht. «Wer politischen Journalismus machen will, braucht den Mut zur eigenen Meinung und zum Dissens», ist ihre Devise.
Reich an Erfahrung – trotz jungem Alter
Die Tochter von Ex-Nouvelliste-Chefredaktor François Dayer ist, wie weiland Obelix, als Kind in den magischen Trank gefallen. Sie bewunderte ihren Vater, weil er Zugang zu allen Milieus hatte und die Legitimation, alle Leute anzusprechen, die ihn interessierten. Dies hat sie nach einem Politologieabschluss in den Journalismus geführt. Als Bundeshausredaktorin sollte sie Wandelhallenklatsch für die Genfer Tageszeitung La Suisse schreiben, stattdessen verfasste sie Politkommentare. Bei L’Hebdo, dessen Chefin sie mit 37 Jahren dank diskretem Einfluss von Frank A. Meyer wurde, setzte sie neue Massstäbe: Mit Teilzeitstellen förderte sie Journalistinnen, und mit dem Ansatz, auch politische Themen über die handelnden Personen anzugehen, verlieh sie dem Intellektuellen-Leibblatt einen Hauch von Promimagazin vor der Zeit.
Sie wolle aus dem Hebdo eine «Hebda» machen, warfen Kritiker ihr vor. Weshalb es schliesslich zum Bruch zwischen Ringier und Dayer kam – ein Rausschmiss, der die Feministinnen mobilisierte –, darüber haben beide Seiten Stillschweigen bewahrt. Dayer liess sich nicht von ihrem Weg abbringen: Mit Enthusiasmus stürzte sie sich 2004 in die Herausgabe des Satiremagazins Saturne, ein freches, wunderschön gestaltetes Heft, das aber nie ein breiteres Publikum fand. Schon nach zwei Jahren musste sie Saturne einstellen, ein Teil ihrer Ersparnisse ging dabei drauf – «Totgelacht», titelte die letzte Ausgabe.
Doch was tut eine Frau, die sich im Qualitäts- und Magazinjournalismus auskennt, ausgerechnet beim Boulevardblatt Le Matin? Paradoxerweise ist es gerade ihr bisheriger Ansatz, der sie für diese Aufgabe zu prädes¬tinieren scheint. Denn der Matin, bis zum Erscheinen der Pendlerzeitungen in den Bereichen Sport, faits divers und Promis führend, leidet wie keine andere Westschweizer Tageszeitung unter der Gratiskonkurrenz, die die selben Themen in den Mittelpunkt stellt. Dem Matin bleibe nichts anderes übrig, als sich nach oben zu profilieren, erklärt Dayer: «Nicht im Sinn eines elitären Journalismus, sondern im Sinn von mehr Anforderungen an uns selbst.» Für Dayer bedeutet das eine Zeitung «mit mehr und vertieften Recherchen, mehr Charakter, mehr Meinungen, mehr Debatten, mehr Frechheit, mehr menschlichen Zügen und mehr Nutzwert für die Leser».
Kurz, die energische Chefin will aus dem Boulevardblatt eine «volkstümliche Qualitätszeitung» machen. Dazu gehören die neuen Rubriken, die den Leser während der Woche begleiten, wie Psychologie, Arbeit, Gesundheit, Wissenschaft oder Küche. Dazu gehört, dass jeden Tag ein Edito erscheint, ebenfalls jeden Tag eine Pressezeichnung und ein kleiner Comic-Strip von zwei jungen Westschweizer Künstlern. «Wichtig für uns ist der tägliche Dialog mit den Lesern», betont Dayer: Statt einer halben gibt es täglich eine Doppelseite Leserreaktionen, die interaktiv gedacht sind und die ebenfalls neugestaltete Webseite einbeziehen.
Sport und Promis bleiben im Zentrum des Interesses, doch auch im Sport will Dayer mit persönlicheren Formaten arbeiten. Und beim Promijournalismus, dem die Gratiskonkurrenz frönt? «Gerade hier wollen wir journalistischen Mehrwert bieten: nicht länger News aneinander reihen, sondern Phänomene analysieren und Trends entdecken.» In der brandneuen Nummer vom 30. September erfahren wir etwa, was der Tennismann Wawrinka in seinem Koffer auf die Reise mitnimmt und weshalb Stars und Sternchen neuerdings der Barfussmode frönen – der Genre-eigenen Belanglosigkeit entrinnt auch der neue Matin nicht immer.
Engagierte Staatsbürger im Visier
Überraschend und interessant ist dafür etwa der Artikel über die Helikopter der Armee: Ohne die für Boulevardzeitungen übliche Artikellänge zu erhöhen, bringt es der Journalist fertig, ein Maximum an exklusiven Informationen und Statements zu bringen. Originell ist auch die Seite 3 mit drei Kürzeststoffen zu je einer Politfigur, geschrieben in einem sehr subjektiven Kommentarton.
Dayer ist überzeugt, dass das Blatt bei einem neuen, zusätzlichen Zielpublikum ankommen wird: Bei jungen, urbanen Dreissigjährigen, «die Lust haben, eine Rolle als ‹citoyens›, als engagierte Staatsbürger zu spielen». Und wenn man sie fragt, warum man nun den Matin kaufen soll, wenn es doch den Matin Bleu gratis gibt, sagt sie in aller Bescheidenheit: «Zwei Franken zwanzig, um die Welt zu begreifen, das ist nicht zu teuer.»
Ariane Dayer liebt es, in ihrer Freizeit Modell-Segelschiffe zu bauen. Seit sie stellvertretende Chefredaktorin beim Matin sei, komme sie kaum mehr dazu: «Ich habe mich seit einem Jahr nur noch mit Zeitungsmodellen herumgeschlagen.» Noch stehe ein Segelschiff unfertig auf ihrer Kommode. Der schwierigste Moment beim Modellbau? «Das Setzen der Segel.» – Bon vent!
Helen Brügger

McCann ernennt Armin Korf zu neuem Zürcher CD

Der neue Creative Director von McCann Erickson in Zürich heisst Armin Korf. Korf hat in seiner Vergangenheit die Kreation der Agentur TBWA geleitet. Er ersetzt damit Timo Kirez, der zuletzt die Kreativabteilungen beider Schweizer McCann-Filialen geleitet hatte.

Der neue Creative Director von McCann Erickson in Zürich heisst Armin Korf. Korf hat in seiner Vergangenheit die Kreation der Agentur TBWA geleitet und unter anderem Werbekampagnen für Marken McDonald’s, Nivea, Sony, Emmi, Nissan und SBB verantwortet.
Wie die Agentur unter der Leitung von CEO Beat Mühlemann am Mittwoch vermeldete, wird Armin Korf ab sofort den weiteren Aufbau des Zürcher Kreativ-Teams vorantreiben. Er ersetzt damit Timo Kirez, der zuletzt die Kreativabteilungen beider Schweizer McCann-Filialen geleitet hatte. Die Agentur sucht weiterhin einen Creative Director für den Standort Genf.

Zu guter Letzt: Wertvolle Tipps von der Leserschaft

Die Umwälzungen auf dem Media- und Mediensektor haben die seltsamsten Folgen. Die Veränderungen der Medienkonsumgewohnheiten stellen viele so genannte «Medienexperten» vor riesige Rätsel. Wieso also nicht die Konsumentinnen und Konsumenten um Rat fragen?

Die Umwälzungen auf dem Media- und Mediensektor haben die seltsamsten Folgen. Die Veränderungen der Medienkonsumgewohnheiten stellen viele so genannte «Medienexperten» vor riesige Rätsel. Wie sollen Zeitungen dem Leserschwund begegnen? Wie werden Websites zu gewinnbringenden Portalen? Verträgt der Markt noch eine siebenhunderte Gratiszeitung oder sollte man doch auf Qualität setzen? – Alles Fragen, die viele gut verdienende Medienmanager um ihren Schlaf bringen. In der Not fragt man diejenigen, die’s ja eigentlich wissen müssten: Die Konsumentinnen und Konsumenten, Käuferinnen und Käufer, sprich die Zuschauer- und Leserschaft. Nicht nur der Sonntagsblick, auch die deutsche Bild-Zeitung verfügt über einen Leserbeirat, der der Redaktion aus ihrer Ratlosigkeit helfen soll. Wie die Zeitung mit den riesigen Schlagzeilen am Mittwoch vermeldet, haben die 32 Mitglieder des Beirates jüngst während zwei Tagen die Redaktion besucht und Vorschläge ausgearbeitet. Dabei formulierte die bunt gemischten Laien einige grossartige Empfehlungen: Man solle doch bitte «lokal mehr über regionale Promis und Partys» berichten, «dem Thema Bildung mehr Raum widmen und Wissensthemen stärken», «allen Jugendlichen Orientierung für Schule und das spätere Berufsleben bieten» oder «es wagen, sich auch altmodischer Themen wie Benehmen, Höflichkeit und Respekt anzunehmen». Mal sehen, was Bild-Chefredakteur und Boulevardzeitungsmacher Kai Diekmann mit solchen Tipps anzufangen weiss.

Relaunch zum 80sten

Seit 1928 dokumentiert das Schweizer Wohnmagazin Ideales Heim die Werke kreativer Köpfe aus Architektur und Design.

Die lange Tradition gibt dem Schweizer Wohnmagazin Ideales Heim im Zeitschriftenmarkt eine Sonderstellung. Das Blatt hält das Gedankengut der Bauhaus- und Werkbund-Zeiten in gewandelter Form am Leben. «Wertigkeit statt Wegwerfkultur, Sachlichkeit statt gestalterischer Überschwang sind die Leitmotive», sagt Verleger Emil Bisig. «Heute ist das führende Schweizer Wohnmagazin aktueller denn je: Das Themenfeld wird gleichzeitig immer populärer und schwieriger zu übersehen», sagt Chefredaktor Hans Georg Hildebrandt.
Mit fünf Mitarbeitenden ist die Redaktion des traditionsreichen Hochglanzblattes vergleichsweise gross. Zusammen mit zahlreichen freien Journalisten und Fotografen produziert die Redaktion zehn Ausgaben jährlich.
Zum Jubiläum hat der Verlag ein 286-seitiges Heft mit Rekordumfang herausgebracht. Die Titelgeschichte dreht sich um ein dem Anlass entsprechend spektakuläres Objekt, eine Villa von Architekt Philippe Stuebi. Eine weitere Geschichte dreht sich um ein Haus von Richard Neutra in Hessen, gefolgt von einem Projekt der Architektin Ana Escalante, die den von Neutra mitgeprägten «Desert Modernism» weiterentwickelt. Storys über den anarchischen Möbeldesigner Maarten Baas oder die Architektur im neuen James-Bond-Film «Quantum of Solace» finden sich weiter in der Jubiläumsnummer.
Das Heft hat eine neue Blattarchitektur erhalten und ist neu dreigeteilt in ein Entree mit News-Stoffen, in den Mittelteil mit grossen Geschichten und in einen Rundgang durch die Zimmer eines virtuellen Hauses. Chefredaktor Hildebrandt hat für das Blatt ein neues Konzept massgeschneidert, das vom Zürcher Design¬büro Beling Thoenen umgesetzt wurde, das unter anderem für das Redesign der Schweizer Illustrierten verantwortlich zeichnet. «Wer Namen und Köpfe hinter den neusten Ideen kennen lernen will, informiert sich im Entree. Wer von schönen Häusern träumen oder sich inspirieren lassen möchte, findet Anregung in den langen Bildstrecken, die mit Plänen und Infos zum Bau ergänzt werden. Und wer demnächst Küche oder Bad, Kinderzimmer oder Heimbüro neu einrichtet, findet auf dem Rundgang durch das Heft die spannendsten Produkte», sagt Hildebrandt.
Ideales Heim ist nicht das einzige Projekt des Archithema Verlags. Unter dem Label erscheinen jährlich drei Sonderpublikationen zu Gärten, Küchen und Bädern, welche die gesamten News der Branchen zusammenfassen. (red)

Marketimpact verstärkt Beratung und Konzeption

Marketimpact verstärkt seine Beratungsabteilung. Dazu verpflichtet das Berner Unternehmen Bruno Prandi. Dieser soll dem Spezialisten für Business-Events, Promotionen und Vertriebsmarketing ab sofort auch im Bereicht Konzeption, Storytelling und narrative Raumgestaltung behilflich sein.

Marketimpact verstärkt seine Beratungsabteilung. Dazu verpflichtet das Berner Unternehmen Bruno Prandi. Dieser soll dem Spezialisten für Business-Events, Promotionen und Vertriebsmarketing ab sofort auch im Bereicht Konzeption, Storytelling und narrative Raumgestaltung behilflich sein. Wie Marketimpact in einer Mitteilung vom Mittwoch schreibt, verfügt Prandi über Event- und Kommunikationserfahrung und bildet sich zurzeit an der Zürcher Hochschule der Künste zum Szenografen weiter.
Zuvor war er als Creative Director bei Metazona tätig und in dieser Funktion unter anderem verantwortlich für die Inszenierung der Eröffnungsfeierlichkeiten des Lötschbergtunnels, des SQS Forums und des Unternehmerpreises Espace Mittelland. Ausserdem war er über Jahre Regieleiter beim Swiss Economic Forum, der Cisco Expo und den X-Days.

Kopf der Woche: Getauscht

Gordon Nemitz macht seit August als neuer Planning Director bei Wirz die kreative Führung wieder komplett.

Dirty Dancing» bei der Arbeit ist nicht sein Stil. Gordon Nemitz meint damit das Bereichsdenken, wie es nicht nur im bekannten Film «Das ist mein Tanzbereich. Das ist deiner» ausgespielt wird, sondern auch in vielen Agenturen. In einem Klima «bis hier die Strategie – ab dort die Kreation» kann selten gute Werbung entstehen. Die Tradition, in der Nemitz lieber arbeitet, sieht den Strategen deshalb als einen «Creative Planner». Ein Denker an der Schnittstelle der verschiedensten Disziplinen, der im Prozess der Gestaltung «die kreativen Inspirationen» geben kann.
Gordon Nemitz startete 1996 in Siegen bei Köln mit einem integrierten Medienstudium. «Im Bereich Medien findet man sicher einen Job», war damals das Zeitgefühl. Nach anfänglichen Versuchen in der Welt der gedruckten Medien stellte er jedoch fest, «dass es nicht für die Süddeutsche reicht». Daher wagte er den Schritt in die Werbung und stieg in der deutschen Werbehochburg Hamburg als Praktikant bei Scholz & Friends ein. Nach fünf Monaten Ausbildung in der klassischen Beratung wurde Nemitz bereits zum Junior befördert, und statt sechs Monate gefiel es ihm mehr als ein Jahr bei Scholz & Friends. Trotzdem war Beratung noch nicht das Ziel seiner Träume. Bei einer kleinen, aber feinen Strategie-Agentur mit dem Namen &Equity wirkte die deutsche «Planning-Ikone» Dr. Cordula Krüger – und da wollte Nemitz hin. Die Agentur folgte dem Mission Statement «Empirische Präzision und strategische Inspiration» und war in ihrem Denken sehr psychologisch begründet. Für Nemitz wurde die Zeit bei &Equity schliesslich zur wichtigsten Planning-Schule. Trotz der faszinierenden Zeit in der Praxis hat Nemitz aber fleissig auch sein Studium voran getrieben und mit einer Diplomarbeit über «Konstruktivistische Identitätsbildung des Individuums im Kontext des Marketings» abgeschlossen. Etwas alltäglicher ausgedrückt geht es dabei um «Community-Building und -Marketing». Es war für Nemitz wichtig, immer zwischen der Praxis und der Uni zu pendeln. «Andere Kommilitonen haben bis Ende des Studiums nicht gewusst, wo sie mal arbeiten wollen, und nur die Pflicht-Praktika gemacht», argumentiert Nemitz, der sich in der Studienzeit beruflich «die Hörner schon so abgestossen» hat, da er wusste, wo er einmal hin will. Parallel zur Diplomarbeit in Köln hat er als eine weitere Diversifizierung auch noch in einer kleineren Agentur gearbeitet, die eher «im Bereich der Kommunikation im Raum anzusiedeln ist». Hier lernte Nemitz, wie man jenseits klassischer Wege Menschen für Marken und Themen begeistern kann.
2005 wechselte der diplomierte Medienwirt zurück in die «klassische» Strategie und wurde bei Jung von Matt ins Team von Karen Neumann aufgenommen. Die Zeit war intensiv – Nemitz erinnert sich an eine Aufgabe, für die er in vier Tagen 76 Stunden gearbeitet hat –, aber auch sehr lehrreich und erfolgreich. Nach zweieinhalb Jahren im «Durchlauferhitzer» Jung von Matt folgte ein entsprechend interessantes Angebot als Senior Strategic Planner bei TBWA in Düsseldorf.
An seiner Welt des Planning gefällt Nemitz, dass man wie beim Schach sein Wissen um die Regeln und Strategien in immer wieder neuen Konstellationen der Aufgabe einbringen kann. Nemitz will nichts mit Routine angehen. So war es für ihn «extrem spannend», bei Jung von Matt eine internationale Marketing-Strategie für Haushaltmaschinen von Bosch zu entwickeln. «Ein Job, der bei Kreativen nicht gerade viel Begeisterung auslöst», meint er. Ihm hat aber die Herausforderung gefallen, für die verschiedensten Länder zum Beispiel das Koch- und Ernährungsverhalten zu ergründen oder rund um die weltweit verschiedene «Psychologie des Waschens» zu recherchieren. Oder aber bei TBWA, wo es seine Aufgabe war, die Consumer-Electronics-Marke Medion von ihrer Aldi-Herkunft zu emanzipieren. Bei all diesen Aufgaben geht es für den Strategen darum, vor dem Input zur kreativen Arbeit zuerst einmal «sich einerseits ein tiefes Verständnis für die Marke im Wettbewerbsumfeld zu erarbeiten und andererseits auch immer die Bedürfnisse und Wünsche des Verbrauchers zu berücksichtigen».Wie die Verbraucher in der Schweiz ticken, ist dem neuen Planning Director bei Wirz nicht völlig unbekannt. So hat er bei Jung von Matt die Schweizer Marke Ricola strategisch betreut. Aber auch aus privaten Gründen hat er bereits in der Vergangenheit viel Zeit in der Schweiz verbracht.
Von Deutschland aus einmal ins Ausland zu wechseln, war bei Nemitz schon lange ein Plan. England, als die Heimat des Planning, wäre eine Option gewesen. Die Schweiz sei aber ebenso interessant, weil man in der feinsemantischen Strategie sehr viel auch mit der Sprache arbeitet. Wien hätte Nemitz weniger gelockt. «Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass der österreichische Markt ähnlich funktioniert wie Deutschland. In der Schweiz konnte man hingegen nicht einfach die Kommunikationsmassnahmen importieren. Dieses Neue reizt mich», meint Nemitz.
Weil die Verpflichtung bei Wirz «keine Übergangslösung» ist, hat sich Nemitz im Zürcher Seefeld bereits eine eigene Wohnung genommen. Das war ein glücklicher Tausch mit einem wegziehenden Werber.
Ein «fairer Tausch» ist die Anstellung von Gordon Nemitz auch für Geri Aebi. Simon Walter, der Vorgänger von Nemitz, wechselte im Frühling 2007 von Wirz zu TBWA Berlin. Jetzt kommt in der Rochade Gordon Nemitz von TBWA Düsseldorf nach Zürich. Der noch junge, aber bereits hoch gehandelte Planner macht das Director-Team bei Wirz wieder komplett, nachdem CEO Geri Aebi die Agentur über ein Jahr lang ohne Planning Director führen musste. Wobei strategisches Denken in dieser Zeit trotzdem garantiert war, wie Aebi im untenstehenden Interview erklären kann.
Am Tag, wo Nemitz sich mit Geri Aebi zu den abschliessenden Verhandlungen traf, präsentierte sich die Stadt von ihrer sonnigsten Seite. Beim Schlendern am See ist schliesslich bei Nemitz die Entscheidung gefallen. Auch das sei «ein Asset von Zürich gegen Düsseldorf»: Velofahren am Wasser. Nemitz, der früher nämlich als Velokurier jobbte, frönte bereits seinem Hobby und umkurvte den Zürichsee auf seinem Rennvelo in knapp zwei Stunden. «Das war ja noch relativ flach. Aber jetzt kommen die Bergetappen», meint er zu dieser Leistung. Und hält sich damit auch fit für einen weiteren Aufstieg bei Wirz.
Andreas Panzeri
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