Die Basler Zeitung (BaZ) ist seit 2004 mit dem gegenwärtigen Layout und redaktionellen Angebot am Markt, doch wie alle abonnierten Zeitungen spüre auch die BaZ das sich verändernde Konsumverhalten bei der Mediennutzung. «Wir haben mittlerweile fünf Gratisprodukte in der Region, die der bezahlten Auflage der BaZ etwas geschadet haben», sagte BaZ-Verleger Matthias Hagemann gegenüber der Werbewoche. «Auch die zunehmenden Internetangebote führen zu einer Neuverteilung der Aufmerksamkeit und der Zeit des Lesers.»
Vor diesem Hintergrund haben die Basler Zeitung Medien in den letzten Monaten ihr Nachrichtenangebot deutlich verbreitert. So wurde vor gut einem Jahr zusammen mit Tamedia die Pendlerzeitung News und am 8. August 2008 das Newsnetz lanciert, dessen News nun in Bazonline.ch einfliessen. «Die Kooperation lässt sich gut an, auch wenn wir uns immer wieder finden müssen», sagt Hagemann. Der Verbund habe in jedem Fall Zukunft, denn keiner der Partner könne so ein kostspieliges Projekt wie etwa das Newsnetz allein machen. Zudem erschliesse sich so der nationale Werbemarkt.
Zusammenführung von Zeitung, Radio und Internet
Das Angebot will Hagemann nun gezielt ausbauen, mit gleichzeitiger Erhöhung der Produktivität. «Im Bereich des Internetangebots Bazonline.ch wollen wir das Angebot bis auf Gemeindeebene herunterbrechen, auch damit sich Communitys bilden können», so Hagemann. Mit Lokalredaktionen soll so die Leserbindung und die Verankerung in der Region gefördert werden. Zudem will der Verleger mit einer tiefgreifenden Analyse der Basler Zeitung Lesererwartungen eruieren und Organisation und Strukturen durchleuchten, auch im Hinblick auf das geplante Zusammenwirken und der damit verbundenen Synergienutzung der verschiedenen News-Kanäle Print, Internet und Radio.
Das Flaggschiff Basler Zeitung, das Gratisblatt Baslerstab, Bazonline.ch sowie Radio Basel 1 sollen demnach über eine Art «Newsroom» zusammengeführt werden. «Wir haben das Ziel, ein zentrales Schaltpult zu schaffen, wo am Tag die laufenden Ereignisse besprochen werden und wo beschlossen wird, über welchen Kanal die Nachricht verwertet wird», sagte Hagemann. Inwiefern sich das Radio einbeziehen lässt, wird allerdings von der Konzession und den daran geknüpften Bedingungen abhängen – wenn sie dann vom UVEK noch einmal vergeben wird.
Keine Sonntagszeitung geplant
Die Frage, ob er wie bald alle grösseren Medienhäuser in der Schweiz auch eine Sonntagszeitung oder sogenannte siebte Ausgabe plane, verneinte Hagemann. «Wir halten eine weitere Sonntagszeitung nicht für ein funktionierendes Geschäftsmodell». Dennoch schliesse er es nicht kategorisch aus. Man wolle einmal die Entwicklung bei den anderen beobachten. «Zudem hat die Basler Zeitung Medien bereits genug Projekte gestartet, die ein gewisses Risiko beinhalten. Wir wollen das Fuder nicht überladen.»
Klare Strategie gegen Wanners Invasion
Da ist natürlich noch das Problem mit der Basellandschaftlichen Zeitung (Bz). Hagemann glaubt nicht an einen Erfolg von Peter Wanners Engagement bei der Bz, ein Akt, der von den Basler Zeitung Medien schlicht als Invasion der AZ Medien in heimisches Terrain betrachtet wurde: «Es ergibt meines Erachtens keinen ökonomischen Sinn. Was den Werbemarkt und das Wirtschaftsgebiet anbelangt, gehört die Basellandschaftliche zu uns. Peter Wanner generiert kaum grosse Mehreinnahmen, hat dem gegenüber aber Mehrausgaben, vermute ich.»
Nebst der Hoffnung auf einen Schiffbruch Wanners mit der Basellandschaftlichen fährt Basler Zeitung Medien zudem eine klare Strategie: «Wir streuen die Pendlerzeitung News auch ins Stammgebiet der Basellandschaftlichen Zeitung», sagte Hagemann. «Und wir haben bereits im Jahr 2006 die regionale Berichterstattung verdoppelt. Last but not least erscheint jeden Freitag eine Grossauflage der Basler Zeitung mit 90’000 zusätzlichen Exemplaren, die in alle Haushalte in Baselland geliefert wird, die keine BaZ abonniert haben.» Es wird sich zeigen, ob die Strategie zum Erfolg führt. (elk)
(Bild: Keystone)