Negativtrend schon spürbar?

Mediafocus: Gegenüber dem Vorjahr ist der Werbedruck im September um 2,1 Prozent gesunken. Trotzdem beträgt das kumulierte Plus seit Jahresbeginn noch 4,7 Prozent.

Mediafocus Gegenüber dem Vorjahr ist der Werbedruck im September um 2,1 Prozent gesunken. Trotzdem beträgt das kumulierte Plus seit Jahresbeginn noch 4,7 Prozent. Ob das aktuelle Werbejahr auf Vorjahresniveau abgeschlossen werden kann, wird sich erweisen. Minus 9 Prozent im Finanzmarkt verwundert nicht, resultiert doch im September ein Einbruch von minus 10 Prozent. Der Schlüsselmarkt Finanzen ist der drittgrösste Werbemarkt (nach Fahrzeuge und Nahrungsmittel).
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Coop Naturaline: Nationale Kampagne mit Melanie

Coop Naturaline hat für ihre Herbstkollektion eine nationale Kampagne mit Melanie Winiger lanciert. In Szene gesetzt hat die Bilder der Starfotograf Michel Comte.

Grün mit Melanie Winiger: Die von KSB/SJ lancierte nationale Kampagne für Coop Naturaline setzt ganz auf die glutäugige Ex-Miss-Schweiz, welche die Herbstkollektion tragend beweisen soll, dass ein Öko-Label auch punkto Coolness mit anderen mithalten kann. Botschafterin Winiger trägt die aktuelle Naturaline Herbstmode auf Anzeigen und im neuen Naturaline-Prospekt. In Szene gesetzt wurde sie von Starfotograf Michel Comte. Bereits vor 12 Jahren hat Coop die Marke Naturaline lanciert und will mit der Kampagne einmal mehr ihre Vorreiterrolle bei Mode aus Bio-Baumwolle und fairem Handel unterstreichen, wie die Zürcher Agentur KSB/SJ mitteilte. Die Anzeigen erscheinen national in der Publikumspresse und in diversen Mode- und Frauenzeitschriften.
Verantwortlich bei Coop: Jürg Peritz (Leiter Direktion Marketing/Beschaffung), Sandro Corpina (Leiter Category Management Textil) und Jürg Kräuchi (Werbeleiter Coop City). Verantwortlich bei KSB/SJ: Uwe Schlupp (CD), Anita Kummer (AD), Marion Lim, (Text), Barbara Lagger (Beratungsleitung), Flavia Salvisberg (Beratung), Andrea Baltis (DTP), Michel Comte (Photo), Melanie Winiger (Modell), Eqal Visual Productions AG (Agentur), Eliane Kobler (Styling, Creative Consulting). Bildbearbeitung: Detail AG. Media: Coop Media sowie Initiative Media Western AG.

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Zur Sache: Keiner weiss, wohin es geht

Aus der US-Hypothekenblase wurde eine Bankenkrise, diese mutierte zu einer Finanzkrise. Aus der Finanzkrise droht nun eine Wirtschaftskrise zu werden, und deshalb bereitet sich die Medienbranche schon mal auf eine allfällige Medienkrise vor.

Aus der US-Hypothekenblase wurde eine Bankenkrise, diese mutierte zu einer Finanzkrise. Aus der Finanzkrise droht nun eine Wirtschaftskrise zu werden, und deshalb bereitet sich die Medienbranche schon mal auf eine allfällige Medienkrise vor. Dabei geht es nicht nur um die ausbleibenden oder sich verringernden Werbeeinnahmen aus der Finanzbranche, welche immerhin auf Platz 3 der werbetreibenden Branchen in der Schweiz steht. Per September sank der Werbedruck der Banker gemäss Media Focus um rund neun Prozent, Tendenz steigend. Es geht um mehr.
Der Wirtschaftsaufschwung ist gebremst, die Anzeichen, dass wir haarscharf an einer Rezession vorbeischrammen werden, lösen Ängste aus. Die positive Konsumentenstimmung hat sich zwar momentan noch nicht ins Negative gewandelt, doch je mehr Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft, den Börsen und den Medien auf den Konsumenten niederprasseln, desto wahrscheinlicher wird eine solche Umkehr der Konsumentenstimmung. Einige Werbetreibende werden wegen der unsicheren Zukunftsaussichten ihre Werbung zurückfahren. Viele vielleicht schon dieses, andere vielleicht erst nächstes Jahr.
Vor rund einem Monat war ich noch einigermassen positiv eingestellt gegenüber der Entwicklung der Werbeausgaben für 2009. Heute wage ich keine Prognose mehr. All zuviel passierte in den letzten paar Wochen in der Politik und in der Wirtschaft. In den USA, in Europa und in der Schweiz. Globalisierung sei Dank. Die Linken läuten schon das Ende des Kapitalismus ein, die Neoliberalen lecken ihre Wunden und versuchen sich zu verstecken, Staaten lassen marode Finanzinstitute in Konkurs gehen und unterstützen mit vielen Milliarden andere. Die Politik ruft nach mehr staatlichen Kontrollen, nach mehr Einfluss.
Keiner weiss, wohin es geht. Die Medienbranche – und dies nicht nur in der Schweiz – wird unruhig. Man befürchtet das Schlimmste. Gemäss einer Meldung der SDA ist der Marktwert der US-Medienunternehmen jüngst teilweise dramatisch abgestürzt – laut Investmentbank Goldman Sachs um rund 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Essener WAZ-Gruppe steht vor einschneidenden Sparmassnahmen. Es geht um Einsparungen von rund 30 Millionen Euro. Ringier will oder muss sparen. Man spricht von unbestätigten 50 Millionen. Schon gespart hat die Edipresse: 20 Millionen für die nächsten zwei Jahre. Weitere Sparmassnahmen werden folgen. Wir können nur rätseln, wer die nächsten sind. Ist es die NZZ oder gar die allmächtige Tamedia mit ihrem Flaggschiff Tages-Anzeiger? Auf alle Fälle sind es trübe Aussichten.
Trübe Aussichten auch für alle, die diesen Freitag die lang ersehnten Sendekonzessionen für Lokalradio und -Fernsehstationen nicht erhalten werden. Schöne Aussichten hingegen für die Gewinner der begehrten Konzessionen. Einigen von ihnen winkt wenigstens Geld vom Staat.

Pierre C. Meier, Chefredaktor
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Kopf der Woche: Der Weltenbummler

Jörg Schminke blickt zurück auf 40 Jahre Schminke und Team und glaubt an eine gute Zukunft für «hochspezialisierte Generalisten».

Seine Karriere begann wie in einem amerikanischen Märchen. Kaum war die Tinte auf seinem Diplom für Corporate Design an der Kunstgewerbeschule Bern getrocknet, flatterte Jörg Schminke bereits ein Angebot als Grafiker bei DDB in New York auf den Tisch. «Das war ein verrückter Zufall», freut sich der Geschäftsführer von Schminke und Team noch heute, wenn man mehr Details zu dieser Geschichte hören möchte.
Wir befinden uns in den Sixties. Um vom Aufbruch der Zeit mit neuen Ideen teilhaben zu können, wollte DDB New York auch in Europa nach talentierten Frischlingen Ausschau halten. In London, Paris und Zürich wurden Inserate geschaltet. Schminke meldete sich. Und hatte nach einem Vorstellungsgespräch im Zürcher Hotel Ascot die «schlafloseste Nacht» in seinem Leben. Um zehn Uhr am anderen Morgen kam die Zusage. Auf das Visum musste der junge Grafiker allerdings ein ganzes Jahr warten. Die amerikanische Einwanderungsbehörde bevorzugte lieber Techniker als Künstler. Schminke konnte allerdings die Wartezeit im British Museum in London als Grafiker überbrücken. Dann waren die USA bereit, und Jörg Schminke musste in der Botschaft in Bern seinen Eid auf die Verfassung schwören.
Bei DDB im Big Apple arbeitete Schminke fünf Jahre. Zwar nicht auf den damaligen Prestige-Kampagnen für VW oder Avis. Aber sonst «auf lustigen Dingen» wie einer Reissverschlussfirma Talon Zippers, dem Warenhaus Bloomingdales oder der New Yorker Polizei. «Zwölf Stunden pro Tag im Atelier waren normal.» Dafür bekam der 22-Jährige – ganz amerikanisch – nach drei Monaten bereits die erste Lohnerhöhung. Da DDB als eine visuell orientierte Agentur galt, wollte Schminke in New York auch noch Erfahrungen im Bereich Text sammeln. Ogilvy war dazu die beste Adresse. Das Vorstellungsgespräch scheiterte aber, weil Schminke viel zu wenig Lohn verlangte. «In jener Konjunktur war nur gut, wer sich auch teuer zu verkaufen wusste.» Seither verkaufte er sich nie mehr zu billig, lacht Schminke.
Zurück in der Schweiz fand der Grafiker, der in New York auch noch ein Studium in Marketing und Kommunikation abschliessen konnte, sofort eine Stelle bei Atlas Copco. Bei diesem schwedischen Konzern im Bereich Hydraulik und Druckluft wurde er 1974 Werbeleiter für die Schweiz, dann Manager Communications Europe. Ab 1978 bekam er die weltweite Verantwortung im Headquarter von Stockholm und später in Antwerpen. Die Arbeit auf Kundenseite war für Schminke sehr interessant. Trotzdem wollte er einmal andere Luft als Druckluft schnuppern und wechselte zu Hoffmann-La-Roche. In Basel wurde er zum Communication Manager Worldwide für die Vitamindivision berufen. «Das war aber ein Kulturschock», erinnert sich Schminke, der sich als Kreativer inmitten der Machtkämpfe der Chemiker bald «fehl am Platz» fühlte.
Mehr Sinn machte für ihn eine Herausforderung bei Nestlé. Das war um 1982, als der Multi aus Vevey vorher mit «Nestlé kills Babies» weltweit in die Schlagzeilen geraten war. Als Verantwortlicher der Werbung für Kindernahrung musste Schminke nun nach Wegen suchen, wie Nestlé aus dieser Kommunikationskrise wieder heraus finden konnte. In Vevey war man überzeugt, dass Nestlé den höchsten Produktionsstandard hatte. Zu einem Hearing mit Senator Ted Kennedy und betroffenen Krankenschwestern aus Afrika schickte Nestlé deshalb einen Chemiker und einen Produktionsfachmann. Als diese die Angriffe dem Zeitgeist entsprechend als «kommunistische Verschwörung» verteidigen wollten, war das Missverständnis perfekt, Kennedy ziemlich verärgert und die schwache Nummer der Schweizer dem amerikanischen TV eine Topstory wert. «Aber wir haben es dann geschafft, eine weltweite Kampagne zu lancieren, in der Nestlé aufklären konnte, wieso unsere Babynahrung auch in der Dritten Welt Sinn machen kann», erklärt Schminke. Dazu musste er die Information so aufbereiten, dass auch Mütter ohne Bildung die Pulvermilch richtig anrühren konnten.
Seine Erfolge öffneten Schminke anschliessend das Tor zu Farner, weil dort ein grosser Teil der Nestlé-Budgets betreut wurde. In der «Wiege» der heutigen Publicis wirkte er als stellvertretender Geschäftsführer in der Epoche vor Fredy Collioud. «So lernte ich das Agenturbusiness auch vom administrativen Teil her kennen», erzählt Schminke und meint damit auch den «nicht immer einfachen Umgang mit Kunden». Schminke bezeichnet sich als einen «extremen Kritiker der klassischen Agenturhaltung», wo man immer noch eine gewisse Überheblichkeit gegenüber dem Kunden zeigt. Aber: «Werber sind tendenziell träge und in keiner Art und Weise Wegbereiter für etwas», ist Schminke überzeugt. Ein «Schlüsselerlebnis dieser Trägheit» ist ihm bei der alten Farnerei in Erinnerung geblieben. Als Maggi einen dieser eben aufgekommenen Radiospots realisieren wollte, wurde der Kunde abgewimmelt, weil man über das neue Medium noch keine verlässlichen Zahlen hatte. Ein Vorgang, der sich seither in der Branche bei der Einführung auch anderer neuen Medien regelmässig wiederholt hat.
Zu seiner eigenen Agentur ist Jörg Schminke über einen Headhunter gekommen. Dieser suchte einen Käufer als Nachfolger für ein kleines, aber gut eingeführtes Unternehmen, das «am historischen 1. Mai 1968 gegründet worden ist». Die Agentur hatte über 30 kleinere Kunden. Als erstes versuchte Schminke deshalb, mehr illustre Namen in sein Portfolio zu bringen. «Wenn die Agentur bekannter werden soll, muss ich Kunden haben, die eine gewisse Ausstrahlung haben.»
Dank seinen Referenzen hat Schminke zuerst Revi Suisse Price Waterhouse gewonnen, später Elida, Brother Schweiz, Ernst & Young und dann auch noch die Treuhandkammer. Viele dieser Unternehmen arbeiten mit einer Unmenge von Broschüren. «Oft sind das über hundert Drucksachen pro Jahr von der Einladungskarte bis zum Geschäftsbericht.» Aus diesem Bedürfnis heraus spezialisierte sich Schminke und Team neben der klassischen Kommunikation immer mehr auch auf Drucksachen und damit Corporate Design. «Ein aufwendiges, aber schönes Geschäft. Das pflegen wir mit grosser Sorgfalt und Liebe», verrät Schminke.
Für die Mepha haben die Zürcher neben dem Logo das ganze Corporate Design entwickelt. Für die Verpackungsmaschinen von PackSys macht Schminke und Team die Prospekte für die ganze Welt. Das dritte Standbein der Agentur war bereits 1996 das Internet. Zu dieser Pionierleistung war es gekommen, weil in der Agentur damals ein junger «Internetfreak» namens Markus Gabriel angestellt war, bevor dieser sich mit Angelink selbstständig machte.
Jörg Schminke ist in seiner Agentur der einzige Berater. Dazu führt er – neben Administration und Produktion – das Kreativteam. Dessen Mitglieder dürfen und sollen auch selber und direkt mit ihren Kunden kommunizieren. «Der Kunde fühlt sich ernster genommen und näher an der Quelle der Kreativität», weiss Schminke. Und die Kreativen schätzen es, dass ihre Ideen nicht «von einem Berater verwässert werden».
Und die Zukunft nach so vielen Jahren spannender Geschichte? «Huch, das habe ich mir noch gar nicht überlegt», meint Schminke, der immer noch mitten in einer dynamischen Gegenwart wirkt. Aber dann fällt ihm doch ein: «Ich hoffe, dass die momentane Krise immerhin den zwischenmenschlichen Beziehungen im Geschäftsleben positive Impulse verleiht.»
Andreas Panzeri

Zu guter Letzt: Voodoo-Puppe sticht Sarkozy vor Gericht aus

Man könnte beinahe meinen, Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy versuchte bloss witzig zu sein, als er randalierende Jugendliche «Gesindel» nannte, oder für «mehr arbeiten um mehr zu verdienen» plädierte. Doch nun bewies er erneut, wie ernst er sich selber nimmt. Wegen einer blauen Sarkozy-Voodoo-Puppe ging er vor Gericht.

Man könnte beinahe meinen, Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy versuchte bloss witzig zu sein, als er randalierende Jugendliche «Gesindel» nannte, oder für «mehr arbeiten um mehr zu verdienen» plädierte. Doch nun bewies er erneut, wie ernst er sich selber nimmt. Wegen einer blauen Sarkozy-Voodoo-Puppe ging er vor Gericht. Am Mittwoch legte er gar Berufung ein, weil das Gericht seine Forderung, den Verkauf der Puppe zu verbieten, zurückwies. Ein französischer Verlag bietet seit Anfang des Monats die Stoffpuppe inklusive Nadeln zum Verkauf an. Auf dem Spielzeug stehen Sprüche des Politikers Sarkozy. Käufer können durch die Voodoo-Puppe «den Präsidenten daran hindern, noch mehr Schaden anzurichten», verspricht eine Werbung für die Puppe. Dennoch hat Sarkozy Grund sich zu freuen. Steht er doch auf der Verkaufsliste des Internethändlers Amazon auf Platz eins, als Stoffpuppen-Set Sakozy-Ségolène. Das Set besteht aus einer blaune Sarkozy- und einer roten Ségolène-Puppe. Beigelegt sind den Stoffpuppen Nadeln und ein kleines Büchlein. Die Sprüche auf der Royal-Puppe sind fast genau so anregend für den Griff zur Nadel. So ist beispielsweise Royal’s Lob auf die «chinesische Justiz» darauf verewigt.
Ségolène Royal nutzte die Gelegenheit, und Sarkozy’s Kriegszug gegen den Verkauf der Puppen, um nun ebenfalls zu sticheln: Wenn er so weitermache, werde er bald gegen die satirische Fernsehsendung «Guignols de l’Info» oder gegen die linke «Marianne» vorgehen, meinte sie etwa im Radiosender Europe 1. Oder zeigte Sarkozy mit seinem Gang vor Gericht nur die leise Furcht, dass der Voodoo-Zauber eines Tages wirken könnte und er sich selber gezwungen sieht, «mehr zu arbeiten, um mehr zu verdienen»?
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Die umstrittenen Voodoo-Puppen von Nicolas Sarkozy und Ségolène Royal

Zu guter Letzt: Weiter so

Nach drei Jahren als Ressortleiter Media & Medien hat René Worni die Werbewoche verlassen. Damit der Abgang des Printredaktors, der auch online seine Spuren hinterlassen hat, nicht ungehört verhallt, setzen wir an diese Stelle einen seiner Kommentare. Es lebe die Medienkonvergenz!

Nach drei Jahren als Ressortleiter Media & Medien hat René Worni die Werbewoche verlassen. Damit der Abgang des Printredaktors, der auch online seine Spuren hinterlassen hat, nicht ungehört verhallt, setzen wir an diese Stelle einen seiner Kommentare. Es lebe die Medienkonvergenz!
«Nachfolgend ein kleiner Beitrag zur Entspannung der Kontroverse, ob Print- oder Online-Journalismus Qualität für sich reklamieren darf beziehungsweise kann:
Der deutsche Medienjournalist Stefan Niggemeier formulierte kürzlich an der Konferenz des Deutschen Journalisten-Verbandes die These: «Die Verlage und Sender probieren im Internet gerade aus, ob es nicht auch mit weniger Journalismus geht.» Niggemeier stützt seine These mit acht Regeln: 1. Online-Journalisten müssen nicht schreiben können. 2. Redigieren und Korrigieren ist optional. 3. Jedes Medium im Internet wird zum Boulevard-Medium. 4. Relevanz ist kein Kriterium. 5. Berichtet wird, was mühelos zu recherchieren ist. 6. Redaktion und Werbung müssen nicht so genau getrennt werden. 7. Warum ein gutes Foto zeigen, wenn es auch 100 schlechte tun? 8. Klicks gehen immer vor Qualität.
Demgegenüber lauten die 20 beliebtesten Sätze während der Blattkritik, die das österreichische Qualitätblatt Standard gesammelt hat: 1. Gut, dass wir das haben.
2. Das lässt mich ratlos zurück. 3. Habe ich gerne gelesen. 4. Ich verstehe nicht, dass … 5. Der Leser versteht nicht, dass … 6. Diese Grafik versteht man nicht. 7. Der Artikel lässt mich ratlos zurück. 8. Traxler ist wieder super. 9. Auf der ganzen Seite schon wieder kein Webtipp. 10. Der erste Absatz ist zu lang. 11. Der Satz geht über 17 Zeilen. 12. Schöne Bilder im Sport. 13. Wunderbare Titel im Sport. 14. Witzige Bildtexte im Sport. 15. Der Sport hat zu wenig Platz. 16. Haben wir besser/ausführlicher/… als … 17. Wir brauchen ein Interview. 18. Des is boch‘n.
19. Warum haben wir das nicht? 20. Tu‘ ma weiter!»

Brüngger Bachmann Dialog gewinnt Pro Juventute-Etat

Brüngger Bachmann Dialog hat in einer mehrstufigen Agentur-Auswahl den Etat für die Fundraising-Aktivitäten von Pro Juventute gewonnen. Mit der Kampagne verspricht sich die Stiftung, das Volumen des Markenverkaufes zu steigern und ihr Image als traditionelles Hilfswerk aufzufrischen.

Brüngger Bachmann Dialog hat in einer mehrstufigen Agentur-Auswahl den Etat für die Fundraising-Aktivitäten von Pro Juventute gewonnen. Mit der Kampagne verspricht sich die Stiftung, das Volumen des Markenverkaufes zu steigern und ihr Image als traditionelles Hilfswerk aufzufrischen.
Am 27. Oktober startet die neue Kampagne von Brüngger Bachmann Dialog. Auf den Plakaten der Zürcher Dialog-Agentur sind prominente Schweizerinnen und Schweizer als Kind zu sehen. Die Kampagne basiere auf der Idee, dass jeder Erwachsene einmal Kind war und die Bedürfnisse in diesem Lebensabschnitt kenne, schreibt die Agentur in einer Pressemitteilung vom Mittwoch.
Auf den Plakatbildern sind Otto Stich, Stephanie Glaser, Beat Schlatter, Denise Biellmann, Tom Lüthi, Clown Dimitri, Franco Knie zu sehen. Ausserdem wird Amanda Ammann Pro Juventute mit ihrem ersten grösseren Auftritt als Ex-Miss Schweiz unterstützen.
Begleitet wird die nationale Plakat-Kampagne von unterschiedlichen Dialog-Medien wie Mailings, Response-Flyer im ÖV-Netz und einer eigens erstellten Landing Page.

Verantwortlich bei Pro Juventute: Roland Meier (Zentrale Dienste) Christian Urech und Matthias Delafontaine (Werbung / Verkauf). Verantwortlich bei Brüngger Bachmann Dialog: Remo Bachmann (CD), Manuela Eigenmann (Art / Webdesign), Jakob Schmid (Text), Daniel Brüngger (Strategie), Liv Bianchet und Sarah Meili (Beratung), Phil Müller (Foto), Byjld (Litho).

Internet punktet

Der Goldbach Index zeigt im September bei dem durch Media Focus erfassten Werbedruck ein positives Ergebnis: Ausser den elektronischen Medien steigen alle Medien um einen Indexpunkt auf 202, während die elektronischen Medien insgesamt um 3 Indexpunkte auf 443 (440) zulegen.

Gemi Der Goldbach Index zeigt im September bei dem durch Media Focus erfassten Werbedruck ein positives Ergebnis: Ausser den elektronischen Medien steigen alle Medien um einen Indexpunkt auf 202, während die elektronischen Medien insgesamt um 3 Indexpunkte auf 443 (440) zulegen. In der September-Runde geht das Internet als Sieger hervor. Es klettert mit 14 Indexpunkten auf 318 (304) Punkte. Auch Fernsehen mit 2 Indexpunkten auf 465 (463) und Radio mit 7 auf 271 (264) weisen Steigerungen auf. Nur Teletext wurde im September mit einem Indexpunkt im Minus auf 146 etwas zurückgebunden. Bei der Beurteilung des GEMI muss berücksichtigt werden, dass in einem zweistufigen Verfahren die monatliche Saisonalität aus den Zeitreihen herausgefiltert wird. In der Kurzzeitbetrachtung werden jeweils die 13 vergangenen Monate aufgezeigt. Der von Goldbach Media initiierte Index für den Werbedruck im Gesamtmarkt und den elektronischen Medien basiert zu 100 Prozent auf den monatlich erfassten und publizierten Media-Focus-Daten. Der GEMI informiert über die indexierte Entwicklung der elektronischen Medien im Vergleich zum Gesamtmarkt seit der Einführung des ersten Werbefensters 1993 (Adscreen Dezember 2004 durch AIS, keine Erhebung).

Japanisch für Anfänger: Too Muchi

Das Internet ist reich an Text und arm an Qualität. Drei japanische Tricks, um Zeit und Nerven zu sparen. Gastkommentar von Oliver Reichenstein, Informationsarchitekt aus Tokyo.

Beim Feierabendbier keift mich mein Kumpel Taro, ein Banker, der seit seiner Entlassung die Zeit mit Surfen und Saufen verbringt, unvermittelt an: «Ihr mit eurem Twitter-, Friendfeed-, RSS-Firlefanz! Ich hab mich da wegen dir überall angemeldet. Ihr macht mich fix und fertig mit diesem Lies-dies-Lies-das-Terror!»
Worauf ich bloss antwortete, dass ihn ja niemand zwinge, alles zu lesen.
«Doch, wenn ich einen Text von euch kriege, dann muss ich ihn lesen. Sonst verpass ich wieder alles, und dann…», rief Taro aus.
«Wer sagt denn, dass man einen Text zu Ende lesen muss? Zeit sparst du, wenn du den ersten Abschnitt eines Texts studierst; und du lernst auch mehr. Falls du dir jeweils diesen ersten studierten Abschnitt ‹nicht nochmals antun› würdest, kannst du getrost wegklicken. Nietzsche meinte, dass die ewige Wiederkehr…», sagte ich.
Da fiel mir Brille ins Wort. Brille ist Redaktor bei einer kleinen japanischen Designzeitschrift, und wir nennen ihn «Brille», weil er Tag und Nacht ein und dieselbe dunkelgrüne Ray Ban trägt: «Wenn mich der erste Satz langweilt, dann les’ ich den letzten; wenn der letzte besser als der Anfang punktet, dann les’ ich den Artikel von unten nach oben. Früher dachte ich, das sei irgendwie verboten. Aber es gibt ja keinen Gott, der überprüft, ob man einen Text rückwärts, aus der Mitte heraus oder wie auch immer liest. Wir sind eh froh um jeden Buchstaben, der gelesen wird.»
Taro der Banker winkte ab: «Den Trick kenn ich schon lange. Was ich nicht weiss, ist, wie man Onlineinfos filtert. Twitter, Friendfeed, RSS, Flickr, Mixi, mir wird das alles einfach too muchi.»
Brille nickte: «Ich weiss. Aber immerhin. Bei all dem Infomüll, den uns das Web aufhalst, darf man ja auswählen. Falls du ab einem bestimmten Zeitpunkt anfängst, dich über den Autoren zu ärgern oder noch schlimmer: zu langweilen, schenk dir den Text. Solange der Text unterhält, ist er gut, oder?», sagte Brille und prostete mir zu.
Alles, was mir dazu einfiel war: «Online-Texte wollen nicht bloss gelesen, verstanden und gemocht, sondern vor allem verlinkt werden. Durch Verlinkung steigt die Aufmerksamkeit, die sie kriegen, und damit ihr Kernwert. Um gefunden, gelesen, gemocht und verlinkt zu werden, brauchen die Texte tatsächlich einen hohen Unterhaltungswert. Das ist ein deutlicher Nachteil gegenüber Texten mit Kaufpflicht, die weder gefunden noch gelesen werden, geschweige denn unterhalten müssen. Das Unterhaltungsdogma tut dem Text oft gut, führt aber ebenso häufig in die seichten Niederungen. Wenn der Autor wie ein Kleinkind bösartig tobt und wütet, buhlt er meist bloss um Aufmerksamkeit. Kurz: Lesenswerte Texte sind fröhlich und machen fröhlich. Nietsche meint, dass die ewige…», sagte ich, worauf mir Brille, der Printredaktor, wieder ins Wort fuhr. Er zerfetzte meine Behauptung, dass Printtexte nicht gelesen werden wollen, in der Luft.
Soviel gab er dabei immerhin zu: «In einem Punkt hast du sicher Recht. Eine Lebensregel meiner in ganz Kansai für ihre Wutausbrüche berühmten Grossmutter lautete: ‹Geh’ nie mit einer Wut schlafen, sonst kriegst du schlechte Träume.› Ich habe mir diese Lebensregel zur Schreibregel gemacht und schreibe, wenns sein muss, auch über die Bankenkrise mit einem Lächeln.»
Worauf Taro meinte: «Quatsch! Du schreibst doch gar nicht über Bankenkrisen! Aber sag, warum trägst du eigentlich immer diese alberne Sonnenbrille?»

Matter & Gretener: Shoppingbrücke Pratteln abgefeiert

Zum 30. Geburtstag hat Matter & Gretener der gummigelben Pratteler Autobahn-Shoppingbrücke einen neuen Kommunikationsauftritt verpasst. Die Sujets orientieren sich am Design des Avantgarde-Baus.

Die Zürcher Agentur Matter & Gretener hat für Autogrill zum 30. Geburtstag der Shoppingbrücke Pratteln einen neuen Kommunikationsauftritt entwickelt. Dieser stellt die aussergewöhnliche Architektur der Autobahnraststätte ins Zentrum und setzt den avantgardistisch-poppigen Bau mit seinen gelben Kunststoffelementen und den auffälligen Bullaugenfenstern in Szene. Auf einem Plakat ist eine gelbe Christbaumkugel mit Bullaugenloch zu sehen, die auf den dort stattfindenden Weihnachtsmarkt aufmerksam machen soll. Ein weiteres Plakat zeigt anstatt eines gewöhnlichen Geburtstagskuchens eine ebenfalls in Gelb gehaltene Gugelhopf-Kuchenform mit selbigem Loch in der Mitte. Weitere Massnahmen in gleicher Aufmachung sollen folgen.
Verantwortlich bei Autogrill: Daniel Summermatter (Area Manager), Nicole Thurnherr (Marketing Consultant). Verantwortlich bei Matter & Gretener: Daniel Matter (Creative Direction), Dominik Imseng (Text), Imer Krasniqi (Grafik), Simone Frei (Beratung), Richterich & Partner (PR).

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Manor spielt eine Trumpfkarte aus

Alex Schmid Direct verleiht der Manor-Karte ein neues Gesicht.

Die Zolliker Direktmarketing-Agentur Alex Schmid Direct betreut seit diesem Frühjahr das Manor-Kartenprogramm und hat die gesamte Kundenkommunikation auf das neue Manor-Branding ausgerichtet. Der medienübergreifende Dialogprozess stellt eine langfristige und ertragsoptimierte Kundenbindung sicher.
Das Markenversprechen der Manor-Karte sagt es klar: eine Karte – viele Vorteile. Der neu konzipierte Auftritt gibt sich feminin und stylish und «steht für die Inspiration zu schönem Stil», wie es die Verantwortlichen Julia Tatje und Monika Gutzwiller vom Manor- Marketing umschreiben. Ganz im Sinne des frischen Manor-Claims «Donnons du style à la vie.»
Alex Schmid Direct hat über 50 verschiedene Werbemittel gestaltet – vom Briefpapier über Visitenkarten bis zu Mousepads. Sämtliche Kommunikations¬elemente wurden anhand von Bildmontagen auf deren Wirkung am POS instore getestet und für die modische Frau Mitte dreissig optimiert.
Das Kundenbindungsprogramm umfasst zwei Kartenanträge, eine Welcome-Broschüre, diverse Formulare, eine lückenlose Kundenkorrespondenz sowie eine bunte Palette von POS-Material. Gestaltet haben Marc Magnenat und Carole Rütimann, mit der Beratung von Sabrina Bjöörn und Lynn Häsler. Die vielen Textbausteine wurden von Sara Meier zusammengefügt.
Die Umsetzung der Werbemittel musste auf unterschiedlichen Bestandteilen wie Kartenanträge, Welcome-Broschüren, Giganto-Fassadenplakate und natürlich auch Rechnungen funktionieren. Dazu hatte die Agentur nur einen knappen Monat Zeit. Der Kunde wurde dabei in wöchentlichen Meetings einbezogen.
Manor bietet seinen Kunden mit der jetzt aufgefrischten Karte seit mehr als 40 Jahren die Möglichkeit, in allen Warenhäusern, Restaurants und Suppermärkten der Gruppe sowie bei mehr als 10’000 myOne-Akzeptanzstellen zu bezahlen und von vielen weiteren Vorteilen zu profitieren. (pan)
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Ringier bestimmt Christian Unger zum neuen Konzernchef

Christian Unger wird neuer Konzernchef des Verlagshauses Ringier. Der 41-Jährige löst Anfang 2009 Martin Werfeli ab, der in den Verwaltungsrat von Ringier gewählt wurde.

Christian Unger wird neuer Konzernchef des Verlagshauses Ringier. Wie der Zürcher Medienkonzern am Mittwochabend vermeldete, löst der 41-Jährige Anfang 2009 Martin Werfeli ab, der in den Verwaltungsrat von Ringier gewählt wurde. Unger hatte zuletzt die MIH Internet Europe geführt, eine Tochter des südafrikanischen Medienkonzerns Naspers. In dieser Funktion war er für die gesamte europäische Internetsparte verantwortlich, zu der auch das Auktionshaus Ricardo.ch gehört.
Ungers Karriere in der Verlagsbranche startete beim deutschen Bertelsmann-Konzern. Ab 1995 war er dort als Managing Director für zwei Fachinformationsverlage zuständig. Ab 2002 gründete Unger in China als CEO von Bertelsmann China verschiedene Joint Ventures in Shanghai, Peking und Hong Kong. Ab 2005 arbeitete er für den deutschen Handels- und Touristikkonzern Arcandor und wechselte 2007 als Geschäftsführer zum E-Commerce-Unternehmen Tradus nach London. Dieses wurde im März 2008 an Naspers verkauft. Ab 1. Januar 2009 wird er nun also von Zürich aus die gut 7’000 Mitarbeiter der Ringier AG führen.
Christian Unger ist deutscher Staatsbürger, verheiratet und Vater dreier Kinder. Sein Vorgänger Werfeli ist seit 1977 für Ringier tätig, seit 1996 als Mitglied der Konzernleitung. 2003 wurde er zum Konzernchef ernannt. Laut Ringier tritt er per Ende Jahr auf eigenen Wunsch aus dem operativen Geschäft zurück.
In dem von Mitbesitzer Michael Ringier präsidierten Verwaltungsrat wird der 51-jährige Werfeli neben Vizepräsident Uli Sigg, dem ehemaligen Schweizer Botschafter in China, Oscar Frei, Jan O. Frøshaug, Hans-Olaf Henkel und Christiane zu Salm Einsitz nehmen.
Daneben bleibt Martin Werfeli Verwaltungsratspräsident der Ringier Print Holding AG und trägt somit weiterhin die direkte Verantwortung für sämtliche Ringier-Printaktivitäten in der Schweiz. Wie das Medienunternehmen in seiner Mitteilung weiter schreibt, bleibt Werfeli zudem auch künftig der persönliche Berater der Familie Ringier.

(Bilder: Keystone)

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