«20 Minuten braucht eine Hochglanz-Schwester, in der wir die Konsumwelt abbilden können.»Das neue Lifestyle-Magazin von 20 Minuten ist lanciert. Mit einer von Prominenz gespickten Taufparty hat Tamedia am Donnerstagabend sein jüngstes Baby ins Leben gerufen. Ein Gratisheft für die junge weibliche Leserschaft von 16 bis 28, auf das Chefredaktor Marco Boselli (43) mächtig stolz ist.
Mit einem nahezu pompösen Event feierte der Nachfolger des Musik basierten Ausgangsmagazins Week am Donnerstag seine Taufe. Im jüngst eröffneten Klub Escherwyss auf dem Sulzer Areal traf sich die Schweizer Medien-, PR- und Showgeschäftsprominenz, um auf das neue, verstärkt auf die Bedürfnisse der Werbeindustrie ausgerichtete Lifestyle-Magazin anzustossen. Das Magazin, geboren aus einem von den Köpfen der Pendlerzeitung 20 Minuten, dem Frauenmagazin Annabelle, der Veranstaltungsplattform Tilllate und der Tamedia-Spitze gespiesenen Ideenpool, erscheint heute Freitag zum ersten Mal.
Auf dem Cover prang die amerikanische Schauspielerin Lindsay Lohan, bekannt für ihre Ausflüge ins Gesangsfach und zahlreiche Eskapaden. Und genau solche Persönlichkeiten und ihr Leben sollen in Zukunft das auf Hochglanzpapier gedruckte und in vielerlei Hinsicht an das Layout der Annabelle erinnernde Blatt füllen. Ein Interview mit Chefredaktor Marco Boselli.
Was hat den Tod von Week herbeigeführt?Wenn man wie wir eine Zeitung macht, die 1,5 Millionen Leser erreicht, hat man für eine Gratiszeitschrift aus dem gleichen Haus ähnliche Ansprüche. Week hat leider nie mehr als 240’000 Leser erreicht. Also mussten wir uns hinterfragen. Da schien etwas mit den Erwartungen, mit dem Potenzial, dass das Blatt eigentlich hätte, nicht zu stimmen. Das haben wir ziemlich genau analysiert. Wir haben ein gutes Heft gemacht, aber schlussendlich gab es in den Regionen bereits andere Blätter, die uns überlegen waren. Zum Beispiel der Züritipp oder andere Veranstaltungskalender aus Bern oder Basel. Uns ist es einfach nie gelungen, ein gutes, gesamtschweizerisches Produkt zu machen, welches das Potential der Marke 20 Minuten voll ausnutzt. Ausserdem haben wir auch von Kundenseite gemerkt, dass das Bedürfnis mehr im Lifestyle-Bereich liegt. Dafür war allerdings die Papierqualität vom Week nicht gut genug. Deswegen haben wir diese Kunden nie bekommen. Wir haben zwar immer schwarze Zahlen geschrieben, aber es war ein stetes Treten an Ort. Das hat uns als Macher frustriert.
Was wurde dann unternommen?Wir haben dann entschieden, dass es so nicht weiter gehen kann und haben uns ins stille Kämmerlein zurückgezogen. Wir haben uns überlegt: Was wäre denn ein Magazin, das hierzulande erfolgreich sein könnte? Was gibt es noch nicht? Was interessiert den Werbemarkt? – Wir sind schliesslich ein Gratisheft, da ist man abhängig von seinen Inserenten. Und dann war es eigentlich nahe liegend, dass man nicht zwischendrin Korrekturen vornimmt, sondern dass man das Ganze von A bis Z neu angeht.
Nochmals zusammenfassend: Was hat Week gefehlt?Eine neue Rechnung, eine neue Herangehensweise. Wenn man ein Heft machen will, dass in dieser Form massentauglich ist, muss man Hochglanzpapier, eine grosse Redaktion und ein grosses Budget für Bilder haben. Will man diese Kosten dann wieder decken, dann definiert das die Art des Inhalts, den man machen muss. Und das ist dann eben nicht mehr Musik, sondern Lifestyle, Kosmetik und Fashion. 20 Minuten braucht eine Hochglanz-Schwester, in der wir die Konsumwelt besser abbilden können.
Schon Week wurde im Verlag oft als Prestigeblatt bezeichnet, soll 20 Minuten Friday diese Rolle auch erfüllen?Week war ein Prestigeobjekt. Jetzt hat eine neue Zeitrechnung angefangen. Friday wird auch ein Prestigeobjekt. Ich glaube, es ist uns gelungen, wieder eine Innovation auf den Markt zu bringen. Wir haben herausgefunden, dass unsere Hunderttausende von Lesern keine Zeitschrift haben, die sich mit ihren Bedürfnissen deckt.
Das Layout erinnert streckenweise stark an Annabelle. Wie verläuft die Zusammenarbeit?Das war eine interessante Entwicklung. Wir haben bei Tamedia eine sogenannte «Innovationsgruppe», in der man sich über neue Projekte Gedanken macht. Alle Chefredaktoren sind dort dabei. Die Annabelle-Chefredaktorin Lisa Feldmann und ich haben herausgefunden, dass wir beide ein Problem haben. Wir haben das Potenzial unserer Marke nicht ausgeschöpft, der Annabelle fehlt ein junges Standbein. Deshalb haben wir dann beschlossen, die beiden Probleme zusammenzulegen und eine Lösung zu suchen. Relativ schnell kam dann auch noch Tilllate ins Boot. Sie hatten das Problem, dass sie bislang keine Printanbindung hatten.
Wie ist man dann weiter vorgegangen?Nun, man muss ehrlich sein: Es gibt bereits Zeitschriften, die ähnlich funktionieren. In Amerika existieren relativ viele solche Titel. Wir fanden, mit unserer starken Marke 20 Minuten im Rücken, mit der unglaublich guten Distribution über das Boxensystem, müsste es doch möglich sein, ein Heft zu machen, das sich über Werbeeinnahmen finanzieren kann. Dann haben wir uns in einer Fünfergruppe zusammengesetzt und einen Entwurf konzipiert. Als dieser stand, haben wir ihn der Unternehmensleitung von Tamedia präsentiert. Nach kritischer Beurteilung kam dann relativ schnell das Okay.
(Interview: Adrian Schräder)