Ibrahim Zbat (41) ist Gründer, Inhaber und Creative Director der Zürcher Kommunikations- und Designagentur Zeta. Sie eröffnete im September 2008 und ist auf Grafik Design, Corporate Design und Werbung spezialisiert. «Ich verstehe Zeta als Netzwerk», erklärt Zbat. «Ich arbeite mit einigen wenigen festen, gut eingespielten Mitarbeitern und ziehe je nach Projekt Art Directors, Grafiker und Illustratoren mit diversen Fachkompetenzen aus dem In- und Ausland dazu. So ist das Kreationsteam für jeden Auftrag massgeschneidert zusammengestellt und Zeta-Kunden zahlen ohne bürokratischen Mehraufwand nur für das, was sie wirklich brauchen. Ein weiterer Vorteil: Sie haben nur einen Ansprechpartner.» Bei der Entwicklung von Kommunikationsstrategien und -konzepten und der Beratung in den Bereichen Branding, Werbung und PR kooperiert Zeta mit Flowcube Communications, der PR-Agentur, mit der sich Zeta die Räumlichkeiten an der Zürcher Grüngasse teilt.
Viele Kreative, mit denen Zbat zusammenarbeitet, kennt er schon lange. «Es ist mir wichtig, dass ich schon vor Beginn eines Projekts weiss, dass die Spezialisten im Team zusammenpassen und dass sie für den Auftrag wichtige Impulse geben können», betont Zbat. Auch deswegen hat Zbat sich selbstständig gemacht: Er möchte autonom eigene Ideen verwirklichen und gönnt sich deshalb den Luxus, nur mit Personen zu arbeiten, die er selbst ausgewählt hat. Ein Luxus, der auch den Kunden von Zeta zugute kommt. Derzeit setzen das Migros-Museum für Gegenwartskunst, Eventframe, Metaversum, das Textildesignstudio Marty, die italienische Modeaccessoire-Firma EnneElle und Pink Productions auf die Einfälle von Zbat und seinem Team.
Kreativ mit Fundament
Das Fachwissen und den Erfahrungsschatz, den Zbat für seine Arbeit als Werber und Creative Director braucht, hat er nicht in einer klassischen Ausbildung erworben, sondern vor allem beim Training on the job. «Ich hatte schon als Teenager ein Faible für kreatives Arbeiten, für Werbung, Gestaltung und Design. Und ich habe gern gemalt und gezeichnet», erzählt er. «Angefangen habe ich mit Arbeiten für die Kulturszene, also dem Design von Flyern, CD-Covers, Theater- und Konzertplakaten.»
Aus den ersten Projekten entsteht die Idee, eine eigene Designagentur aufzubauen. 1993 gründet Zbat mit seinem Geschäftspartner Marco Simonetti in Bern die Agentur Walhalla. Gemeinsam entwickeln die beiden Kreativen Plakate und Kampagnen für Renault, Nidecker-Snowboards, Casio und Kangaroos Shoes. Schnell macht sich Zbat in der Branche einen Namen. Doch er gibt sich nicht mit Learning by doing zufrieden, sondern bildet sich parallel zum Job weiter: in Spezialisierungskursen an der Zürcher Hochschule der Künste und dem Central Saint Martins College of Art & Design in London. Und weil man nie auslernt, macht Zbat derzeit noch eine Nachdiplom-Ausbildung zur Höheren Fachprüfung für Graphic Design.
Design im Museum
«Eines von vielen Highlights meiner Arbeit bei Walhalla war die Realisierung des kompletten Corporate Design für L’Atelier Renault, dem Imagezentrum des Automobilkonzerns an der Champs-Élysées in Paris», erinnert sich Zbat. «Unsere Arbeiten wurden schliesslich sogar im Musée de la Communication im Louvre und in der Kunsthalle Bern ausgestellt.»
Das erfolgreiche Walhalla-Team trennt sich 2004, denn sowohl Zbat als auch Simonetti haben Lust auf neue Erfahrungen und mehr Autonomie. Zbat lenkt seine Schritte zu ARD Design. Bei der Corporate- und Packaging-Design-Agentur betreut er als Senior Designer die Creme de la creme der Schweizer Unternehmen: Nestlé, Migros, Coop, Frisco und Granador. Ab 2004 zeigt Zbat sein kreatives Potenzial als Freelance-AD bei Publicis, Walker, Assai und Burson Marsteller. 2006 steigt er als Art Director bei Contexta ein. Hier ist Zbat an der Realisierung der Werbeauftritte für Swisscom Fixnet und die Bank Clariden Leu beteiligt.
Gut verpackt ist halb verkauft
Als Creative Director von Zeta ist Zbat eng in alle Projekte eingebunden. «Ich geniesse das dynamische Umfeld meiner Arbeit und liebe die Zusammenarbeit mit talentierten, inspirierten Leuten», sagt er. «Ich finde den Gedanken faszinierend, dass man eine Botschaft richtig verpacken muss, damit sie von den richtigen Menschen richtig verstanden wird. Und mich interessiert, warum Menschen auf bestimmte Dinge reagieren. Ich schätze es, die Kontrolle über den gesamten Arbeitsablauf zu haben. Aber natürlich haben meine Mitarbeiter alle Freiheiten, die sie für ihre kreative Arbeit brauchen. Denn sie sind hoch qualifiziert und ich vertraue ihnen.»
Weil Zbat Mitarbeiter und Kooperationspartner auswählt, die ähnlich denken und wahrnehmen wie er, gibt es bei Zeta nicht die für die Branche klassischen Reibungsverluste, die durch endlose Debatten zwischen Text- und Gestaltungsprofis, zwischen Fotografen und Layoutern entstehen. «Bei Zeta gibt es zwar Reibungen, aber keine Grundsatzdiskussionen, aus denen am Ende etwas Durchschnittliches entsteht», sagt Zbat. «Ich will Ideen in ihrer ganzen Kraft umsetzen und meine Kunden auf diesem Weg mitnehmen.»
Wenn Zbat einmal nicht an Kampagnen strickt, geht er gern auf Reisen, besucht Ausstellungen für Gegenwartskunst oder widmet sich seiner Passion: Filmen im Kino und auf DVD. Vor allem die nordischen Produktio¬nen aus Dänemark, Finnland und Schweden haben es ihm angetan. Die Filme sind eine gute Ablenkung von der täglichen Gestaltungsarbeit – und liefern gleichzeitig neue Impressionen und Impulse für zukünftige Projekte. «Es gilt nach wie vor, kluge Kommunikation für differenzierte Zielgruppen zu schaffen und mit intelligenten und überraschenden Lösungen zu überzeugen», sagt Zbat. «Produkte werden immer austauschbarer, Konsumenten immer mündiger und autonomer. Sie picken sich das heraus, was sie interessiert, belohnt und stimuliert. Auf diese Entwicklung müssen wir reagieren.» Gespannt darf man erwarten, welchem Plot Zeta folgen wird. Film ab.
Anne-Friederike Wilhelm