Die Kernbotschaft der Basler Agentur Corporate Sound von Peter Philippe Weiss ist «Hear your Company expand». Seine Idee: Wer nicht nur das visuelle, sondern auch das akustische Auftreten seines Unternehmens auf Firma, Produkte und Leistungen abstimmt, kann seine Marke und seine Ware optimal im Markt inszenieren – und das macht sich dann auch beim Umsatz bemerkbar. Wie Corporate Sound wirkt und wie man ihn komponiert, zeigte Weiss in einem Vortrag für die Swiss Young Professionals der IAA in Zürich. Weiss und seine Tonjongleure geben Unternehmen, Marken und Produkten ihren eigenen Klang. Sie ergänzen damit die visuelle Ebene, die durch CD, Logo, Spots und Corporate-Filme bedient wird, um eine akustische Dimension. «Geräusche und Musik aktivieren in jedem Menschen wie auf Knopfdruck ganz individuelle Vorstellungen, Bilder und Gefühle», sagt Weiss. «Das, was wir sehen, ist immer ausserhalb von uns, was wir hören, lassen wir in uns hinein und es wird Teil von uns. Studien haben nachgewiesen, dass Musik die Erinnerung um 80 Prozent steigert, die Sympathie um 36 Prozent und die Kaufbereitschaft um 24 Prozent. Deshalb sollten Unternehmen die akustische Botschaft, die sie verbreiten, bewusst gestalten.»
Gefühle und Assoziationen weckenDie Kraft von Musik und Tönen lässt sich in verschiedenen Bereichen einsetzen: strategisch als Corporate Sound für Werbespots oder als Unterlegung der Wort-Bild-Marke, atmosphärisch für die Gestaltung von Räumen, Produkten oder Messeständen und auch im Internet. Sogar funktionale Klänge sind gestaltbar: Warum nicht das Piepsen der Herzmaschine im OP durch einen Ton ersetzen, der sich von den Geräuschen der anderen Geräte unterscheidet, zum Beispiel durch einen dem Herzklopfen verwandten Sound? Ein gutes Beispiel für einen gelungenen Corporate Sound ist das «Dididi-Didi» der Deutschen Telekom. Den Klang, mit dem das magentafarbene T unterlegt ist, kennt jedes Kind – und jeder Konsument. Dieses Sound¬logo passe klanglich zum Thema Technologie und runde das Logo perfekt ab, urteilt Weiss. Der Sound von Nokia dagegen sei gut gemeint, aber schlecht gemacht. Er transportiere in seiner Melodie nicht Dynamik, sondern Langeweile. Ein solcher hörbarer Fauxpas ist ärgerlich. Schliesslich begleitet ein Sound ein Unternehmen im Bestfall sein Leben lang und wird nicht nur in TV- und Kinospots eingesetzt, sondern auch online, an Messeständen, in Gebäuden, Stores und bei Firmenanlässen. Weiss: «Auch wenn die Melodie nach etwa fünf bis sechs Jahren modernisiert werden sollte: Der Basissound bleibt der gleiche.» So jedenfalls sollte es sein.
Marketing für alle SinneWeiss und seine Mitspieler haben beispielsweise für ABB, Diners Club und Tissot einen Corporate Sound entwickelt. «Dabei war uns wichtig, dass die akustische Botschaft das jeweils Typische des Unternehmens und seines Produkts transportiert», erklärt Weiss. «Am Sound muss das Business hörbar werden.» So sind die Spots von ABB mit energetisch-metallischen Tönen unterlegt, die sich aus Dreiklängen zusammensetzen. Sie stehen für die drei Buchstaben des Unternehmens. Für den Corporate Sound von Diners Club hat die Basler Agentur einen digitalen Ton, der für das Durchziehen einer Kreditkarte durch einen Kartenleser steht, mit einer Musik kombiniert, die «einen schönen Augenblick in Töne fasst», wie Weiss sagt. So abstrakt diese Erklärung klingt – der Sound funktioniert. Wie erwünscht weckt er im Hörer Bilder von Jachten, Golfplätzen und Luxuskarossen sowie jede Menge Wünsche und Sehnsüchte. Und die kann man sich dann mit der Karte des Diners Club erfüllen. Bei Tissot gibt ein tickender Sekundenzeiger den Takt des Corporate Sound vor. «Zu direkt darf die Übertragung des Unternehmensimages oder der Produkteigenschaften in Klang allerdings nicht sein», warnt Weiss. «Sonst wird es platt.» Die UBS mit klingenden Münzen zu umtönen wäre also grundfalsch – und entspräche auch nicht mehr der Realität, mit der sich die Grossbank und ihre Kunden derzeit konfrontiert sehen. Weiss will für jeden seiner Kunden dessen ganz eigenen Unternehmensklang finden. Deshalb sucht er nicht nur nach Melodien, sondern auch nach Klängen, akustischen Mustern und Symbolen und experimentiert mit den Materialien, die sein Auftraggeber herstellt oder verarbeitet. Für den Keramik- und Badeweltenproduzenten Duravit hat er einen Sound aus Keramikklängen kreiert. Je stofflicher das Produkt des beratenen Unternehmens ist, desto dankbarer ist dieses Vorgehen. Doch Weiss fragt sich auch: Wie klingt eine Versicherung? Und findet eine Lösung für diese Frage.
Suche nach dem guten TonEtwa drei bis vier Monate Arbeit stecken in einem Firmensound. Auf der Suche nach dem richtigen Ton taucht Weiss in die Welt des Unternehmens ein, setzt sich mit dessen Wesen, den Produkten oder Dienstleistungen und natürlich dem bestehenden CD auseinander. Der Aufwand rechnet sich. «Für die Kosten eines grossen Zeitungsinserats entsteht eine strategische Anwendung, die zehn Jahre oder länger verwendet werden kann», sagt Weiss. «Bei einem Messestand ist der Sound neben Architektur und Beleuchtung der kleinste Teil.»
Corporate Sound eignet sich nicht nur als Hintergrundmusik für TV-Spots, als Soundlogo oder für die atmosphärische Aufladung eines Messeauftritts. «Es gibt in Unternehmen viele Geräusche, die eine Kriegserklärung ans Gehör sind, die dem Image der Firma total widersprechen und ihm damit schaden», sagt Weiss. Angefangen mit der digitalisierten Kleinen Nachtmusik in vielen Telefonschleifen, die aus der Steinzeit der Klänge stamme, seien auch die Geräusche von Geldautomaten oder Fahrstühlen ein Angriff aufs Ohr. «Stellen Sie sich eine wunderschöne Lobby vor, ganz mit Marmor ausgelegt und mit edlen Möbeln», schildert Weiss. «Dann hält der Fahrstuhl und macht völlig verzerrt ‹Drrrrrrrringg›. Furchtbar! Das zerstört die ganze Wirkung der Lobby und hindert einen daran, sich wohlzufühlen.»
Klangkompositionen, Geräusche und Musik lassen vor dem inneren Auge Welten entstehen. Dass macht Sound zum wichtigen Baustein der Markenarchitektur. Unternehmen, die ihrer Marke Leben einhauchen wollen, sollten diesen freien Platz in ihrem Werbeorchester rasch besetzen.
Anne-Friederike Wilhelm
In Kürze
Peter Philippe Weiss wurde 1962 in Basel geboren. Er ist ausgebildeter Elektroniker und Violinist und hat sich selbst beigebracht, Gitarre, E-Gitarre, Keyboard, Schlagzeug und E-Bass zu spielen. 1994 gründete Weiss die Corporate Sound AG und ist damit ein Pionier auf dem Gebiet des Corporate-Sound-Designs. Mit seinem vierköpfigen Team und in Zusammenarbeit mit Sound- und Technikpartnern gestaltet er akustische Unternehmensauftritte, komponiert Filmmusik, realisiert Stadtklanginstallationen sowie Klanglandschaften für Architektur, Ausstellungen und Museen. Corporate Sound arbeitet für Kunden wie ABB, Credit Suisse, Duravit, Swiss Olympic, Swarowski, Coop und IWC.