Unternehmen und Werbeagenturen wüssten gern, ob ihre Sujets bei den Konsumenten ankommen und die gewünschte Wirkung erzielen: Helme sollen schliesslich getragen, Kondome benutzt, Mineralwasser getrunken und Autos gekauft werden. Dafür muss Werbung wirken. Doch die Leistung von Werbemitteln ist bisher nicht messbar. Zwar behaupten die Anbieter von Internetschnelltests, Pre- und Posttests, sie könnten herausfinden, wie Werbung wirkt. Doch was sagen uns die Prozentangaben hinter Awareness, Uniqueness, Brand Fit und Likeability? Genau: Gar nichts. Die ermittelten Werte liegen meist im niedrigen ein- bis zweistelligen Bereich, eine Kampagne erreicht nie 90 oder 100 Prozent, auch nicht, wenn sie gut ist. Warum, kann niemand erklären. Genauso wenig können die Anbieter der Posttests Unternehmen und Agenturen sagen, was sie tun müssen, um die Werte bei den gemessenen Grössen zu steigern.
Pretests versagen ebenfalls. Das zeigen Fälle, in denen ein eigentlich abgeschossenes Inseratsujet aus Versehen in Umlauf kommt – und wider Erwarten den Umsatz steigert. So geschehen beispielsweise bei einer Werbekampagne von Reynolds für seine Zigarettenmarke Winston: Beim Pretest schnitt ein Sujet für die Westschweiz gut und für die Deutschschweiz schlecht ab. Das Unternehmen entschied, es nur in der Westschweiz zu verwenden. Durch ein Versehen wurden die Plakate aber auch in der Deutschschweiz geklebt – und erzielten einen sensationellen Recall. Kurz: Die vorhandenen Tests können die Wirkung von Werbung nicht erklären und sie ermöglichen auch keine Prognosen darüber, wie Sujets bei den Verbrauchern ankommen. Werber und Unternehmen müssen hoffen, dass ihre Kampagne funktioniert. Probieren geht über studieren. Aber das war ges¬tern.
Praxisrelevante Daten«Ich kann erstmals rechtzeitig valide Daten zum Funktionieren von Werbemassnahmen ermitteln», verspricht Dr. Patrik Zwahlen (44), Gründer und Geschäftsführer des Zürcher Forschungsinstituts für visuelle Kommunikation Bildkom. Zwahlen ist gelernter Fotograf und hat Wahrnehmungspsychologie, Marketing sowie Künstliche Intelligenz studiert. Sein Studium finanzierte er mit einer eigenen DTP-Agentur. Während seines Studiums beschäftigte sich Zwahlen mit Werbewirkungsmessung. In seiner Dissertation erarbeitete er die theoretische Grundlage für seine neue Erhebungssoftware, die auf die Bedürfnisse von Kommunikationsspezialisten im Werbealltag zugeschnitten ist.
Heute, acht Jahre und 450 Testsujets später, bietet Zwahlen seine Messmethode zum Kauf an. Der Wissenschaftler geht davon aus, dass Werbemittel dann funktionieren, wenn das Sujet die vom Unternehmen beabsichtigte Botschaft transportiert. Ob das so ist, kann er mit seinem Test überprüfen. Und zwar so: Rund 50 Probanden bekommen das zu untersuchende Sujet gezeigt. Bildkom begleitet den Wahrnehmungsprozess, kontrolliert den Informationsfluss von Bild, Film, Text und Ton und hält mit wissenschaftlichen Methoden fest, wie die Testpersonen das Sujet tatsächlich wahrnehmen. Systematisch werden alle Bestandteile des Werbemittels – Bild, Gestaltung, Aufbau, Copyline und das Zusammenwirken aller Elemente – auf alle Aspekte untersucht, die die Wirkung eines Sujets beeinflussen. Bei einem Plakat gibt es zum Beispiel bestimmte Blickpunkte, auf die der Rezipient schauen muss, damit das Bild verstanden und erinnert wird. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Schauen Zwahlens Probanden woanders hin, ist klar, dass das Sujet nicht funktionieren kann – um die komplizierte wissenschaftliche Wahrheit einfach auszudrücken. Zwahlen kann auch herausfinden, ob die transportierte Menge von Informationen zum Werbemittel passt. So verträgt zum Beispiel ein Inserat in einer Fachzeitschrift mehr Text als ein Plakat. Zwahlen weiss, wie viel genau. «Meine Erhebungssoftware untersucht den Wahrnehmungsprozess», fasst er zusammen. «Bei der Auswertung der Daten kombinieren wir bewährtes Wissen aus der Wahrnehmungspsychologie mit Erkenntnissen aus der betriebswirtschaftlichen Qualitätssicherung.»
Sujets unter der LupeDie vorhandenen Pre- und Posttests setzen alle voraus, dass der Rezipient ein Werbemittel gesehen hat und dass er begriffen hat, was es transportieren soll. Aber genau das ist laut Zwahlen oft nicht der Fall: «Nur 50 Prozent der Sujets und 20 Prozent der Spots werden von der Zielgruppe im beabsichtigten Sinn wahrgenommen. Alle bisherigen Tests ignorieren diese Tatsache. Deshalb funktionieren sie nicht.» Zwahlen ersetzt Pre- und Posttests durch Analyse und Qualitätskontrolle. Seine erste Frage ist, ob das Sujet überhaupt gesehen wird, und wenn nicht, warum nicht. «Wenn die Konsumenten die Botschaft nicht wahrnehmen, die ein Unternehmen aussenden will, kann ich dem Art Director erklären, warum das so ist», sagt der Wissenschaftler. «So wird es möglich, die üblicherweise klaffende Lücke zwischen Zielformulierung und Zielerreichungsgrad auf ein Minimum zu reduzieren.» Das klingt so, als müsse jeder Kreative nur ein paar einfache Rezepte anwenden, um seiner Kampagne durchschlagenden Erfolg zu garantieren. So einfach ist es aber leider nicht: «Kann sein, dass Bildelemente normalerweise besonders gut wahrgenommen werden, wenn sie rechts oben positioniert sind», bringt Zwahlen ein Beispiel. «Aber wenn sie links unten ganz klein einen nackten Mann zeigen, schaut jeder dorthin. Die Arbeit der Gestalter ist also absolut notwendig. Doch Werber und Unternehmen sollten mit einer dezidierten Analyse herausfinden, ob ihr Sujet wirklich so wirkt, wie sie es gerne hätten.»
Ohne Wahrnehmung ist alles nichtsZwahlen sieht sowohl Werbeagenturen als auch werbende Unternehmen als potenzielle Abnehmer seiner Dienstleistung. Agenturen müssten ihren Kunden eigentlich nicht nur ihre Kreativarbeit, sondern auch deren Kontrolle anbieten. So könnten sie beweisen, dass sie besser arbeiten als ihre Konkurrenz. Selbst durchführen können die Kreativen diese Qualitätssicherung allerdings nicht, denn wer an einem Projekt beteiligt ist, ist betriebsblind. Ein unabhängiger Prüfer wäre also angesagt. Ausserdem gäbe die Prüfung Agenturen Sicherheit: Wenn eine Werbeagentur nämlich belegen kann, dass sie die von einem Unternehmen vorgegebene Botschaft wie gewünscht transportiert hat, ist sie auf sicherem Posten, selbst wenn die Kampagne verpufft. Beispiel Rivella Gelb: Bei diesem Produkt ist so ziemlich alles schiefgelaufen, was schieflaufen kann. Trotz langjähriger Forschung hat Rivella ein Getränk entwickelt, das eindeutig nicht dem Geschmack der Masse entspricht. Ausserdem wollten die meisten Konsumenten die Botschaft «Soja» nicht hören, obwohl die Positionierung als fernöstlich angehauchtes, stylisches Getränk zum Zeitgeist passt. Das Büro Reinhold, das die Kampagne umsetzte, hatte also denkbar schlechte Karten. Die Agentur hat Rivellas Zielsetzung transportiert – dass es die falsche war, liegt nicht in ihrer Verantwortung. Nun hat Rivella das falsche Produkt mit der falschen Positionierung «erfrischend verändert», Geschmack und Flaschenlayout angepasst und damit eigentlich ein neues Getränk lanciert. Diesen GAU hätte Rivella mit einem frühzeitigen, begleitenden Test möglicherweise verhindern können.
Wie die Kreativen können auch die Unternehmensmarktforscher keine brauchbaren Daten zur Wirkung ihrer Werbemittel liefern. «Marktforscher zielen auf repräsentative Messergebnisse», erklärt Zwahlen. «Schon für die Prüfung eines Sujets müssten sie 750 Leute befragen, meist sollen aber mehrere getestet werden. Das ist unrealistisch und dauert viel zu lange.» Doch statt einen unabhängigen Prüfer einzubinden, verzichten Werbetreibende oft auf eine Kontrolle. Die Folge: «Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Film oder ein Plakat nicht funktioniert, liegt schnell bei 80 Prozent. Eine Firma, die eine Million Franken für eine Kampagne investiert und einen Zielerreichungsquotienten von 20 Prozent hat, hat 800 000 Franken in den Sand gesetzt», rechnet Zwahlen eindrucksvoll vor. «Es müsste im Interesse der Firma sein, den Zielerreichungsgrad zu maximieren. Ich kann das mit meinem Test gewährleisten.»
Zwahlen weiss, wovon er spricht: Kurz vor dem Launch der Rauchen-schadet-Kampagne 2005 des Bundesamts für Gesundheit (BAG) checkte Bildkom den erarbeiteten Filmspot. Er sollte auf die Passiv-
raucher aufmerksam machen, die nicht vor Zigarettenrauch fliehen können, zum Beispiel die Bedienungen in einem Restaurant. Das Ergebnis des Checks: «Die Botschaft des Films war nicht optimal auf die Zielgruppe zugeschnitten», so Zwahlen. Die verantwortliche Agentur Byheart überarbeitet den Streifen binnen eines Tages. Am nächsten Tag lag ein Spot vor, der die Botschaft des BAG sauber vermittelte (vorher-nachher: Webcode a 3009bagvorher, 3009bagnachher). «In den meisten Fällen lässt sich auch kurzfristig noch etwas machen, zum Beispiel durch das Hinzufügen oder Schärfen von Informationen», sagt Zwahlen. «Besser macht man natürlich begleitende Zwischentests. Dann liegt man vom gewünschten Endergebnis nie so weit weg, dass man noch einmal von vorne anfangen müsste.»
Ofenschüsse verhindernDoch wie schafft es der Wissenschaftler, mit nur einem Test die Lücke zwischen Wunschziel und erreichtem Ziel zu schliessen? Ein Beispiel: Wenn Henniez die Natürlichkeit seines Mineralwassers mit Bildern vom Wald transportieren will, der Konsument beim Stichwort «Natürlichkeit» aber Berge im Kopf hat, dann funktioniert die Positionierung des Mineralwassers nicht. Daraus folgt: Wer sein Produkt an den Mann bringen will, muss es richtig positionieren. Und wer es richtig positionieren will, muss wissen, wie es wahrgenommen wird oder wahrgenommen werden könnte. Das alles herauszufinden ist die Aufgabe der Marktforscher im Unternehmen. Mit dem ermittelten Wissen können sie eine optimale Positionierung für ihr Produkt erarbeiten, die Zielgruppe definieren und die Botschaft der Kampagne festlegen. Die Werber schliesslich müssten diese Botschaft nur noch eins zu eins umsetzen – was einfach klingt, aber laut Zwahlen nur selten geschieht. «Marktforscher wollen vor ihrer Geschäftsleitung positive und konstruktive Resultate präsentieren, neue Impulse bringen und zeigen alle möglichen Denkrichtungen auf. Sie sind Forscher, keine Controller. Die Werbe¬agentur kann sich dann aus einem Meer von Möglichkeiten eine herauspicken und sie visualisieren, mehr oder weniger aufs Geratewohl.» Wenn die Agentur Glück hat, pickt sie die richtige Botschaft und das Sujet funktioniert. Meistens aber hat sie Pech – siehe Zielerreichungsquotient von 20 Prozent. «Damit herauskäme, was geplant war, wären bestimmte Arbeitsschritte einzuhalten», sagt Zwahlen. «Es muss definiert werden: Das ist unsere Konkurrenz, das ist unser Zielpublikum, das ist unser Produkt, das ist unsere gewünschte Positionierung: Berge oder Wald? Wenn das alles klar ist und die Prozessschritte sauber ablaufen, muss man am Schluss nur noch kontrollieren, ob die Kampagne die gesetzten Ziele klar transportiert. Dann weiss man, ob das Sujet funktioniert oder zum Scheitern verurteilt ist.» Ob der handwerkliche Prozess von der Positionierung eines Produkts über die Definition von Zielgruppe und Botschaft bis zur Visualisierung sauber abläuft oder abgelaufen ist, kann Zwahlen mit seinem Test überprüfen. «Man kann unsere Methoden auch brauchen, um eine Kommunikationsstrategie oder ein Positionierungskonzept zu checken», betont der Wissenschaftler. «Meist wird Bildkom aber erst eingeschaltet, sobald die Werbeagentur anfängt zu arbeiten. Dann begleiten wir den Prozess, bis die Kampagne lanciert wird. Es ist nicht schlimm, wenn beim Arbeiten Fehler passieren. Aber man muss sie korrigieren.»
Zeug zur RevolutionZwahlens Test ist in drei Lieferumfängen buchbar: als First-Vision, Deep-Vision und Multi-Vision. Der First-Vision-Test ist ein schneller Test für beinahe alle Fragestellungen. Aufgrund seiner Einfachheit eignet er sich gut dazu, den Gestaltungsprozess zu begleiten. Der Deep-Vision-Test ist eine Erweiterung der First-Vision. Er liefert Begründungen dafür, weshalb etwas funktioniert oder nicht. Der Multi-Vision-Test ist ein Spezialtest, dessen Einsatz Zwahlen für die Beurteilung vieler Sujets empfiehlt. Alle Tests bieten echtes Cross-Media-Testing. Sie liefern eine umfassende Analyse von Wahrnehmung, Verständnis und Reaktion auf ein oder mehrere Sujets als Grundlage für eine langfristige Positionierungs- und Bildstrategie sowie Kennzahlen fürs Controlling. Als zusätzliche Dienstleistung kann man ausserdem die Target-Vision buchen, die Auswertungen, Kennzahlen und Zusatzanalysen für ein Kommunikations-Controlling oder eine Kommunikations-Evaluation bietet. Bildkom bereitet die Untersuchungsergebnisse in einer detaillierten, gut verständlichen Dokumentation auf, wunschgemäss in Französisch, Deutsch, Englisch, Spanisch oder Italienisch. Für alle drei Testverfahren benötigt Bildkom zwischen einer und drei Wochen Zeit. Die Kosten liegen deutlich unter denen für die gängigen Pre- und Posttests: Der First-Vision-Test eines Printsujets etwa kostet 3000 Franken, der Check eines Films 3’500 Franken.
Altes Thema, neue IdeeDie Werbewelt scheint auf Zwahlens Test gewartet zu haben: Der Wunsch, klare Aussagen zur Wirkung von Werbemassnahmen machen zu können, ist fast so alt wie die Werbung selbst. Trotzdem ist Zwahlens Ansatz komplett neu. Das überrascht den Wissenschaftler selbst: «Ich habe mich gefragt, was in den letzten 50 Jahren funktioniert hat und was nicht. Zu meiner Verblüffung kann Werbewirkung bislang nicht gemessen werden. Dabei haben wir in der Schweiz sieben Millionen Werbeexperten, die alle Werbewirkungsforschung anbieten.»
Zwahlens Testsoftware hat sich bereits bei vielen kleinen, mittleren und grossen Unternehmen bewährt. Trotzdem geht der Wissenschaftler mit seiner Dienstleistung erst jetzt an die breite Öffentlichkeit. «Ich wollte einfach sicher sein, dass alles ausgereift und elaboriert ist», erklärt er. «Mit einer Powerpoint-Präsentation in der Hand erste Ideen für einen neuen Test vorzustellen, ist nicht meine Art.» Warum bislang sonst niemand auf die Idee gekommen ist, endlich ein valides Instrument zur Messung der Werbewirkung zu entwickeln, dafür hat Zwahlen nur eine augenzwinkernde Erklärung: «Weil sonst niemand so verrückt ist, zehn Jahre seines Lebens zu investieren und im Kämmerlein irgendwas zu entwickeln, von dem er nicht genau weiss, was herauskommt – nur getrieben von der Frage: Warum ist dieses Sujet gut, warum ist jenes nicht gut, warum erreicht dieses sein Ziel und jenes nicht?» Wenn die Untersuchungsmethode hält, was Zwahlen verspricht, ist sie ein echter Knaller – mit dem Zeug, die Werbewelt zu revolutionieren.
Anne-Friederike Wilhelm
In KürzeBildkom wurde 2001 von Patrick Zwahlen gegründet. Neben dem Geschäftsführer besteht die Bildkom-Mannschaft aus drei Beratern sowie 40 Mitarbeitern, die mit dem neuen Testverfahren die Wirkung von Werbesujets erheben und auswerten. Zum bereits bestehenden Kundenstamm von Bildkom gehören national und international agierende Unternehmen, für Online-Erhebungen kooperiert Bildkom mit grossen Instituten wie Research Now. Bildkom stellt sein Methodenbuch sowie die Dokumentation seiner Testmethode öffentlich zur Verfügung:
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