Erhellender Flug in die Nacht
Zwei Flugzeuge stossen in 11'000 Meter Höhe zusammen. 71 Menschen verlieren ihr Leben. Ein Hinterbliebener bringt aus Rache den Fluglotsen um. Ein Horror, wie er in Hollywood nur einem abgebrühten Autor für Action in den Sinn kommen könnte. In der Schweiz haben C-Films und SF aus der Tragödie ein tief berührendes Drama gemacht.
«Flug in die Nacht – Das Unglück von Überlingen» spielt nicht mit den verführerischen Zutaten des Horrors, der in diesem Drama schlummert. Zwar ist der Film höchst spannend inszeniert. Die entscheidenden Minuten im Tower lassen die Hände feucht werden. Die letzten Sekunden in den beiden Cockpits sind Gänsehaut pur. Dann aber folgt die eigentliche Qualität dieses Films. Wie leben der Fluglotse, seine Chefs von Skyguide, die Öffentlichkeit, seine Frau und natürlich der russische Vater, der mit Ehefrau und zwei Kindern alles verloren hat, mit diesem Schicksal weiter.
«Der junge Regisseur Till Endemann ist mit der Idee zu uns gekommen, dass er dieses Ereignis in einem psychologischen Drama aufarbeiten will. Wir waren von seinem intelligenten Ansatz schnell einmal begeistert», erklärte Produzent Peter Christian Fueter an der Premiere. Ein Jahr lang hat seine C-Films, Maran Film, Don Bohlinger, der SWR und die Abteilung Fernsehfilm bei SF das Drehbuch weiter entwickelt. In der ARD ist das fertige Werk im Juli bereits gezeigt worden. «Mit bester Resonanz, aber leider in den Sommerferien», wie Fueter bedauert. Deshalb wollte man jetzt mit dieser Premiere im Leutschenbach noch einmal etwas «Action» in den Medien lancieren für die Ausstrahlung am Sonntag, 20. September, 20.05 auf SF 1.
Und wie werden wohl die Beteiligten reagieren, wenn sie den Film über ihr Leben und den Tod ihrer Liebsten sehen? Peter Christian Fueter hat den russischen Vater und späteren Mörder des Fluglotsen über vier Stunden im Gefängnis besuchen können. «Der Mann war völlig traumatisiert», erinnert er sich. Heute arbeitet Witali Kalojew als Bauminister in der russischen Regierung. Seine Dolmetscherin in den damaligen Ermittlungen, die ebenfalls an der Premiere anwesend war, wird ihm eine DVD des Films nach Moskau bringen.
Andreas Panzeri





(Bildlegende: Szenenbilder aus «Flug in die Nacht», mit Ken Duken, Jevgenij Sitochin, Sabine Timoteo, Sophie von Kessel, Noemi Mühle, Peter Jecklin, Mike Müller und vielen anderen.)







