Ist das Wohnzimmer der Zukunft ein Multimedia-Hightechcenter? Komplett vernetzt mit der Aussenwelt? Alle Medien jederzeit abrufbar, skalierbar, kontrollierbar? Was braucht es für Technologien, damit aus diesen Theorien Fakten werden? Und – wie wird der Mensch auf diese neuen Welten reagieren? Spannende Referenten blickten in die Zukunft am Media Future Day, präsentiert vom TPC.
Nicht in die klare Form der Kristallkugel sondern in die flüssigen und damit auch schwerer fassbaren Kristalle der Flachbildschirme versuchten die Referenten letzte Woche am traditionellen Future Day des TPC zu blicken. Nachdem Gastgeber und CEO Alexander Krombholz zuerst den Begriff «Digital Nativs» in den Raum setzte – das ist die Generation, die schon als Baby online ist – und die Problematik aufnahm, dass die multimediale Zukunft uns nicht nur mit technischen sondern auch sozialen Aspekten fordern wird, präsentierte der Chef des TPC, wie und wo die Fiktion in den nächsten Jahren Tatsache werden soll.
Sicher werden rund um die Fussball WM in Südafrika ein paar wichtige Veränderungen im Bereich Hardware anstehen. Der Fernsehmarkt ist gerüstet. Dazu kann man mit neuen Geräten demnächst in der Küche oder im Schlafzimmer drahtlos den Content vom PC im Wohnzimmer abrufen. 250 und damit alle namhaften Unternehmen der Herstellerbranche haben sich bereits weltweit für einen gemeinsamen Standard einigen können. Dem Slogan «connect and enjoy» dürften demnach bald keine normierten Barrikaden mehr im drahtlosen Netz das Spiel verderben. Weiter wurde orakelt, dass im nächsten Jahr das Bravia Internet Video auf den Markt kommen wird. Dass immer mehr TV-Angebote zusätzlich und zeitverschoben im Internet angeboten werden, ist inzwischen allen klar. Neu zeigt sich konkret, dass 3D zu einem grossen Thema wird. Für Gamer sicher ein Tor zum Paradies. Playstation wird im Internet in Zukunft mit einem 3D-Signal bedient, natürlich in voller HD-Qualität. Aber auch im Bereich Kino sind in den USA bereits 7000 Häuser in Planung für dieses ultimative Filmerlebnis.
Wohin sich die Entwicklung verschieben wird, verraten auch einige Zahlen. 3 Milliarden TV-Geräte, 1 Milliarde PC und 4 Milliarden Handy sind heute weltweit in Betrieb. Sie werden immer mehr multifunktionale Dienste leisten. «In Zukunft schauen wir TV mit dem Handy und telefonieren mit dem Computer», ist eine der Prognosen.
Roger Pitton, Programm Director Microsoft TV, Video and Music Business, hatte zwar noch ein kleines Problem, als er mit der Fernbedienung seine Powerpoint-Präsentation starten wollte. Als der richtige Knopf gefunden war, durften die Interessierten im Studio 1 dann hören, dass in Zukunft der Kanalwechsel beim Fernseher mit nur noch einer Handbewegung in der Luft funktionieren könnte. Beruhigend auch zu hören, dass Microsoft gemäss dem Slogan «Enabling Technologies» hart daran arbeitet, dass die neuen Technologien «auch im Haushalt funktionieren», wo dem normalen User kein IT-Support zur Seite steht.
Welche Geräte in Zukunft zu unserem Glück beitragen, präsentierte anschliessend Frank Biernat, Business Development Manager Pro Markets, Apple Schweiz. Er zeigte auf, wieso Apple sein Geld zu 50 Prozent in Hardware und 50 Prozent in Software investiert. Viel verspricht man sich von iTunes, weil über dieses System in Zukunft alles mit den gleichen Codes verwaltet wird, also auch Termine und Kontakte. Dazu stehen für Consumer auf iTunes heute bereits 11 Millionen Songs, 55‘000 Hörbücher oder 150‘000 Podcasts bereit. Ebenfalls das Schweizer Fernsehen bietet über den iTunes-Store eine Zweitverwertung seiner Programme an. 27’000 U-Kurse machen das Wissen hochkarätiger Universitäten wie zum Beispiel Harvard oder auch Epul Lausanne für jedermann zugänglich.
Insgesamt weiss Appleauf seinem Portal von weltweit 85 Millionen Kaufkunden – «weil wir von denen die Infos der Kreditkarten haben». Generiert wird ein Teil dieses Umsatzes über 30 Millionen iPhones weltweit. Interessant ist auch die Zahl von 65‘000 Applikationen. Hier kann nämlich jeder, der irgend ein sinnvolles Programm entwickelt hat, dieses über den iTunes-Store anbieten. 30 Prozent vom Verkaufspreis geht an Apple, 70 Prozent an den Entwickler.
Verkaufsrenner in der Schweiz sind zum Beispiel die digitalisierte Bahnhofsuhr aufs Handy für 99 Rappen oder das helvetische Telefonbuch für 11,99. Insgesamt sind bei iTunes bis heute 1,8 Milliarden Applikationen herunter geladen worden, wobei sich allein in den letzten 12 Wochen die Nachfrage bereits verdoppelt hat.
Spannende und kompetente Informationen zur bereits existierenden Zukunft in der Gegenwart konnte auch Markus Hollenstein vermitteln. Der Leiter Marketing bei Publisuisse präsentierte eine Neuauflage der Studie «Medien der Zukunft», auf welche die Werbewoche noch detaillierter eingehen wird.
Andreas Panzeri
Einige Referate des Media Future Day werden demnächst auch auf
www.tpcag.ch aufgeschaltet.
Spannende Blicke in die Zukunft im Studio 1 des TPC.
Roger Pitton von Microsoft Schweiz.
Frank Biernat, Apple Schweiz.
Markus Hollenstein, Publisuisse.