Die gemäss Gesamtarbeitsvertrag und Gesetz für diesen Fall vorgesehenen Konsultationen mit den Arbeitnehmervertretern werden nächste Woche aufgenommen. Edipresse Schweiz bietet den Sozialpartnern die Schaffung eines vom Unternehmen geäufneten Unterstützungsfonds für Härtefälle an.
Die massiven strukturellen Umwälzungen in der Medienbranche halten an und werden durch die Wirtschaftskrise noch verschärft. Besonders die Printmedien leiden 2009 unter einem starken Einbruch der Werbeeinnahmen. Ende September hätten die Einbusse bei den Werbeeinnahmen im Vergleich zu 2008 rund 25 Prozent betragen, und für das Jahresende würden sich keine Besserung abzeichnen, meint Serge Reymond, Generaldirektor von Edipresse Schweiz. Man komme also nicht umhin, die Kosten weiter zu senken, und ein Stellenabbau sei deshalb unvermeidlich.
Ein Massnahmenplan, der nach Konsultation der Arbeitnehmervertreter realisiert werden soll, liegt vor, wie das Unternehmen in einem Communiqué weiter mitteilt. Die in den verschiedenen Sektoren des Unternehmens umzusetzenden Schritte würden zum Abbau von insgesamt hundert Stellen führen. In Anwendung der verschiedenen Kollektivvereinbarungen zwischen Edipresse und ihren Sozialpartnern und den entsprechenden Konsultationsverfahren habe das Unternehmen heute gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern der betroffenen Sektoren begonnen, die geplanten Massnahmen zu prüfen. Die formellen Entscheide werden nach Abschluss dieser Beratungen gefällt.
Für die betroffenen Personen sind Begleitmassnahmen und ein Sozialplan vorgesehen. Edipresse Schweiz bietet zudem die Schaffung eines Unterstützungsfonds für Härtefälle an, der vom Unternehmen geäufnet wird und dessen Anwendungsbedingungen im Einvernehmen mit den Sozialpartnern festgelegt werden.
Impressum nimmt zu den geplanten Massnahmen Stellung. Die Journalistengewerkschaft schreibt in einer Mitteilung vom Freitag, dass die Massnahme es verunmögliche, das Qualitätsniveau der Edipresse-Medien beizubehalten. Die Gewerkschaft erinnerte zudem daran, dass Edipresse bereits im vergangenen Jahr die Kapazitäten der Redaktionen empfindlich reduziert habe. Als Sozialpartner werde Impressum zusammen mit den Mitarbeitenden und der Edipresse-Direktion Verhandlungen führen, um das Ausmass des Abbaus zu reduzieren, heisst es in der Mitteilung weiter. Als Alternative schlägt die Gewerkschaft etwa Kurzarbeit vor.
Seit August 2008 hat Edipresse in mehreren Wellen bereits 120 Stellen gestrichen. Immer ohne eine vorherige Konsultation des Personals und ohne ernsthafte Suche nach Lösungen, um die Entlassungen zu verhindern, so Comedia in einer Stellungnahme. Mit den seit einem Jahr umgesetzten Spar- und Abbaumassnahmen und trotz
dem massiv eingebrochenen Werbemarkt sei das an Tamedia übergehende Schweizer Geschäft von Edipresse im ersten Halbjahr 2009 rentabel gewesen. Mit 22.5 Millionen Franken Bruttogewinn und einer Gewinnmarge von 13 Prozent sei Edipresse in der aktuellen Krise wohl der rentabelste Medienkonzern der Schweiz. Die Gewerkschaft verlangt deshalb zusammen mit den Angestellten von Edipresse und deren Personalvertretungen, dass alle Massnahmen getroffen werden, um die beabsichtigten Entlassungen zu verhindern:
www.edipresse.ch
www.impressum.ch