Der Moment», erinnert sich Christian Henseler, «war brutal emotional». Der Zürcher Brand Manager spricht von jenem Augenblick, als sein Name am letzten Novemberwochenende im Gottlieb Duttweiler Institut im zürcherischen Rüschlikon aufgerufen wurde. Und zwar in unerwartet positivem Kontext. Henseler hatte als bester der total 116 Kandidaten der diesjährigen Marketingleiter-Prüfung abgeschnitten. Eine Diplomandengruppe notabene, die mit einer Positivquote von 79 Prozent als bester Jahrgang der Geschichte in die Bücher eingeht. Dass er eine Durchschnittsnote von 5,0 erreichen und damit obenaus schwingen würde, hätte Henseler, 40, nie gedacht.
Aber langsam. Drehen wir das Rad der Zeit etwas zurück. Denn schon vor dem Gang in die Königsklasse war der Marketingleiter-Primus 2009 dafür besorgt, seinen Rucksack gut zu füllen. Nach Abschluss der Handelsmittelschule arbeitete Henseler zunächst bei der UBS, dann bei der damaligen Krankenkasse Helvetia. Er absolvierte die Ausbildung zum dipl. Ernährungsberater HF und war mehrere Jahre auf diesem Gebiet tätig. Anschliessend wechselte er ins Gebiet der Pharmazie, wo er nach einigen weiteren Stationen als Product Manager und Leiter Category Management weiterhin tätig war, und zwar als Brand Manager bei der Dübendorfer Biomed AG. Das nötige Rüstzeug in Sachen Markenführung eignete er sich in dieser Zeit durch seine Ausbildung zum Product Manager an. Dann entschloss sich Henseler, per Jahresbeginn 2008 mit dem eidg. dipl. Marketingleiter auch noch den Top-Bildungsweg einzuschlagen, «weil ich mir auch noch den letzten und besten Schliff holen wollte».
Ein sehr fruchtbares Hin und Her aus Theorie und Praxis
Schon bei der Wahl der Schule überliess Henseler nichts dem Zufall. Drei Institute prüfte der Berufsmann, seine Wahl fiel schliesslich auf das MKS Kompetenzzentrum für Management und Marketing in Sargans, «weil man mir dort von Anfang an sauber aufzeigen konnte, was es braucht auf dem Weg zu diesem Diplom und wie die Schule die Absolventen unterstützt. Das Blocksystem kam mir sehr entgegen, ermöglichte es mir doch während der Schultage volle Konzentration auf die Materie.» Eine Schule übrigens, die bei den diesjährigen Marketingleiter-Diplomanden mit Francesco Corbino auch einen der beiden Zweitbesten in Sachen Notenenschnitt (4,9) hervorbrachte. Dafür war aber einiges an berufsbegleitendem Einsatz nötig. Zu Beginn der Ausbildung, erinnert sich Henseler, seien es acht Stunden wöchentlich gewesen, die für Heimaufgaben draufgingen, gegen Schluss dann zwölf Stunden. Dass in die Schulzeit zusätzlich der private Umzug, der Antritt einer neuen Stelle und die Vorbereitung von zwei Produkte-Einführungen beim neuen Arbeitgeber fielen, dürfte den Dampf noch erhöht haben. Henseler schätzt an der Ausbildung, dass sie Theorie und Praxis optimal verbindet. «Die Ausbildung zum Marketingleiter hat einen sehr hohen Praxisbezug, das kann man nicht stark genug betonen.» So habe ihm der schulische Teil auch geholfen, neue Aufgaben am Arbeitplatz quasi theoretisch zu unterfüttern. «Ich erinnere mich an ein sehr fruchtbares Hin und Her aus Theorie und Praxis». Eines bedinge das andere – denn nur mit der Theorie alleine könne man an der anspruchsvollen Prüfung nie und nimmer reüssieren: «Wer am Examen nur theoretisch argumentieren kann, erreicht nur eines: null Punkte.»
Europäisch werden? Aber sicher
Natürlich hatte der Weg zum Marketingleiter auch eine Kostenseite. Die Kurskosten, das Vorbereitungsseminar, die Prüfungsgebühren, Unterkunft und Verpflegung: All das zusammen ergibt locker den Preis eines Kleinwagens – und wahrscheinlich nicht in der minimalsten Ausführung. Henselers Arbeitgeber beteiligte sich sowohl am finanziellen wie auch am zeitlichen Aufwand sehr grosszügig. Dies aus gutem Grund: «Dieser Abschluss ist sehr viel wert in der Berufswelt. Während MBA wie Pilze aus dem Boden schiessen und nicht immer genau eingeschätzt werden können, hat man mit dem Marketingleiter-Diplom einen Ausweis in der Hand, der im Markt anerkannt und geschätzt wird.» Für den Pharma- und Marketing-Profi ist es nur folgerichtig, dass er sich auch auf den europäischen Weg machen wird. «Das Europa-Zertifikat von Swiss Marketing werde ich mir auf jeden Fall zulegen, das ist klar. Diese Möglichkeit der internationalen Anerkennung des Abschlusses lasse ich mir keinesfalls entgehen.»
Immer dranbleiben, von Anfang an
Wie schafft man es, während der anspruchsvollen berufsbegleitenden Ausbildungszeit auf Kurs zu bleiben? Im schulischen Teil plädiert Henseler dafür, «sich von Beginn weg richtig reinzuhängen in die Ausbildung». Man müsse immer den Anschluss halten, sich selber einen Grossteil erarbeiten. «Sehr vieles ist reine Fleissarbeit.» Daneben aber müsse man auch versuchen, einen Ausgleich zu schaffen. In seinem Falle ist das regelmässiges Krafttraining, sommers Ausfahrten auf dem Mountainbike, winters Skifahren. Wer den Rhythmus hochhalte im schulischen Bereich, wer an einen Ausgleich denke und den nötigen Fleiss an den Tag lege – der habe gute Aussichten, am Schluss das begehrte Diplom entgegennehmen zu können.
Wobei es sich lohnt, möglichst früh schon an den Schlussspurt zu denken: die Prüfungsphase. In Hen-selers konkretem Falle hiess das, dass er in den Sommerferien vor der Prüfung vier Wochen lang sechs bis acht Stunden lang gepaukt hatte. Und, was er betont, sehr profitiert habe vom Intensiv-Seminar der Schule, als man im Hotel Castell in Zuoz Probeprüfungen geschrieben habe. «Es hilft ungemein», sagt Henseler, «möglichst viele Probeprüfungen zu lösen. Um die Systematik der Fallerarbeitung zu erlernen, die Methodik der korrekten Antwortgebung zu trainieren, sein Zeitmanagement zu optimieren und nicht zuletzt, weil man lernt, mit seinen Handschwielen umzugehen.» Bei der tatsächlichen Prüfung, dem 18-stündigen Schreib-Marathon, bilde sich an den Fingern Hornhaut, man werde erleben, wie der Daumen gefühllos werde. Ganz wichtig sei es auch, nach den schriftlichen Prüfungen nicht nachzulassen und alle Energie auf die mündlichen Prüfungen zu lenken, die einige Wochen später in Bern stattfanden. «Man muss im Verlauf der Schule und vor der Prüfung seine eigenen Energiequellen kennen lernen.» Denn es braucht nun einmal immensen Einsatz, um in der Marketing-Königsklasse zu reüssieren. Beim Einstieg, auf der Mittelstrecke und dann speziell am Schluss. Gerade für die Prüfungsphase habe sich gezeigt, wie wichtig Faktoren wie Zeitmanagement, Systematik, Erkennen eines Falles seien. Kompetenzen, die Hensler nun auf demjenigen Terrain ausspielen kann, wo Marketingleiter daheim sind: in der Praxis.
Andreas Güntert