Interview mit Netmetrix-Geschäftsführer Rolf SchmitzWW: Ist Google Kunde von Netmetrix?Schmitz: Nein, weder beim Audit noch für den Bezug der Basis- oder Profile-Daten ist Google Kunde von uns, obwohl ich mir das durchaus wünschen würde.
Laut einer Marktstudie setzen in der Schweiz 80 Prozent der Websites, die ein Client-seitiges Tracking Tool anwenden, Google Analytics ein. Was heisst das für Sie? Die Frage ist immer, für welchen Zweck der Website-Anbieter welches Tool einsetzen möchte. Fokussiert der Kunde sehr stark auf CRM-Aspekte zum Beispiel im Tracking einzelner spezifischer Webinhalte, so sind kostenfreie Tools wie Google Analytics oder Ad-Planner sinnvolle Ergänzungen zu unseren Angeboten. Damit haben wir seitens Netmetrix auch keinerlei Problem und sehen uns hier auch nicht im Wettbewerb zu Google. Wenn der Website-Anbieter jedoch eine standardisierte Messung haben möchte, mit der er sich in einen Wettbewerb nach aussen hin stellen möchte, um beispielsweise Werbung zu akquirieren, dann denke ich, wird dem das Angebot von Google nicht gerecht. Die Transparenz hinsichtlich interner Messprozesse und hinsichtlich der Vergleichbarkeit zwischen den Daten der Websites ist für den Dritten hier nicht erkennbar. In diesen Fällen sind die Produkte von Netmetrix für einen Einsatz beim Kunden prädestiniert.
Ist das die Hauptkritik, die Sie an Google richten?Dies ist keine Kritik, sondern ein Feststellen des Status quo. Sie haben da jemanden, von dem sie nicht wissen, nach welchen Kriterien er was macht, und sie können auch keine Offenlegung einfordern. Auch wissen sie nicht, an wen Sie sich vor Ort im Zweifel wenden sollen, wenn Sie einen Rat benötigen.
Aber Sie haben keine Hinweise, dass Google bei den Daten mogelt und sie auf die eigene Mühle hin optimiert?Nein, in keinster Weise würden wir so etwas unterstellen wollen.
Wo sehen Sie die Stärken von Netmetrix?Unsere Produkte dienen der Orientierung und der Planung auf hohem standardisiertem Niveau. Wir bieten nicht etwas auf dem Markt an, was wir inhaltlich nicht transparent darlegen können. Wie das für eine Branchenorganisation unserer Art normal ist, gehen wir einen anderen Weg: Es gibt bei uns ein von den Marktteilnehmern gemeinsam mit Netmetrix verabschiedetes Reglement. In diesem wird festgelegt, wie gemessen wird, und sichergestellt, dass dies nach einheitlichen Kriterien, die für jeden einzelnen Teilnehmer gleich sind, geschieht.
Doch rein technisch betrachtet, kann ja jeder das Gleiche messen?Natürlich können Sie sagen: Da gibt es einen PI bei Google und dort einen PI bei Netmetrix. Und so wird oberflächlich betrachtet gleich gemessen. Netmetrix prüft den gesamten Messprozess von der Vertaggung bis zur Datenpublikation und stellt sicher, dass alle Websites nach einheitlichen Kriterien gemessen werden. Wir sind als Instanz neutral, wir sind transparent. Und unser Kredo ist, vergleichbare Werte nach einheitlichen Kriterien zu zertifizieren, die ja auch gemeinsam mit dem Markt verabschiedet worden sind. Das Reglement und die Kommission von Netmetrix dienen genau diesem Zweck: Da sitzen die Marktteilnehmer und die Methodiker mit am Tisch – und gemeinsam wird da ein für den Schweizer Markt ausgerichtetes Messinstrumentarium entwickelt bzw. stetig optimiert.
Braucht es die Kontrolle, wie Netmetrix sie betreibt, oder ist es nicht letztendlich Sache des Website-Betreibers, wie gut er das bei sich implementieren will, und allenfalls Nachteile in Kauf nimmt, wenn er sich nicht optimal einrichtet, z. B. einen Tag nicht auf allen Seiten ausgibt?Wenn sich jeder Websitebetreiber die Messung so einrichten würde, wie er möchte, gäbe es keine einheitlich vergleichbaren Daten für die Werbewirtschaft. Wir sehen uns als Dienstleister und Kon¬troll¬instanz für den Schweizer Markt und die Schweizer Klientel. Und so stehen wir denn auch den Kunden mit Rat und Tat vor Ort in der Schweiz zur Seite. Das fängt mit dem Hosten der Daten hier in der Schweiz an, geht über das permanente Monitoring der technischen Bereitstellung durch uns und endet im technischen und projektseitigen Support durch unsere Techniker. Auch beraten wir unsere Kunden etwa hinsichtlich Sonderreports und schulen die Mitarbeiter der Kunden vor Ort im Einsatz mit unseren Tools. Das ist ein nicht zu unterschätzender Mehrwert, den unsere Partner im Markt auch sehr schätzen.
Viele im Markt gerade aus der Verlagsbranche hätten ja gerne Zahlen für Unique User im Sinne von Leser pro Ausgabe im Print. Können Sie diese Angaben aktueller als heute zweimal jährlich liefern?Zurzeit liefern wir mit unserem Produkt Netmetrix-Profile die Reichweite Unique User für alle ausgewiesenen Websites und deren Unterrubriken analog zur Printmedienforschung zweimal jährlich. Prinzipiell wäre es denkbar, den Publikationsrhythmus zu steigern. Dies ist eine Frage der dadurch steigenden Kos¬ten und des Marktinteresses. Das Produkt Netmetrix-Profile besteht nicht nur aus der Ausweisung des Unique User, es werden auch noch zusätzliche Merkmale wie Soziodemografika, Themeninteressen und Internetnutzungsgewohnheiten abgebildet.
Nun enthält Google Analytics verschiedene Messgrössen, die Netmetrix so nicht anbietet.In unserem Produkt Audit gibt es zwei Arten von Messgrössen: Es gibt einmal die von Netmetrix beglaubigten Daten, die als Ranking transparent für alle sichtbar nach aussen gegeben werden. Und dann hat jeder unserer Kunden noch weiterführende Werte in seinem internen Zugriff, die jedoch nicht nach aussen gegeben werden dürfen.
Weshalb dieses Publikationsverbot, das sie ja auch durchsetzen? Behindern Sie sich damit nicht zusätzlich im Vergleich zu Google Analytics?Unser Schwerpunkt im Produkt-Audit sind Audience-Measurement-Daten für den Schweizer Online-Werbemarkt. Die Daten durchlaufen einen aufwendigen Beglaubigungsprozess und werden monatlich publiziert. Diese Daten sind für die Akquisition von Online-Werbung relevant und der Kunde darf hierfür als Label Netmetrix zertifiziert verwenden. Die internen Daten sind hier noch ein zusätzliches Add-on für unsere Kunden.
Und wie sieht’s aus, wenn es um Mobile geht? Da haben Sie ja immer noch eine Lücke …… da haben Sie recht. Wir sind dran, haben eine Arbeitsgruppe Mobile und arbeiten Erkenntnisse auf, um dem Kunden verlässliche Daten zur Verfügung zu stellen. Noch wissen wir nicht, wie diese Daten dargereicht werden sollen und ob es dafür allenfalls ein viertes Produkt geben wird. Auch beim Streaming von Audio- und Videostreams haben wir ein Projekt aufgesetzt, wo wir mit einer Arbeitsgruppe mit Hochdruck an einer Lösung arbeiten.
Kommen diese Lösungen vor oder nach Ablauf der nächsten zwölf Monate?Gehen Sie eher von vor aus, wir wollen das ja nicht aussitzen. Doch wenn wir da, zusammen mit dem Markt, eine Systematik entwickeln, muss die auch längerfristig funktionieren. Deshalb ist wichtig, dass wir die verschiedenen Szenarien gut abwägen und überlegen, was wir heute ad-hoc sehen, auch was wir in 6, 12 oder 18 Monaten sehen werden. So stellen sich klassische Fragen wie: Wann ist Mobile Mobile? Und reden wir in zwei Jahren überhaupt noch von einer Klassifizierung Mobile versus Fix?
Interview mit Matthias Meyer, Unternehmenssprecher von Google Schweiz
WW: Welche Absichten verfolgt Google mit Analytics und mit AdPlanner?
Meyer: Wir wollen die Informationen zugänglich und nutzbar machen – beide Produkte verfolgen dieses Ziel. Während Analytics seinem Nutzer relevante Informationen über die Nutzung seiner eigenen Website liefert, liefert AdPlanner allgemeine Nutzungsinformationen für alle Websites.
Welche Garantien gibt es, dass Analytics und AdPlanner auch künftig in mindestens der heutigen Form verfügbar sein werden?
Wir planen nicht, eines der Produkte einzustellen.
Kann, qualitativ gesehen, der Google AdPlanner zur Mediaplanung genutzt werden?
Der AdPlanner greift auf eine sehr grosse Datenmenge zur Erhebung der Nutzungsstatistiken zurück. Dadurch sind die gelieferten Nutzungsstatistiken sehr genau, und er kann für die Mediaplanung eingesetzt werden. Die direkte Einbuchung aus dem AdPlanner heraus ist heute aber noch oftmals aufwändiger als mit anderen Mediaplanungstools.
Welche Anstrengungen unternimmt Google, um sicherzustellen, dass Google Analytics von allen Sites einheitlich eingesetzt wird, damit möglichst vergleichbare Zahlen resultieren?
Die Zahlen im AdPlanner kommen ja nur zum Teil aus Analytics. Um von dort vergleichbare Zahlen zu bekommen, ist es ausreichend, wenn der Analytics Code auf der gesamten Website implementiert ist – und das ist ohnehin nötig, wenn man Analytics sinnvoll nutzen will.
Interview mit Barbara König, Verlagsleiterin der Hotel Revue
WW: Die Hotel Revue gehört zu den Publikationen, die zum Kundenkreis von Netmetrix gehören. Doch weshalb machen Sie dort nicht mit?
König: Die Hotel Revue (www.htr.ch) sowie das Stellenportal von Hotelleriesuisse (www.hoteljob.ch) sprechen eine sehr klare Fachzielgruppe (Hotellerie, Gastronomie und Tourismus) an. Bei einem öffentlichen Listing wie Netmetrix werden unsere Sites mit Publikums-Sites in einen Topf geworfen. Im diesem Vergleich sehen unsere Visits eher mager aus. Wenn man aber berücksichtigt, dass die Visits wahrscheinlich grösstenteils aus der anvisierten Zielgruppe stammen, bekommen diese Zahlen einen ganz anderen Wert. Diese Erfahrung mussten wir auch schon beim Auflagenvergleich der Wemf machen.
Gelten für kleinere Publikationen andere Spielregeln als für die grossen?
Absolut gesehen, gehören wir da zu den eher kleineren Titeln. Aber hier muss man wissen, dass jede Ausgabe der htr von durchschnittlich 8,3 Personen gelesen wird (Leserumfrage 2009 mit Demoscope) und die htr einfach zur Pflichtlektüre in der Zielgruppe gehört. Quantität ist eben nicht alles. Wer sich also bei der Medienplanung nur auf absolute Reichweitenzahlen verlässt, verpasst unter Umständen die Qualität.
Und wie verkaufen Sie diese Qualität am Markt?
Der Verkauf einer Fachzeitung wie auch der Verkauf von Fachportalen kann nicht über allgemeine Reichweitenlisten erfolgen. Im Gegenteil: Oft sind für uns die Vergleiche mit den offiziellen Reichweitenlisten eher hinderlich. Wichtig sind hier Aufklärung in der Zielgruppe und persönlicher Verkauf. Und dafür genügen uns die Zahlen von Google Analytics, die wir auch gern offenlegen. Um uns mit ähnlichen Sites (Stellenportalen der Hotellerie) vergleichen zu können, nehmen wir auch die Werte von Alexa.com zu Hilfe. Selbst wenn es einen Vergleich gäbe, wo wirklich Äpfel mit Äpfeln verglichen werden, gäbe es da immer noch die süssen Berner Rosen und die eher sauren Bohnäpfel.