Das neue TV-Wunderland?

Wie Google-TV das Fernsehen verändern wird und weshalb doch alles beim Alten bleibt.

Es klappt ja nicht immer im ersten Anlauf: In den letzten Jahren war immer wieder von der kurz bevorstehenden Verschmelzung von Internet und TV die Rede und es kamen Geräte auf den Markt, mit denen Fernseh-Geräte internettauglich aufgerüstet werden konnten. Doch für den damit verbundenen Kabelsalat und Konfigurationsaufwand konnten sich bisher allenfalls eingefleischte Technikfreaks, nicht aber das breite Publikum begeistern. Eines der bekanntesten Beispiele ist die Apple-TV-Box, die vor drei Jahren lanciert, aber seither kaum beworben wurde und nicht abgehoben hat. Apple-Chef Steve Jobs bezeichnete das TV-Engagement jüngst an einer Branchenkonferenz als «ein Hobby». Denn solange vor allem Kabelnetzbetreiber mit ihren Set-Top-Boxen den Markt besetzt hätten, sei es kaum möglich, Innovationen in den Wohnzimmern einzuführen. Konsumenten wollten nicht noch eine weitere Box mit einer neuen Menuführung und einer zusätzlichen Fernbedienung. Zudem sei der Kabel-TV-Markt mit zahlreichen verschiedenen Anbietern ausgesprochen balkanisiert, was eine gemeinsame Marktoffensive verunmögliche. Jobs weiss, was zu tun wäre: Man müsse zurück auf Feld eins, die verschiedenen Set-Top-Boxen auseinandernehmen und von Grund auf neu gestalten, um mit einer einheitlichen Benutzeroberfläche alle verschiedenen Funktionen zugänglich zu machen. Dann müsse das Ganze den Konsumenten noch so präsentiert werden, dass sie dafür gerne bezahlen. «Ich bin sicher, dass es intelligentere Menschen als uns geben wird, die herausfinden werden, wie dieses Problem gelöst werden kann», sagte Jobs und begründete damit, weshalb TV für Apple eben hinter iPhone und iPad nur ein Hobby sei. Gut möglich, dass Google genau das gelingt. Zwar wurde die Google-TV-Offensive schon im Mai dieses Jahres angekündigt, doch erst Anfang Oktober wurde es richtig konkret, vor allem als der Schweizer Peripheriegeräte-Hersteller Logitech die erste Google-TV-Box («Revue») vorstellte. Ist das Gerät einmal zwischen TV-Receiver und Fernseher eingebaut, wird es zum zentralen Kontrollpunkt des heimischen AV-Systems und steuert (über externe IR-Booster) weitere Geräte, womit Jobs’ Vorstellung einer integrierten Lösung im Prinzip entsprochen wird. Die von den Smartphones her bekannten Apps können nun auf dem Fernseher genutzt werden und dank dem Google-Web-Browser Chrome kann im Internet gesurft werden, was einfacher gelingt, wenn eine drahtlose Tastatur als Fernbedienung benutzt wird. Natürlich können Medieninhalte, sei ’s aus der hauseigenen Bibliothek oder von Online-Verleihfirmen, abgespielt werden. Und es gibt etliche weitere coole Funktionen wie etwa die Steuerung per Spracheingabe anstatt mit der Fernbedienung.
Google-TV wird bald überall drin sein
Doch das Wichtigste für die künftige Entwicklung wird leicht übersehen: Google-TV basiert auf dem offenen Android-Betriebssystem von Google. Bereits sind etliche Mobiltelefonhersteller auf dieses Gratis-Angebot von Google eingestiegen, denn so können sie eigene Entwicklungskosten sparen und profitieren von den ständig steigenden Marktanteilen und der entsprechenden Bekanntheit. Deshalb stehen die Chancen gut, dass Google-TV bald überall drin sein wird: In Fernsehapparaten, aber auch in weiteren Set-Top-Boxen und in Spielekonsolen. Wie vor dreissig Jahren sich bei uns der Teletext in relativ kurzer Zeit etablierte, dürfte die Google-TV-Plattform zum globalen Standard auf TV-Geräten werden.
Gelingt es, mit Google-TV die Heimbildschirme ans Internet anzuschliessen, geraten bestehende Geschäftsmodelle ins Wanken. Apps, mit denen à la carte Sendungen abgerufen und eingekauft werden können, werden etablierten Playern, vorab Pay-TV-Anbietern und Kabelnetzbetreibern, das Wasser abgraben. Doch aus Sicht von Google dürften dies Nebenwirkungen und nicht die hauptsächliche Absicht sein. Es geht vor allem um Werbung – und dabei zuerst um Nutzerdaten. Schon längst analysiert ¬Google aufgrund der Suchanfragen unser Surf-Verhalten, um so unsere Interessen und Vorlieben zu erkennen und mit entsprechenden Werbebotschaften zu verbinden. Können nun zusätzlich unsere TV-Gewohnheiten analysiert werden, bedeutet dies einen gewaltigen Schritt vorwärts. Zum einen dann, wenn das Surf-Verhalten mit dem TV-Verhalten ergänzt werden kann und die entsprechenden Nutzerprofile schärfer werden. Zum andern, wenn so Bevölkerungsgruppen, die kaum im Web surfen, neu erfasst werden können und so die Reichweiten für zielgruppengenaue Werbeverkäufe erweitert wird.
Individualisierte Programmempfehlungen
Herzstück dieser Strategie ist der Elektronische Programmführer (EPG). Gleich wie mit Programmzeitschriften können Benutzer damit entscheiden, was auf den Bildschirm kommt und was nicht. Hier kann Google bestehende Angebote, etwa auf Set-Top-Boxen der Kabel-Provider, überholen und mit individualisierten Programmempfehlungen aufwarten. Dazu wird die eigene Programmauswahl der Vergangenheit mit ähnlich gelagerten Nutzerprofilen verrechnet. Werden noch Informationen aus den sozialen Netzen («Schau, was deine Freunde schauen») mit berücksichtigt, kann ein nützlicher Führer durch die Programmflut entstehen. Google-TV kann dabei nicht nur all die Sendungen, die über die Luft, über Kabel oder Satellit empfangen werden, auflisten, sondern die Übersicht mit Inhalten ergänzen, die aufgezeichnet (Familienvideos) oder eingekauft (bei On-demand-Anbietern) wurden oder die im Internet (Youtube etc.) abgerufen werden können. Zwar ist Google als Plattform-Eigner in einer guten Ausgangslage, den sich für die nächsten Jahre abzeichnenden EPG-Krieg zu gewinnen. Dabei werden in jedem Fall die Dienstleister mitreden wollen, die heute mit dem Aggregieren von Programmdaten ihr Geschäft machen. Diese könnten mit einer Android-App einfach ein Alternativ-Angebot lancieren und so Google auf der eigenen Plattform schlagen.
Handlungsbedarf bei Finanzierung und Werbeverboten
Der Heimaltar wird zum globalen Marktplatz und das hat tief greifende Folgen. Vorab werden dies etablierte Sender zu spüren bekommen. Denn nicht länger erscheint beim Einschalten des Fernsehers der erste Kanal, sondern das Heim-Menü von Google-TV, das frei zusammengestellt werden kann. Und da sind Fernsehkanäle nur noch eine Möglichkeit unter vielen, denn herkömmliches Fernsehen braucht es nur noch für Live-Übertragungen, vor allem im Sport. Daneben kann nun die Medienkonsumzeit vor dem Fernseher mit vielen anderen Inhalten und Aktivitäten verbracht werden. Etwa mit interaktiven Spielen, mit Web-Videos und Video-Chats.
Google-TV rüttelt an den Finanzierungsfundamenten sowohl bei gebührenfinanzierten wie bei privaten Stationen. Akzeptieren Konsumenten Google-TV, wird die Politik längerfristig nicht darum herumkommen, gesetzliche Grundlagen zu überdenken und den neuen Gegebenheiten anzupassen. Denn damit kann der Übergang von der gebührenfinanzierten Rundfunkgebühr zu einem flächendeckenden Pay-per-view-System und somit individuellen nutzungsabhängigen Abrechnung (gleich wie beim Wasser- und dem Elektrizitätsverbrauch) begründet werden. Dabei kommen Abonnements ebenso wie Einzelverkauf von Sendungen infrage. Handlungsbedarf wird es nicht nur bei der Finanzierung, sondern auch bei Werbeverboten geben: Wie etwa soll mit verbotener Tabak- und Alkoholwerbung umgegangen werden, die zwar auf dem TV-Schirm, etwa als teilweise Überblendung des laufenden Programms, angezeigt wird, aber übers Internet verteilt wird? Private Stationen müssen befürchten, dass ihnen Anbieter wie Google-TV die Werbung abgraben, da sie dank der Targeting-Daten Zuschauer weit präziser ansprechen können. Zudem fördern Angebote wie Google-TV den zeitversetzten Konsum, womit die Reichweitenmessung für TV-Spots, die dann oft übersprungen werden können, schwieriger wird.
Wer interessante Inhalte hat, packt diese in eine App und muss nur noch schauen, dass diese von möglichst vielen Leuten heruntergeladen und, je nach Geschäftsmodell, auch bezahlt wird. Das eröffnet Grossverlagen wie Kleinunternehmern gleichermassen neue Chancen. Wo Redaktionen effizient multimedial arbeiten, können Inhalte im Prinzip ohne grosse Mehraufwendungen für diesen neuen Verteilkanal hergestellt werden. Denn so gross ist der Unterschied von einer iPad-Edition zur einer TV-Ausgabe nicht. Über Plattformen wie Google-TV oder Apple-TV können aber auch innovative Start-ups, etwa Video-Podcast-Produzenten, einfach und auf der ganzen Welt ein Publikum finden.
Noch unklar ist, wie das Werbegeschäft ablaufen soll
Das neue TV-Wunderland wird nicht über Nacht kommen – ganz im Gegenteil: Der Grossteil der Bevölkerung wird noch etliche Jahre vor allem TV-Programme über Kabel, per Antenne oder Satellitenschüssel empfangen und wie gewohnt konsumieren. Auch werden Video-on-demand-Angebote nur zögerlich auftauchen, da Serviceanbieter dazu langwierige und komplexe Lizenzierungsverhandlungen führen müssen. Und auch die Werbung wird sich nur allmählich in namhaften Grössenordnungen verschieben – wenn denn überhaupt. Wird im Web-Browser Werbung, die sich an persönlichen Interessen orientiert, weitgehend akzeptiert, kann dies auf dem TV manchen Zeitgenossen nicht geheuer vorkommen und zu Abwehrreaktionen führen. So hat denn Google noch keine konkreten Pläne bekannt gegeben, wie dereinst auf Google-TV das Werbe¬geschäft genau ablaufen soll.
Christoph J. Walther
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Der Impact-Check der Werbewoche

Wir zeigen, wie aktuelle Kampagnen bei den Konsumenten abschneiden.

Beim Kriterium Awareness liegt die «I am»-Kampagne für die Migros der Werbeagentur Advico Y&R an der Spitze, gefolgt von der Coop-Naturaplan-Anzeige der Agentur Krieg Schlupp Bürge und der PKZ-Anzeige von By Heart. Beim Kriterium Uniqueness gewinnt die Suvarisk-Anzeige von Ruf Lanz vor dem Sujet Val Sinestra der Swisscom von Contexta und dem Sujet ÖKK von Advico Y&R. Beim Kriterium Brand Fit liegt die Toni-Jogurt-Anzeige von Scholz & Friends Zürich an der Spitze, gefolgt von Coop Naturaplan und PKZ. Toni-Jogurt gewinnt auch beim Kriterium Likeability vor Suvarisk und PKZ.
> Zu den Ergebnissen im Überblick (PDF)
> Zu den detaillierten Ergebnissen
Fragestellung und Methodik
Methode: Computer-Assisted Web-Interviews (CAWI).
Instrument: Online-Interviews über die Marketagent.com-reSEARCH-Plattform.
Zielgruppe: webaktive Personen aus der Deutschschweiz zwischen 14 und 59 Jahren.
Sample-Grösse: n = 500 Netto-Interviews, Random-Selection nach Quoten.
Erhebungszeitraum: 6. 10. 2010–15. 10. 2010.
Fragen:
– Wir haben Ihnen zu Beginn der heutigen Befragung einige Anzeigen vorgestellt.
An welche dieser Anzeigen können Sie sich erinnern? Bitte nennen Sie uns die werbenden Unternehmen bzw. die beworbenen Marken. (Awareness)
– Inwieweit heben sich diese Anzeigen Ihrer Meinung nach von anderer Werbung in Zeitungen, Magazinen und Zeitschriften ab? Bitte bewerten Sie jeweils von 1 (= hebt sich überhaupt nicht ab) bis 6 (= hebt sich sehr stark ab). (Uniqueness)
– Inwieweit passen diese Anzeigen zu dem Bild, das Sie von den jeweiligen Marken/Unternehmen haben? Bitte bewerten Sie jeweils von 1 (= passt überhaupt nicht zu meinem Bild von dieser Marke) bis 6 (= passt sehr gut zu meinem Bild von dieser Marke). (Brand Fit)
– Inwieweit gefallen Ihnen die folgenden Anzeigen? Bitte bewerten Sie jeweils von
1 (= gefällt mir überhaupt nicht) bis 6 (= gefällt mir sehr gut). (Likeability)
Bei den abgedruckten Werten handelt es sich jeweils um die Top-Box-Bewertungen «hebt sich sehr stark ab», «passt sehr gut zu meinem Bild der Marke», «gefällt mir sehr gut».
Die Verfasserin der repräsentativen Studie «Impact-Check» ist die auf Online-Markt- und -Meinungsforschung spezialisierte Marketagent.com Schweiz, die über ein ISO-zertifiziertes Panel von 20 000 befragungswilligen Personen in der Deutsch- und der Westschweiz verfügt. Marketagent.com Schweiz ist ein Tochterunternehmen des führenden österreichischen Marktforschungsunternehmens Marketagent.com online reSEARCH GmbH und der Schweizer Kommunikationsagentur Contract Media AG.

Top der Woche: Deutlich mehr Inserate im September

Nach der Flaute vor einem Jahr nimmt die Schweizer Presse wieder mehr Geld mit Inseraten ein: Im September stiegen die Inserateinnahmen gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,1 Prozent auf 170,3 Millionen Franken.

Die Einnahmen aus Stellenanzeigen erhöhten sich um 15,2 Prozent auf 14,8 Millionen Franken, wie die Wemf AG für Werbemedienforschung mitteilte. Mit kommerziellen Anzeigen nahmen die Printmedien 136,3 Millionen Franken ein, was einer Zunahme um 7,8 Prozent entspricht. Prospektbeilagen wurden im Wert von 13,5 Millionen Franken geschaltet, dies sind 9,4 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Weniger üppig fielen die Einnahmen einzig bei den Liegenschaftsanzeigen aus (–3,4 Prozent auf 5,7 Millionen Franken). Stark spürte die Sonntags- und Tagespresse den Aufschwung am Werbemarkt, sie setzte 11,9 beziehungsweise 7,5 Prozent mehr um. Die Publikumspresse legte um 10,2 Prozent zu, die Fach- (10,5 Prozent) und die Spezialpresse (7,9 Prozent) verzeichneten ebenfalls kräftige Zuwächse. Am wenigsten steigern konnte sich die regionale Wochenpresse mit +3,8 Prozent. Die Werbeumsätze der Finanz- und Wirtschaftspresse stagnierten.

Am Puls der PR-Branche

Der erste Swiss Corporate Communication and Public Relations Practice Monitor beleuchtet die Trends der Schweizer PR-Branche. Am meisten geprägt werden diese vom Einfluss der digitalen Kommunikation und Social Media. Ferner sind Frauen in der Branche im Aufwind: schon über 58 Prozent der PR-Profis sind Frauen – und in wenigen Jahren könnten es bei dieser Entwicklung über 70 Prozent sein!

Die erstmals veröffentlichten Ergebnisse des Practice-Monitors 2010 sind ein Produkt des Swiss Corporate Communication and Public Relations Observatory, das die Università della Svizzera italiana zusammen mit SPRI, BPRA, HarbourClub und pr suisse 2009 gründete. Das Observatory mit seinen geplanten regelmässigen Studien ist die zentrale Plattform für die Umfrage, welche im Februar 2010 unter Kommunikationsprofis der Schweiz durchgeführt wurde.
Die Branchenorganisationen beabsichtigen, diese Umfrage künftig regelmässig durchzuführen, um die Entwicklungen in der Berufspraxis, die Trends im Kommunikationshandwerk und die Bedürfnisse der PR-Profis im Markt sowie auch in der Bildung zu erfassen und zu evaluieren. «Das Swiss Observatory soll jährlich innerhalb der definierten Parameter die verschiedenen Aspekte des Berufes messen und beleuchten», sagt Francesco Lurati, Professor für Corporate Communication an der Università della Svizzera italiana in Lugano (USI). «Wir wünschen uns, dass die Ergebnisse den aktiven Dialog in der Branche fördern und schliesslich dazu führen, neue Massstäbe zu definieren.»
Im Februar 2010 nahmen über 15 Prozent der Kommunikationsprofis der Schweiz an einer Umfra-ge teil, die Mehrzahl davon in der Deutschschweiz. Mehr als die Hälfte sind Kommunikationsverantwortliche in Unternehmen, CEOs von Agenturen oder Mitarbeiter mit Budgetverantwortung. Ungefähr 60 Prozent der Teilnehmer haben einen Hochschulabschluss, gut ein Drittel der Teilnehmer verfügt über einen eidgenössischen Fachausweis oder einen Diplomabschluss.
Gut vernetzt
Die PR-Schaffenden sind ausserordentlich gut vernetzt. Fast 70 Prozent der Schweizer Public-Relations- und Kommunikationsprofis sind Mitglied eines nationalen oder internationalen Berufsverbandes und fast alle Teilnehmer nutzen Online Social Networks beruflich und privat. Die populärste berufliche Plattform der PR-Schaffenden ist Xing, während Facebook bei fast allen Teilnehmern für den privaten Austausch als Favorit genannt wird.
Hohe Frauenquote
Obwohl Frauen in der Branche in der Mehrzahl sind, sind die Männer einflussreicher. Mehr als die Hälfte aller PR-Schaffenden sind weiblich, strategische Positionen und Stellen mit Entscheidungskompetenz sind jedoch weiterhin fest in Männerhand. Dieses Verhältnis könnte sich aber in Zukunft ändern, da die neue Generation der unter 40-jährigen PR-Schaffenden zu 70 Prozent aus Frauen besteht.
Megatrend: Digitale Kommunikation
Jeder zweite Befragte nennt den zunehmenden Einfluss von digitaler Kommunikation als wichtigsten prägenden Faktor für die Entwicklungen in der Branche. Dies wird ebenfalls deutlich reflektiert durch die Zeit, die Kommunikationsprofis in das Management und die Produktion digitaler Kommunikation investieren. Bereits heute wird ein Viertel der Arbeitszeit dafür verwendet – ein weiterer Anstieg wird erwartet. Gleichzeitig verändert sich das Nutzungsverhalten von einem derzeitigen «try it all»-Ansatz zu einer gebündelten Nutzung bestimmter Medien wie Social Networks, Onlinevideos und Special-Interest-Comunitys.
In der täglichen Kommunikation schätzen Profis die vier Hauptkommunikationskanäle «Unternehmenspublikationen», «Medien», «Interpersonelle Kommunikation» und «Werbung und Promotion» gleichermassen. Hingegen wird bei den Kommunikationsdisziplinen ein grösserer Unterschied deutlich: Fast 80 Prozent nennen «themengeleitete Kommunikation» und «Interne Kommunikation» als die wichtigsten Disziplinen. In Zukunft wird eine zunehmende Wichtigkeit von «Community relations» und «Interner Kommunikation» erwartet.
PR-Profis sehen ein wachsendes Bedürfnis, die Wirksamkeit der Kommunikationsarbeit zu messen. Trotzdem beschränken sich die Massnahmen häufig auf die Messung der Clippings. Dabei hat die Bedeutung der Internetnutzungsmessung allerdings deutlich zugenommen und fast zu jener von Clippings aufgeschlossen. Hier zeigt sich der Trend zur zunehmenden Differenzierung der Monitoringlösungen, vor allem auch durch die Integration der Social Media.
Wenig Einfluss bei Entscheidungen bezüglich Sponsoring und Partnerschaften
Die grösste Überraschung zeigt sich in der Einbindung von Kommunikationsexperten in Aktivitäten, wie «Beziehungen, Allianzen, und Koalitionen mit relevanten Stakeholdern», «Sponsorship» und «Philanthropie». Weniger als ein Viertel der Befragten erklärt, dass sie bei diesen Aktivitäten federführend sind. Auch bei strategischen Unternehmensentscheidungen wie «Veränderungen in der Unternehmensorganisation» oder «Mergers und Acquisitions» fühlt sich nur ein Drittel massgeblich involviert. Das Gleiche gilt für die Verantwortlichkeit bei der Entwicklung der Unternehmensmarke: Nur ein Viertel der Befragten sieht sich in der Verantwortung.
Unterschiedliche Wahrnehmungen über die Kunden-Berater-Beziehung
Unternehmungen zeigen den grössten Bedarf für Unterstützung durch externe Berater bei Redaktionsarbeiten. Allerdings gibt es eine divergierende Wahrnehmung zwischen Unternehmungen und Agenturen hinsichtlich der hauptsächlichen Beweggründe für die Zusammenarbeit zwischen CCOs und Agenturen: Agenturleiter stufen ihre strategische Beteiligung als hoch ein, CCOs eher die Unterstützung von Agenturen und Beratern in der Umsetzung. Die Mehrheit der Auftraggeber ist zufrieden mit den Dienstleistungen ihrer Agenturen. Weniger zufrieden sind Unternehmungen mit den «internationalen Beziehungen» von Agenturen und Beratungen.
Nach der persönlichen beruflichen Entwicklung gefragt, artikulieren Kommunikationsexperten klare Bedürfnisse. Mehr als die Hälfte möchte mehr Know-how im «Management von Kommunikationsinstrumenten und -kanälen», wozu auch die digitalen Medien zählen, gewinnen. Aber auch Spezialdisziplinen wie CSR und die Persönlichkeitsentwicklung sollen künftig an Bedeutung gewinnen.
Das Swiss Observatory
Das Swiss Observatory wurde 2009 von SPRI, pr suisse, BPRA, Harbourclub und der Università della Svizzera italiana gegründet. Es wird unterstützt von YJOO Communications AG, Linkgroup, Adecco und Adwired. Regelmässige Umfragen, aber auch Ad-hoc-Studien werden erhoben, um die Branche mit den notwendigen Daten für eine stetige Verbesserung der beruflichen Praxis zu versorgen. Die nächste Studie wird bereits für Februar 2011 geplant. Eine elektronische Version der Studie kann unter www.spri.ch heruntergeladen werden.
Für weitere Informationen:
Markus Berger, eidg. dipl. PR-Berater BR/SPRV, Direktor SPRI Schweiz. Public Relations Institut, Zürich, [email protected],
Telefon 044 299 40 41.

Wall Street Journal Europe erreicht Top-Wirtschaftszielgruppen am effektivsten

Das Wall Street Journal Europe ist die wirkungsvollste Paneuropäische Marke, um das Top-Management zu erreichen. Dies ergab der heute veröffentlichte BE: Europe 2010 Readership Survey.

Das Wall Street Journal Europe erreicht Top-Wirtschaftszielgruppen effektiver als jede als andere paneuropäische Marke, wie die jährlich von Ipsos Media CT durchgeführte Studie zeigt. Dafür werden über 450‘000 Manager in 17 Ländern in ganz Europa befragt. Die Studie misst die Medienkonsumgewohnheiten der europäischen Wirtschaftselite und bezieht sowohl Print- als auch Online-Nutzung mit ein.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das Wall Street Journal Europe in Print und Online das stärkste Profil unter seinen Mitbewerbern bei der sogenannten «C-Suite» und im Top-Management vorweisen kann, und damit Anzeigenkunden eine stark umworbene Leserschaft bieten kann. Ausserdem ist die Journal Europe Marke am wirkungsvollsten bei der Ansprache von First- und Business-Class Reisenden und von Wirtschaftslesern in Kontinentaleuropa, wie die Studie belegt. Die Marke erreicht im Print die finanzstärksten Leser. Zudem ist das Wall Street Journal Europ die wirkungsvollste Paneuropäische Publikation, um Mitarbeiter im Bank- und Finanzwesen zu erreichen. Die Zeitung konnte sich ausserdem bei der Leserschaft vor dem International Herald Tribune behaupten.
Im Laufe des letzten Jahres habe man beim Journal in Print Online- und mobile Produkte investiert, neue Stellen geschaffen, Anzeigen- und Marketingkampagnen veröffentlicht und sei neue Partnerschaften eingegangen, um die Präsenz in Europa zu stärken, so Andrew Langhoff, Publisher Wall Street Journal Europe und Managing Director , Dow Jones & Company EMEA. Das Wall Street Journal Europe konnte die Einkünfte aus Anzeigen im ersten Halbjahr 2010 um mehr als 40 Prozent erhöhen, einhergehend mit einem fast 20 prozentigen Anstieg des Marktanteils. Im vergangenen Monat baute das Wall Street Journal Europe seine Lifestyle-Berichterstattung aus, die freitägliche Wochenendbeilage wurde erweitert. Neue Inhalte und ein vollfarbiger Druck kamen hinzu, dazu neue regelmäßig erscheinende Kolumnen von Tina Gaudoin über Style & Fashion und von Will Lyons über Wein. Zudem wurde der European Life & Style Bereich online mit einem neuen Look ausgestattet, dazu kamen neue Elemente in den Bereichen Immobilien und Essen.

Edi.10-Shortlist

Am 4. November werden im Zürcher Schiffbau die Edi-Statuetten der Swissfilm Association für die besten Schweizer Auftragsfilme vergeben. Der Verband stellt mit Freude fest, dass bei der Teilnahme überhaupt nichts von einer Krise zu spüren war. Das Niveau ist international konkurrenzfähig. 54 Filme oder 20 Prozent haben es in die Shortlist geschafft.

«Die Teilnahme war ähnlich hoch wie im vergangenen Jahr», freut sich Geschäftsführerin Rita Kovacs von der Swissfilm Association. «Das Niveau sogar noch einmal gestiegen», meint Präsident Peter Beck. Keine leichte Aufgabe deshalb für die Jury, aus der reichen Fülle die 80 Prozent auszuscheiden, die gemäss Prozedere nicht mehr in der Shortlist Platz finden konnten. 54 Haben es geschafft. Wer davon Gold, Silber, Bronze oder einen Spezial-Edi gewinnen soll, wird am 4. November im Rahmen einer Gala im Schiffbau verraten. Ein paar von ihrer Arbeit auch ohne Segen dieses Wettbewerbs überzeugte Kreative werden sich bestimmt vermissen. Mit einer neuen Jury, die pro Kategorie auf zehn bis zwölf Fachleute erweitert worden ist, hat der Edi-Wettbewerb allerdings schon rein statistisch für eine noch einmal erweiterte Transparenz und Kompetenz bei der Wertung sorgen können. Die Namen dieser Fachleute als «Kampfrichter» des Eidgenössischen Film-Schwing-Festes sind auf Edinet.ch publiziert. Dort finden sich ab dem 25. Oktober auch sämtliche Filme dieser hier präsentierten Shortlist in hochauflösender Qualität zum selber Anschauen. Ein wertvolles Archiv und eine Fundgrube zum kreativen Vergleich für Filmer, Auftraggeber und Werber, denn in der Sammlung können sämtliche Filme der Edi-Shortlisten bis ins Jahr 2006 abgerufen werden. Vor allem im Corporate-Bereich bildet diese Übersicht eine exklusive Dienstleistung der Swissfilm Association, denn viele dieser Image-Filme werden ja nicht im öffentlichen Fernsehen gezeigt. Um das Wirken der Schweizer Auftragsfilmer auch noch über weitere Kanäle einer möglichst breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen, wird die Shortlist nächste Woche auch auf 20 Minuten online im Rahmen eines Wettbewerbs für das Publikum präsentiert.
Andreas Panzeri
> Zur Shortlist Teil 1 (pdf)
> Zur Shortlist Teil 2 (pdf)

Reporter ohne Grenzen: Pressefreiheit auch in Europa gefährdet

In einem Index von Reporter ohne Grenzen über die Pressefreiheit sind sechs europäische Ländern in den Top Ten vertreten, darunter auch die Schweiz. Die Pressefreiheit sei jedoch auch in Europa ein gefährdetes Gut.

Besonders gewahrt werde die Pressefreiheit in der Schweiz, Finnland, Island, den Niederlanden, Norwegen und Schweden. In den sechs Ländern seien die gesetzlichen Schutzgarantien für Medien und das hohe Mass an Respekt für die wichtige Arbeit von Journalisten in demokratischen Systemen vorbildlich, erklärte die Organisation Reporter ohne Grenzen ROG am Dienstag in New York bei der Vorstellung ihrer Länder-Rangliste. Diese europäischen Länder setzten ein Beispiel für die Achtung von Journalisten und den Schutz der Medien. Ausserdem weisen die sechs Staaten Konstanz auf. Seit Beginn der Erhebung 2002 hatten alle bereits mindestens einmal den ersten Platz belegt. Neuseeland findet sich als einziges nicht-europäisches Land in den Top Ten wieder. Es liegt hinter Österreich und vor Estland auf Platz acht.
Die EU-Staaten liefen Gefahr, ihre Führungsposition bei der Wahrung der Pressefreiheit einzubüssen. Auch wenn 13 der 27 EU-Mitgliedstaaten unter den top 20 vertreten sind, rangieren die anderen 14 deutlich weiter unten, heisst es weiter. So erreicht etwa Frankreich gerade mal Platz 44 und Italien Platz 49. In beiden Ländern seien die Verletzung des Quellenschutzes ein grundlegendes Problem, ausserdem die zunehmende Konzentration von Medieneigentum sowie gerichtliche Vorladungen von Journalisten.
Noch schlechter steht es jedoch in Rumänien, das Rang 52 belegt. Griechenland verlor gar 35 Plätz, landete nun mit Bulgarien an letzter Stelle der EU-Staaten und liegt gemeinsam mit Benin, Kenia und den Komoren auf Rang 70. Die starke Abwärtsbewegung Griechenland begründet ROG mit Drohungen gegen Journalisten und körperliche Angriffe auf Medienleute bei Demonstrationen.
In dem Jahresbericht erklärt der Generalsekretär von ROG, Jean-François Julliard, dass die europäischen Staaten dringend ihre Vorbildfunktion wiedererlangen müssten. Und er rief China dazu auf, den mit dem Friedensnobelpreis geehrten Bürgerrechtler Liu Xiaobao aus der Haft zu entlassen. Das Schicksal von Menschenrechtsaktivisten, Journalisten und Bloggern, die mutig das Recht auf freie Meinungsäusserung verteidigten, sei die stete Sorge der Organisation, so Julliard.
Neben China zählen aber auch Nordkorea, Burma, der Iran sowie der Jemen, der Sudan, Turkmenistan und – zum vierten Mal in Folge – Eritrea zu den Schlusslichtern der 178 Staaten. Unter den letzten Zehn sind erstmals Syrien und Ruanda vertreten. Wo die Pressefreiheit am schlimmsten sei, werde immer schwieriger zu sagen, wie die Organisation erklärte. In allen zehn Staaten würden die Medien verfolgt, den Bürgern würden Nachrichten und Informationen vorenthalten.
Deswegen ist die Verteidigung der Pressefreiheit laut Julliard weiterhin ein Kampf – ein Kampf gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit in den totalitären Regimen weltweit und ein Kampf der Wachsamkeit in den Demokratien des alten Europas.

Zur Sache: Für jeden etwas

Bei den iPad-Apps von Zeitungen und Zeitschriften geht die Entwicklung momentan in verschiedene Richtungen. Einmal gibt es äusserst aufwendig gemachte Applikationen mit jeder Menge Zusatzmaterial, wie Videos, Bilderstrecken, interaktiver Grafiken und allem, was der Fantasie der jeweiligen Entwickler und Medien-Designer sonst noch entspringen kann.

Ein wahres Paradies für Tec-Freaks, würde man meinen. Weit gefehlt, denn den effektiven Web2.0-Aficionados geht die ganze Sache noch viel zu wenig weit, wie man in unzähligen Kommentaren in diversen Blogs lesen kann. Die möchten eigentlich alle Funktionen haben, die sie auf ihrem PC oder Mac regelmässig intensiv nutzen: Artikel verlinken, weiterempfehlen, auf Social-Web-Seiten hochladen und via Twitter ihre unzähligen Follower beglücken. Und das alles selbstverständlich kostenlos. So ist man es halt leider im Netz gewohnt. Dies dank des Initialfehlers der Medienhäuser, die in ihrer Internet-Euphorie die teuer produzierten Inhalte kostenlos ins Netz stellten und glaubten, dass das jahrelang erprobte Geschäfts¬modell der primär anzeigenfinanzierten Inhalte auch im Internet greifen würde. Das dem nicht so ist, wissen wir heute alle.
Es gibt aber auch klassisch daher kommende Apps wie die der NZZ oder der Zeit. Das konventionelle Zeitungslayout wird einfach auf das iPad transformiert. Gewissermassen das E Paper auf dem Tablet. Es gibt ein Inhaltsverzeichnis. Man kann die Seiten mit einem Fingerwischen durchblättern, mittels eines Tipps vergrössert sich die Schrift oder man wechselt in einen reinen Textmodus. Es gibt nicht mehr Bilder als in der Originalausgabe, Videos oder Zusatzmaterial sind auch nicht zu finden. Eine Lösung, die für viele unzeitgemäss ist. Man muss auch hier nur wieder gewisse bissige Kommentare in den Branchenblogs lesen. Was aber diese Kommentarschreiber verdrängen, ist die Tatsache, dass sehr viele Nutzer eben gerade diese Schlichtheit des Auftritts schätzen und gar nicht mehr wollen.
Dann gibt es noch Mischformen. Die iPad-App des Spiegels ist so eine. Sie basiert zwar auf dem klassischen Layout, bietet aber zusätzliche Bilder und längere oder kürzere Videos. Zum Teil sind diese aus dem Fundus von Spiegel TV, zum Teil sind sie auch speziell für die App produziert. Aber alles ohne Schnörkel und Firlefanz. Als langjähriger Spiegel-Leser bin ich begeistert. Ich brauche nicht mehr. Aber auch nicht weniger.
Interessant ist für mich ein weiterer Aspekt. Seit ich den Spiegel und die Zeit auf dem iPad konsumiere, lese ich mehr Artikel als in der Printausgabe. Auch bei der NZZ sind es tendenziell mehr. Von Zeit zu Zeit leiste ich mir aber den Luxus, die Papierausgabe zu lesen. Einfach so.
Pierre C. Meier, Chefredaktor
[email protected]

Neuer Sportchef beim Medienverbund AZ und «Der Sonntag»

Der bisher stellvertretende Sportchef beim Medienverbund AZ und «Der Sonntag», François Schmid-Bechtel, übernimmt ab 1. November 2010 die Ressortleitung.

François Schmid-Bechtel ist seit drei Jahren für die AZ Medien tätig. Vormals war er Fussballchef beim «Blick», arbeitete für «Facts», die Sport-Information Si sowie die Fussballzeitung «MatchMag».

Wer hat‘s erfunden?»: Workshop zum Urheberrecht

Zusammen mit dem eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum, der Suisa und der Agentur Hesskisssulzersuter bietet die Schweizer Werbung SW einen Workshop zum Thema Urheberrecht an.

Das Urheberrecht betrifft sämtliche Stufe der Wertschöpfungskette Kreation-Agentur-Auftraggeber. Auf der einen Seite steht der Schutz von Ideen, auf der anderen das Recht des Käufers einer Kreation. Die Referenten Marc Schwenninger, Tamàs Kiss, Emanuel Meyer und Poto Wegener räumen mit der Unkenntnis im Urheberrecht auf. Beispiele und Erfahrungen können in der anschliessenden Diskussion eingebracht werden.
Der Workshop finde am Donnerstag 28. Oktober von 10.00 bis 12.30 Uhr in der Wirtschaft Neumarkt in Zürich statt.

Lieber Schadenskizze als vom Schicksal gezeichnet

Wirz zielt mit grusligen Schadenskizzen für Mobijeunes stilsicher auf ein junges Publikum.

Bald ist wieder Halloween und der Grusel wird salonfähig. Allerdings gibt es auch Schreckmomente in jedem Leben, die nicht an dieses Datum gebunden sind. Wer schon einmal hautnah in einen Versicherungsfall verwickelt war, kann davon ein Lied singen. Oder im Glücksfall auch eine Schadenskizze zeichnen, wie die populäre Kampagne aus dem Hause Wirz seit Jahren zeigt. Weil vor allem für junge Leute schon ein kleiner Schaden einen grossen Schreck und vorallem ein grosses Loch in der bescheidenen Haushaltskasse bedeuten kann, hat Wirz nun für Mobijeunes, die Versicherung für Junge der Mobiliar, einen gruseligen neuen Auftritt geschaffen: schwarze Skizzen und neongelbe Schrift. Im Zentrum der Herbstkampagne steht das Thema Spinnen. Zum Einsatz kommen Anzeigen, Banner sowie ein Social Game auf Facebook. Geplant ist zudem ein Spezialsujet zu Halloween und eine weitere Grusel-Welle im Herbst 2011. Mobijeunes ist ein spezielles Angebot der Mobiliar für junge Kunden zwischen 16 und 25 Jahren. Das Zielpublikum wird regelmässig auch mit Events und Wettbewerben sowie über die Jugendkarte Euro26 angesprochen, die von der Mobiliar mitgesponsert wird. Pan
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Sagen und machen

Der Hype um Social Media führt zu einem Boom bei den entsprechenden Kongressen. Expertenwissen ist gefragt, doch halten die Experten, was die Kongressorganisatoren versprechen? Gastkommentar von Oliver Reichenstein, Informationsarchitekt in Tokio.

Wenn man schaut, wie viele Kongresse zum Thema Internet (oder, wie es in letzter Zeit manchmal heisst: Social Media) stattfinden, und hört, wie sicher die da reden, dann muss man davon ausgehen, dass es mindestens hundertausend Experten gibt, die das Internet voll im Griff haben. Die Wahrheit ist, dass man das Web nicht im Griff haben kann. Würde Heidegger noch leben, dann müsste er das Web das An-und-für-sich-nicht-im-Griff-zu-Habende-Informations-Zeug bezeichnen. Zum Glück lebt der Heidegger nicht mehr, denn an Kongressen wird schon sonst genug von Leuten, die nichts anderes machen als reden, hoch gestochen und gestapelt. Weil ich nun ja selber zu diesen Kongressen eingeladen werde (und je länger je mehr auch selbst einen ziemlichen Mist erzähle), bin ich in der Lage, ein Paar Tipps zu geben, wie man leere Vorträge vermeidet:
Bevor man hingeht, gucken, was die Redner bisher geleistet haben. Ich hör mir Leute, die über Web-Design sprechen, selber aber nichts Überzeugendes gemacht haben, erst gar nicht an. Nichts geleistet – nichts zu sagen. Es gibt keine Theorie ohne Praxis. Und es gibt sicher keine theoretischen Experten in der praktischen Disziplin User Experience Design.
Hier mein Telegramm an die, die nun den Kopf schütteln: Nicht jeder, der Auto fährt, ist ein Ingenieur. Stop. Wer kein Internet macht, weiss nicht, wie man Internet macht. Stop. Wer nur seine eigene Meinung kennt, ist ein User. Stop. Theorie ohne Praxis ist Spekulation. Stop.
Zentral ist, dass man sich bei der Beurteilung der Speaker nicht von Namen, Alter oder irgendwelchen Design-Medaillen blenden lässt. Es spielt keine Rolle wie viele tolle Bücher die Frau Professor geschrieben, in wie vielen Artikeln der Social-Media-Onkel zitiert oder wie viele Twitter-Follower der New-Media-Rockstar sich eramüsiert hat. (Und nur damit das klar ist: Medaillen gibt es im Web-Design keine.) Der einzige Internet-Experten-Relevanzfaktor, der immun gegen alle Angeberei ist, ist Google Analytics. Was einer wirklich geleistet hat und wie die Arbeit aufgenommen wurde, zeigen die Statistiken. Jedwede ADC-, Webby, Cannes-Lions-Preisli sind im Internet – noch mehr als sonst – vollkommener Humbug. (Wer glaubt, ADC-Preise hätten noch irgendeine Relevanz: Hände hoch, und keine Bewegung!) Auch vom Rednerpult aus würden die Kongresse interessanter, wenn weniger Leute hingingen. Nichts ist deprimierender, als in ein gähnendes Publikum reinzusprechen. Anders gesagt: Nutzt das Internet, bevor ihr zu Kongressen geht.
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