Börsenkotierte Schweizer Unternehmen orientieren sich heute an weltweiten Kunden und Finanzmärkten. Für die Kommunikation bedeutet dies, sich auf die strategisch wichtigsten Märkte zu konzentrieren und diese möglichst wirkungsvoll zu bearbeiten. Die Kommunikation mit globalen Interessensgruppen hat sich in den letzten Jahren wesentlich weiterentwickelt. Dennoch könnten einige Firmen den Bedürfnissen noch besser entsprechen, auch mit Hilfe des weiterhin zentralen Geschäftsberichtes.
Befragung von 50 Unternehmen
Im vergangenen Herbst hat ckdt consulting fünfzig zufällig ausgewählte börsenkotierte Schweizer Firmen aller Grössen befragt. In der elektronischen Umfrage wurden sieben gezielte Fragen zu Form und Inhalt von Jahresberichten gestellt und von deren direkt Verantwortlichen beantwortet. Die Rücklaufquote betrug beachtliche zwei Drittel.
Digitale Trends
Ein zentraler Kommunikationstrend ist die fortschreitende Migration von der gedruckten zur elektronischen Form: Alle befragten Firmen produzieren inzwischen sowohl eine Print- wie auch, zu je 50 Prozent, eine PDF- oder mediengerecht aufbereitete e-Version.
Ein Drittel will den Jahresbericht vor allem aus Kostengründen vermehrt auf die digitale Form verlagern. Ein Viertel verspricht sich dadurch einen höheren Nutzen.
Die meisten Firmen sind sich aber der Tatsache bewusst, dass eine elektronische Form nicht unbedingt günstiger ausfällt als eine rein gedruckte. Deshalb verwundert auch nicht, dass die Hälfte der Befragten nur eine digitale Version auszuführen und Inhalte nicht separat nach Zielgruppen aufzubereiten gedenkt. Ein Drittel wird verschiedene Versionen für persönliche Präsentationen bereitstellen. 80 Prozent geben auch einen Halbjahresbericht in PDF heraus.
Wandelnde Lesergewohntheiten und mobile Plattformen
Der heutige Leser ist geprägt von kurzer Aufmerksamkeitsdauer, tiefer Ablenkungsschwelle und hohem Zeitdruck. Dazu schwenken Informationskonsumenten immer mehr von der textlichen auf die visuelle Kommunikation um.
Dieser Entwicklung wird in der Geschäftsberichterstattung noch zu wenig Rechnung getragen, kommt jedoch online weit mehr zum Tragen. 150 Worte pro Seite sind dort schon viel, und Bildmaterial, oder zumindest eine Grafik, muss auf jeden Fall her. Auch hat das Online-Verhalten eine rückkoppelnde Wirkung auf den Printbereich: weniger Worte, dafür mehr Bilder, Headlines und Leads und wenige, dafür klare, einprägsame Botschaften. Mobile Plattformen ersetzen immer mehr Funktionen, die zuvor Domäne von herkömmlichen Computern waren. Dennoch planen die wenigsten Befragten, diese Technologie im neuen Bericht zu nutzen. 40 Prozent bekannten sich immerhin dazu, erste Schritte in diese Richtung tun zu wollen.
Finanzanalysten und die Top-Etage sprechen wie alle Konsumenten auf dieselben Anreize an. Wichtig dabei ist das kulturelle Verständnis. Schweizer Unternehmen, für die der US oder asiatische Markt von zentraler Bedeutung ist, sollten sich bewusst sein, dass z. B. ein elegant-minimalistisch gestalteter Jahresbericht mit guter Haptik, den wir hier als sehr ansprechend empfinden, dort die erhoffte Wirkung verfehlen könnte und eventuell auf einem iPad weit besser ankommen würde.
Nordamerikanische Trends
Auf zwei weitere in Nordamerika im Trend liegende Aspekte von Geschäftsberichten angesprochen, antworteten die Verantwortlichen wie folgt: Nur ein Viertel der Berichte vermittelt mit ihrem Titelbild sowohl eine visuelle wie auch textliche Botschaft, ein Drittel nur eine visuelle, bei einem weiteren Drittel ist letzteres schon seit Jahren der Fall.
Die Rückseite des Jahresberichtes wird von mehr als der Hälfte überhaupt nicht genutzt, während ein Drittel dort zumindest ein wenig Information platziert. Bald wird sich zeigen, inwieweit die bevorstehende Runde von Geschäftsberichten die obigen Aussagen bestätigt und wie gut Unternehmen ihre Zielgruppen auf erinnerungswürdige und wirkungsvolle Weise abzuholen vermögen.
Stephan Burckhardt, ckdt consulting
Die detaillierten Resultate der Umfrage «Trends bei Geschäftsberichten» sind hier verfügbar: www.ckdtconsulting.ch/gbtrends
Stephan Burckhardt ist als Kommunikationsberater an der Westküste Nordamerikas und, in Partnerschaft mit ViznerBorel, in der Schweiz tätig. Seine frühere Firma ckdt communications war als führendes Unternehmen im Bereich Geschäftsberichte bekannt.