In der Schweiz entwickle Ringier drei Standbeine: erstens das Stammgeschäft Print, zweitens die Unterhaltung mit Radio Energy, Ticketverkauf und Konzertveranstaltung und drittens das Internet. Da fokussiere man auf das transaktionsorientierte Geschäft, so CEO Unger. In allen Bereichen richte man sich neu aus.
Die klarste Korrektur sei beim Blick erfolgt. Das Blatt habe sich aufgrund von vielen hausgemachten Problemen in den letzten Jahren unterdurchschnittlich entwickelt. Man habe den Blick bereits stärker im Boulevard positioniert, werde ihn aber noch weiter inhaltlich aufladen. «Der Blick ist noch nicht ganz da, wo ich ihn haben will.»
Glücklich zeigte sich Unger über die Rettung Radio Energys. Der Sender sei ein Baustein in der Unterhaltungsstrategie und spiele bei der Abdeckung der Wertschöpfungskette im Mediengeschäft eine wichtige Rolle. «Das ist ganz wichtig, wenn wir uns den Verbundeffekt von Print zu Radio, zu Events und zu Ticketverkäufen anschauen. Wir wollen Stars vermarkten.»
Unabhängigkeit trotz Vermarktung
Die Unabhängigkeit der Ringier-Medien sieht Unger durch die Vermarktungsinteressen des Konzerns aber nicht gefährdet und fügt folgendes Beispiel an: Wenn der Blick einen gedopten Sportler nicht mehr als solchen darstellen würde, weil dieser von Ringier vermarktet werde, dann würden die andern Medien draufspringen. Dies würde die Ringier-Journalisten abstrafen und den Titel schwächen. «Unsere Redaktionen sind stark genug, zu erkennen, dass sie das aus ureigenem Interesse thematisieren müssten.»
Als Basisgeschäft in der Schweiz sieht Unger immer noch den Printbereich. «Ohne ihn würde ein grosser Baustein in der ganzen Kette fehlen.» Für die weitere Expansion sei jedoch Media Swiss, mit der das Unternehmen die traditionellen Rubrikenmärkte bearbeitet, von höchster Bedeutung. Media Swiss sei eine der rentabelsten Firmen, vor allem die Sparte Autoscout.
Onlinegeschäft zum Teil hochprofitabel
Der Anteil des digitalen Geschäfts von Ringier in der Schweiz liegt derzeit bei über 20 Prozent. Und in zwei Jahren möchte Unger einen Anteil von über 30 Prozent erreichen. Dabei verfolgt der Konzern punkto Online zwei unterschiedliche Strategien: Bei verlagsnahen Onlineaktivitäten gehe es um Grösse, um Traffic. Gewinne brächten aber Services wie Tickets oder Immobilien, so Unger weiter. Hochprofitabel sei neben Autoscout beispielsweise auch Geschenkidee.ch.
Auch zur digitalen Offensive der SRG äusserte sich der CEO: «Ich würde die SRG laufen lassen.» Man solle nicht vorauseilend eingreifen. Der Konsument müsse entscheiden. Wenn dieser mit dem neuen Angebot unzufrieden sei, müsse das zu einer Veränderung der Gebühren führen.
Interview aus der Werbewoche-Printausgabe mit Christian Unger: «Traffic muss mehr Qualität haben».
Ringier bestimmt Christian Unger zum neuen Konzernchef
(Foto: Keystone)