Es muss nicht immer Zürich sein. In Rheineck SG hat sich innerhalb von 25 Jahren ein kleines Grafik-Atelier vom Küchentisch aus zu einer BSW-Agentur mit 5 Standorten und 64 Mitarbeitenden entwickelt. Dachcom ist heute auf Rang 14 im Ranking der «leading swiss agencies» positioniert – und sieht weitere Entwicklungsmöglichkeiten.
«Der Agentursitz ist für uns kein Kriterium. Das Team und die Zusammensetzung der Talente sind entscheidend. In unserer Agentur arbeiten Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wir haben über die Jahre gelernt, die verschiedenen Mentalitäten zu einer starken Einheit werden zu lassen. Wir betreuen Kunden in München, Stuttgart, Salzburg, Zürich, Bern und Lugano», stellt Otto Gmeiner seine Agentur im «Elevator-Pitch» vor.
Der Mitbegründer von Dachcom hat in der Ostschweiz die Berufslehre zum Typografen abgeschlossen, in Zürich an der Kunstgewerbeschule die Ausbildung zum Gestalter und am Sawi in Biel sowie am damaligen Institut für Absatz und Handel der Hochschule St. Gallen die Ausbildung zum Werbe- und Marketingfachmann. Seine Lebens- und Geschäftspartnerin Christin Gmeiner stammt ebenfalls aus der Region und hat sich autodidaktisch in Werbung und Kommunikation ausgebildet. 1983 entschieden sich die beiden, als Paar in einer Ateliergemeinschaft zu arbeiten. «Dieser Schritt war in unserem Bewusstsein kein Wechsel in die Selbständigkeit, sondern lediglich der Wunsch, unsere kreative Arbeit als Gestalter im Spannungsfeld von einer verflossenen zu einer neuen Arbeitsstelle sinnvoll zu überbrücken», erinnern sie sich. «Jung und unbelastet. Vielleicht sogar ein bisschen naiv. Finanzielle Sicherheiten waren nicht wichtig. Man konnte auch mit wenig leben. Kunden waren keine da. Nach einem Mailing und ein paar Telefonanrufen konnten wir dann erste Auftraggeber mit unseren Arbeiten begeistern.»
Zuerst geschäftete das Paar in seiner Privatwohnung. Schon bald musste aber eine Nachbarwohnung dazugemietet werden. Nach sieben Jahren beschäftigte das Atelier bereits 10 Mitarbeitende. 1988 wurde in Rheineck eine grosse Agentur-Liegenschaft gekauft. Die Leistungspalette wurde ständig erweitert. Zum grafischen Atelier sind Beratung, Strategie, Konzeption, Text und Web-Marketing dazugekommen. «Es braucht Glück, Freude und Neugier. Auch Durchhaltewillen, wenn einmal drei Präsentationen hintereinander nicht greifen. Aber es hat sich immer wieder Neues entwickelt.»
Das Unternehmen Dachcom gehört Christin und Otto Gmeiner zu gleichen Teilen. Christin Gmeiner ist verantwortlich für die Vernetzung und die Organisation der verschiedenen Dachcom-Standorte, ist die Anlaufstelle für die Mitarbeitenden und verantwortlich für die Personalentwicklung. Trotz dieses breiten Aufgabenbereichs findet sie weiterhin Zeit für die Betreuung ausgewählter Kunden. Otto Gmeiner trägt die Verantwortung für die Kunden- und Strategie¬beratung und für die New-Business-Entwicklung.
Dabei wird er von Hans Peter Kammermann unterstützt. Die beiden haben gemeinsam die Kunstgewerbeschule in Zürich besucht. Kammermann wirkte im Display-Bereich bei Möbel Pfister sowie 12 Jahre im Medien- und Verlagsbusiness, zuletzt als Marketingleiter beim Aargauer Tagblatt. Nach einem Aufenthalt in den USA hat er sich wieder mit seinem früheren Schulfreund getroffen. Seither hat Kammermann bei der Entwicklung verschiedener Diversifikationen innerhalb der Dachcom sein breites Fachwissen eingebracht.
Seit Jahren ist auch Heinrich Gmeiner, der Bruder von Otto, zusammen mit Bernd Leisner als CD für die Kreation am Standort Rheineck verantwortlich. Strukturell wird hier mit zwei Kreationsteams und zwei Beratungsteams gearbeitet. Am Agenturstandort Rheineck arbeiten aktuell 29 Leute.
Die weiteren Niederlassungen sind formal¬juris¬tisch eigenständig und werden jeweils von einem Standortleiter geführt. Seit mehreren Jahren ist Dachcom auch in Lindau (D) präsent. Dort arbeiten 8 Leute vor allem für Kunden im süddeutschen Raum, wie zum Beispiel für Real i. S., eine Tochtergesellschaft der Bayerischen Landesbank. Ebenfalls 8 Leute arbeiten bei Dachcom in Schaan (FL). Der Standort wird durch Christoph Mähr und Alexandra Hofmänner geleitet. Ein wichtiger und langjähriger Kunde an diesen Standort ist Flumroc. «Liechtenstein ist ein kleines Ländle. Aber damit man dort Fuss fassen kann, muss man mit einer eigenen Firma vor Ort auftreten können.»
Der Grenzraum war für Dachcom schon früh sehr wichtig – was sich auch im Namen (D-A-CH) ausdrückt. «Konstanz, Lindau, Bregenz, Dornbirn ist unser privater Lebensraum wie auch unser Einzugsgebiet», erklärt Christin Gmeiner. 2003 kam am Standort Winterthur eine Fullservice-Agentur mit rund 10 Leuten dazu, die heute durch Röne Bertschi geleitet wird. Die traditionsreiche Agentur kämpfte damals mit Nachfolgeproblemen und bildet inzwischen den Brückenkopf der Dachcom zum Werbemekka in Zürich. Um neue Kunden im Raum Bern effizient betreuen zu können, wurde 2009 zusätzlich ein Beratungsbüro in Worb eröffnet.
Einen Vorteil der verschiedenen Standorte sieht die Geschäftsleitung in der breiten geografischen Kunden-Branchen-Struktur, die Sicherheit bedeutet. «Unsere Agentur steht auf verschiedenen Beinen. Übersichtliche Teamgrössen, nahe am Kunden, mit breitem Erfahrungs- und Dienstleistungsportfolio im Hintergrund, das ist unser Rezept.»
Um all diese Standorte optimal führen zu können, hat Dachcom viel in die entsprechenden IT-Tools investiert und ist heute sehr gut vernetzt. Die verschiedenen Standorte ergeben Synergien bei Kapazitäten, aber auch im kreativen Bereich. Wenn es einen gewissen Schub braucht, stehen mehrere Agenturen bereit. Die Mitarbeiter arbeiten standortübergreifend und projekt- sowie kundenorientiert. Auch der Wettbewerb zwischen den einzelnen Standorten macht Sinn. Aktuell steckt je ein Team in Winterthur und Rheineck im selben Pitch. In einer ersten Phase können auf diese Art unterschiedliche Ideen und Lösungsansätze unabhängig reifen, die später für die entscheidende Präsentation zusammengeführt werden.
Für die kreative und technische Umsetzung von Web-Marketing-Projekten kommt die Tochterfirma Dachcom Digital zum Einsatz. Diese ist ebenfalls in Rheineck zuhause. Die zwölf Spezialisten arbeiten allerdings nicht im Mutterhaus, sondern in einer Dependance in einem barocken Herrschaftshaus. Dieses historische Gebäude bietet «ein anregendes Spannungsfeld» für Ideen, bei denen sich Technik und Kreativität befruchten. Dachcom darf sich dabei rühmen, im Bereich Internet in der Schweiz eine Pio¬nier¬rolle eingenommen zu haben.
Bereits 1999 wurde Dachcom Digital als Aktiengesellschaft gegründet. Als Spezialist der ersten Stunde ist Thomas Kessler eine treibende Kraft zusammen mit Markus Scheffknecht und Manuel Schmidhauser. Die räumliche Trennung vom Stammhaus sieht Otto Gmeiner als Vorteil. Der digitale Bereich kann sich so zu einem wirklichen Hot Spot entwickeln und damit auch spannende Spezialisten anziehen.
Ansonsten sei es kein Problem, im Dreiländereck gute Leute für eine Werbeagentur zu finden. «Es gibt viele Kreative, die in diesem Grenzraum gross geworden sind und nach einem beruflichen Abstecher in Wien, München oder Zürich gerne wieder in ihre alte Heimat zurückkommen. Der Grenzraum kommt uns da entgegen», meint Christin Gmeiner.
Einen sichtbaren Dachcom-Stil nach aussen gibt es nicht. Nach innen typisch ist hingegen das pragmatische Vorgehen. «Wir arbeiten von Beginn weg spartenübergreifend und immer in einem grösseren Team.» Bei Dachcom spielt sich keiner als König auf, auch die Inhaber nicht. Entsprechend ist es nicht das Ziel, sich an möglichst schillernden Kreativwettbewerben zu beteiligen. «Wir sind Macher. Wenn die Leistung stimmt, ergeben sich unweigerlich weitere Anziehungspunkte», sind die Kreativen bei Dachcom von ihrem Arbeitsstil überzeugt. Ein Beweis für diese Haltung: Verschiedene Mitarbeiter des ersten Kunden Flawa-Watte sind heute für ganz andere Betriebe federführend. Sie wurden aber zu neuen Kunden und arbeiten nach wie vor mit Dachcom zusammen.
Einmal pro Jahr gibt es den D-Day, ein zentrales «Fest» für alle 6 Standorte. Wenn dann über 60 Leute zusammenkommen, wird es Christin und Otto Gmeiner bewusst, was sich in den Jahren aus ihrer spontanen Idee mit dem eigenen Atelier in ihrer kleinen Wohnung entwickeln konnte. Das Erfolgsrezept? «Vielleicht sind wir durch unsere Unbefangenheit und durch den speziellen Standort in der Grenzregion einfach andere Wege gegangen und haben unseren Wirkungskreis logischerweise über die nahen Landesgrenzen mit weiteren Agenturstandorten ausgedehnt. Wir hören gut auf unsere Kunden und setzen Bedürfnisse, die wir zu erkennen glauben, schnell und unkompliziert um. Wir machen die Dinge so, wie wir glauben, sie müssten sein, ohne uns vom Mitbewerber-Umfeld beeinflussen zu lassen.»
Und die Zukunft? Dachcom Digital soll noch in diesem Jahr weiterausgebaut werden. Für die anderen Standorte ist kontinuierliches Weiterwachsen angesagt. Wobei es hier neben den unternehmerischen auch noch zwei leibliche Töchter gibt. Diese arbeiten inzwischen auch im Familienunter¬nehmen. ¬Myriam als Kommunikationsplanerin, -Simone als Grafikerin. Andreas Panzeri
Dachcom – das Team
«Wichtig ist für uns das ganze Team und das Zusammenspiel der einzelnen Talente miteinander. Daneben tragen die leitenden Personen natürlich die Verantwortung. Die Standortleiter sind Jürgen Paudert, Lindau (D); Röne Bertschi, Winterthur; Christoph Mähr, Schaan (FL); Markus Scheffknecht, Digital, sowie Christin und Otto Gmeiner, Rheineck. Der Bereich U-Entwicklung liegt in der Verantwortung von Hans Peter Kammermann. Als CDs zeichnen Heinrich Gmeiner und Bernd Leisner verantwortlich. Die Beratungsgruppen werden durch Röne Frommelt und Didier Graf geleitet. Die Kreationsgruppen in Rheineck durch Hubert Stemer und Martin Küng. Im Bereich Dachcom Digital ist Thomas Kessler CD und Manuel Schmidhauser Leiter Projekte.»
Kernkompetenzen
Dachcom entwickelt integrierte Kommunikationslösungen für Kunden aus den D_A_CH-Ländern. Dazu gehören Analysen, Positionierungen und die Entwicklung von Markenwelten, die Entwicklung von Kommunikationskonzepten, Kommunikationsdesign, CI-CD-Konzeptionen, Editorial und Text, Projektabwicklung und Gesamtrealisation, Web-Marketing, Web-Screendesign, Web-GUI-Oberflächen, technische Umsetzung von webbasierenden Funktionalitäten (CMS, PIM, MAM).