Die Einhaltung der Konzession sei bei rund acht Prozent der untersuchten Online-Angebote der SRG fraglich. Dies teilte das Bundesamt für Kommunikation Bakom am Dienstag mit. Es hatte die Studie «SRG Online Beobachtung» zum zweiten Mal in Auftrag gegeben. Im Vergleich zum Vorjahr nahmen die Beiträge in der Grauzone um rund 1 Prozent ab. Gemäss Konzessionsvorgaben hat das Online-Angebot der SRG die Funktion, das Fernseh- und Radioangebot zu ergänzen und zu vertiefen. Wenn die Online- Angebote keinen direkten Bezug zu einer Sendung im Radio oder Fernsehen haben, so erfüllen sie die Bedingungen der Konzession nicht.
Insgesamt ordneten die Wissenschaftler 168 Fälle einer Grauzone zu, wie sie schreiben. Darunter waren redaktionelle Inhalte, interaktive Angebote, Werbung, Eigenwerbung und Unternehmensinformation. Auf der Internetseite von SF stammten die Beiträge vor allem aus den Rubriken Sport, Unterhaltung und SF Meteo; bei Radio DRS aus den Nachrichten. Die People-Sendung glanz & gloria stelle zum Beispiel im Internet eine Prominenten-Datenbank zur Verfügung, die keinen direkten Bezug zu einer Sendung habe, stellten die Forscher fest. Ebenfalls in einer Grauzone bewegten sich Resultattabellen von Sportarten, über die nicht zeitnah im Rundfunk berichtet worden sei.
Bei den interaktiven Angeboten auf den SRG-Webseiten bemängelten die Studienautoren verschiedene Blogs – etwa Beiträge auf dem Aeschbacher-Blog oder den kulturplatz-Blog. Der Anteil unklarer Fälle liege im Bereich nutzergenerierter Inhalte deutlich höher als in den anderen Kategorien. Für mehr als 85 Prozent aller geprüften nutzergenerierten Inhalte sei kein Sendungsbezug ersichtlich, heisst es in der Studie. Auf den Internetseiten der SRG würden auch Artikel verkauft, die keinen direkt ersichtlichen Bezug zu einer Sendung haben. Etwa im Radiokiosk von DRS rechnen die Autoren 9 von 10 Produkten – CDs und Bücher – der Grauzone zu.
Das Bakom ist trotz der festgestellten Mängel zufrieden mit den Studienergebnissen, wie Jost Aregger, Forschungsverantwortlicher beim Bakom, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte. Die SRG sei auf einem guten Weg. Das Verbesserungspotenzial sollte aber genutzt werden, hielt er fest. Das Bakom suche deshalb das Gespräch mit der SRG. Politische Auswirkungen verfolge die Studie nicht.
Bei der SRG nimmt man zur Kenntnis, dass diese Grauzonenfälle vor allem in den Bereichen Interaktivität und Verkauf/Shop befinden. Dies teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Die Studie bestätige, dass sich die SRG an die Spielregeln halte. Kein einziges Angebot sei jenseits des erlaubten Perimeters identifiziert worden, schreibt die SRG.
Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbandes Schweizer Medien ist da anderer Meinung. Die SRG habe die Grenze überschritten. Sie sei dabei, Online zu einem eigenen Medium zu machen, sagte er auf Anfrage der SDA. Als aktuelles Beispiel für die Grenzüberschreitung nannte er die Live-Ticker zu den Ereignissen in Lybien. Das sei die Sache der privaten Medien, hielt er fest. Die Verleger hätten bereits Gespräche mit der SRG aufgenommen, sagte Lebrument.“Ende März werde man sich öffentlich zu dem Thema äussern, kündigte er an.
Die Studie «SRG Online Beobachtung 2010» ist Teil eines Forschungspakets zur Beobachtung der Programmqualität von Radio und Fernsehen. Unter der Leitung von Michael Latzer untersuchten Forscher des Instituts für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich das Online- Angebot von Schweizer Fernsehen SF, Schweizer Radio DRS, dem Westschweizer Radio und Fernsehen RSR und TSR sowie dem Tessiner Radio und Fernsehen RSI. Die Studie kostete 78'600 Franken.