Die nationale Leserschaftsstudie Media- Analyse Schweiz (MACH), die die WEMF aktuell für schweizweit rund 350 Printtitel durchführt, stösst an ihre Grenzen. Denn es ist immer aufwändiger, jährlich 23 500 repräsentative Personen zu finden, die zu einem 35-minütigen Telefoninterview bereit sind. Kommt dazu, dass ca. 20 Prozent der Haushalte gar nicht mehr erreicht werden können, weil sie entweder ihre Festnetznummer nicht in offizielle Telefonverzeichnisse eintragen lassen oder nur noch über Handy erreichbar sind. dern auch wissen, wer gleichzeitig oder separat die entsprechenden Titel-Websites und mobilen Applikationen.
Aber auch die Anforderungen an die Leserschaftsstudie sind gestiegen. Im Zeitalter von iPad & Co wollen die Verleger natürlich nicht nur die Reichweiten ihrer Printtitel kennen, son nutzt. Kurz: Gefragt sind die Kontaktwerte von Medienmarken.
Aus diesen Gründen arbeitet die WEMF schon seit 2008 an einer neuen Studie. Unterdessen steht das neue Forschungssystem praktisch fest. Dabei behält man Bewährtes bei: So wird man die Telefoninterviews wie bisher das ganze Jahr hindurch durchführen (CATI-Methode). Auch wird weiterhin gefragt, wann die einzelnen Titel letztmals gelesen wurden (bei Tageszeitungen etwa «gestern gelesen?»). Die MACH 3 bleibt also dem MACH 3 im 1:1-Test Die MACH 3, das neue Forschungssystem der WEMF für die Erhebung der Printreichweiten, ist so angelegt, dass sie als Teil einer künftigen «Intermediastudie Schweiz» dienen kann. Derzeit durchläuft sie in den Kantonen Zürich und Waadt noch einen 1:1-Test. Klappt alles, startet 2012 die Vollerhebung der MACH 3 Basic. LpA-Ansatz (Leser pro Ausgabe) treu. «Der LpA-Wert ist nach wie vor der Weltstandard und somit absolut State of the art», sagt WEMF-Forschungsleiter Harald Amschler.
Ändern wird sich aber die Stichprobengrösse: Aus Kostengründen werden künftig nur noch 18 000 Personen befragt. Und ihre Rekrutierung erfolgt neu mittels eines mehrstufigen Verfahrens («zweiteiliges CATI mit RDD»): Statt wie heute die Telefonnummer computerunterstützt zufällig aus Verzeichnissen zu ziehen, lässt man bei der MACH 3 die Nummern von einem Zufallsgenerator (RDD) zusammenstellen und anwählen. Ist die Nummer in Betrieb, kann die entsprechende Person zur Studienteilnahme eingeladen werden. So lassen sich auch Personen kontaktieren, die nur mobil erreichbar sind oder auf einen Eintrag im Telefonbuch verzichten.
Ist die erreichte Person zu einem MACH- 3-Interview bereit, fragt man sie nach ihren Grunddaten (Alter, Geschlecht, Wohnort). Dann stellt man ihr neu entweder ein telefonisches Hauptinterview oder eine Online- Befragung zur Auswahl. Entscheidet sie sich für Ersteres, wird ein Termin vereinbart. Zudem erhält die Person per Post ein Heft, in dem die zur Befragung anstehenden Titel- Logos abgebildet sind. Das Interview wird dann mit Hilfe dieses Heftes durchgeführt, um Titel-Verwechslungen (etwa bei NZZ und NZZ am Sonntag) zu vermeiden. Auch das ist neu, bisher fanden die Interviews ohne visuelle Unterstützung statt.
Zieht die angefragte Person hingegen eine Online-Befragung vor, erhält sie per e-Mail einen entsprechenden Link. Auch hier erfolgt die Abfrage mit Titel-Logos, der Proband füllt sie aber selbständig aus. In beiden Fällen erhalten die Interviewpartner übrigens einen Zehn-Franken-Gutschein fürs Mitmachen, eine weitere Neuerung zur Optimierung der Ausschöpfung.
Da die MACH 3 nicht mehr nur die Reichweiten der Printtitel erheben, sondern auch Angaben zur Nutzung der entsprechenden Websites und Apps machen soll, wird die Abfrageliste auch mit deren Logos oder Screenshots ergänzt. Zu diesem Intermedia-Teil hat die WEMF übrigens mit der Firma Net Metrix, die die Online-Reichweiten erhebt, ein gemeinsames Pilotprojekt durchgeführt, dessen Resultate bereits vorliegen (siehe untenstehender Artikel).
Alle diese Neuerungen wurden ausgetestet und vom Verband Schweizer Medien sowie vom WEMF-Verwaltungsrat für gut befunden. Noch nicht definitiv ist einzig, ob die MACH-3-Daten tatsächlich telefonisch und online erhoben werden. Derzeit läuft dazu in den Kantonen Zürich (WG 43) und Waadt (WG 12) ein 1:1-Test der MACH 3-Basic – parallel zur heutigen Erhebungsart. Seine Resultate werden Ende April vorliegen. Er soll darüber Aufschluss geben, ob die Online- Erhebung die Qualität der telefonischen Befragung erreichen kann und die Erhebung mit zwei parallelen Methoden in der Praxis umsetzbar ist. Erst danach wird entschieden. Der Test wird weiter aufzeigen, wie stark die Ergebnisse von jenen der heutigen Erhebungsart abweichen.
Doch so viel ist schon jetzt klar: Obwohl die MACH 3 den LpA-Wert beibehält, werden die Resultate nicht vergleichbar sein. Fest steht auch: Die MACH 3 wird rund 20 Prozent teurer.
Die Verlage müssen sich nun bis Mitte Jahr entscheiden, ob sie an der ersten MACH-3-Basic-Vollerhebung teilnehmen wollen. Diese soll im April 2012 beginnen und wird von den Instituten Link und Demoscope durchgeführt. Die heutige Erhebungsart wird per März 2012 gestoppt. «Wir sind auf gutem Weg. Die Finanzierung der MACH 3 dürfte zustande kommen», sagt WEMFGeschäftsführer Marco Bernasconi. «Denn die Verleger begrüssen es, dass das MACH- 3-Forschungssystem auch Teil einer übergeordneten ‚Intermediaforschung Schweiz’ sein kann.»
Markus Knöpfli