Energiedusche am Expertenseminar
Von künftigen Marketingfachleuten wird viel erwartet. Da ist es nur richtig, wenn sich auch die Experten ständig auf den neusten Stand bringen. Gegen 70 Marketingfachleute-Experten des Fachs «Präsentations- und Kommunikationstechniken» besuchten ein Auftrittskompetenz-Expertenseminar. Referentin Brigitt Walser verblüffte, vermittelte – und lebte das Thema selber begeisternd vor.
Wer von der Referentin Antworten erwartet hatte, musste gleich zu Beginn umlernen. Denn Brigitt Walser, Business-Coach und TV-Moderatoren-Trainerin, hatte zuerst einmal einen Strauss von Fragen ans Publikum: «Was denken Sie, ist meine Ausbildung? Was ist wohl mein Lieblingssport? Bin ich single, geschieden oder verheiratet? Mit einem Mann oder einer Frau?» Dass Walser zu Beginn ein ungewöhnliches Interrogativ in den Mittelpunkt rückte, ergab durchaus Sinn: «Jedermann macht sich blitzschnell ein Bild von seinem Gegenüber oder von einem Botschafter», erklärte die Kommunikationstrainerin, «und nur wenn Botschafter und Botschaft zusammenpassen, entsteht Kongruenz. Alles andere irritiert.»
Schlüsselwerte Authentizität
Ebenso blitzschnell, wie wir uns vom neuen Gegenüber ein Bild machen, hatte Walser das Thema lanciert. Ein Thema, sagte Peter Gilli, dem allerhöchste Relevanz gebührt: «Auftrittskompetenz und die damit verbundene Authentizität – das sind Schlüs¬selwerte bei jeder Präsentation. Was nützt schon eine Hochglanz-Präsentation, wenn sie wenig glaubhaft und ohne Energie vorgetragen wird?» Für die Marketingfachleute-Prüfer des Fachs «Präsentations- und Kommunikationstechniken» also eine Sache mit Vorrang. Gegen 70 Experten waren gekommen, um sich einen Update auf diesem Sektor verpassen zu lassen.
Nachdem Walser die von ihr aufgegebenen Rätsel aufgelöst hatte – sie war 15 Jahre lang Schauspielerin, mag Yoga und Biken und ist verheiratet (mit einem Mann) – wandte sie sich dem Thema Energie zu. Und hob zuvor noch ein Manko in Corporate Switzerland hervor: In den Firmen in unseren Breitengraden habe man in den letzten Jahren wohl gewaltige Fortschritte gemacht in den Sektoren Technik und Struktur, dabei aber den Menschen – das schwächste Glied der Kette – eher vergessen. Wenn eine Walser das Thema «Energie» behandelt, geschieht das nicht in passiver Weise. Kaum ein Moment, in dem nicht sie selber auf einem Stuhl stand oder die Besucher selber aktiv werden mussten. Brigitt Walser – ein Red Bull_Energiebündel auf zwei Beinen. Mit ersten Übungen wurde der Energiepegel im Raum schon einmal merklich erhöht. Etwa, als man sich paarweise zuerst genau studieren musste, sich danach den Rücken kehrte, drei Dinge an sich selber veränderte und dann das Gegenüber aufforderte, nach den Veränderungen zu suchen. Der Effekt: Wer sich beim Bemustern auf alle Details konzentrierte, konnte danach oft grössere Veränderun¬gen nicht mehr benennen.
Das innere Smile aktivieren
Mit den anwesenden Experten hatte Brigitt Walser ein leichtes Spiel. Statt Skepsis gegenüber der manchmal ungewöhnlichen Methoden der Kommunikations-Fachfrau aufzubringen, machten die sechs Dutzend Anwesenden beherzt mit und liessen sich die Chance nicht entgehen, zu neuen Insights zu kommen. Walsers Botschaft war derjenigen des Stimmtrainers nicht unähnlich, der letztes Jahr ein Seminar für die Marketingfachleute-Prüfer abhielt. Die Botschaft selber ist ein Teil, wie sie stimmlich überbracht wird, ist aber genau so wichtig – das war Michael Berndonners Message 2010. Brigitt Walser knüpfte 2011 an: Der Inhalt der Botschaft ist eine Sache – aber das Wesen des Überbringers, dessen Energie, Engagement und Emotion – die viel wichtigere. «The messenger is the message» – diesen Merksatz nahm bestimmt jede und jeder mit nach Hause aus. «90 Prozent der Kommunikation zwischen Menschen passiert rein auf der Energie-Ebene», rief Walser den Anwesenden in Erinnerung.
Aber woher nimmt man die Energie, die es braucht, um überzeugend und begeisternd zu kommunizieren? Wie schafft man es trotz den vielen kleinen Ärgerquellen eines Arbeitstages, sein inneres Smile verlässlich und erfolgreich aufglimmen zu lassen? Einerseits durch eine ganze Reihe von körperlichen Übungen, andererseits aber auch dadurch, das man sich selber kennt und gut einschätzen kann. Man kann sich etwa in eine positive Gedan¬kenwelt versetzen, indem man an seine letzte Ferien denkt. Oder sich ausmalt, wie man sich nach der Präsentation belohnen wird. Oder indem man vor seinem Auftritt Musik hört, die einem beflügelt. Was Brigitt Walser ebenfalls wichtig war: Die stille Macht der Komplimente. In der Wirtschaftswelt gehe man viel zu oft davon aus, dass keine Nachricht eine gute Nachricht sei. Wird aber mal ein ehrlich gemeintes und präzis formuliertes Kompliment überbracht, «dann ist das ein Tür- und Herzensöffner». Selbstredend wurde auch das gleich geübt im Saal, der sich mit jeder Minute mehr der Aussentem-peratur von gefühlten 24 Grad annäherte.
Persönliche Peak-Performance abrufen
Was aber, wenn zu gewissen Zeiten die Energie nie so will, wie der Kopf gern möchte? Dafür kann es lohnenswert sein, seinen eigenen Energie-Rhythmus besser kennen zu lernen. Die Prüfer, für einmal Probanden ihrer selbst, füllten Energie-Charts für sich selber aus. Und erkannten: kaum jemand hat die gleiche Energie-Kurve wie sein Gegenüber. Wie geht man um damit? Indem man sich selber besser kennen lernt und eher monotone Arbeiten wie etwa das Checken von Mails in jene Tagesphasen legt, die energetisch unterdurchschnittlich aufgeladen sind. Kreativ-konzeptionelle Tätigkeiten wären demnach in Phasen hoher Energie zu verlegen. «Energiekompetenz heisst auch», sagte Walser, «seinen Arbeitstag trotz persönlicher Energieschwankungen gut überstehen zu können.» Dazu gehöre auch, einmal kurz die Augen zu schliessen, weil heute der allergrösste Teil der Arbeit auf dem visuellen Kanal laufe und es Sinn machen könne, zwischendurch auch seine anderen Sinne zu aktivieren.
Fazit der Walserschen Energie-Dusche: Vielmals geht man zu unbewusst in eine Präsentation. Es gilt, die emotionale Stimmigkeit im Auge zu behalten – und sich darauf vorzubereiten. Wer etwa mit einem Speech motivieren will, der soll auch Motivation ausstrahlen. Wer heikle Botschaften zu übermitteln hat, muss glaubwürdig rüberkommen. Der interak-tiv gestaltete Workshop machte klar, wie man durch ganzheitliche Vorbereitung zur persönlichen Peak-Performance, zur Hochform auflaufen kann, wie man das erreichen kann, was in Sportlerkreisen so oft erwähnt wird: Seine Bestleistung abrufen.
Direkte Anwendbarkeit
Den Fachexperten, die ganz gewiss alle schon jede Menge Präsentationen erlebt haben, wurde ein gehöriger Energy-Splash verabreicht. Was ganz im Sinne von Peter Gilli war. Der verantwortliche Fachvorstand des Marketingfachleute-Prüfungsfachs «Präsentations- und Kommunikationstechniken» zeigte sich zufrieden über die bewegungsaktive, in-formative und manchmal auch etwas unorthodoxe Art und Weise, mit welcher Referentin Brigitt Walser ihre Message verbreitete. Der energetische Anlass, der alles andere als ein «Wiederholungskurs» sondern vielmehr ein Seminar mit erfrischendem und auffrischendem Charakter war, passt in Gilli's Linie und die Art, wie er die Berufsprüfung für Marketingfachleute mit eidg. Fachausweis und deren Prüfungs-Profis sieht: «Es ist wichtig, dass sich die Experten – genauso wie die Kandidaten – intensiv auf diese eidg. Berufsprüfung vorbereiten, welche durch Swiss Marketing (SMC) unter der Aufsicht des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie BBT durchgeführt wird. Heute konnten sich die Ex-perten einmal mehr professionell auf die gewünschte Flughöhe bringen, haben Neues gelernt und wichtige Insights erhalten, die an den Prüfungen direkt anwendbar sind. Genau so soll es sein.»
Bevor der Seminarraum zu dampfen begann, begab man sich ins Freie. Dort wartete ein Apéro, der zum Genuss und zum Networking befeuerte. Für einmal hatten wohl alle Höchstwerte erreicht auf der persönlichen Energiekurve an jenem lehrreichen Tag.

Auf gute Zusammenarbeit: Peter Gilli, verantwortlicher
Fachvorstand des Marketingfachleute-Prüfungsfachs
Präsentations- und Kommunikationstechniken mit Referentin
Brigitt Walser.





