Im Jahr 2010 hat sie nun die letzte Rate in der Höhe von rund 1,5 Millionen Franken an die SRG zurück bezahlt. «Heute ist die Mediapulse-Gruppe schuldenfrei», konnte deshalb CEO Manuel Dähler an der Mediapulse-Jahrespressekonferenz verkünden.
Klumpenrisiko mit 4 Grosskunden
Die Rückzahlung war von Beginn weg von Mediapulse forciert worden, um die Abhängigkeit vom früheren Mutterhaus möglichst rasch zu mindern. Denn auch ohne Darlehen ist Mediapulse stark auf die SRG angewiesen, sind doch die SRG und ihre Vermarktungstochter Publisuisse die beiden grössten Datenkunden. Der drittgrösste Datenbezüger ist Goldbach Media, und mit einigem Abstand folgt dann Tamedia (Belcom). Diese vier Unternehmen tragen 80 Prozent zum gesamten Kundenumsatz von Mediapulse bei, sagte Marketingleiter Gregor J. Eschle.
Im Geschäftsjahr 2010 erwirtschaftete die Berner Forschungsgruppe einen Ertrag von 18,9 Millionen Franken, fast eine Million Franken oder 4,4 Prozent weniger als im 2009. Der Hauptgrund für den Rückgang: Jährlich kann die Stiftung beim Bund etwa 2 Millionen Franken für Investitionen in ihre Panel beantragen, 2010 bezog Mediapulse aber wesentlich weniger Bundesbeiträge als im Jahr zuvor. Die Beiträge, die die Stiftung nicht ausschöpfte (bisher insgesamt etwa 1,7 Millionen Franken), verfallen jedoch nicht, sie können für grössere Investitionen zu einem späteren Zeitpunkt bezogen werden.
Für Panel-Investitionen gut aufgestellt
Das dürfte schon nächstes Jahr der Fall sein. Denn per 1.1.2013 will Mediapulse sein TV-Panel namens Telecontrol, das schweizweit 1918 Haushalte unter Messung hat, erneuern. «Für diese anstehende Investitionen sind wir gut gerüstet», sagte Dähler mit Blick auf die Zahlen. Für die Panelerneuerung rechnet er mit einem hohen einstelligen Millionenbetrag. Derzeit läuft gerade die Evaluation unter drei Systemanbietern (siehe Meldung «Mediapulse: Fernsehen und Radio werden mobil»). Der Grund für die Erneuerung: Das aktuelle TV-Panel kann zeitversetztes Fernsehen nicht messen, ebenso wenig Web-TV (Live-Streaming etwa via Zattoo oder Wilmaa). Das Telecontrol-System kann somit etwa 8 Prozent der heutigen TV-Nutzung nicht erheben, schätzt Dähler. Diese Lücke will man mit dem neuen Panel schliessen.
Web-Radio-Nutzung ab 1. Juli 2012 unter Messung
Ähnliche Probleme kennt auch das Radio-Panel, das aktuell ebenfalls eine Messlücke von etwa 8 Prozent aufweist. Davon entfallen 2 Prozent auf zeitversetztes Radiohören und 6 Prozent auf Live-Streaming via Internet. Vom Streaminganteil machen allerdings Web-Sender aus dem Ausland etwa ein Drittel aus, meint Dähler. Zumindest das Radio-Live-Streaming will Mediapulse aber ab Mitte 2012 in den Griff bekommen ? mit einer Anpassung beim Messgerät Mediawatch, eine Armbanduhr, die wöchentlich von 1012 Personen getragen wird. Dieses System kann derzeit nur Sender messen, deren akustisches Signal mit höchstens 3 Sekunden Verzögerung beim Empfänger ankommt (via UKW, Kabel, Satellit, DAB und DAB+). Live-Streaming erfolgt aber mit längeren und vor allem schwankende Verzögerungen. Darum wird das Mediawatch-System nun so umgestellt, dass es auch noch Empfangsverzögerungen von 60 Sekunden erfassen und richtig zuordnen kann. Das Radio-Live-Streaming sollte dann also in den Messdaten für das zweite Semester 2012 enthalten sein. Sie werden Mitte Januar 2013 publiziert. (Markus Knöpfli)
Mediapulse: Fernsehen und Radio werden mobil