«Leise war gestern»

Die Eventagentur.ch feierte im Razzia das fünfjährige Bestehen und gleichzeitig den Start als umfassende Kommunikationsagentur unter dem neuen Namen Quade & Zurfluh.

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WW: Wieso ein neuer Name für die allseits bekannte Eventagentur.ch?
Elmar Schäfer: Im Lauf der Jahre wird man erwachsener, man reift mit den Projekten. Wir sind schon lange keine reine Eventagentur mehr, sondern eine Boutique-Agentur im Bereich Kommunikation. Damit das auch für Neukunden sichtbar wird, befreien wir uns im Branding von der Schublade «Event». Wir realisierten bereits einige Projekte mit klassischer Werbung basierend auf einer Idee. Der Event war immerzu nur die letzte Konsequenz. Wir haben immer nach neuen Wegen gesucht. Was wir jetzt umsetzen, ist eine logische Weiterentwicklung.

Eine Reaktion auf neue Trends?
Alle reden von Medienkonvergenz. Neue Technologien, neue Medien und neue Ideen verlangen immer mehr crossmediale Ansätze. Da ist eine Entwicklung im Gange. Das spüren nicht nur wir, sondern die ganze Branche. Es ändert sich etwas: Wo setzt man den Fokus an?

Kann das an konkreten Aufgaben aus Ihrem Portfolio gezeigt werden?
Für die in Zürich ansässige Jacobs-Foundation, eine Stiftung im Bereich der Kinder- und Jugendförderung, organisieren wir nicht nur das Szenische der Preisverleihung, sondern auch die Aussenwirkung rund um diesen sehr hochrangigen Preis von 1,2 Millionen Franken. Für Swisscom arbeiten wir regelmässig im Bereich Livekommunikation und betreuen unter anderem auch das Projekt «Jeder Rappen zählt». Da organisieren wir nicht nur den Sponsoring-Auftritt vor Ort, sondern lassen unsere Ideen auch in die Kampagne mit PR und Werbung einfliessen. Ebenfalls wurde die Ausstellung «Körperwelten » von uns umfassend mit allen kommunikativen Aufgaben betreut. Mit all diesen Aufträgen sind wir gereift. Wir wissen, wie klassische Werbung funktioniert, kennen die Mechanismen von PR und fühlen uns auch im Online Bereich zuhause. Deshalb positionieren wir uns jetzt neu.

Werden Sie damit zu Konkurrenten der klassischen Agenturen, für welche sie bisher die Events betreuen durften?
Überhaupt nicht. Bei grossen Projekten zählt nur die Erfahrung und dann reduziert sich das schnell auf ein paar Namen. Deshalb wird man weiterhin für Events mit uns zusammenarbeiten. Umgekehrt nehmen wir diesen führenden Agenturen keine grossen klassischen Kampagnen weg. Zu uns kommt man, wenn ein Kunde aus einer Idee heraus etwas kommunizieren will und dabei vielleicht noch gar nicht weiss, über welche Kanäle er diese Kampagne fahren will.

Wie gross ist Quade & Zurfluh?
Wir sind acht Mitarbeitende. Die meisten davon im Bereich Beratung und Projektleitung. Für die Grafik arbeiten wir je nach dem verlangten Stil schon lange mit einem externen Pool zusammen. Das gilt auch für andere Spezialisierungen. Das Wissen zur Beratung ist aber in allen Disziplinen inhouse vorhanden. Und wir sind auch überzeugt, dass wir noch in diesem Jahr wachsen können. Wir sind schon länger beim Pitchen aktiv und haben bereits mehrmals auch gegen klassische Agenturen gewonnen.

Woher kommt eigentlich der neue Name?
Schäfer & Hediger wäre kein Bekenntnis zu etwas Neuem gewesen. Unter diesen Namen sind wir bei unseren Kunden schon lange bekannt. Einen Fantasienamen wollten wir nicht. Quade & Zurfluh sind die Mädchennamen unserer Mütter. Die bisherige Bezeichnung Eventagentur.ch werden wir im Untertitel beibehalten. Aber wir arbeiten für umfassende Kommunikationsprojekte unter Quade & Zurfluh.

Sie haben die neue Entwicklung mit dem Slogan «Leise war gestern» gefeiert. Was heisst das?
In den letzten Jahren ist die ganze Branche durch turbulente Zeiten gegangen. Jetzt geht es den meisten wieder besser. «Leise war gestern» ist jedenfalls ein Motto, das wir bei unseren Aufträgen täglich mehr zu hören bekommen. Bei unserer Jubiläumsparty zusammen mit dem PUNKTmagazin haben wir dies im Seefeld-Razzia zelebriert. Vom Razzia, wo wir jetzt zwei Jahre lang Kultur präsentiert haben, müssen wir uns zwar verabschieden, da die Location nun definitiv zu einem Restaurant umgebaut wird. Trotzdem wollten wir feiern, denn wir sind überzeugt, dass es weiterhin aufwärts geht, obwohl wir alle wildere Jahre kennen. Wir müssen jetzt den richtigen Stil für die Zukunft finden. Im Razzia haben wir uns dazu für Champagner mit Bratwurst entschlossen.

Interview: Andreas Panzeri
 

SRG: Präsident Münch tritt Ende 2011 zurück

Auf Ende des Jahres 2011 tritt der 68-jährige SRG-Präsident Jean-Bernard Münch zurück. Auch die Verwaltungsrätin Elisabeth Veya stellt ihr Amt nach der maximal möglichen Amtszeit von zwölf Jahren zur Verfügung.

Jean Bernard Münsch war gut neun Jahren Präsident der SRG. Dies teilte die SRG am Donnerstag mit. Ende 2011 läuft auch die vierjährige Amtszeit des SRG-Verwaltungsrates ab. Die Erneuerungswahlen für die Periode 2012 bis 2015 finden an einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung im Herbst statt. Von den total neun Mitgliedern des Verwaltungsrats sind drei Personen zu wählen, darunter die Präsidentin beziehungsweise der Präsident. Zur Wiederwahl stellt sich Lucy Küng.

Die Präsidenten der vier SRG-Regionalgesellschaften sind von Amtes wegen Verwaltungsratsmitglieder. Die Präsidenten sind für die rätoromanische Schweiz Duri Bezzola, für die italienischsprachige Schweiz Claudio Generali, für die Romandie Jean-François Roth und für die Deutschschweiz Viktor Baumeler.

Zwei Mitglieder des SRG-Verwaltungsrates werden vom Bundesrat bestimmt. Zur Zeit sind dies Hans Lauri und Ulrich Gygi.
 

Komet: Coiff Your Success

Unter dem Motto «Better together» hat die Agentur Komet eine neue Kampagne für den Berner Haardesigners Coiff your Success gestaltet. Diese wurde interaktiv aufgezogen als öffentlicher Castingaufruf für die künftigen Models des angesagten Coiffeurs.

Der Aufruf wurde mit allem hinterlegt, was dazugehört: Casting, Modelauswahl, Shooting und natürlich einer Fashionparty. Mit Dan Cermak, Joëlle Lehmann, Luca Christen und Tabea Reusser waren gleich vier namhafte Fotografen für die Bilder am Werk. Die ersten Sujets sind ab sofort zu sehen, ein eigenes Magazin zur Kampagne folgt in Kürze.

Verantwortlich bei Coiff your Success: Pino Zinna (Inhaber). Verantwortlich bei Komet: Thom Pfister (CD), Kasper Kobel (AD), Tamara Janes, Natalia Funariu (Grafik), Isabella Jungo, Antonia Bekiaris (Text), Simon Schatzmann (Leiter Beratung), Emma Isolini (Beratung).
 

Spinas Civil Voices: Viktor Giacobbo für 35 Jahre in Haft

«Viktor Giacobbo wegen Witz über Bundesrat zu 35 Jahren Haft verurteilt.» Mit dieser Meldung via Twitter startete am vorletzten Sonntag Abend, exakt nach der Sendung Giacobbo/Müller, die Social Media Kampagne für Amnesty International zum 50 Jahre Jubiläum.

Am nächsten Morgen verbreitete sich die Nachricht im Eiltempo via Twitter und Facebook. Zusätzlich wurde die Kampagne durch einen Plakataushang unterstützt. Den Hintergrund der Meldung erfährt man auf der Website Free-giacobbo.ch. Nicht Giacobbo, sondern sein burmesischer Berufskollege Zarganar sitzt für Jahrzehnte hinter Gittern, weil er Witze über seine Regierung gemacht hatte. Die Kampagnen-Website ruft zum Unterzeichnen der Petition für die Freilassung des burmesischen Komikers auf.

Bereits am Montag Mittag berichten zahlreiche Bloggs und Newsportale wie 20 Minuten, Blick, Tagesanzeiger Newsnetz und SI online über die Aktion. Alle 6 Sekunden zählt die Website eine neue Petitions-Unterschrift, alle 20 Sekunden gibt es einen neuen Post auf Facebook. Der Viral-Spot ist in der Schweiz das am häufigsten gesehene Video auf Youtube, so eine Mitteilung der Agentur.

Das Ziel der Kampagne ist es zum einen, die Verletzung von Menschenrechten in der Schweiz spürbar zu machen. Zum anderen sollen 10’000 Online-Unterschriften für die Petition zur Freilassung des burmesischen Komikers Zarganar gesammelt werden. Bereits nach der ersten Woche waren 80'000 Besucher auf der Website – 50 Prozent davon kamen über Facebook oder Twitter. Über 4'000 neue Facebooks Fans kamen zusammen – und über 20'000 Unterschriften. Ein schöner Erfolg, der hoffentlich zur Freilassung Zarganars führt.

Verantwortlich bei Amnesty International: Paul Tschurtschenthaler (Leiter Marketing & Fundraising), Kevin Luximon (Fundraising/Marketing). Verantwortlich bei Spinas Civil Voices: Lorenz Spinas (CD), Miriam Fischer (Konzept/AD), Susi Kammergruber (Konzept/Text), Corinne Bucher (Beratung), Christoph Schott (Beratung New Media), Alexander Meier, meierproduction (Regie und Produktion).
 

SFLB: Für Schweiz Tourismus zu Urlaub in der Schweiz motiviert

Der bevorstehende Sommer bringt dem Schweizer Tourismus nicht nur warme Tage, der starke Schweizer Franken und die ungünstige Wirtschaftslage in einigen europäischen Ländern bremsen die Reiselust. Um dem entgegenzuwirken, hat die Agentur SFLB nun für Schweiz Tourismus die Schweizerinnen und Schweizer zu mehr Ausflügen im eigenen Land motiviert.

Eigens dazu ist eine Broschüre mit den Top 100 Erlebnissen in Grossauflage erschienen, die unter anderem in allen UBS-Geschäftsstellen, Coop-Filialen und SBB-Bahnhöfen aufliegt. Lust auf Ferien im eigenen Land soll auch die aktuelle Printkampagne von Schweiz Tourismus machen. Die Anzeigen zeigen spektakuläre Naturbilder aus verschiedenen Schweizer Regionen. Verschiedene Textelemente zeigen zudem, dass man dort eben nicht nur Berge, Wiesen und Seen entdecken kann, sondern auch sich selbst: Seine Sinne, seinen Mut, seinen Willen, seine innere Ruhe..

Die «Entdecke deine Werte»-Anzeigen sind zur Zeit doppelseitig in den Sonntagszeitungen zu sehen.

Verantwortlich bei Schweiz Tourismus: Jürg Schmid (Gesamtverantwortung), Nicole Diermeier (Leiterin Produktmarketing Leisure). Verantwortlich bei Spillmann/Felser/Leo Burnett: Peter Brönnimann, Martin Spillmann (CD) Dana Wirz, Simon Staub (AD) Simon Smit (Text), Heike Rindfleisch, Rolf Zimmermann (Beratung).
 

Quiz von WWF und Migros

Die «Nanomania» war ein Mega-Erfolg. Jetzt will die Migros noch einmal auf die Wechselkäufer zielen mit einer neuen «Quizmania». Das pädagogisch wertvolle Spiel ist von Wirz entwickelt worden.

Das Quizfieber ist ausgebrochen. Zum 50-Jahr-Jubiläum des WWF hat die Migros zusammen mit der Umweltorganisation eine Spezialausgabe von Trivial Pursuit entwickelt. Aus dem Hause Wirz stammen die Gestaltung des Spiels sowie sämtliche Kommunikationsmassnahmen rund um die Quizmania, wie CD Philipp Skrabal und Hanspeter Schweizer mitteilen. Als AD zeichnete Barbara Hartmann verantwortlich. Für nachhaltigen Spielspass und die Erweiterung des Wissenshorizonts innerhalb der Familie ist gesorgt. Bei jedem normalen Einkauf von 20 Franken erhalten Migros- Kundinnen und Kunden bis zum 20. Juni ein Päckchen mit fünf Quizkarten, auf denen jeweils sechs spannende Fragen und Antworten zu den Kategorien «Wald und Wiese», «Gebirge», «Klima», «Meer», «Ernährung» und «Mensch» zu finden sind. Insgesamt besteht das Spiel aus 200 Karten. Davon sind 100 in ihrem Schwierigkeitsgrad auf Kinder ausgerichtet, 100 auf Erwachsene. Das Kompaktspiel mit Spielbrett, Spielfiguren, Würfel und einem Starterset von 20 Quizkarten steht in den Migros-Filialen für 9.80 Franken zum Verkauf. Für jedes verkaufte Spiel fliesst ein Franken in den WWF-Klimafonds. Auf www.quizmania.ch kann auch online und mit der Quizmania-App sogar unterwegs gespielt werden. Mit der neuen Aktion versucht die Migros, mehr Wechselkäufer in ihre Läden zu locken. Ein Konzept, das bei der erst kürzlich zu Ende gegangenen «Nanomania» bestens funktioniert hat, wie man bei der Agentur weiss. pan

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Ergo Communication ASW realisiert Kampagne für Wohnüberbauung «Webermühle»

Ergo Communication ASW wurde mit den Kommunikationsmassnahmen für die Wohnüberbauung «Webermühle» beauftragt. Sie ist zum einen für die Sanierungsphase, zum anderen für die Neupositionierung der Siedlung verantwortlich.

Beauftragt wurde die Agentur durch den Immobilienfonds Credit Suisse Real Estate Fund Living Plus. Die besondere Herausforderung habe darin gelegen, vor dem bevorstehenden Umbau, Wohnungen in der Webermühle zielgruppengerecht zu vermarkten, schreibt die Agentur in einer Mitteilung. Sie entwickelte den Kommunikationsauftritt für die erste Phase mit «smart-flats», die gleichnamige Internetplattform Smart-flats.ch, die Visual Identity für die Dachmarke, Plakate, Inserate in Pendlerzeitungen, Kleinplakate und Postkarten, Flyers sowie Social Media Aktivitäten.

Verantwortlich bei Ergo Communication ASW, Zürich: Claude Hitz, Anna Preisig. Verantwortlich bei Real Estate Asset Management, Credit Suisse: Petra Knecht.

 

Social Media Award 2011 – Die Gewinner

Mit dem Social Media Award, den die Goldbach Group dieses Jahr lanciert hat, sind neben den Kategorien «E-Commerce» und «Dialog/CRM and Integrated Communication» auch Arbeiten aus dem Bereich «Branding» ausgezeichnet worden.

Diese Kategorie ist bei der Präsentation der Shortlist und Sieger in der letzten Werbewoche verloren gegangen. Wir zeigen die sechs Nominierten der Shortlist in diesem Nachtrag. Sieger in der Kategorie «Branding» wurde «M-Budget WG» aus der Kreativwohnung Jung von Matt/Limmat. Insgesamt wurden für den Social Media Award 23 Kampagnen eingereicht.

> Zu den sechs Nominierten (PDF)

Media Trend Journal: Mehr Zuschauer dank Wiederholungen

«GesundheitSprechstunde», «CashTV» oder «NZZ Format» – dank neuer Sendeplätze erreichen die Sendungen des Verlegerfernsehens PresseTV (PTV) seit zwei Jahren wieder höhere Quoten. Besonders die Wiederholungen sind beliebt.

Top 2 der Woche: IAB Switzerland gründet Task-Force

Ab sofort arbeiten ausgewiesene Social-Media-Experten im Rahmen des Interactive Advertising Bureau (IAB Switzerland) zusammen. Leiter der neuen Task-Force ist Stefan Obwegeser, Geschäftsführer von Search.ch.

«Alle wollen mitmachen, aber die wenigsten wissen wie», sagt Ueli Weber, Präsident IAB Switzerland. Laut Weber fehlen viele wichtige Daten und Empfehlungen. So sei beispielsweise die Werbewirkung im Bereich Social-Media-Marketing kaum erforscht. Die Unternehmen sehen sich offenbar im Zugzwang, ohne jedoch Weg und Ziel des Abenteuers zu kennen. Zwar gebe es in der Schweiz einige hochkarätige Social-Media-Experten – doch habe jeder nur zu einzelnen Aspekten Daten und Informationen. In Zukunft sollen nun das Wissen und die Erfahrung in der IAB-Task-Force gebündelt werden. Für das entsprechende Know-how sorgen Mike Schwede, Florian Wieser, Remo Prinz, Manuel P. Nappo, Markus Popp und Thomas Hutter. Geleitet wird das Projekt von Stefan Obwegeser. Die Erkenntnisse stehen in erster Linie den IAB-Mitgliedern zur Verfügung, doch auch die gesamte Online- und Marketingbranche soll durch Fachbeiträge und Events profitieren.

Werbung erzeugt Schwindel

Werbewoche-Redaktorin Anne-Friederike Heinrich über den Irrglauben, dass man Werbung immer ganz erst nehmen müsse.

Werbung ist ohnehin nur eine Schwindelei, denken viele Menschen. Mit Halbwahrheiten und falschen Versprechungen werde grosse Kasse gemacht. Das stimmt so pauschal nicht. Die Bayern warben 1999 mit dem Slogan «Wir können alles. Ausser Hochdeutsch». Und dass Bayern kein Hochdeutsch können, ist empirisch bestätigt. Auch gegen Volkswagens «Das Auto» lassen sich keine gravierenden Einwände erheben: Chassis, Reifen, Blinker, Scheibenwischer: In der Tat, das ist ein Auto. Über den Migros-Slogan von 2004, «So oder so», kann man schon eher streiten. Aber wenigstens weckt dieser Satz nichts. Auch keine falschen Hoffnungen. Da ist «Ein M besser» schon verfänglicher. Denn haben Sie mal überlegt, was das M alles so bedeuten könnte? Doch lassen wir diesen kreativen Spielkram gelten. Schliesslich hat die Verleihung des goldenen Windbeutels gezeigt, dass in der Werbung noch viel perfider nicht ganz die Wahrheit gesagt werden kann. Untermauert durch wissenschaftliche Pseudoergebnisse, vorgetragen durch Herrschaften im Laborkittel, supererfolgreiche Singles oder Biomütter mit Modelmassen und auffällig glücklichen Kindern. Was halten Sie zum Beispiel von «Danone Activia. Natürlich wirksam. Natürlich verpackt.»? Activia, das ist dieser Joghurt, der «nachweislich einen Blähbauch reduzieren kann». Weil er so natürlich ist. Genau wie seine Plastikverpackung. Hallo, aufwachen!

Oder «Nimm2. Vitamine und Naschen». Nimmt man da zwei, weil in dem einen Bonbon die Vitamine sind und in dem anderen der Zucker? Oder die Milchschnitte. Klar hat auch meine Grosi geglaubt, diese Schnitte sei gesund. «Milch» klingt immer gut. Dazu kommt: «Schmeckt leicht. Belastet nicht. Ideal für zwischendurch.» Das sind doch gute Argumente. Aber ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass ein normales Kind niemals gerne etwas Gesundes isst? Müssten wache Verbraucher also nicht selbst auf die Idee kommen, dass die «leichte Pausenmahlzeit» schlimmer ist als ein Stück Sahnetorte? Da kann man auch Chips essen, weil Kartoffeln so gesund sind. Ich bin trotzdem froh, dass meine Grosi an Ferreros Werbelüge geglaubt hat. Milchschnitte gab es bei uns in rauen Mengen. Und ich habe sie geliebt!

All diese Schummeleien sind doch gar nicht so tragisch. Schliesslich wollte Werbung noch nie die Wahrheit verkaufen, sondern ein gutes Gefühl. Wer da tatsächlich glaubt, dass all das wahr ist, hat eine kleine Strafe verdient. Ausserdem sterben wir nicht an etwas zu viel Salz, etwas zu viel Zucker oder etwas zu wenig Wirkung. Trotzdem geht’s nun auch Ronald McDonald an den Kragen. Nicht, weil endlich jemand gemerkt hat, dass der 47-Jährige Hampelmann nervt, sondern weil er laut «Corporate Accountability International » Kinder zum Essen ungesunder Nahrung verführt. Der Böse! So was tut der?! Ich hatte immer schon den Verdacht, dass Ronald der beste Kumpel von Pennywise, dem «Es»-Clown, ist.

Dem Fass den Boden aus schlägt allerdings die päpstliche – nein, nicht Bulle – Brille. Da hat doch der Münchner Optiker Suchy Anfang Mai mit einer ganzseitigen Anzeige in der Süddeutschen Zeitung für seine spezialangefertigte Non-plus-Ultra-Volksbrille geworben. Er habe das Meisterstück extra für den Papst angefertigt und werde es ihm bei seinem Deutschlandbesuch im September überreichen. Der eifrige Optiker beruft sich auf die Unterstützung der Deutschen Bischofskonferenz und des Erzbischöflichen Ordinariats München und erhofft für den Doppelzwicker gar den Segen des Heiligen Vaters. Das Erzbischöfliche Ordinariat ist erbost: Die Herren Bischöfe hätten gar keinen Kontakt mit «der Person». Womit sie nicht etwa den Papst meinen, sondern Herrn Suchy. Schade eigentlich. Denn wer könnte dem Inhaber des Optik-Paradieses (sic!) ernstlich böse sein? Er ist schliesslich nicht der einzige, der dem Heiligen Vater ein wenig mehr Durchblick wünscht. Und eine «Volksbrille» lässt ja hoffen.
 

Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden

Wie Fukushima bei einem leidenschaftlichen Rhetoriker verbale Blackouts verursacht. Gastkommentar von Oliver Reichenstein, Informationsarchitekt in Tokio.

Jerry Seinfeld, einer meiner grossen Helden, witzelte einst vor grossem Publikum darüber, dass die meisten Menschen das Reden vor Publikum mehr fürchten als den Tod. Ich fand das besonders lustig, denn ich gehöre definitiv nicht zu der Gruppe der Redeverängstigten. Ich rede gerne über Dinge, die mich begeistern, vor allem auf grossen Bühnen. Was gibt es Begeistenderes, als Leute mit der eigenen Begeisterung zu begeistern?

Während ich mir selbst bis vor Kurzem nur wenig Schlimmeres hätte vorstellen können, als in der Nähe eines heruntergeschmolzenen nuklearen Reaktors zu leben, fühlte sich Tokio nach einem Monat schon fast normal an. Spaghetti (halt) mit importiertem Mineralwasser kochen; bei Regen (halt) nicht rausgehen; Spinat (halt) aus Mexiko, Meeresfrüchte (halt) tiefgekühlt aus dem letzten Jahr, Milch (halt) aus Hokkaido. Kaum zu glauben, aber als Tokioter habe ich mich ebenso schnell an die Hölle gewöhnt, wie die westlichen Medien sie vergessen haben. Einzig an die Angst, die einen dazu treibt, all die Vorsichtsmassnahmen fürs Kind zu treffen, konnte ich mich nicht gewöhnen.

Richtig bewusst wurde mir die Fürchterlichkeit unserer persönlichen Gewöhnungs- und medialen Vergessensprozesse erst, als ich letzte Woche in Berlin an einem Event zum Thema Data-Love auf die Bühne trat. Meine Vorgänger hatten, wie üblich, vom Internet geschwärmt, wie es alles verändere und besser mache. Data-Love, DUDE! Ich hatte eine zwanzigminütige Präsentation vorbereitet, doch als ich das Deckblatt meiner Präsentation betrachtete, schien mir plötzlich alles falsch. «Das ist nicht die richtige Präsentation!» Es war nicht das übliche Nervenflattern, irgendwas stimmte nicht mit mir. Nichts schien mehr Sinn zu machen. Da ich kaum Angst vor dem Reden habe, beschloss ich, meine Präsentation aus dem Stegreif zu halten.

Statt mich einleitend, wie üblich, für die Einladung zu bedanken und zu erklären, wie wichtig die Konferenz für mich, uns und die Welt sei, sagte ich, dass Datenliebe eigentlich ein Blödsinn, und falls nicht, dann sicher ein Unsinn sei. «Liebe zur Weisheit, ja, Liebe zu Daten, nein.» Und, so fuhr ich fort, von Daten zur Weisheit sei es ein weiter Weg. Verstand, so behauptete ich, mache aus Daten Information, Vernunft mache aus Information Wissen, und Liebe vielleicht mache aus Wissen Weisheit. Als ob das nicht schon genug der Dunkelheit und Spielverderberei gewesen wäre, ging ich dann dazu über, von der Daten- und Informations- und Wissenslage in Japan zu sprechen. Die Stimmung im Publikum war vergleichbar mit der in Dürrenmatts Tunnel. Und dann verschlug es mir plötzlich die Sprache. Meine Rede dauerte fünf Minuten. Zehn Minuten waren geplant. Was war los mit mir? Glücklicherweise hatte ich am Abend Gelegenheit zu einer anderen Rede, wo ich die Falten etwas ausbügeln konnte.

Zwei Tage später an der TypoBerlin hat sich der Vorfall fast wiederholt. Ich hatte eine Präsentation in zwei Teilen vorbereitet. Nach dem ersten Teil, wo ich auch kurz über Fukushima sprach, fehlten mir plötzlich die Worte und ich ging von der Bühne ohne Dankeschön. Die Rede dauerte 30 Minuten. 45 Minuten waren geplant. Die Leute schauten mich komisch an. Auch Twitter meinte: Gute Rede, soweit, aber was rennt der uns einfach davon mittendrin?

Vor ein paar Tagen war ich zu einer weiteren Rede eingeladen, diesmal an einer Designschule in Milano. Ich beschloss, dieselbe Präsentation nochmals zu halten und mich diesmal beim Reden etwas genauer zu beobachten (was ich sonst tunlichst verhindere, weil denken beim Reden zum Stottern führt). In der Einleitung zum Thema warnte ich meine Zuschauer, dass ich, wie Tage zuvor, plötzlich verschwinden könnte, und beauftragte sie damit, mich, falls ich wieder abhauen sollte, zurückzuholen. Tatsächlich stellte sich nach dem ersten Teil derselbe Fluchtwunsch ein. Ich sagte: «Eigentlich möchte ich nun auch wieder davonrennen. Aber ich probiers noch ein paar Sätze lang.» Das Gelächter, das darauf folgte, half mir durch den zweiten Teil der Rede.

Sonderbar wurde ich dann erst wieder am darauf folgenden Nachtessen. Das Thema war Fukushima. Und auch jetzt geht es mir nicht viel anders. Es ist nicht, dass ich nichts zu sagen hätte. Es verschlägt mir, beim Thema Fukushima, ganz einfach die Sprache und es fällt mir nicht immer ein selbstüberlistender Witz ein, um die heiteren Worte zu finden, die mir die Angst vor dem Tod nehmen.
 

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