«Es nützt nichts, gut zu sein, wenn andere sich besser verkaufen»
Hermann Scherer (47) ist Unternehmer, Trainer und Berater, Autor von über 30 Fachbüchern und Dozent an sechs Hochschulen, unter anderem für Marketing an der Universität St. Gallen. Ausserdem ist der in Moosburg an der Isar geborene Marketingprofi bekannt für seine unterhaltsamen und mitreissenden Vorträge. Eine Kostprobe seiner rhetorischen Künste gab er beim «Internationalen Alpensymposium spezial» am 7. Juni in Zürich. Am Rande der Veranstaltung wollte die Werbewoche von Scherer wissen, wie sich Unternehmen in enger und komplexer werdenden Märkten eine Pole-Position sichern können.
Werbewoche: Sie haben gleich mehrere Unternehmen erfolgreich aufgebaut. Haben Sie zwei goldene Hände – oder kann das jeder schaffen?
Hermann Scherer: Nein, ich habe keine goldenen Hände. Das kann jeder. Ich glaube, dass die Welt aus vielen Problemen besteht und dass jedes Problem in Wirklichkeit ein mögliches Unternehmen ist. Denn jedes Problem lässt sich lösen und darin steckt die Idee für eine Firma. Ich zum Beispiel wollte einmal gute Redner erleben. Also habe ich eine Vortragsveranstaltung organisiert, aus der eine Firma geworden ist, die heute sieben Millionen Euro Umsatz macht. Die Schwierigkeit ist, dass wir nicht dazu kommen, aus unseren Problemen gute Ideen zu entwickeln, weil wir alle zu viel im Unternehmen arbeiten, und zu wenig am Unternehmen. Wir haben alle gute Ideen, am Samstag Abend die beste – und kommen am Montag wieder in die Firma und sagen: «Das machen wir auch nicht.» Ich habe eine Assistentin, mit der ich mich nach Möglichkeit jeden Montag zwei Stunden über meine Träume und Ideen unterhalte. Sie prüft dann, was davon tatsächlich umzusetzen wäre, ob es für diese Gedanken einen Markt gibt. Denn ich habe keine Zeit, meinen Ideen nachzuhängen.
Sie haben ein ausgelagertes Gehirn?
Ja, das ist ein wunderbarer Begriff. Diese Dame geht eine Woche lang mit meiner Idee spazieren, ich sage auch, dass sie in meinem Kopf spazieren geht. Was sie tut, ist eigentlich Aufgabe des Geschäftsführers und sie ist genau genommen noch über der Geschäftsführung angesiedelt. Sie entwickelt meine Idee weiter, auch ich spinne sie ein wenig weiter und daraus wird dann relativ schnell eine neue Firma, die wir mit wenig Geld, vielleicht 5000 Euro, starten. Wir fangen einfach mal an. Es sind schon ein paar Unternehmen gefloppt, einige haben sich grossartig entwickelt. So tut sich immer etwas.

