Die derzeit auffälligste Arbeit von KPM ist sicher die Kommunikation zur neuen Ausstellung des Naturhistorischen Museums der Burgergemeinde Bern, «Riesenkristalle – der Schatz vom Planggenstock». Für diese Ausstellung plante KPM die Medienarbeit, verfasste die Medientexte und organisierte die Vernissage mit Altbundesrat Adolf Ogi. «Wir begleiten Kultur-Events zwar gern und oft kommunikativ, sind aber nicht auf den Kulturbereich festgelegt», sagt KPM-Gründer und -Inhaber Rolf Kästli (49). «Die Branchen, für die wir arbeiten, haben sich im Laufe der Jahre allmählich herauskristallisiert. » So prägten Kästli und sein Team beispielsweise die Neupositionierung der Schweizer Journalistenschule MAZ: Die Agentur beriet das Bildungsunternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung seiner neuen Marketingstrategie. Weitere namhafte Klienten der Berner Agentur sind die Eidgenössische Zollverwaltung, Gerber, das SOS-Kinderdorf, die Cleven- Becker-Stiftung, der Berufsverband professioneller Sozialarbeiter Avenir Social, das Bundesamt für Sport BASPO und das Regionale Eissportzentrum Emme. Ausserdem hält Kästli, der aus einer Bauunternehmerfamilie stammt, mehrere Mandate in der Baubranche: beim Flachdachhersteller Gyger, bei Flexobau, beim Fachverband der Schweizerischen Kies- und Betonindustrie FSKB, der Kies AG Aaretal und auch bei der Kästli AG Bauunternehmung, die vor 125 Jahren von seinem Urgrossvater gegründet wurde und inzwischen von Kästlis Bruder und dem Schwager der beiden geführt wird. Seit 2008 sitzt Rolf Kästli auch im Verwaltungsrat der Kästli AG. Dort kümmert er sich vor allem um die Neupositionierung und strategische Ausrichtung des Unternehmens.
Vom Fürsprecher zum Sprachrohr
Dass er einmal zum Marketing- und Kommunikationsprofi werden würde, hätte der 1961 in der Bundeshauptstadt geborene «Bärner Gring» sich nicht träumen lassen. Kästli wächst mit zwei Brüdern und zwei Schwestern in Bern-Bolligen auf. Als 18-Jähriger, noch vor der Matur, geht er für ein Jahr in die USA und engagiert sich anschliessend in der freiwilligen Jugendarbeit, um etwas von den prägenden Erfahrungen zurückzugeben, die er in Amerika gemacht hat. Nach seiner Rückkehr entscheidet Kästli, nicht ins Baugeschäft seines Vaters einzusteigen – denn sein älterer Bruder Daniel und sein Cousin äussern auf Nachfrage des Grossvaters bereits diesen Plan. «Ich konnte ja nicht dem gleichen Berufswunsch folgen wie die beiden», sagt Kästli schmunzelnd. «Zudem wollte ich mein Leben nicht so früh für die Leitung eines KMU mit über 300 Mitarbeitenden verplanen, sondern es noch ein wenig geniessen.» 1981 nimmt Kästli ein Studium der Rechtswissenschaften auf. Er will Berner Fürsprecher, also Rechtsanwalt, werden, denn er hasst Ungerechtigkeit. Nach sieben Jahren Studium an der Uni Bern und mehreren Praktika hat Kästli sein Ziel erreicht – und ist dennoch nicht am Ziel: «Ich bin mit grossem Elan und hohen Idealen in das Studium eingestiegen, die Praktika beim Anwalt und am Gericht fand ich sehr spannend», sagt er. «Dennoch konnte ich mir ein Leben als Anwalt, Richter oder in der Verwaltung nicht wirklich vorstellen. Mein Studium habe ich trotzdem abgeschlossen, denn ich habe gelernt, dass man fertig macht, was man angefangen hat.»
Nach dem Examen erhascht Kästli einen Rettungsanker: Er bekommt das Angebot, wissenschaftlich als Jurist zu arbeiten. «Ich dachte, das könnte etwas sein, und ging für ein Jahr mit einem Nationalfondsstipendium nach Hamburg», erzählt er. «Das war eine tolle Zeit. Sich Anfang 30 im Ausland ausleben zu dürfen, war etwas Besonderes.» Dennoch steht für Kästli nach diesem Jahr fest, dass wissenschaftliche Arbeit noch weniger zu ihm passt als der Job als Fürsprecher: «Ich hirne gerne Dinge durch, aber nachher muss etwas passieren, sonst werde ich nervös.» Mit 33 Jahren steht Kästli vor der Frage: Was machst du jetzt? Die Antwort kommt rasch. Er heiratet und gründet eine Familie, ist also gezwungen, Geld zu verdienen. Als Newcomer mit juristischem Hintergrund übernimmt er die Leitung der Höheren Fachschule für Unternehmensführung HFU in Bern, ein Profitcenter der damaligen Feusi Bildungszentrum AG, die heute PHW Hochschule Wirtschaft Bern heisst. Berufsbegleitend absolviert er eine Ausbildung zum Marketingleiter und unterstützt seine Frau bei der Familienarbeit. Nach drei Jahren bei Feusi findet Kästli: «Ich will keinen Boss mehr. Ich habe vorher gut ohne Chef gelebt, und das soll in Zukunft wieder so sein.» Also gründet er im Februar 1997 «aus dem Willen heraus, selber etwas aufzubauen», die Agentur KPM. Kästli startet mit Marketingpositionierung und Strategieberatung, mit Unternehmens- und Marktsituationsanalysen. Rasch baut er sich einen Kundenstamm auf, der von KPM nicht nur eine neue Strategie und Positionierung wünscht, sondern auch die anschliessende Kommunikation. «So bin ich in den Kommunikationsbereich hineingerutscht», berichtet Kästli. «Meine Kunden haben argumentiert, ich kenne das Unternehmen nun ja und sie würden mir vertrauen. Also habe ich versucht, jeweils eine zur Strategie passende Kommunikation aufzubauen. Das hat gut funktioniert. Über die Jahre hinweg haben sich die Kommunikationsaufgaben schliesslich zum immer grösser werdenden Anteil am Agenturumsatz entwickelt.»
Kommunikation braucht Augenkontakt
Lange arbeitet Kästli als Einzelkämpfer. Er übernimmt die Projektleitung, für die Umsetzung zieht er die passenden Köpfe aus seinem Netzwerk hinzu. Ab 2006 beginnt KPM, sanft zu wachsen: Kästli stellt seine erste feste Mitarbeiterin ein. «Das war ein grosser Schritt für mich», sagt er bescheiden. «Wenn man alleine ist, ist eins mehr ja bereits eine Verdopplung. » In den folgenden zwei Jahren geht die vorsichtige Expansion weiter, zwei Mitarbeiter kommen hinzu. 2009 findet Kästli seine heutige Stellvertreterin sowie einen Konzepter und einen Marketer. In dieser Konstellation arbeitet KPM bis heute. Und Kästli schwört auf sein Team: «Meine Leute sind an den Projekten dran. Sie werden im Zeitplan fertig, und das Resultat sitzt einfach. Das ist das, was uns auszeichnet. »
Auf einer solchen Basis ist ein Agenturausbau ein kalkulierbares Risiko. Deshalb plant Kästli, noch in diesem Jahr grafische Kompetenz unter sein Dach zu holen: «Bisher haben wir fast alles Visuelle an externe Netzwerkpartner gegeben. Aber nun will ich inhouse entsprechende Kompetenzen aufbauen», sagt er. «Ausserdem werde ich in den nächsten ein, zwei Monaten einen Managing Director einstellen, der sich um die Weiterentwicklung von KPM kümmert, vor allem um den Auf- und Ausbau des Online-Bereichs, der immer wichtiger wird. Ich verstehe mittlerweile zwar auch etwas davon, aber für so einen Job brauche ich einen Digital Native.»
Seinen Unternehmergeist und seinen Willen, anzupacken und handfeste Ergebnisse zu liefern, hat Rolf Kästli von seinem Vater geerbt. Der Bauunternehmer hat seinen zweitältesten Sohn stark geprägt, bis hin zum Umgang, den Kästli mit seinen Kunden pflegt: «Kommunikation ist ‹personal business›», sagt er. «Wie beim Bauen muss man das Handwerk professionell betreiben. Darüber hinaus geht es vor allem um Vertrauen, darum, den Kunden zu verstehen und umsetzen zu können, was er braucht. Das hat sehr viel mit den Personen zu tun, die aufeinandertreffen. Wir sind die richtige Agentur für Kunden, die bodenständig, handfest und termintreu eine Strategie umsetzen möchten. Wenn es nur darum geht, rasch und verschnörkelt irgendwas zu kommunizieren, sind wir nicht der richtige Partner. Das Visuelle und die Kreation sind wichtige Punkte in der Kommunikation, aber ich denke, mit einer soliden, guten ‹Büez› erreicht der Kunde oft wirkungsvollere Resultate als mit einer schnellen, hochkreativen Arbeit, die zwar alle toll finden, deren Wirkung aber zweifelhaft ist. Die effektvollste Kommunikation läuft immer noch vis-à-vis, klar und offen.» Zur soliden Arbeit gehört für Kästli auch, im Vorfeld eines Projekts Parameter zu definieren, anhand derer sich messen und justieren lässt, was Kunde und Agentur mit einer Kommunikationsmassnahme erreicht haben. «Ich erlebe oft, dass Kunden als Ziel angeben, kommunizieren zu wollen», berichtet Kästli. «Wenn ich dann nachfrage, welche Inhalte, kommen unklare Vorgaben. An diesem Punkt muss man sich Zeit nehmen, zu klären, warum das Unternehmen kommunizieren will, was es erreichen will und was dafür notwendig ist. Das bedeutet für mich ‹bodenständig›.»
Um seine Leistungen zu beschreiben, hat Kästli einen griffigen Slogan gefunden: «Einfach. Genau. So.» Er erklärt: «Wer mit KPM zu tun hat, bekommt ein klares, einfaches Resultat ohne Schubidu. Es ist professionell erarbeitet, aufs Wesentliche konzentriert und genau so, wie unser Kunde es sich vorgestellt hat – auch wenn er bei Beginn der Zusammenarbeit keine oder nur eine vage Vorstellung hatte. Das ist unser Anspruch.» Das schubidufreie Arbeiten hat Kästli bereits im Studium gelernt. Das Urteil seines Jus-Professors über eines von Kästlis Gutachten hat der Agenturleiter immer noch im Ohr: «Ich glaube, Herr Kästli, Sie hatten zu wenig Zeit, sich kurz zu fassen.»
Rennen für die innere Ruhe
Wer immer genau und aufs Wesentliche konzentriert arbeitet, braucht als Gegenpol Auslauf fürs Hirn. Den holt Kästli sich bei Ausstellungen, einer Kleintheateraufführung, einer faszinierenden Tanzaufführung – oder beim Sport. Bis zum 26. Lebensjahr spielte er Handball nah am Spitzensport. Auch heute bleibt er immer am Ball, allerdings auf dem Tennisplatz. Im Winter sucht Kästli den Ausgleich auf der Piste, ausserdem befreit er seinen Kopf mit joggen. Neben seinem Schreibtisch hängt das Gedicht «how to work better» vom Künstlerduo Peter Fischli und David Weiss. Die Zeile «be calm» hat Kästli für sich ergänzt: «if not, go running!». Wie viele KPM-Projekte beim Rennen den letzten Schliff erlangten, bleibt allerdings sein Geheimnis. Anne-Friederike Heinrich