Media Trend Journal: Viel und doch zu wenig

Wer etwas über die Online-Nutzung auf dem Handy wissen will, hat zwar eine Vielzahl von Informationsquellen. Sie genügen aber im Moment nur auf der strategischen Ebene. Von Ueli Custer.

«Mobile hat abgehoben», war in der letzten Werbewoche zu lesen. Darin beschreibt Christoph J. Walther, wie die Werbung auf dem Handy langsam in die Gänge kommt. Die Zuwachszahlen sind zwar imponierend (wie immer in der Startphase eines erfolgreichen Angebots), absolute Werte aber immer noch bescheiden. Oder in den Worten von Stefano Buzzi, Leiter Werbemarkt beim Newsnetz der Tamedia: «Wir rechnen für das laufende Jahr gegenüber 2010 mit einem Wachstum von 50 Prozent. Insgesamt bewegt sich der Anteil der Mobile-Werbung am Gesamtwerbeumsatz aber immer noch im einstelligen Prozentbereich.»

Lesen Sie mehr dazu in der aktuellen Printausgabe der Werbewoche
 

«Wir müssen endlich in Prozessen denken»

Eine Grossbäckerei bestellt Backpulver, indem sie mit dem Smartphone den Beetagg* auf der Dose fotografiert. Eine Reparaturfirma wickelt Aufträge komplett über Beetaggs ab, von Auftragsbestätigung über Teilebestellung, Reservierung des Servicefahrzeugs, Reparatur und Zeitdokumentation bis zur Rechnungstellung. Handwerker werden gewarnt, wenn sie Teile vergessen oder einen Montagefehler machen, der Auftraggeber sieht jederzeit, wie weit die Monteure sind. Im B2B-Segment ist Beetagging bereits Realität, nicht so B2C: Medien könnten ihren Lesern Zusatzinformationen und -funktionen zu Artikeln am schnellsten und einfachsten über Beetaggs bereit-stellen, Detailhändler könnten Einkaufsprozesse wesentlich vereinfachen. Doch Medien und Verlage geniessen weiterhin ihren Dornröschenschlaf, genauso die meisten Marketer. Warum eigentlich? Antworten gibt Beetagg-Experte Hansres Emch, Mitgründer der Adliswiler Agentur Polytrop.

WW: Wie weit geht Beetagging heute schon? Man kann eine leere Stockiverpackung fotografieren und so direkt eine neue bestellen?
Hansres Emch: Genau. Aber das ist noch längst nicht alles. Unser erster Kunde, der Backzutaten-Grosshändler Alipro, setzt Beetagging bereits ein. Sein System-Tagg ist ein hochfunktionaler Multilayer, auf dem sämtliche Daten und Berechtigungen des Handelspartners zugänglich gemacht werden können, ausserdem Produktspezifikationen, Rezepte oder Bestellinformationen. Das alles kann man mit dem Mobile abrufen. So erhalten Bäckereien durchs Fotografieren des Beetagg nicht nur Informationen zum Produkt, sie können die betreffende Ware auch direkt bestellen, kommentieren etc. Kunden können die von ihnen benötigten Produkte von irgendeinem Standort aus ordern und sie genau getimt an einen spezifischen Ort distribuieren lassen. Ausserdem können sie unter anderem direkt in einem Produktionsablauf Spezifikationen lesen, Rezepte beziehen usw. Dieses System funktioniert weltweit. Alipro selbst distribuiert bei gewissen Kunden über die Beetaggs: Das Unternehmen sieht, wer wann und wo den Tagg abgreift, wer wieviel wovon bestellt und erhält so mittel- und langfristig präzise Verhaltensdaten der Kunden, welche in zeit¬liche, geografische und andere Relationen gesetzt werden können. So können die Kundensegmente nach konzeptionellen Gesichtspunkten differenzierter erfasst und gezielter bedient werden. Die ganze Applikation läuft über ein normales Open-Source-CMS. Und die Implementierung dieser Lösung hat nicht hunderttausende von Franken gekostet.

Kann man mit dem Beetagg alle denkbaren Prozesse abbilden?
Weitestgehend, das ist das Besondere am Beetagg. Er ist nicht nur ein Verkaufsförderungstool, mit dem man einen Wettbewerb machen kann, sondern primär ermöglicht er, komplette Prozessketten abzubilden. Neben Bestell- und Montageprozessen sind E-Couponing und E-Ticketing oder Kundenbindungsprozesse weitere spannende Einsatzbereiche. Der Beetagg ist sehr robust, das heisst, der Code ist recht unempfindlich in Bezug auf Auflösung, Grösse und Lesedistanz: Ich nehme ihn in irgendeinem Winkel auf und habe in enormem Tempo sofort alle mit dem Tagg in Verbindung stehenden Informationen und Applikationen auf meinem Mobile. Von dort aus kann ich Informationen lesen oder, wie im Fall von Alipro, das fotografierte Produkt direkt bestellen. Denn wenn ich bei Alipro als Kunde angemeldet bin, sind auch meine Adressdaten hinterlegt sowie die Berechtigungen, bei Alipro zu bestellen und Rezepte oder andere Daten zu lesen. Ich muss mich dann nur im System anmelden und kann auf alles zugreifen. Die Berechtigungen kann Alipro übrigens von Kunde zu Kunde anpassen, es gibt also Informationsebenen, die nur von ganz bestimmten Kunden genutzt werden können, zum Beispiel, wenn es um Produktionspezifikationen geht. So kann das Unternehmen auch warengruppen- oder sogar kundenspezifische News verschicken. Beetaggs lassen sich ausserdem timen, so dass Daten nach einer bestimmten Zeit automatisch wieder gelöscht werden – was übrigens zusammen mit dem Geotagging, also der Standorterfassung, auch für gewisse Autorisierungen relevant ist. Ort und Zeit des Abrufs müssen stimmen, sonst sind Daten nicht zugreifbar oder Prozesse nicht auslösbar.

Klingt spannend. Beetaggs scheinen alles möglich zu machen, was wir seit geraumer Zeit mit einer Kombination von Kooaba, Barcodes, QR-Codes, Online-Bestellsystemen und diversen Onlinetools auszuschöpfen versuchen. Hatten Sie Alipro sofort im Boot?
Ja, eigentlich schon. Ich habe den Geschäftsführer und den Verkaufsleiter kennengelernt, und die haben beide gesagt: «Was, das ist alles möglich?» Schnell entstand ein Konzept, und Alipro hat die Nutzung des Beetaggs eingeführt. Man sieht daran, dass die Entscheidung für Beetaggs primär ein Top-down-Prozess ist. Es braucht im Unternehmen Entscheidungsträger, die vom Konzept der Technologie überzeugt sind und sie konsequent einführen. Leider ist die Skepsis auf Grund von mangelnden Kenntnissen bei vielen noch gross. Wer aber in Pro-zessen denkt, begreift relativ schnell, welche Vorteile Beetaggs bringen.

Beetaggs sind nicht nur für B2B interessant. Auch mein privater Einkauf könnte ganz entspannt von daheim aus ablaufen, indem ich einfach die Taggs auf den Produkten fotografiere, die ich benötige. Der Einkauf könnte mir dann zum Abholen zusammengestellt oder sogar geliefert werden. Müss¬ten die grossen Detailhandelsketten diese Chance nicht nutzen? Wenigstens der Coop macht ja bereits gute Umsätze mit Online-Shopping.
Absolut. Im B2C-Bereich sind wir aber noch nicht so weit. Unter den Zulieferern von Grossverteilern gibt es Firmen, die sich für Beetaggs interessieren. Aber eben: Das ist ein Top-down-Prozess, der schliesslich interdisziplinär umgesetzt werden muss. Wenigs¬tens braucht man den Geschäftsführer, den Verkaufsleiter und den Produktmanager hinter sich, die müssen zusammenarbeiten. Wenn der Sinn der Nutzung von Beetaggs nicht verstanden wird, klappt die Einführung kaum. Darum sind kleine und mittlere Betriebe mit solchen Neuerungen im Moment schneller und beweglicher als die Grosskonzerne. In kleineren Unternehmen sind die Wege kürzer, sie erkennen den Nutzen schneller und Ent¬scheidungen sind direkter.

Welche Rolle spielen Marketer für die Einführung von Beetaggs? Könnten sie die neue Technologie pushen?
Das könnten sie schon. Aber je grösser das Unter¬nehmen ist, desto mehr herrscht das gängige, funktionsorientierte Marketing- und Kommunikationsverständnis vor. Ein Beispiel: In einem Unternehmen wollten wir Beetaggs für die Differenzierung der Produktlinie und deren Möglichkeiten einführen. Da hiess es: Wir machen jetzt erst mal eine Imagekampagne. Ich habe dann gemeint: «In der Imagekampagne könnte man mit Beetaggs saisona¬lisierte Ideen implementieren, tägliche neue Testimonials zeigen, mit einer Aktion auf die anderen Produkte hinweisen, Spielideen zugänglich machen und mit einer Aktion Zusatzverkäufe auslösen.» Leider ohne Erfolg.

Und warum ist das so?
Ich denke, die Erkenntnis, dass es nicht um eine technische Spielerei geht, sondern um ein System mit Prozessen und Prozesslayern ist noch wenig verbreitet. Ich spreche gerne von Kommunikationskinetik. «Prozesse optimieren, präziser führen», klingt aber etwas sperrig, obwohl im Endeffekt Abläufe einfacher, bequemer, schneller, offener und crossmedialer wer¬den und man mit möglichen Prozessen und entsprechenden Instrumenten gezielt beim Kunden ist. Und zwar mit Anwendungen, mit denen er reagieren kann und will. Wir reden hier nur von sichtbaren Taggs. Dabei können wir bereits 8-mm-Taggs, die nur unter gewissen Lichtquellen sichtbar sind, direkt auf Etiketten oder Papier aufdrucken. Sie sind also quasi unsichtbar. NFC-Anwendungen, also Near-Field-Communication zum kontaktlosen Datenaustausch, kommen ebenfalls zügig. Wir können bereits auf jede Zeitungs- und Magazinseite, auf jede Verpackung, jedes Plakat und jedes Inserat einen Beetagg drucken und so das Papier interaktiv machen, also mit Prozessen, Daten und Funktionen hinterlegen. Dann ist es nicht mehr nötig, mit einem Icon auf Zusatzdaten hinzuweisen, sondern der Tagg ist zugleich auch der Link zu den Zusatzinfos. Dieses Wissen ist ja nicht grundsätzlich neu und müsste dringend auch in die Ausbildung einfliessen. Denn technisch ist das alles kaum ein Problem, aber konzeptionell stehen wir vor Herausforderungen, denn es gibt noch kaum Leute, die begreifen, welche Möglichkeiten sich bieten, und sie konzeptionell ausschöpfen. Ausserdem fehlt wohl ein Vorreiter: Wenn Apple jetzt Beetaggs einsetzen würde, oder Nike käme mit einer Beetagg-Geschichte, dann ginge es wohl schneller.

Was müsste sich denn in der Marketing- und Werbebranche sowie in den Medien ändern, damit Tagging mehr als Zukunftsmusik ist?
Wir müssen, provokativ gesagt, auf prozessorientiertes Denken umstellen. Eigentlich kein grosser Schritt. Bei uns beispielsweise läuft das Gespräch mit dem Kunden etwas anders ab als vielleicht üblich: Wir versuchen, die Themen Verkauf, Kommunikation/Werbung, Verkaufsförderung oder Autorisierungen den Zielgruppen mit den verschiede-nen Instrumenten als Prozessketten zuzuweisen und abzubilden. Es geht also darum, die Vielschich¬tigkeit der Technologie dort zu nutzen, wo es sinnvoll ist. Viele Unternehmen wissen gar nicht, was alles geht und wie man es einsetzen könnte. Und vor allem: Warum das sinnvoll ist. Natürlich braucht man Mut, um Neues auszuprobieren. Dafür muss man sich aus der Umklammerung durch Excel-Sheets, Umsatzvorgaben, klassische Werbeziele wie gestützte und ungestützte Bekanntheit des Brands etc. etwas befreien oder zumindest neue Betrachtungsebenen besuchen.

Kann man mit Beetaggs auch Daten über seine Kunden oder Konsumenten sammeln?
Ja klar. In Marketing und Werbung ist das natürlich ein grosses Thema. Die erste Frage ist immer: Was will ich? Wenn ein klassisches Inserat das richtige Mittel ist, um die gesetzten Ziele zu erreichen, ist das gut – vor allem dann, wenn es über zusätzliche Funktionen und Zusatznutzen dann auch tatsächlich vom Konsumenten genutzt wird. So erhalte ich von entsprechen¬den Prozessen Rückmeldungen und habe dann vielschichtiges Feedback-Material. Bei einem Direct Mailing bieten Taggs eine Vielfalt von Möglichkeiten, ein hochpräzises Feedback darüber zu bekommen, wer wann wo warum welches Angebot genutzt hat und in welcher Vertiefung. Versuchen Sie das mal mit einem klassischen Mailing. Wir müssen uns den kinetischen Prozessen in der Kommunikation zuwenden. Ein Anlagenbauer beispielsweise, der den Reparaturprozess einer Anlage unter anderem über Beetag¬ging abwickelt, braucht nach Abschluss des Auftrags keinen handschriftlichen Rapport mehr zu machen. Die Daten, welcher seiner Mitarbeiter wann was gemacht hat und wie lange, sind im System längst er¬fasst, zum Beispiel über Statusmelder. Wenn die Repa¬ratur von Anlagenteilen in einem geschützten Bereich erledigt werden muss, kommt der Monteur natürlich nicht überall hinein, jemand muss ihn begleiten. Und vorher muss die Begleitperson erfahren, dass der Mon¬teur nun da ist. Einfacher ist es, wenn man dem Monteur auf dem Tagg die benötigten Zugänge freischaltet. Missbrauch ist kein Thema, denn natürlich ist die Berechtigung exakt auf den Moment getimt, in dem der Monteur vor dem Tor steht. Das wird per Geotagging erfasst. Über Taggs kann man den Monteur auch offline genau an den Ort führen, an dem die Reparatur zu erledigen ist. Alle Schritte werden im Hintergrund rapportiert und sind hinterher nachzukontrollieren. Wer beginnt, die Prozesse zu sehen, die hinter allem stecken, entdeckt unbegrenzte Möglichkeiten für Beetagging.

Interview:
Anne-Friederike Heinrich

Fotos: Polytrop

IN KÜRZE
Die Marketing- und Kommunikationsagentur Polytrop mit Sitz in Adliswil wurde 1991 von Hansres Emch und Nino Kündig gegründet und beschäftigt sieben Mitarbeiter. Sie konzipiert und realisiert klassische Werbemittel, Material zur Verkaufsförderung bis hin zum Messebau, Radio- und TV-Spots sowie Events. Ausserdem entwickelt sie neue Ansätze für die Direkt- und E-Kommunikation mit modernsten Hilfsmitteln. Kunden von Polytrop sind unter anderen Vögele, die Migros, die Elektro-Material AG, VISA, das Opernhaus und die ETH Zürich, die SUVA, das Gottlieb Duttweiler Institut, die Schweizerische Bankiervereinigung sowie diverse Unternehmen der Pharmabranche. www.polytrop.ch
Der Beetagg wurde von der Schweizer Firma Connvision AG entwickelt: www.connvision.com

*Beetaggs sind zwei-dimensionale Barcodes mit wabenförmiger Struktur, die sich für Mobile-Tagging eignen. Im Gegensatz zu anderen 2D-Barcodes wie beispielsweise QR-Codes beinhaltet ein Beetagg nicht unmittelbar Anwendungsinformationen. Diese werden dem entsprechenden Beetagg-Code erst durch einen Webzugriff zugeordnet.

polytrop
So funktionierts beim Beetagging-Anwender
Alipro: Einfach Beetagg auf der Flasche oder
Dose fotografieren, Produkt nachbestellen
und weitere Informationen anschauen.

Schweizer feiern Löwen mit Swiss Party

Nach Jahren der Abstinenz – zumindest im Rahmen einer eigenen Party – feiern die Schweizer Kreativen in Cannes wieder eine original helvetisch organisierte Swiss Party.

Wenn der ADC, die Swissfilm Association, Star TV und die Werbewoche zusammen spannen, ist das am Plage Miramar in Cannes nicht mehr zu überhören. Urchiges Schwyyzerdüütsch statt elegantes Französisch ist angesagt an der Swiss Party, 23 June, 6.30 p.m. Mehr als 100 illustre Gäste haben sich angemeldet. Gemeinsam soll vor der Kulisse der Werbe-Weltmeisterschaft kreative Power «made in switzerland» manifestiert werden. DJ MassiveMusic legt auf. Bubble Beatz sorgt für «trash percussion». Und als schillernde Dekoration sind bis zum Redaktionsschluss dieser Meldung bereits ein paar glänzende Löwen von Schweizer Agenturen gesichtet worden.

Bereits laufen die Partys an der Croisette auf Hochtouren bei angenehm sommerlichem Wetter.

Vor dem Beach des Marriotte Hotels hat Google einen «Sandkasten» zum kreativen Spielen eingerichtet. Vor dem Carlton ist am Mittwoch die legendäre Party des Musiclabels Massive Music über den Sand gelaufen. Zum Event des grössten Lieferanten für Musik im Bereich Werbung werden die Tickets auf dem Schwarzmarkt zu Höchstpreisen gehandelt. Die Werbewoche war dabei, weil die gleichen DJ von Massive Music am Donnerstag auch für die Swiss Party auflegen werden.

Auch zahlreiche Schweizer Cannes-Bummler aus Zürich waren an der massiven Fete auszumachen. Im Gedränge der Hunderten haben sich ihre Spuren auf dem Sand aber schnell verloren. Mehr Bilder von der helvetischen Kreativ-Prominenz deshalb morgen von der Swiss Party beim Miramar-Hotel.
 

Top der Woche: Mehr Inserate im Mai

Die Schweizer Presse hat im Mai 2011 rund 147,8 Millionen Franken mit Inseraten eingenommen. Dies entspricht einer Zunahme von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, wie die Wemf AG für Werbemedienforschung mitteilte.

Von den 147,8 Millionen entfielen 14,3 Millionen Franken auf Stellenanzeigen (+ 7,0%). Bei den Liegenschaftsanzeigen (4,9 Millionen Franken) ergibt sich im Vergleich zum Mai 2010 ein Plus von 6,2%, bei den kommerziellen Anzeigen (120,1 Millionen Franken) beträgt die Zunahme 3,6 Prozent.

Chance oder Gefahr?

Bis Ende Jahr wollen sich Verleger und die SRG über die Bedingungen für Online-Werbung beim Staatssender einigen – Online-Werbevermarkter sehen darin vor allem Vorteile.

Schon seit Jahren äussern sich Verleger kritisch zu jedem Ausbauschritt, den die SRG auf ihren Online- Portalen unternimmt. Es gehe nicht an, dass die grosse gebührenfinanzierte Konkurrentin in diesem aufstrebenden Markt ihnen das Wasser abgrabe. Doch solcherlei Sorgen werden bei Online-Werbevermarkten nicht geteilt – sie sehen darin vielmehr neue Chancen, nicht zuletzt für die Verlage. «Publimedia steht neuen, reichweitenstarken Portalen positiv gegenüber», sagt CEO Andreas Gedenk und schlussfolgert: «Schliesslich sollte sich eine Steigerung des Inventars auch stimulierend auf den Markt auswirken. Konkurrenz belebt den Markt, was neue Herausforderung für die Planung ergibt und somit diese Disziplin attraktiver macht.» Für Werbeauftraggeber wären Werbeplatzierungen auf sf.tv «sehr spannend», sagt Simon Morton, CEO des Online- Werbevermittlers Admazing. Dies natürlich im Bereich von Online-Videowerbung, aber auch bei thematisch abgestimmten Platzierungen im Umfeld der einzelnen Sendungen. Solche zusätzlichen, hochwertigen Platzierungsmöglichkeiten wären vor allem deshalb «durchaus willkommen», weil «im boomenden Online-Markt auch die Nachfrage kontinuierlich steigt». Zwar sei mit den grossen internationalen Websites und Netzwerken insgesamt ein grosses Überangebot an Traffic vorhanden, weshalb eine weitere Stärkung des inländischen Angebots «sicher begrüssenswert» wäre. Denn mit Online- Werbung auf den SRF-Sites könnten wahrscheinlich auch Werbekunden für Online-Werbung begeistert werden, die vorher wenig oder gar nicht in diesem Medium aktiv waren, was gut für den gesamten Markt wäre. Und auch für Michael Baum, Managing Director der Stailamedia AG, «ist eine Öffnung durchaus zu begrüssen», werde doch so der Mega- trend rund um Online- Bewegtbildwerbung unterstrichen.

Dass sich solche neuen Möglichkeiten für die Online- Werbung eröffnen, schien vor einen Jahr schon fast klar. Der Bundesrat hat es damals «grundsätzlich befürwortet », dass die SRG in ihrem Online-Angebot künftig auch Werbung platzieren kann. Weil es dadurch zu einer neuen Konkurrenzsituation zwischen der SRG und den Printmedien kommen könne, forderte die Landesregierung die SRG auf, «dass sie auf die Verleger zugeht und gemeinsam mit ihnen nach einer Lösung sucht, die es allen Beteiligten erlaubt, unter angemessenen Rahmenbedingungen im Online-Bereich tätig zu sein».

Wie eilig und in welche Richtung die neue Medienministerin, Bundesrätin Doris Leuthard, in dieser Frage vorwärts gehen will, ist unklar, zumal im ersten halben Jahr ihrer Amtszeit im UVEK ihre Medienpolitik kaum Konturen angenommen hat. Gemäss Auskunft von Urs F. Meyer, Geschäftsführer beim Verlegerverband Schweizer Medien, gab es bis im Januar dieses Jahres drei Gespräche, an denen jeweils Jean-Bernard Münch, Präsident des Verwaltungsrates der SRG, und SRG-Generaldirektor Roger de Weck sowie ein Ausschuss in wechselnder Zusammensetzung des Verlegerverbandes teilgenommen habe. Weil seitens der Verleger beim Rechtsprofessor Urs Saxer ein inzwischen vorliegendes Gutachten in Auftrag gegeben wurde, sind die Gespräche im Frühling unterbrochen worden und sollen Anfang Juli fortgesetzt werden. Seitens der Verleger hat man sich anlässlich einer Retraite vor Pfingsten darauf vorbereitet, und Meyer gibt sich zuversichtlich, dass man sich bis Ende Jahr über ein gemeinsames Vorgehen abgestimmt haben werde. Denn es gebe «Punkte, wo wir uns werden finden können». Ein 50:50-Modell für ein gemeinsames Angebot wäre «ok», und es gebe «angedachte Modelle », die jetzt herausgearbeitet werden müssten. Doch Meyer gibt auch zu bedenken, dass vor allem auf Grund der Beispiele wie der AG für Werbefernsehen und des Teletext man seitens der Verleger den «Glaube an das faire Zusammenspiel verloren» habe. Denn beide Unternehmen, an denen sich ursprünglich Verleger beteiligten, werden inzwischen von der SRG kontrolliert.

Auch bei der SRG gibt man sich hoffnungsvoll. «Es werden harte Verhandlungen sein», sagt SRGUnternehmenssprecher Daniel Steiner, fügt aber an, man sei zuversichtlich, bis Ende Jahr «einen gut- schweizerischen Kompromiss finden zu können».

Und SRG-Präsident Jean-Bernard Münch sagte an einer Tagung Ende Mai: «Wir möchten eine gemeinsame Plattform für die Schweiz bilden.» In eine solche Richtung scheint man offenbar auch im Bundesrat zu denken. In einer Antwort auf einen parlamentarischen Vorstoss liess die Landesregierung Anfang Juni wissen: «Es geht dabei nicht nur um Zusammenarbeitsmodelle im Werbebereich. Zwischen der SRG und den Verlagen sind Kooperationen und Synergien denkbar, die darüber hinaus gehen und letztlich den Medienstandort Schweiz insgesamt stärken.» Angesichts dieser Ausgangslage ist offen, wohin die Reise gehen wird und wie die Online- Angebote der SRG künftig aufgestellt und produziert werden. Denn je nach Ausgang der Gespräche ist alles möglich: Von informellen Absprachen zum Austausch von Inhalten bis hin zu einer gemeinsam betriebenen (kartellrechtlich indes nicht unproblematischen) Monster-Website oder neuen Kooperationen in assoziierten Bereichen. Christoph J. Walther

Das Streitobjekt

Angesicht der Debatte um Online-Werbung bei der SRG lohnt es sich, das Streitobjekt, die Online-Redaktionen beim Schweizer Radio und Fernsehen SRF, genauer zu betrachten. Die derzeit noch separaten Online-Auftritte von Radio (drs.ch) und Fernsehen (sf.tv) sollen im Rahmen des Konvergenzprojekts auf Mitte 2012 in einer neuen News-Plattform zusammengeführt werden. Ende Mai wurde Christian Schmid zum Leiter des neu geschaffenen Bereichs News Online von SRF bestimmt. Er soll sein Amt am 1. Oktober antreten, noch verantwortet er den Auf- und Ausbau der neuen Online-Redaktion der Wirtschaftsmedien von Axel Springer Schweiz. Beim SRF wird er allerdings nicht als weiterer Chefredaktor fungieren, sondern wird sowohl dem Chefredaktor TV, Diego Yanez, wie der Chefredaktorin Radio, Lis Borner, unterstellt sein. Schon bestimmt ist, dass die künftige Online-Redaktion ihren Standort in Zürich Leutschenbach haben wird. Doch alles andere sei derzeit offen und werde erarbeitet, teilt Andrea Hemmi, Leiterin der SRF-Unternehmenskommunikation, auf Anfrage mit.

Dazu gehört vorab die Frage nach der Anzahl der Stellen und deren Besetzung. Heute gibt es für die Betreuung der gesamten SRF-Internetauftritte drs.ch, sf.tv sowie srf.ch rund 50 redaktionelle Vollzeitstellen und rund 30 Vollzeitstellen im technischen Bereich. Zudem arbeiten in den verschiedenen Radio- und Fernseh-Redaktionen weitere Journalistinnen und Journalisten auch für die Online-Angebote, indem sie Informationen aus ihren Sendegefässen für Online aufarbeiten. Auf Grund dieser Doppelrollen sei die Zahl dieser Stellen nur schwer bezifferbar, sagt Hemmi. Mit diesen mehr als 80 Online-Stellen ist SRF den Verlagen überlegen. Bei Tamedia gibt es beim Newsnetz (ohne Regionalredaktionen) rund 40 Vollzeitstellen, und bei 20 Minuten, wo die Online-Redaktion derzeit ausgebaut wird, können rund 60 Vollzeitstellen veranschlagt werden. Für Technik und Produktion werden weniger als 10 Stellen eingesetzt. (Bei Ringier und NZZ ist ein Vergleich schwierig, da beim Blick viele Abläufe im Newsroom zusammengefasst und bei der NZZ-Gruppe neue Strukturen im Aufbau sind.)

Für den reinen News-Bereich sind heute bei den SRF-Redaktionen rund 30 Stellen im Einsatz, knapp ein Drittel davon in Bern beim Radio, zwei Drittel bei der Tagesschau-Online-Redaktion in Zürich. Hier ist auch die Redaktion des Teletext integriert. Der News-Online-Bereich ist rund um die Uhr besetzt, nachts durch eine Person, die Redaktionspikett hat. Sie haben bisher auch bei Grossereignissen nicht zusammen gearbeitet. Erstmals will man nun im Hinblick auf die Eidgenössischen Wahlen in gewissen Bereichen, etwa bei Dossiers über Parlamentarier, an einem Strang ziehen.

Die Online-Angebote von SRF werden rege genutzt. 2010 zählte drs.ch 1,6 Millionen monatliche Visits (+33% gegenüber Vorjahr) und sf.tv 12,5 Millionen monatliche Visits (+52% gegenüber Vorjahr). Zunehmend gefragt sind Audio- und Videoangebote, entweder als Livestreams oder zur zeitversetzten Nutzung. So stieg beim Radio die Zahl der Livestreams zwischen dem ersten Quartal 2010 und dem ersten Quartal 2011 um fast 130 Prozent auf 1,6 Millionen Nutzungen pro Monat. Beim Fernsehen liegt der Zuwachs bei 150 Prozent mit 0,5 Millionen Nutzungen pro Monat im 1. Quartal 2011. Deutlich höher sind die Zahlen für die Video-on-Demand-Nutzung: Fast 9 Millionen mal wurden im 1. Quartal 2011 Videos auf der Webseite von sf.tv zum zeitversetzten Betrachten angeklickt, was einem Zuwachs von 50,9 Prozent entspricht. SRF erreicht über das Netz ein deutlich jüngeres Publikum. Lag im letzten Jahr das Durchschnittsalter des Radiopublikums bei 50 Jahren und jenes des TV-Publikums bei 55 Jahren, sind Webnutzer mit durchschnittlich 38 Jahren somit rund 15 Jahre jünger als das SRF-Radio- und -Fernsehpublikum. Deshalb sei das Internetangebot «absolut ausschlaggebend», wenn SRF ein jüngeres Publikum erreichen will.

chancegefahr

 

Die Werbung mit dem Tupf

Die Zürcher BTL-Agentur Streuplan hat zum 100-jährigen Jubiläum von Nivea eine schweizweite Cross-Media- Kampagne konzipiert und umgesetzt. Die ersten Werbemassnahmen sind bereits gelaufen, bis Ende des Jahres wird es weitere Aktionen geben.

Die Idee der Jubiläumskampagne: Menschen bekommen einen Tupf Nivea-Creme auf die Nase und geben einen ebensolchen Tupf an eine andere Person weiter. Dabei werden sie gefilmt. Das Ziel: aus den aneinandergeschnittenen Kurzspots den längsten Werbespot der Welt zu produzieren. Das haben Nivea-Hersteller Beiersdorf und die Agentur Streuplan bereits erreicht, denn bis jetzt wurden schon 2500 Kurzfilmchen gedreht, von denen jeder etwa fünf Sekunden dauert. Macht rund dreieinhalb Stunden Werbespot. Dabei läuft die Kampagne erst seit Mitte Mai.

Seit einigen Wochen tourt ein Bus durch viele Schweizer Städte und Gemeinden, der die Tupf- Idee promotet. Rund um den Bus werden Nivea- Samples verschenkt, Kamerateams machen Tupf- Filme von Passanten. Im Bus kann man das gesamte Nivea-Sortiment testen, eine Hautanalyse machen oder sich von einer Visagistin beraten lassen. Wer sich filmen lässt oder selber mit Handy oder Webcam einen Tupf-Film dreht, kann tolle Preise gewinnen, zum Beispiel eine Traumreise im Wert von 10'000 Franken, eine von zwei Vespas oder eines von 45 Velos – natürlich im klassisch dunkelblauen Nivea-Design, das die Marke seit 1925 prägt. Ausserdem locken diverse Nivea-Pflegesets zur Teilnahme. Die Gewinne werden Ende Jahr unter allen «Filmdarstellern » verlost.

Vertraute Geste

«Die Tupf-Kampagne transportiert die Kernwerte von Nivea: Geborgenheit, Vertrauen, Ehrlichkeit, Familie und Freundschaft», erklärt Daniel Münster, Marketing Manager von Beiersdorf Schweiz. «Wohl die meisten Schweizer haben als Kind von ihrer Mutter einen Tupf Creme auf die Nase gekriegt. Diese Geste weckt also – hoffentlich positive – Kindheitserinnerungen. » Viele, die bisher eine Tupf-Szene zum längsten Werbespot der Welt beigetragen haben, sind Mitarbeiter von Beiersdorf. Das Unternehmen bedankt sich mit der Kampagne für 100 Jahre Treue bei seinen Kunden, aber auch bei seinen Angestellten. Münster: «Deshalb wollten wir unseren Mitarbeitern die Möglichkeit bieten, ebenfalls Teil dieser Kampagne zu werden. Das hat starken Anklang gefunden.» Auch Promis haben bereits Tupf-Filmchen für Nivea gedreht: Miss Schweiz Kerstin Cook zum Beispiel, Moderatorin Eva Camenzind oder Annabelle- Chefredaktorin Lisa Feldmann.

Gut getupft ist halb gewonnen

Die Tupf-Idee kommt gut an. Davon zeugen auch die zahlreichen Zugriffe auf den Online-Auftritt zur Kampagne und die lange Verweildauer von durchschnittlich fast fünf Minuten auf www.nivea.ch/100. Der bereits jetzt ellenlange und stetig weiterwachsende Werbespot wird rege angeschaut. Beiersdorf ist mit dem bisherigen Verlauf der Kampagne sehr zufrieden: «Streuplan ist für uns der ideale Partner, um innovative und überraschende BTL-Kampagnen umzusetzen. Deren Kreativität und Einsatzbereitschaft machen wirklich Spass», betont Daniel Münster. «Wir sind zwar eine BTL-Agentur, aber die crossmediale Kampagne umfasst viel mehr als nur BTLMassnahmen », sagt Thomas Back, Inhaber von Streuplan. In der Tat: Neben diversen POS-Aktionen, bei denen beispielsweise 400 000 Retro-Niveadosen im Miniformat und Sofortgewinn-Rubbelkarten verteilt wurden, gestaltete Streuplan den Nivea-Tourbus, ein Pop-up-Inserat mit einer Geburtstagstorte, das im Mai in der Annabelle erschien, kreierte einen Tupf-Fotowettbewerb, platzierte Presseberichte und Anzeigen im Migros- und Coop-Magazin sowie in der NZZ am Sonntag, produzierte einen Umhefter und Anzeigenstrassen für 20 Minuten, integrierte einen Facebook-Account und baute eine Website zur Kampagne auf, veranstaltete ein Nivea-Shooting im Schaufenster des Berner Kaufhauses Loeb und liess bei einer Guerilla- Aktion an der Art Basel Doubles von Brad Pitt und Angelina Jolie auftreten – natürlich mit einem Nivea-Tupf auf der Nase. Ausserdem produzierte Streuplan den Song, mit dem die Tupf-Filme unterlegt sind: Er ist an Paolo Contes «Via con me» angelehnt. Wer aber aufmerksam ist, hört «Nivea, Nivea» statt «Via, via». Auch eine eigene App, über die jeder Tupf-Film-Darsteller seine Personalien für die Verlosung der Gewinne hinterlegen kann, hat Streuplan programmiert.

Am 27. Juni läuft eine Online-Aktivierungskampagne an, die die Tupf-Filme noch pushen soll, im Sommer folgt eine Facebook-Aktivierungskampagne. Ausserdem sind weitere Aktionen auf der Strasse sowie in den Social Media geplant. Und Nivea konnte die Sängerin Rihanna für seine Jubiläums- Werbung gewinnen: Nivea sponsert Rihannas Europatour und verwendet im aktuellen TV-Spot von DraftFCB den Song «California King Bed» des Popstars. Bei den beiden Rihanna- Konzerten am 7. November und 10. Dezember im Zürcher Hallenstadion kann man deshalb nicht nur Meet&Greet-Tickets gewinnen, sondern sich auch von weiteren Aktionen von Nivea und Streuplan überraschen lassen.

Anne-Friederike Heinrich

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Wander wechselt von Print zu Online

Wander in Bern, Hersteller des Schweizer Volksgetränks Ovomaltine und Inhaber zahlreicher weiterer Marken, stellt sein «Wander Magazin» ein und will stattdessen verstärkt Online-Newsletter nutzen.

Die letzte Printausgabe des Wander-Magazins ist die Frühjahrsausgabe. Das Magazin Contact, später in Wander Magazin umbenannt und von Infel produziert, sollte im Jahr die Aufmerksamkeit der Schweizer von der Marke Ovomaltine auf die zahlreichen weiteren Marken des Wander-Konzernes lenken, wie Cpwissen.de schreibt. Es erschien halbjährliche mit einer Auflage von 150‘000 Exemplaren in der Schweiz.

Die im März 2011 eingesetzte neue Führung um Arnold Furtwaengler, der als Geschäftsleiter auch die Marketingleitung verantwortet, setze nun aber jetzt aber auf Strategiewechsel. Statt des Printprodukts sollen nun verschiedene Online-Newsletter die Kunden erreichen, «um damit schneller auf Neuigkeiten reagieren zu können und noch näher am Kunden zu sein», wie es gemäss Cpwissen.de heißt. Die neuen Formen der Online-Kommunikation werden derzeit entwickelt.
 

Murdoch will mit WPP Tablet-Werbung erforschen

Der Zeitungskonzern News International von Rupert Murdoch und die WPP Group haben sich zusammengetan um ein gemeinsames Forschungsprojekt zu starten. Dieses soll die Effektivität von Werbung auf Tablet-PCs untersuchen.

Mit dabei sind eine Reihe von WPP-Kunden, für die die Ergebnisse der Untersuchung Mitte August erhältlich sein werden. Das Forschungsprojekt untersucht die Effektivität von Werbung auf Tablets und vergleicht sie mit der von klassischen Medien, wie etwa Zeitungen. Dies schreibt Brandrepublic.com am Donnerstag. Konkret seien die Schwerpunkte Fragen nach der Verweildauer, der Click-trough-Rate sowie der Nutzertoleranz gegenüber des Umfangs der Werbung.
 

Der Impact-Check der Werbewoche

Wir zeigen, wie aktuelle Kampagnen bei den Konsumenten abschneiden.

Bei der Awareness liegt Coop Fairtrade Max Havelaar von Krieg Schlupp Bürge an der Spitze, gefolgt von der Migros-Quizmania- Anzeige von Wirz und der Anzeige für Sbrinz der Werbeagentur Wapico. Sportplausch Wider von Advico Young&Rubicam siegt beim Kriterium Uniqueness vor der Anzeige für die Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft von Draftfcb/Lowe und derjenigen für Schweizer Fleisch der Polyconsult. Beim Kriterium Brand Fit gewinnt das Schweizer Fleisch vor der Anzeige für die Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft und Sbrinz. Schweizer Fleisch liegt auch bei der Likeability an der Spitze vor Sbrinz und Sportplausch Wider.

> Zu den Ergebnissen im Überblick (PDF)
> Zu den detaillierten Ergebnissen (PDF)

Fragestellung und Methodik

Methode: Computer Assisted Web Interviews (CAWI).
Instrument: Online-Interviews über die Marketagent.com-reSEARCH-Plattform.
Zielgruppe: webaktive Personen aus der Deutschschweiz zwischen 14 und 65 Jahren.
Sample-Grösse: n = 504 Netto-Interviews, Random Selection nach Quoten.
Erhebungszeitraum: 8. 06. 2011–15. 06. 2011.
Fragen:
– Wir haben Ihnen zu Beginn der heutigen Befragung einige Anzeigen vorgestellt. An welche dieser Anzeigen können Sie sich erinnern? Bitte nennen Sie uns die werbenden Unternehmen bzw. die beworbenen Marken. (Awareness)
– Inwieweit heben sich diese Anzeigen Ihrer Meinung nach von anderer Werbung in Zeitungen, Magazinen und Zeitschriften ab? Bitte bewerten Sie jeweils von 1 (= hebt sich überhaupt nicht ab) bis 6 (= hebt sich sehr stark ab). (Uniqueness)
– Inwieweit passen diese Anzeigen zu dem Bild, das Sie von den jeweiligen Marken/ Unternehmen haben? Bitte bewerten Sie jeweils von 1 (= passt überhaupt nicht zu meinem Bild von dieser Marke) bis 6 (= passt sehr gut zu meinem Bild von dieser Marke). (Brand Fit)
– Inwieweit gefallen Ihnen die folgenden Anzeigen? Bitte bewerten Sie jeweils von 1 (= gefällt mir überhaupt nicht) bis 6 (= gefällt mir sehr gut). (Likeability)

Bei den abgedruckten Werten handelt es sich jeweils um die Top-Box-Bewertungen «hebt sich sehr stark ab», «passt sehr gut zu meinem Bild der Marke», «gefällt mir sehr gut».

Verfasserin der repräsentativen Studie «Werbelieblinge der Schweiz» ist die auf Online Marktforschung spezialisierte Marketagent.com Schweiz, die über ein registriertes Panel von
20'000 befragungswilligen Personen in der Deutsch- und der Westschweiz verfügt. Marketagent.com Schweiz ist ein Tochterunternehmen des führenden österreichischen
Marktforschungsunternehmens Marketagent.com online reSEARCH GmbH und der Schweizer Kommunikationsagentur Contract Media AG.

Aufgespiesst: Macht geht durch den Magen

Werbewoche-Redaktorin Anne-Friederike Heinrich über ungezügeltes (Fr)essen und seine Vorteile.

aufgespiesst

Putzerfisch müsste man sein. Wohlgemerkt: Fisch, nicht Fischin. Die Weibchen der Unterwasserputzfrauen haben nämlich nicht viel zu lachen. Statt ihrem Schwarm müssen sie sich ihrem Schwarm-führer unterordnen, sie müssen im Harem leben, anderen Meeresbewohnern die Parasiten abknabbern und dürfen nach getaner Arbeit nicht einmal ein paar knackige Algen naschen, wenn sie Gluscht darauf haben. Denn ihr schuppiger Herr und Meister wacht strengstens über ihr Gewicht. Die Herren in der Putz-equipe haben es dafür gut: Sie dürfen essen, was sie wollen, halten sich bis zu 16 Weibchen in einem Harem (die vermutlich die ganze Putzarbeit erledigen, während er ein wenig durch die Korallen paddelt) und haben bis zu ihrem Tod nie Konkurrenten.

Wie die Putzerfischmännchen das hinbekommen, haben Forscher der Universitäten Neuenburg, Zürich und Queensland kürzlich aufgedeckt: Alle Putzerfische werden als Weibchen geboren. Soweit ist die Welt noch in Ordnung. Aber jetzt kommts: Dasjenige Weib¬chen, das am schnellsten am grössten wird, wechselt sein Geschlecht und wird zum Anführer der Gruppe. Und als Konvertit wacht es dann über die schlanke Linie seiner ehemaligen Geschlechtsgenossinnen, damit ja kein Konkurrent heranwächst. Grosse Putzerfischweibchen, die trotzdem zu viel fressen – und damit eigentlich nur ihren Job machen – werden vom obersten Facility Manager empfindlich bestraft. Manche müssen den Putzkübel austrinken, auch Schläge mit dem Schrubber sind keine Seltenheit …

Ich habe dich und Fressen gern

Es gibt zwei Gründe, warum mich diese Nachricht dennoch mit Hoffnung erfüllt. Erstens: Was interessiert uns Damen noch die schlanke Linie, wenn man mit einem Gewichtszuwachs auch einen Macht-zuwachs erwarten kann? Vor allem als werdendes Mami (mit sprunghaft wachsendem Bauch) ist das für mich eine spannende Perspektive. Was nach der Geburt ist, fragt man sich in meiner Situation prinzipiell nicht. Zweitens: Weil ich nicht zunehmen darf, muss ich weniger putzen. Das ist mal eine Logik! Wen inte¬ressiert da noch der Kalorienverbrauch beim Fensterputzen? Ich sage ja, Putzerfisch müsste man sein. Dafür würde ich auch die Schuppen in Kauf nehmen.

Zu Anne-Friederike Heinrichs «Aufgespiesst: Fronkreisch, Fronkkreisch!» in der Werbewoche vom 10. Juni 2011:

Ich gebe zu, man muss schon mindestens ein Vierteljahrhundert in Frankreich leben oder dann zweisprachig aufwachsen, um alle Raffinessen der französischen Sprache zu verstehen. Die Verfasserin des Artikels ist auf gutem Weg, so schreibt sie sehr witzig, was bei deutschsprachigen Kolumnisten selten ist, die sofort in einen lutheranisch wirkenden Predigerton verfallen. Auch ihr Stil ist elegant und hat Chuzpe: Das ist schon «très français», ein echter Anfang zur Lesbarkeit. (Ein französischer Schriftsteller sagte einmal über einen seiner Rivalen: «C’est un homme remarquable, mais il a un défaut impardonnable pour un Français: il ne sait pas écrire.») – Aber zur Sache: Als ich in den 1970er-Jahren in einer französischen Poststelle nach einem Telefonbuch fragte, wies man mich freundlich auf den Minitel-Bildschirm hin, der in einer Ecke stand und eifrig benutzt wurde. Es war der Vorläufer des Personalcomputers, aber öffentlich, und so war ihm leider keine grosse merkantilistische Karriere vergönnt, während die französischen PTT bis heute den republikanischen Slogan führen: «Le progrès sert seulement à quelque chose, s’il est partagé par tout le monde», oder so ähnlich. Was nun aber das Wort «Computer» betrifft, so muss ich einfach darauf hinweisen, dass es für französische Ohren schlicht schockierend klingt, und zwar wegen seinen Konnotationen an «con» und «pute», zwei Argot-Ausdrücke, deren Übersetzung man mir, S.V.P., an dieser Stelle erlasse. Also lassen wir doch den Franzosen ihren «ordinateur» und kommen bescheiden von unserem hohen anglo-amerikanisch-deutschen Ross herunter. H. P. Gansner, Schriftsteller, Genf und Hochsavoyen
 

Green Business gelauncht

Vor kurzem wurde das neue Magazin Green Business gelauncht. Das Magazin in französischer Sprache ist im Bereich nachhaltige Entwicklung und saubere Technologie positioniert.

Die erste Ausgabe beinhaltet eine Reportage über die Katastrophe in Fukushima und deren Einfluss auf die Entscheidung der Schweizer Regierung, Nuklear-Energieproduktion zu beenden. Für die erste Ausgabe ist Roland Leimgruber als Chefredaktor tätig. Weitere Ausgaben des viermal jährlich erscheinenden Magazins laufen unter der Leitung von Chefredaktor Pierre-Henri Bade.
 

Zur Sache: Was bringts?

Der Rentner Peter K. hielt letzten Herbst während neun Tagen ganz Biel in Atem. Er widersetzte sich einer Zwangsräumung und verschanzte sich bewaffnet in seinem Hause.

Auf seiner Flucht soll er auf einen Polizisten geschossen und diesen lebensgefährlich verletzt haben. Nach einer dreitägigen Flucht konnte er festgenommen werden.

Die Geschichte füllte die Schweizer Zeitungsspalten. K. war als unbequemer Zeitgenosse bekannt und deckte scheinbar während Jahren die Behörden mit seinen Schreiben ein. Seit seiner Festnahme sitzt er in Untersuchungshaft. Nach seiner Verhaftung wurde klar, dass im Vorfeld der Aktion der Informationsfluss zwischen den einzelnen Behörden nicht optimal war.

Jetzt, neun Monate später, erscheint in Le Matin ein mehr als 15 000 Zeichen langes schriftliches Interview mit Peter K., in dem er präzise, aber gleichzeitig auch äusserst ausschweifend auf die gestellten Fragen antwortet. Er zeigt sich als überzeugter Alt-68er mit einer unbändigen Wut auf den Staat und dessen Exponenten. Zum Interview gab es einen Kommentar des stellvertretenden Chefredaktors zu lesen.

Logischerweise wurde das Interview sofort von den anderen Medien aufgenommen. 20min.ch und Blick.ch brachten eine Zusammenfassung (Blick.ch mit voller Namensnennung), Tagesanzeiger.ch eine vollständige Übersetzung mit voller Namensnennung. Ob Peter K.s Antworten plausibel sind oder nicht, sollen Psychiater beantworten, ob er schuldig oder unschuldig ist, die Gerichte. Darum geht es hier nicht. Ich habe mich einfach nur gefragt, was dieses Interview überhaupt soll. Bringt es Licht in eine wahrscheinlich sehr tragische Affäre? Bedient es nur die Lust an der Sensation? Oder lassen sich die Medien hier vielleicht sogar manipulieren? Ich weiss es nicht. Zu hoffen ist, dass gewisse Aspekte in K.s Aussagen von den Medien nachgeprüft und weiter untersucht werden.

Ein unerfreulicher Punkt sind wieder einmal die Kommentare der Leser. 65 waren es beim Lematin. ch, mehr als 180 bei 20min.ch., mehr als 40 bei Tagesanzeiger.ch (Stand Mittwochnachmittag). Es gab wie immer einige Beiträge mit interessanten Gedankenansätzen, der grosse Teil der Kommentare war aber – gelinde gesagt – unterirdisch. Entweder unterstützen die Schreiber kritiklos die Anschuldigungen von Peter K. und hauen auf den Staat, dessen Exponenten und die Gesellschaft ein. Oder aber sie rufen genauso kritiklos nach Recht und Ordnung. Bei gewissen Kommentaren läuft es einem kalt über den Rücken: Wehe wenn sie losgelassen.
 

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