WW: Die SBB fährt seit Jahren mit dem gleichen Namen. Die Produkte Ihres Unternehmens wurden bisher unter PTT, Swiss Telecom, Swisscom, Bluewin und jetzt wieder Swisscom angeboten. Ist es schwierig, eine Markenführung zu machen für ein Produkt, das sich so schnell wandelt wie Kommunikationsmöglichkeiten?
Olivier Quillet: Es wird eigentlich immer einfacher, weil die Technologie die Konvergenz fördert. Es gab eine Zeit, wo wir klar unterscheiden konnten zwischen Fernsehen oder Telefon. Mit dem Internet denken die Leute immer weniger in Technologie- Kategorien, sondern an den Zugang zur digitalen Welt. Egal, was nachher dort konsumiert wird – TVSendung oder Telefongespräch: Die Technologie erleichtert die ganze Arbeit.
Die One-Brand-Strategie gibt es seit drei Jahren. War das ein guter Zeitpunkt oder hätte man früher damit anfangen sollen?
Schwierig zum Beantworten. Man hätte das kaum früher lancieren können. Die Technologie war noch nicht so weit. Erst in den letzten paar Jahren hat die reelle Konvergenz stattgefunden. Vorher sind wir noch auf unterschiedlichen Schienen gefahren. Da wäre die Zusammenführung unter eine Dachmarke eine sehr grosse Herausforderung gewesen.
Bluewin ist eine sehr beliebte und gut eingeführte Marke. Wie geht es damit weiter?
Im Moment hat Bluewin offiziell keinen Bestand mehr. Die Marke ist noch bei den E-Mail-Adressen und beim Bluewin-Portal ersichtlich. Was in Zukunft passieren kann, weiss ich noch nicht. Es gibt zwei Möglichkeiten: Man forciert den Tod dieser Marke oder man hält sich die Möglichkeit für eine spezifische Aktivität weiterhin offen. Für viele Leute in der Schweiz ist Bluewin nach wie vor eine starke Marke. Man könnte sie allenfalls wieder für etwas Neues beleben, wenn das einen Sinn machen könnte oder sich als nötig erweist. Vielleicht, wenn noch einmal ganz neue Medien kommen …
Für die aktuelle Kampagne ist Saatchi & Saatchi bei einem Pitch neue Lead-Agentur geworden. Wie geht es mit den bisherigen Contexta und Jung von Matt weiter?
Wir sind der Ansicht, dass es wegen der Breite unserer Aktivitäten nötig ist, dass wir mit mehreren Agenturen zusammenarbeiten. Das ergibt auch eine gesunde Belebung vom kreativen Potenzial. Das heisst: Wir werden nach wie vor mit Contexta und Jung von Matt/Limmat arbeiten – aber auf den gleichen kreativen Ansätzen aufbauend.
Zum One Brand hat Saatchi & Saatchi auch eine einzige Plattform für die Kommunikation entwickelt. Was bietet diese für Möglichkeiten?
Ich hoffe alle! Ziel der Übung ist, dass wir eine Plattform und nicht nur eine Kampagne haben, die uns erlaubt, die ganze Vielfalt der Swisscom zu kommunizieren. Diese ist vor allem bei den Privatkunden noch zu wenig bekannt. Wir sind die Firma im Digitalbereich, welche die grösste Palette anbietet – von IT-Services für die Industrie, über Produkte bis hin zu Telefon und TV für Privatkunden. Ob IT-Service im Büro oder Swisscom-TV zuhause: Es ist am Schluss die gleiche Person, der gleiche Kunde, der von unseren Diensten profitieren kann. Deshalb wollen wir in unserer Werbung diese angestrebte Durchgängigkeit sichtbar machen.
Wie kann man diese Plattform umschreiben?
Wir wollten den Leuten vor Augen bringen, wie eigentlich unersetzbar und wertvoll unsere Dienste sind im Alltag. Da sehe ich ganz stark eine Entwicklung seit 30 Jahren. Früher konnte man einen ganzen Tag ohne Telefon verbringen. Die Zeiten sind vorbei, unsere Dienste sind heute unersetzbar geworden. So wollen unsere Kunden immer und überall erreichbar sein und die technischen Möglichkeiten nutzen können. Mit unserer Werbung wollen wir erreichen, dass bei den Kunden dieser Wert unserer Dienste wieder stärker in den Vordergrund rückt. Die Leute sollen nicht mehr nur immer an den Preis denken, sondern verstehen: Ich kann mich dank diesen Diensten wirklich mit meiner Welt in Verbindung setzen – sei es im Business oder in meinem Privatleben, weil ich immer und überall auf die Swisscom vertrauen kann. Das war der Ansatz und wir haben daraus die ersten Säulen entwickelt für unsere Plattform. Die überdimensionalen Objekte wie das Herz oder das Windrad symbolisieren den emotionalen Mehrwert des Produkts oder der Dienstleistung, die wir unseren Kunden bieten. Für die Kampagne haben wir zudem auch unsere Mitarbeitenden eingesetzt, dies zeigt den Beitrag, den jeder Einzelne von uns jeden Tag für unsere Kunden erbringt.
Welche Rolle spielt Swissness in diesem Konzept?
Als dritte Säule ist die Swissness für mich absolut wichtig. Das wurde in den letzten Jahren vielleicht ein bisschen aus den Augen verloren. Swissness ist unser stark differenzierender Faktor gegenüber der Konkurrenz. Wir haben eine mit der Schweiz eng verbundene Geschichte und sind eine der wenigen Firmen, welche die ganze Schweiz physisch verbindet und die Leute in ihrer ganzen Vielfalt zusammenbringt. Und das seit rund 150 Jahren. Qualität, Zuverlässigkeit und Kundenservice stehen absolut im Vordergrund. Das spielen uns die Kunden wieder zurück und auf dem wollten wir aufbauen. Dazu kommt auch die Tatsache, dass wir enorm viel in der Schweiz investieren. Jedes Jahr über eine Milliarde Franken in unser Netz und die Infrastruktur. Soviel investiert hier keine andere Firma in diesem Bereich. Das ist unser Beitrag zur Schweiz. Der Wirtschaftsstandort Schweiz ist auch dank unserer Leistung international gesehen so attraktiv.
Bei der neuen Kampagne ist nicht zu übersehen, dass Publicis in der letzten grossen Image-Kampagne auch ein Casting mit Mitarbeitenden von Orange durchgeführt hat. Diese durften dann Lichteffekte in den Himmel zaubern. Bei Saatchi & Saatchi dürfen die Swisscom-Mitarbeiter nun Symbole durch die Landschaft tragen. Ist es schwierig, für eine fast identische Produktpalette wie die Möglichkeiten der Kommunikation eine eigenständige Bildsprache zu finden?
Es ist allgemein schwierig, in der Werbung wirklich eigenständig zu sein. Es gibt nichts, was es nicht schon gegeben hat. Bei uns ist im Vordergrund gestanden – und das ist eine persönliche Überzeugung: Mitarbeitende sollten die besten Botschafter einer Marke sein. Man muss stark daran arbeiten, dass diese ganz überzeugt hinter dieser stehen können – auch inklusive Kommunikation. Ein Weg dazu ist, dass die Mitarbeitenden wirklich physisch mitwirken können, involviert werden und dadurch eine viel grössere Identifikation bekommen. So ist die Idee entstanden.
Wird dieses Kapital der Mitarbeitenden auch noch anders eingesetzt werden?
Mit unserer neuen Kommunikationsplattform und mit diesem Ansatz werden wir immer wieder neue Möglichkeiten haben – sei es klassisch mit Werbespots, aber auch im Online-Bereich. Hier bieten sich viele Möglichkeiten. Wir haben zum Beispiel eine sehr lebendige Online-Support-Community, in der unsere Mitarbeitenden etwas beitragen können. Der Einbezug unserer Mitarbeitenden wird sicher ein wichtiges Standbein bei vielen zukünftigen Massnahmen sein.
Gibt es bei der Swisscom ein internes Mitarbeiter-Branding?
Ich würde sagen: Ja – aber ich gehe noch einen Schritt weiter. Es sollte eigentlich keinen Unterschied geben zwischen internem und externem Branding. Es muss eine einzelne Marke sein. Eine Marke, die sowohl intern wie extern absolute Kohärenz und Konsistenz ausstrahlt. Wenn man intern etwas anderes leben würde als gegenüber den Kunden, wird das in der heutigen Kommunikationswelt sofort aufgedeckt. Die Welt ist viel transparenter geworden.
Wie ist die Kampagne intern angekommen?
Sehr gut. Mit dem internen Casting haben wir grosses Interesse geweckt. Sehr viele Mitarbeitende haben sich angemeldet. Jeder hat in seinem Umfeld darüber berichtet. Die Dreharbeiten sind zu einem einzigartigen Erlebnis geworden. Zudem haben wir die neuen Werbespots zuerst intern gezeigt, bevor sie öffentlich erschienen sind.
Wie echt sind die ziemlich spektakulären Szenen, zum Beispiel in den Bergen?
Die sind alle echt. Wir haben tatsächlich Leute gefunden, die das Herz bis auf den Gipfel des Titlis getragen haben. Das war im August bei minus 10 Grad in diesem verregneten Sommer. Aber alle haben mit viel Spass mitgemacht.
Zur Technik: Wo steht die Swisscom mit der Entwicklung im Vergleich zur Konkurrenz?
Die Swisscom steht gegenüber ihrer Konkurrenz sehr gut da und verfügt über ein sehr gutes Netz, im Mobile- und im Festnetzbereich. Um unseren Kunden auch künftig die beste Qualität, den besten Service und das beste Netz bieten zu können, bauen wir unser Netz laufend aus. So investieren wir laufend in unsere Mobilfunkinfrastruktur und treiben den Glasfaserausbau weiter voran. Damit sind wir für künftige Dienstleistungen gerüstet. Wir haben zudem den Vorteil, dass wir unseren Kunden alles aus einer Hand bieten können, von Mobilfunkangebot über den Festnetzanschluss bis hin zu Internet und Fernsehen.
In welchem Bereich wird am meisten investiert oder was ist das Kernbusiness: Telefon, Internet, TV, B2B?
Man kann es nicht mehr so strikt unterscheiden. Wir werden immer in die Qualität der Verbindung investieren. Die Konvergenz wird dazu führen, dass ein Kunde zum Schluss nur noch eine Verbindung braucht. Wichtig wird für uns deshalb der Service sein. Hier können wir als Schweizer Unternehmen in der Schweiz eine einmalige Qualität liefern, welche die Swisscom im Vordergrund positionieren wird.
Bietet die Marke Swisscom auch international Potenzial?
Die Swisscom steht als traditionelles Schweizer Unternehmen mit ihrer Marke für Qualität und Service. Die Stabilität der schweizerischen Politik, die Rechtssicherheit und die hohen Anforderungen an Datensicherungen bieten auch international Potenzial, gerade bei Cloud-Services ist Swissness mit seinem Vertrauensbonus sehr wichtig, wenn beispielsweise ausländische Firmen ihre Daten in der Schweiz bei der Swisscom hosten wollen.
Interview: Andreas Panzeri