Wer auf ihre Website klickt, landet zuerst einmal in einem Wildwestfilm. Eine Gruppe dynamischer Reiter sprengt durch das Bild, verfolgt von einem Travelling. Die Cowboys jagen Richtung Westen. Darüber lässt sich der Einstieg lesen: «Hofer Kommunikation war die erste Werbeagentur in Bern und pflegt seit über 60 Jahren mit frischen Ideen und überzeugenden Kampagnen lokale und nationale Marken.» Die Filmbilder sind in einem historisch wirkenden Schwarz-Weiss gehalten. Das Medium, auf welchem sie gezeigt werden, ist das moderne Internet. In dieser Spannung liegt das Erfolgskonzept.
Vor zwei Jahren ist die traditionsreiche Hofer Kommunikation noch einmal zu dem wohl «ältesten Start-up» der Schweiz mutiert. Anfang 2010 haben Reto Steiner und Daniel Scheuzger die damalige Hofer an der Berner Stauffacherstrasse je zur Hälfte übernommen. Mit der neuen Leitung wehte auch bald ein frischer Wind durch die altehrwürdige Agentur. Als ein Zeichen dieses Neubeginns ist Hofer Kommunikation vor wenigen Monaten in das zukunftsträchtige Quartier in Bern West umgezogen. Als Erstmieter in einem Grossraum-Büro haben die Werber einen direkten Ausblick auf das Konsumgeschehen im 2008 eröffneten Shopping- und Erlebniscenter Westside. Dieses ist vom Stararchitekten Daniel Libeskind erbaut worden und strahlt mit seinem modernistischen Stil unübersehbar auch seine Kräfte bis zu den Arbeitsplätzen von Hofer aus. «Man fühlt sich hier am Tor zu etwas Neuem. Das Gebiet wird auch als der Wilde Westen von Bern bezeichnet. Es herrscht ein bisschen Goldgräberstimmung », interpretieren Daniel Scheuzger und Reto Steiner und schaffen damit noch einmal eine Brücke zum Einstiegsfilm auf ihrer Website.
Bilder aus längst vergangenen Zeiten und moderne Medien: Diese Spannung zwischen Innovation und Tradition zeigt sich auch in der Innenarchitektur der neuen Räume der Agentur. Luftige Durchblicke und elegantes Metall kontrastieren mit einem Holzboden voller Astlöcher und Computertischchen aus urchigen Baumstämmen. Diese Spannung soll auch in den Arbeiten nachwirken: Zeitgemäss neue Ideen für Kunden, die schon seit vielen Jahren ihrer alten Hofer treu bleiben.
Hofer ist die erste Werbeagentur von Bern und wurde von Max Hofer gegründet. Angefangen hat die Geschichte rund um das «Reklamebüro M. R. Hofer» 1950 mit einem Inserat für die damals bereits prestigeträchtige Marke Toblerone. Ebenfalls im ersten Jahr kreierte das Traditionsunternehmen die gesamten Werbemassnahmen für die Uhrenmarke Roamer Watch. Diese Arbeiten sind rund um die ganze Welt gegangen. Spätere Kunden waren Vespa oder in den Sechzigerjahren die Waschmittel der Bieler Seifenfabrik Schnyder. Für diese hat Hofer zum Beispiel Sibonet selbst im Meerwasser schäumen lassen. Mit Dan Air wurde 1970 die erste Flugverbindung von Bern nach London beworben. 1980 schaffte es der Hofer-Slogan «Sag’s doch schnell per Telefon» zum geflügelten Wort. Ab den 90er-Jahren wurde Hofer immer mehr zu einem Spezialisten für Public Relations. Die Agentur galt als eine sichere Adresse für konservative Werte. Trotzdem wagten die Kreativen bei Hofer im Jahre 2000 als ein damaliges Novum, die jugendlichen Kunden mit einer Comic-Figur für die SBB zu gewinnen. Das war die Zeit, als Daniel Scheuzger – eben aus dem Ausland zurückgekehrt – seinen Wiedereinstieg in der Schweiz bei Hofer suchte.
Daniel Scheuzger absolvierte zuerst eine Lehre als Bauzeichner. Dort entdeckte er seine Lust am etwas freieren Gestalten. Scheuzger entschloss sich, nach Hamburg auszuwandern, um Grafik Design zu studieren. Nach seiner Ausbildung verdiente sich der frisch gebackene Werber aus der Schweiz im Werbe-Mekka die Sporen ab. Neben Engagements in anderen Agenturen landete er schliesslich bei Springer & Jacoby. Dort konnte er von einigen Koryphäen der Branche viel über kreative Werbung lernen. Zurück in der Schweiz wollte Scheuzger aber nicht bei einer der angesagten Agenturen in Zürich weitermachen. Mehr lockte ihn eine neue Herausforderung: als AD wollte er Hofer Kommunikation in Bern mit frischen Ideen zum Erfolg führen. Dort hat er nach neun Jahren auch seinen heutigen Geschäftspartner Reto Steiner getroffen.
Nach der Ausbildung zum Primarlehrer studierte Reto Steiner an der Swiss Jazz School in Bern. An der Universität Bern liess er sich dann zum Zeichnungslehrer SLA ausbilden und arbeitete als Zeichnungs- und Musiklehrer. Daneben widmete sich Steiner seiner Leidenschaft für Comics. Zusammen mit dem bekannten «Comic-Freak» Fiscalini gewann er mehrere Preise am internationalen Comic-Festival Fumetto in Luzern. Auch seine Leidenschaft für die Musik blieb nicht ohne Folgen: Steiner spielte in verschiedenen Bands von Jazz bis Funk über SKA bis Rock. Mit seiner Band Anshelle brachte er das Debütalbum «Neuland» bei BMG Ariola heraus.
All dieses kreative Wirken ergänzte Steiner dann mit einer Managementausbildung: 2007 schloss er an der Schule für Gestaltung Bern mit dem eidgenössischen Diplom als Medienmanager ab. Bei zwei kleineren Agenturen sammelte er weitere Erfahrungen im Werbebusiness, bevor er 2008 bei Hofer eingestiegen ist.
Dort haben sich Daniel Scheuzger und Reto Steiner erst vor rund drei Jahren zum ersten Mal kennen gelernt. Sehr schnell entdeckten sie, dass sie nicht nur die ehemalige Leidenschaft für Musik verbindet – auch Daniel Scheuzger studierte acht Jahre lang klassische Klarinette am Berner Konservatorium. Als Duo harmonierten der Jazzer und der Klassiker aber noch besser in der Werbung: «Wir haben sofort entdeckt, dass wir die gleichen Ideen kreativ finden – ebenso wie wir die ähnlichen Lösungsvorschläge als unbrauchbar empfinden. Zudem verbindet uns der Wille für unternehmerisches Denken.»
Natürlich haben sich die beiden Jungunternehmer überlegt, ob es mehr Sinn macht, die älteste Werbeagentur von Bern in ein neues Zeitalter zu führen oder vielleicht doch besser einen völlig unabhängigen Neubeginn mit einem eigenen Start-up zu wagen. Für die Übernahme sprachen aber eine Reihe von schon lange treuen Kunden, die durchaus gewillt waren, auch mit einer jungen kreativen Führung nach zukunftstauglichen Strategien für ihre kommunikativen Aufgaben zu suchen.
Den Namen hat das neue Führungsduo beibehalten. Das neu kreierte H ist die herausdestillierte Essenz der Marke Hofer. Man will einerseits «back to the roots» – zurück zur Pionierarbeit, wie sie das Reklamebüro Hofer in den 1960er- Jahren leistete. Gleichzeitig will man «diese wahren Werte» in das Zeitalter von Internet, Youtube und Guerilla-Marketing führen. «Quer durch die ganze Geschichte zählt schliesslich in allen Medien nur die Idee», sind Steiner und Scheuzger überzeugt. Aber diese muss natürlich auch verkauft werden können. Bei ihren Präsentationen bei Kunden, die sie aus dem Portfolio der «alten Hofer» übernehmen konnten, treten die neuen Wilden aus dem Westside in einigen Fällen mit zwei Lösungsvorschlägen an – einer traditionellen sowie einer etwas frecheren Idee. «Und immer mehr können wir unsere Kunden für die jüngere Lösung gewinnen», freuen sich die neuen Chefs.
Die Werber bei Hofer Kommunikation arbeiten nach dem «Kirschenprinzip». Einerseits steht die Kirsche für das ultimativ Frische, Geschmackvolle, Natürliche und Formvollendete. «So soll auch unsere Arbeit sein. Anderseits ist die Kirsche die perfekte Analogie zu unserer Arbeitsmethodik. Erst wenn wir den Kern, die hart recherchierten Fakten, kennen, umhüllen wir diesen mit der Frucht, der knackigen Idee», erklären Scheuzger und Steiner. Daniel hat auf seiner Visitenkarte Creative Director stehen. Reto ist Managing Director. Die Arbeitsteilung ist aber fliessend. Aktuell beschäftigt Hofer Kommunikation zwölf Mitarbeitende. Diese Grösse ist für Scheuzger und Steiner ideal. Neben ihrer Verantwortung als Agenturchefs bleibt in diesem Verbund immer noch genügend Raum für das aktive Mitgestalten in der Kreation.
Andreas Panzeri
Neustart beim Westside
Die Büros von Hofer Kommunikation sind rund um das Center Westside gelegen und strahlen einen modernen Glanz aus. Zu den neuen Kunden von Hofer zählen die Migros mit dem 2008 von Hofer mit entwickelten und 2011 weitergeführten Shop-Konzept Voi. Eine Erfolgsstory wurde die Kampagne für den Ausbildungsverband login: In dieser dreisprachigen Kampagne werden Jugendliche für einen der 22 Berufe bei den SBB oder anderen Verkehrsunternehmen begeistert – natürlich jugendlich zielgruppengerecht. Ebenso unverstaubt macht die neue Hofer für Sana24 mit einem Online-Game auf das Sparpotenzial bei dieser Krankenkasse aufmerksam. Für das Lindenhofspital verantwortet Hofer Kommunikation das Konzept und das Design für ein Fachmagazin für Ärzte sowie eines für Patienten. Ebenso im Gesundheitsbereich aktiv ist die Agentur für Amavita, dem grössten Apothekennetz der Schweiz.