Perspektiven älterer Arbeitnehmer in Werbeagenturen

Die ehemalige Werbeleiterin Ursula Krebs sucht für ihre Diplomarbeit zum Master of Advanced Studies in Gerontologie an der Berner Fachhochschule Mitarbeitende in der Werbung rund um das Alter 50+. Die Werbewoche unterstützt die breit angelegte Umfrage.

Die Umfrage will Handlungsstrategien für die berufliche Zukunft von älteren Mitarbeitenden in der Werbung aufzeigen. Wer an der computergestützten Umfrage teilnemen will, findet hier den Link zum Fragebogen. Alle Angaben werden vertraulich behandelt.

Es werden noch Probanden für das qualitative Interview mit Leuten ab 45 gesucht. Diese können sich melden bei [email protected]

Ein Interview mit Ursula Krebs sowie Statements von Schweizer Werberinnen und Werbern zum Thema Alter und Werbung finden Sie in der aktuellen Printausgabe der Werbewoche.

Perspektiven älterer Arbeitnehmer in Werbeagenturen

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Allgemein

Neues Berner Online-Magazin: Start im Juni geplant

Der Start des geplanten Berner Online-Magazins ist finanziell gesichert. Die neue Online-Zeitung will im kommenden Juni aufs Netz.

Substantielle Zuwendungen erhielt der Verein Berner Onlinemedien von der Stiftung für Medienvielfalt in Basel, der Ursula-Wirz-Stiftung in Bern sowie von weiteren privaten Personen. Damit sei die Startphase gesichert, schreibt der der Trägerverein in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Die weitere Finanzierung ist noch offen. Ziel sei es, das Projekt mittelfristig durch Mitgliederbeiträge zu finanzieren, heisst es in der Mitteilung weiter. Der Verein ist überzeugt, dass eine engagierte Leserschaft auch bereit ist, für Inhalte zu bezahlen. Zur Sicherung der weiteren Finanzierung bräuchte es rund 1500 Vereinsmitglieder, die einen Jahresbeitrag von 250 Franken zahlen. Seit der Lancierung des Projekts im vergangenen Herbst haben nach Angaben des Trägervereins über hundert Privatpersonen einen Startbeitrag von 500 Franken geleistet. Der Verein zählt aktuell rund 150 Personen.

Bei der technischen Umsetzung strebt der Verein eine Kooperation mit der im vergangenen Jahr lancierten Tageswoche in Basel an. Derzeit nicht vorgesehen sei eine redaktionelle Zusammenarbeit mit der Tageswoche.

In einem nächsten Schritt soll nun die Chefredaktion besetzt werden. Diese steht einem fünfköpfigen Redaktionsteam vor, das sich 3,5 Vollzeitstellen teilt. Ebenfalls im Gang ist die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten.

Das neue Magazin will zur Meinungsvielfalt in der Bundesstadt beitragen. Dem Vorstand des Trägervereins gehören unter anderem die Stadträte Urs Frieden (Grüne) und Thomas Göttin (SP) an. Im Initiativkomitee machen zahlreiche Kulturschaffende sowie Politikerinnen und Politiker aus dem links-grünen Lager mit. (SDA)
 

Etats der Woche

Ogilvy Interactive, Numéro10, Comqed Dialog, Future Connection

Ogilvy Interactive: Helvetic Tours gewonnen
Ogilvy Interactive kreierte für die Facebook-Seite von Helvetic Tours eine Online-Entscheidungshilfe für unentschlossene Badeferien-Kunden. Und konnte sich so den Pitch um die Promotion des Badeferienkatalogs sichern.

Numéro10 für ImmoStreet in der Deutschschweiz
Das Westschweizer Immobilienportal will in der Deutschschweiz Fuss fassen und beauftragt die bilingue Kommunikationsagentur Numéro10 in Bern mit dem Mandat. Vorgesehen sind TV-Spots, Inserate und Plakate. Der Start der Kampagne ist für kommenden Frühling vorgesehen.

Comqed Dialog verteidigt GE-Money-Bank-Etat
Die Entwicklung eines neuen Auftritts wurde von GE Money Bank Schweiz als Pitch ausgeschrieben. Am Wettbewerb teilnehmen durfte auch Comqed als bestehende Lead-Agentur. Dabei konnte diese den Etat erfolgreich verteidigen.

Future Connection gewinnt Uroviva
Die Zürcher Kommunikationsagentur Future Connection gewinnt Uroviva – Spezialistin für Urologie – als neuen Kunden. Der Etat umfasst Neukonzeption, Gestaltung und Umsetzung sämtlicher Kommunikationsmittel.
 

Köpfe der Woche: Im Wilden Westen

Reto Steiner und Daniel Scheuzger haben aus der ersten Werbeagentur von Bern ein Start-up gemacht. Die neue Hofer Kommunikation ist eine Fullservice-Agentur mit 12 Mitarbeitenden im Westside.

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Wer auf ihre Website klickt, landet zuerst einmal in einem Wildwestfilm. Eine Gruppe dynamischer Reiter sprengt durch das Bild, verfolgt von einem Travelling. Die Cowboys jagen Richtung Westen. Darüber lässt sich der Einstieg lesen: «Hofer Kommunikation war die erste Werbeagentur in Bern und pflegt seit über 60 Jahren mit frischen Ideen und überzeugenden Kampagnen lokale und nationale Marken.» Die Filmbilder sind in einem historisch wirkenden Schwarz-Weiss gehalten. Das Medium, auf welchem sie gezeigt werden, ist das moderne Internet. In dieser Spannung liegt das Erfolgskonzept.

Vor zwei Jahren ist die traditionsreiche Hofer Kommunikation noch einmal zu dem wohl «ältesten Start-up» der Schweiz mutiert. Anfang 2010 haben Reto Steiner und Daniel Scheuzger die damalige Hofer an der Berner Stauffacherstrasse je zur Hälfte übernommen. Mit der neuen Leitung wehte auch bald ein frischer Wind durch die altehrwürdige Agentur. Als ein Zeichen dieses Neubeginns ist Hofer Kommunikation vor wenigen Monaten in das zukunftsträchtige Quartier in Bern West umgezogen. Als Erstmieter in einem Grossraum-Büro haben die Werber einen direkten Ausblick auf das Konsumgeschehen im 2008 eröffneten Shopping- und Erlebniscenter Westside. Dieses ist vom Stararchitekten Daniel Libeskind erbaut worden und strahlt mit seinem modernistischen Stil unübersehbar auch seine Kräfte bis zu den Arbeitsplätzen von Hofer aus. «Man fühlt sich hier am Tor zu etwas Neuem. Das Gebiet wird auch als der Wilde Westen von Bern bezeichnet. Es herrscht ein bisschen Goldgräberstimmung », interpretieren Daniel Scheuzger und Reto Steiner und schaffen damit noch einmal eine Brücke zum Einstiegsfilm auf ihrer Website.

Bilder aus längst vergangenen Zeiten und moderne Medien: Diese Spannung zwischen Innovation und Tradition zeigt sich auch in der Innenarchitektur der neuen Räume der Agentur. Luftige Durchblicke und elegantes Metall kontrastieren mit einem Holzboden voller Astlöcher und Computertischchen aus urchigen Baumstämmen. Diese Spannung soll auch in den Arbeiten nachwirken: Zeitgemäss neue Ideen für Kunden, die schon seit vielen Jahren ihrer alten Hofer treu bleiben.

Hofer ist die erste Werbeagentur von Bern und wurde von Max Hofer gegründet. Angefangen hat die Geschichte rund um das «Reklamebüro M. R. Hofer» 1950 mit einem Inserat für die damals bereits prestigeträchtige Marke Toblerone. Ebenfalls im ersten Jahr kreierte das Traditionsunternehmen die gesamten Werbemassnahmen für die Uhrenmarke Roamer Watch. Diese Arbeiten sind rund um die ganze Welt gegangen. Spätere Kunden waren Vespa oder in den Sechzigerjahren die Waschmittel der Bieler Seifenfabrik Schnyder. Für diese hat Hofer zum Beispiel Sibonet selbst im Meerwasser schäumen lassen. Mit Dan Air wurde 1970 die erste Flugverbindung von Bern nach London beworben. 1980 schaffte es der Hofer-Slogan «Sag’s doch schnell per Telefon» zum geflügelten Wort. Ab den 90er-Jahren wurde Hofer immer mehr zu einem Spezialisten für Public Relations. Die Agentur galt als eine sichere Adresse für konservative Werte. Trotzdem wagten die Kreativen bei Hofer im Jahre 2000 als ein damaliges Novum, die jugendlichen Kunden mit einer Comic-Figur für die SBB zu gewinnen. Das war die Zeit, als Daniel Scheuzger – eben aus dem Ausland zurückgekehrt – seinen Wiedereinstieg in der Schweiz bei Hofer suchte.

Daniel Scheuzger absolvierte zuerst eine Lehre als Bauzeichner. Dort entdeckte er seine Lust am etwas freieren Gestalten. Scheuzger entschloss sich, nach Hamburg auszuwandern, um Grafik Design zu studieren. Nach seiner Ausbildung verdiente sich der frisch gebackene Werber aus der Schweiz im Werbe-Mekka die Sporen ab. Neben Engagements in anderen Agenturen landete er schliesslich bei Springer & Jacoby. Dort konnte er von einigen Koryphäen der Branche viel über kreative Werbung lernen. Zurück in der Schweiz wollte Scheuzger aber nicht bei einer der angesagten Agenturen in Zürich weitermachen. Mehr lockte ihn eine neue Herausforderung: als AD wollte er Hofer Kommunikation in Bern mit frischen Ideen zum Erfolg führen. Dort hat er nach neun Jahren auch seinen heutigen Geschäftspartner Reto Steiner getroffen.

Nach der Ausbildung zum Primarlehrer studierte Reto Steiner an der Swiss Jazz School in Bern. An der Universität Bern liess er sich dann zum Zeichnungslehrer SLA ausbilden und arbeitete als Zeichnungs- und Musiklehrer. Daneben widmete sich Steiner seiner Leidenschaft für Comics. Zusammen mit dem bekannten «Comic-Freak» Fiscalini gewann er mehrere Preise am internationalen Comic-Festival Fumetto in Luzern. Auch seine Leidenschaft für die Musik blieb nicht ohne Folgen: Steiner spielte in verschiedenen Bands von Jazz bis Funk über SKA bis Rock. Mit seiner Band Anshelle brachte er das Debütalbum «Neuland» bei BMG Ariola heraus.

All dieses kreative Wirken ergänzte Steiner dann mit einer Managementausbildung: 2007 schloss er an der Schule für Gestaltung Bern mit dem eidgenössischen Diplom als Medienmanager ab. Bei zwei kleineren Agenturen sammelte er weitere Erfahrungen im Werbebusiness, bevor er 2008 bei Hofer eingestiegen ist.

Dort haben sich Daniel Scheuzger und Reto Steiner erst vor rund drei Jahren zum ersten Mal kennen gelernt. Sehr schnell entdeckten sie, dass sie nicht nur die ehemalige Leidenschaft für Musik verbindet – auch Daniel Scheuzger studierte acht Jahre lang klassische Klarinette am Berner Konservatorium. Als Duo harmonierten der Jazzer und der Klassiker aber noch besser in der Werbung: «Wir haben sofort entdeckt, dass wir die gleichen Ideen kreativ finden – ebenso wie wir die ähnlichen Lösungsvorschläge als unbrauchbar empfinden. Zudem verbindet uns der Wille für unternehmerisches Denken.»

Natürlich haben sich die beiden Jungunternehmer überlegt, ob es mehr Sinn macht, die älteste Werbeagentur von Bern in ein neues Zeitalter zu führen oder vielleicht doch besser einen völlig unabhängigen Neubeginn mit einem eigenen Start-up zu wagen. Für die Übernahme sprachen aber eine Reihe von schon lange treuen Kunden, die durchaus gewillt waren, auch mit einer jungen kreativen Führung nach zukunftstauglichen Strategien für ihre kommunikativen Aufgaben zu suchen.

Den Namen hat das neue Führungsduo beibehalten. Das neu kreierte H ist die herausdestillierte Essenz der Marke Hofer. Man will einerseits «back to the roots» – zurück zur Pionierarbeit, wie sie das Reklamebüro Hofer in den 1960er- Jahren leistete. Gleichzeitig will man «diese wahren Werte» in das Zeitalter von Internet, Youtube und Guerilla-Marketing führen. «Quer durch die ganze Geschichte zählt schliesslich in allen Medien nur die Idee», sind Steiner und Scheuzger überzeugt. Aber diese muss natürlich auch verkauft werden können. Bei ihren Präsentationen bei Kunden, die sie aus dem Portfolio der «alten Hofer» übernehmen konnten, treten die neuen Wilden aus dem Westside in einigen Fällen mit zwei Lösungsvorschlägen an – einer traditionellen sowie einer etwas frecheren Idee. «Und immer mehr können wir unsere Kunden für die jüngere Lösung gewinnen», freuen sich die neuen Chefs.

Die Werber bei Hofer Kommunikation arbeiten nach dem «Kirschenprinzip». Einerseits steht die Kirsche für das ultimativ Frische, Geschmackvolle, Natürliche und Formvollendete. «So soll auch unsere Arbeit sein. Anderseits ist die Kirsche die perfekte Analogie zu unserer Arbeitsmethodik. Erst wenn wir den Kern, die hart recherchierten Fakten, kennen, umhüllen wir diesen mit der Frucht, der knackigen Idee», erklären Scheuzger und Steiner. Daniel hat auf seiner Visitenkarte Creative Director stehen. Reto ist Managing Director. Die Arbeitsteilung ist aber fliessend. Aktuell beschäftigt Hofer Kommunikation zwölf Mitarbeitende. Diese Grösse ist für Scheuzger und Steiner ideal. Neben ihrer Verantwortung als Agenturchefs bleibt in diesem Verbund immer noch genügend Raum für das aktive Mitgestalten in der Kreation.

Andreas Panzeri

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Neustart beim Westside
Die Büros von Hofer Kommunikation sind rund um das Center Westside gelegen und strahlen einen modernen Glanz aus. Zu den neuen Kunden von Hofer zählen die Migros mit dem 2008 von Hofer mit entwickelten und 2011 weitergeführten Shop-Konzept Voi. Eine Erfolgsstory wurde die Kampagne für den Ausbildungsverband login: In dieser dreisprachigen Kampagne werden Jugendliche für einen der 22 Berufe bei den SBB oder anderen Verkehrsunternehmen begeistert – natürlich jugendlich zielgruppengerecht. Ebenso unverstaubt macht die neue Hofer für Sana24 mit einem Online-Game auf das Sparpotenzial bei dieser Krankenkasse aufmerksam. Für das Lindenhofspital verantwortet Hofer Kommunikation das Konzept und das Design für ein Fachmagazin für Ärzte sowie eines für Patienten. Ebenso im Gesundheitsbereich aktiv ist die Agentur für Amavita, dem grössten Apothekennetz der Schweiz.
 

Praxisnahe Ausbildung – heute erst recht

Sie ist 24, er 44. Sie hat 2011 abgeschlossen, er 2004. Sieben Jahre, wissen die Verkaufsfachleute Andrea Preid und Daniel Käch, sind eine lange Zeit. Für Swiss Marketing blicken beide Berufstalente noch mal zurück. Und sind sich einig: Die Ausbildungszeit war hart. Aber gelohnt hat sich die Plackerei allemal.

Daniel Käch ist noch einmal in den Keller gestiegen. Hat Ordner gefunden und fliegende Blätter, fein säuberlich in einer Tragtasche geordnet. Da sind sie wieder, all die Fallstudien, die er in seiner Schulzeit 2003/2004 geschrieben hat. Damals, als (neben einem 100%-Pensum) zwei Abende pro Woche und der ganze Samstag dem SAWI Dübendorf gehörten. «Ich habe diese Ausbildung unterschätzt», fasst Käch zusammen. «Doch es war ein Drill der positiven Art. Auf das damals Erreichte bin ich heute noch stolz.»

Zur Weiterbildung zum Verkaufskoordinator (VKO), wie die heutigen Verkaufsfachleute damals hiessen, hatte sich der Stäfner entschlossen, weil er mehr Hintergrundwissen über Verkaufsthemen wollte. «Und weil damals alles in die Richtung Marketingplaner (heute Marketingfachleute) drängten, wählte ich bewusst den anderen Weg.»

Fachhochschule: Zu wenig praxisnah
Als 2004 Käch an der Prüfung schwitzte, war die Zürcher Oberländerin Andrea Preid gerade im zwei¬ten KV-Lehrjahr. Schon damals ehrgeizig, packte sie 2010 an der Zürcher Swiss Marketing Academy die Weiterbildungen als Verkaufs- und als Marketingfachfrau an. «Ich wollte den Anschluss nicht verlieren und eine Weiterbildung schaffen, die eidgenössisch anerkannt und in der Wirtschaftswelt etwas wert ist.» Das Ausbildungs-Doppelpack schien ihr geeignet, «weil ich so mein Verständnis für die Zusammenhänge in Verkauf und Marketing nochmals verbessern konnte». Eine Fachhochschule kam nicht infrage: «Ich wollte einen praxisnahen Abschluss in kurzer Zeit.»

Neuer Name, neue Disziplinen
Seit dem Abschluss von Daniel Käch vor acht Jahren hat sich eine ganze Menge getan – nicht nur der andere Name. «Statt 8 haben wir jetzt 13 Prüfungsfächer», ergänzt Hans-Jürg Gehri, seit 18 Jahren Präsident der Prüfungskommission. «Die Prüfungszeit dauert aber weiterhin 13 Stunden.» Die Folge: Mehr Aufwand für die Experten. Diese müssen zudem neu mit dem Pensionsalter aufhören: «Es kann nicht sein, dass ein 22-jähriger Kandidat von einem 68-jährigen Experten befragt wird.» Dies auch deshalb, weil sich der Bereich der Information Technology (IT) rasant entwickelt hat und heute in alle Fächer integriert ist. Themen wie Selbstmanagement, Rhetorik und persönliche Führungsfähigkeit werden heute viel stärker gewichtet als noch zu Beginn des Jahrtausends.

Hohe Hürden für praxisnahe Fachkräfte
Die Anforderungen ans Praxiswissen wurden markant erhöht. Neu ist auch die MarKom-Hürde: Nur wer den Vortest besteht, darf überhaupt an die Berufsprüfung; und wer nicht 24 bis 36 Monate Erfahrung im Absatzwesen mit Kundenkontakt erworben hat, wird nicht zugelassen. Eines aber, sagt Gehri, ist gleich geblieben: «Die Fallstudien orientieren sich am Daily Business, denn wir wollen Fachkräfte aus und für die Praxis ausbilden.»

Seit 2004 traten jährlich rund 400 Kandidaten zur Prüfung an. Davon sind seit Kächs Jahrgang rund 1750 Verkaufskoordinatoren, oder eben Verkaufsfachleute, neu brevetiert worden.

Dank Ausbildung auf dem richtigen Stapel
Sieben Jahre sind eine lange Zeit. Viel hat sich geändert – neue Themen und Begriffe kamen hinzu. Wenn sich Käch und Preid unterhalten – sie haben sich für das Swiss-Marketing-Gespräch zum ersten Mal getroffen – überwiegen trotzdem die Gemein¬samkeiten. Auch heute noch schreibe man in der Schule stets von Hand – vor allem In Vorbereitung auf die Prüfungen. Auch heute noch schärft man seinen Business-Sense an Fallstudien. Und auch heute noch ist die Schulzeit eine Plackerei: «Es gibt nur noch Arbeit und Lernen. Du gibst deine Hobbys nahezu komplett auf. Und ich habe ein Jahr lang praktisch nur via LeShop eingekauft», erzählt Preid. Einig sind sich beide, dass das Diplom viel zählt. «Ohne dieses Papier hätte ich viele berufliche Chancen nicht gehabt», sagt Veteran Käch. «Das Diplom hilft dir, bei Bewerbungen auf dem richtigen Stapel zu landen», sagt Preid.

Persönlich, fachlich und beruflich profitiert
Angesichts der neuen Disziplinen Rhetorik, Selbstmanagement, persönliche Führungsfähigkeit kommt bei Käch fast ein bisschen Neid auf: «Das gab es damals noch nicht. Aber es sind natürlich Fächer, die absolut Sinn machen.» Wie die gesamte Ausbildung, finden beide unisono. Man habe den persönlichen Wissensrucksack reichlich füllen können: «Ein Gesamtpaket an Verkaufswissen, ein profunderes Verständnis für Marktforschung», sagt Käch. «Ich weiss jetzt genau, wovon die Profis sprechen, verstehe die Zusammenhänge in Marketing und Verkauf», ergänzt Preid. Oder kürzer: Es war eine harte Fallstudie fürs Leben.

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Der Generationentalk zeigt Unterschiede, aber vor allem viele Gemeinsamkeiten
Die Verkaufsfachleute Daniel Käch und Andrea Preid sind überzeugt, dass sie mit ihrer Weiterbildung die richtige Wahl getroffen haben.

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«Ohne dieses Papier hätte ich viele berufliche Chancen nicht gehabt»
Daniel Käch, Stäfa ZH, Alter: 44, Werdegang: Lehre als Koch- und Servicefachangestellter, danach im Event- und Cateringbereich, Call-Center-Supervisor, Event-Bereich, aktuell Kundenberater bei einer Kantonalbank, Fachausweis Verkaufskoordinator (VKO) erhalten: Juni 2004

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«Fachhochschule wollte ich nicht, sondern einen praxisnahen Abschluss in kurzer Zeit»
Andrea Preid, Dürnten ZH, Alter: 24, Werdegang: KV-Lehre mit Berufsmatura, danach im Event-Management, aktuell Key-Account-Managerin bei einem Geschäftsreisespezialisten, Fachausweis Verkaufsfachleute Innendienst (VFL) und Marketing¬fachleute (MFL) erhalten: Juni 2011 und September 2011
 

Sunrise kleidet Cobra-Tram ein

Ab dem 17. Februar 2012 bringt Sunrise ein komplett im «Look & Feel» des Unternehmens gebrandetes Tram auf die Zürcher Tramschienen. Das Tram ist ein Jahr lang als Markenbotschafterin unterwegs.

Die VBZ hätten fünf ihrer aktuellen Cobra Trams für eine komplette Bekleidung freigegeben, schreibt Sunrise in einer Mitteilung vom Donnerstag. Sunrise habe die einmalige Gelegenheit zum unkonventionellen Auftritt auf der Tramschiene als einzige Telekommunikationsanbieterin der Schweiz genutzt und ein «Züri-Tram» vollflächig in der Sunrise Welt gebrandet.

Das Tram ist ein ganzes Jahr als Markenbotschafterin von Sunrise auf den Zürcher Tramschienen unterwegs, wie es weiter heisst. Es wird auf verschiedenen Strecken in den regulären Verkehrsbetrieb des VBZ-Netzes integriert. Sowohl innen als auch aussen ist das Sunrise Tram in den Unternehmensfarben gekleidet. Auf sechs fest installierten Bildschirmen werden die Fahrgäste über Produktneuheiten, Promotionen und weitere Neuigkeiten aus der Sunrise-Welt informiert. Zudem läuft auf den Screens im Tram der eigens angefertigte Making-of-Film, der die Verwandlung des gewöhnlichen VBZ-Trams in das bunte Sunrise-Tram dokumentiert.

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Webguerillas Zürich mit neuem Geschäftsführer

Philippe Stuker ist neuer Geschäftsführer von Webguerillas Zürich. Er löst David Eicher ab, der weiterhin die Münchner Geschäftsstelle der Agentur leitet.

Stuker arbeitet seit 13 Jahren im Online-Marketing sowie in der klassischen Werbung, wie die Agentur in einer Mitteilung vom Donnerstag schreibt. Dabei war der Betriebsökonom in Deutschland und der Schweiz in verschiedenen Führungspositionen tätig. 2002 gründete der heute 38-Jährige die Werbeagentur Phil & Co., spezialisiert auf interaktive und crossmediale Marketing-Strategien. 2007 wurde er mit dem «Best of Swiss Web Award» ausgezeichnet.

2008 wechselte der Zürcher als Abteilungsleiter zur Werbeagentur DD Com. Sein Aufgabenbereich umfasste unter anderem den strategischen und operativen Aufbau der New Media Abteilung sowie die Projektleitung für New Media und klassische Kommunikation. Dabei betreute Stuker mit Skoda, SV-Group, Jelmoli oder Swissbau Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen.
 

Schweizerischer Marketingtag mit viel Prominenz

Warum soll man an den Schweizerischen Marketing-Tag gehen? Weil sich dort 1000 Menschen aus der ganzen Branche, aus allen Sparten und Levels zum Netzwerken treffen, sagen die einen. Weil die Speaker den Zuschauern neue Perspektiven öffnen und mit ihren Ideen und Erfahrungen überraschen, sagen die anderen. Deshalb trifft man sich auch dieses Jahr am 6. März wieder im KKL Luzern, wenn der Schweizerische Marketing-Tag seine Tore öffnet. Heuer unter dem Motto «Macher, Macht und Märkte».

Wie funktionieren Marktinnovationen? Wie erschafft man sich einen eigenen Markt? Diese Fragen werden von prominenten Machern beantwortet. Sie stampfen Märkte aus dem Boden, die es vorher nicht gegeben hat. Und sie erweitern die Kraft von Produkten und Leistungen auf diese neuen Märkte. Sechs namhafte Referenten setzen sich tiefer mit diesen Fragen auseinander und lassen das Publikum an ihren Erfolgen teilhaben.

Der Sportgeist
Lord Sebastian Coes Leben liest sich wie ein Hollywoodfilm: Als Leichtathlet stellte er acht Weltrekorde über die Mittelstrecke auf. Von 1992 bis 1997 engagierte er sich für die Conservative Party im britischen Parlament. Als Krönung holte er die Olympischen Sommerspiele 2012 nach London. Ein Anlass einer solchen Dimension öffnet neue wirtschaftliche Einnahmequellen. Coe erzählt, wie mit Marketing und Know-how ein neuer Mega-Markt geschaffen wird.

From Market driven to Market driving
Professor Nirmalya Kumar hat die Sichtweisen der Marktorientierung definiert. Der führende Stratege und Marketing-Experte erklärt, wie man selbst zu einer treibenden Kraft wird, statt sich vom Markt treiben zu lassen. Er untermalt seine Ausführungen bildhaft mit Beispielen, Videos aus der Welt der Konsumgüter, der Dienstleistungen und des Business-Marketings.

Über Lernen, Leben und Geniessen
«Moralische Gefühle. Warum wir anders handeln, als wir denken.» Darüber referiert und philosophiert Dr. Richard David Precht am Schweizerischen Marketing-Tag. Er deckt auf, wie man lernt, lebt, geniesst und Kinder vor Aufmerksamkeitsräubern schützt. Weiter ergründen auch diese Referenten die Ge¬heimnisse des (Erfolgs-)Lebens: Prof. Dr. Claus Hipp, der die Marke HiPP zu einem führenden Hersteller für Babynahrung entwickelt hat. Philipp Justus, CEO von zanox führt das Publikum durch das elektronische Dickicht und zeigt auf, dass online nicht gleich online ist. Und pünktlich wie eine Schweizer Uhr stellt sich Jean-Claude Biver, CEO der Hublot SA, den Fragen von Moderatorin Susanne Wille.

Die Trophäe
Wer darf dieses Jahr die begehrte Marketing-Trophy entgegennehmen? Das weiss bislang nur die Jury, welche die Marketingprojekte aus den Kategorien Klein-, Mittel- und Grossunternehmen, Non-Profit-Organisationen sowie einem Gold-Gewinner prämiert. Mit Niina Eschmann, Sabina Furler und Christine Hallier Willi bereichern neu drei Frauen die Fachjury.

Weitere Informationen sowie Tickets unter: www.marketingtag.ch

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Kommtech-Studie: Wie die Schweiz elektronische Geräte nutzt

Die Kommtech-Studie von Publica Data in Zusammenarbeit mit der IGEM liefert auch dieses Jahr die wesentlichen Zahlen rund um die Nutzung von Internet, Fernsehen, Radio, Telefon, Film, Games und Unterhaltungselektronik.

Dabei zeigt sich: Die klassischen Nutzungsformen sind noch immer stark. Beim Fernsehen steigt zwar der zeitversetzte Konsum weiter an, mehr als die Hälfte der Schweizer will jedoch nichts davon wissen. Auch beim Internet wird zu Hause noch immer am häufigsten ein klassischer Desktop-PC verwendet. Der mobile Laptop hat hier allerdings schon fast aufgeschlossen, während Tabletcomputer trotz starkem Anstieg erst von einem kleinen Teil der Schweizer genutzt werden. Die täglichen News beziehen die Schweizer weiterhin aus den klassischen Medien (Fernsehen, Radio, bezahlte Zeitung), Internet und Gratiszeitung liefern sich derweil ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den vierten Platz.

Die Trends über die Jahre hinweg zeigen deutlich, dass der vielzitierte Wandel vor allem bei den Jugendlichen relevant ist, in der Gesamtbevölkerung aber weniger schnell als erwartet stattfindet. In der Schweiz gibt es nach wie vor dreimal mehr Personen, die zum Musikhören ein Kassetten-Gerät verwenden, als solche, die ein iPad nutzen. Erstmals werden in der aktuellen Ausgabe der KommTech-Studie auch Zahlen zu sozialen Netzwerken genannt. Bei der Frage nach dem wichtigsten Netzwerk gibt es bei fast Dreiviertel der befragten Nutzer nur eine Antwort, nämlich Facebook.

Wie oft die Nutzer sozialer Netzwerke auf ihren Profilen anzutreffen sind, was wo im Internet eingekauft wird und worauf der Schweizer am liebsten spielt, ist in der Studie genauso zu finden, wie die häufigsten Mobiltelefone der Schweizer und deren Lieblingsfunktionen. Die Studie gibt damit einen umfassenden Einblick in die Nutzung elektronischer Medien, der für Werbeplanung und Medienanalysen von grosser Bedeutung ist. Insgesamt 2‘500 Personen ab 15 Jahren sind in allen drei Landesteilen hierzu telefonisch befragt worden. Die Resultate der Studie können bei  Publica Data in Form eines Standardberichts oder als online-Zugang für individuelle Analysen bezogen werden.
 

Aufgespiesst: Markenbotschafter mit schlechtem Image

Simone Fankhauser über Vorurteile gegenüber Automarken.

Spiessig, unsportlich, arrogant, nicht umweltbewusst, unattraktiv und ernst. Treffen diese Eigenschaften auf Sie zu? Dann steht in Ihrer Garage voraussichtlich ein Mercedes. Oder würden Sie sich eher als weltoffene, attraktive, sportliche, schlanke sowie fröhliche Persönlichkeit bezeichnen, mit einem leichten Hang zu arrogantem Verhalten? Dann sind Sie wahrscheinlich in einem Mini unterwegs. Wer ein Auto kauft, erhält zahlreiche Vorurteile gratis dazu. Das belegt eine Studie der auf Unternehmensberatung spezialisierten Progenium GmbH aus München. Sie hat letzten November bei 1000 Deutschen nachgefragt, welche Attribute diese den Fahrern ausgewählter Automarken zuschreiben. Mit dem Ergebnis, dass Mercedes-Fahrer die Buh-Männer und -Frauen auf den Strassen sind. In Sachen Arroganz und fehlendem Umweltgewissen werden sie zwar von Ferrari-Lenkern um Längen geschlagen. Letztere gelten aber als weniger spiessig, und vor allem als attraktiv, schlank und sportlich, weshalb sie in der Gesamtwertung etwas besser abschneiden. Alles nur Vorurteile? Leider ist das nur ein Teil der Wahrheit.

Ein paar Beispiele: Eine Bekannte ist vor kurzem als Fussgängerin in einer Parkgarage von einem Offroader gerammt worden. Der Fahrer hat sich weder entschuldigt noch nach ihrem Befinden erkundigt. Oder meine Nachbarin, stolze Besitzerin eines Maserati. Wenn ich auf dem Parkfeld neben ihr den Kinderwagen in unseren Honda Jazz stemme und höflich grüsse, ernte ich höchstens einen grimmigen Blick. Die Tür knallt zu und mit wummerndem Motor braust sie davon. Arrogant, spiessig, ernst, nicht umweltbewusst. So entstehen Vorurteile. Oder wenn samstags auf der Autobahn Adrenalin-Junkies in ihren Seat kriminelle Überholmanöver starten. Oder der Audi-Fahrer einem am Heck klebt, obwohl man bereits mit maximaler Geschwindigkeit unterwegs ist. Wenn ich mir ganz grosse Mühe gebe, höre ich meinen Verstand flüstern, dass nicht alle Offroader-Fahrer rücksichtslos, Maserati-Lenker arrogant, Seat-Besitzer Raser und Audi-Käufer Drängler sind. Aber diese Bilder sind in meinem Kopf verankert. Noch viel schlimmer: Das Verhalten der Lenker beeinflusst das Image, das ich von der entsprechenden Automarke habe. In Anbetracht der eingangs erwähnten Studie geht das offenbar nicht nur mir so. Entsprechend bitter muss dieser Umstand für die Autohersteller sein. Da werden Millionen in das Markenimage investiert und die Käufer machen dieses, salopp ausgedrückt, zur Sau. Wenn sich eine Firma einen Markenbotschafter sucht, wählt sie diesen mit Bedacht. Wer verkörpert die gleichen Werte? Und wer kann diese auch glaubhaft einer breiten Öffentlichkeit vermitteln? Das scheint aber beim Autokauf keine Rolle zu spielen, dabei sind die Lenker doch im weitesten Sinne Markenbotschafter. Sollten Autohändler nicht die Auflage haben, potenziellen Käufern auf den Zahn zu fühlen? Zu prüfen, ob deren Werte mit denen der Marke übereinstimmen? So viel steht fest: Ein entsprechendes Vorgehen würde viele Probleme auf einmal lösen. Keine Staus mehr, erheblich kleinere Feinstaubbelastung, weniger Verkehrstote, weniger Parkplätze und ergo mehr Grünflächen. Ja, die Zahl der eingelösten Fahrzeuge würde sich drastisch verringern – mir jedenfalls ist keine Automarke bekannt, die sich als spiessig, unsportlich, arrogant, nicht umweltbewusst, unattraktiv und ernst positioniert.
 

Krise ist nicht gleich Krise

Wann ist eine Krise eine Krise? Nicht jedes Unglück und nicht jede Negativ-Schlagzeile führt gleich zu einer Reputationskrise – und nur diese ist für Unternehmen und Personen in verantwortungsvollen Positionen wirklich gefährlich: Leute können zum Rücktritt gezwungen, Unternehmen im Extremfall sogar vernichtet werden. Es lohnt sich deshalb, ein Ereignis genau zu analysieren, bevor die entsprechenden kommunikativen Massnahmen ergriffen werden. Patrick Rohr zur Krisenkommunikation.

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Eine Krise ist, nach Definition, der «Bruch einer kontinuierlichen Entwicklung» oder die «Störung des Vorgangs, der normalerweise erwartet werden könnte». Ursache für eine Krise ist immer «eine interne oder externe Irritation, eine Störung oder ein Problem». Das heisst also: Bevor es zu einer Krise kommt, muss sich etwas ereignen, das den gewohnten Ablauf stört.

Ein Ereignis kann für das Unternehmen tatsächlich zu einer Krise führen. Nehmen wir als Beispiel den Brand einer Schreinerei und stellen uns vor, dass der gesamte Lagerbestand sowie praktisch alle Produktionsgeräte und die Produktionshalle zerstört werden.

Dieses Ereignis bedeutet für das Unternehmen eine grosse Krise: Es kann die bereits gefertigten Produkte nicht mehr liefern, an eine Produktion am eigenen Standort ist vorläufig nicht zu denken, Kunden müssen vertröstet, grosse Verluste in Kauf genommen werden.

Zu einer Reputationskrise, die für das Unternehmen nachhaltig schädlich wäre, muss das Ereignis nicht führen. In einer ersten Phase berichten die Medien über diese Art Ereignisse neutral und halten sich an das Faktische. Wird nicht in einer späteren Phase ein Selbstverschulden oder Fahrlässigkeit als Unglücksursache festgestellt, reagiert die Öffentlichkeit nachhaltig mit Betroffenheit und Bedauern auf das Ereignis, was dem Ruf des Unternehmens sogar zuträglich sein kann.

Umgekehrt verhält es sich bei folgendem (realem) Beispiel: Im Spital Langenthal starb eine Patientin bei einer Routineoperation. Grund: Eine Operationsschwester hatte zwei Blutkonserven verwechselt. Der Blick berichtete über den Vorfall auf der Frontseite.

Ein solches Ereignis bedeutet für das Unterneh¬men keine Krise. So tragisch es ist – Todesfälle gehören in einem Spital zum Alltag, sie bringen den Betrieb nicht durcheinander. Und auch wenn es nach einem solchen Fall eine Untersuchung gibt: Der Spitalbetrieb wird dadurch nicht beeinträchtigt.

Für den Ruf des Spitals kann eine solche Schlagzeile allerdings sehr schädlich sein. Gelingt es einem Unternehmen in einer solchen Situation nicht, schnell und richtig zu kommunizieren, erleidet es eine schwere Reputationskrise, die im schlimmsten Fall sogar seine Existenz vernichten kann.

Richtig zu kommunizieren bedeutet, dass die Spitalleitung, die in einer solchen Situation zwingend den Kommunikationslead übernehmen muss,
– alle bekannten Fakten offenlegt
– Verantwortungsbereitschaft zeigt («Wir setzen alles daran abzuklären, wie es so weit kommen konnte, wir müssen verhindern, dass so etwas wieder geschieht.»)
– Führungswille demonstriert («Wir haben sofort eine Untersuchung angeordnet und die Sicher¬heitsvorschriften verschärft.»)
– Bedauern und Mitgefühl ausdrückt («Dieser Vorfall macht uns sehr betroffen, unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der verstorbenen Patientin»).
Fatal ist, wenn die Spitalleitung
– keine Kommunikationsbereitschaft zeigt
– keine Betroffenheit zeigt
– keine Verantwortung übernimmt
– den Ton nicht trifft («So etwas kann immer geschehen.»)
– Behauptungen aufstellt («Unser Qualitätsmanagement hat nicht versagt.»)
– Salamitaktik anwendet (nur gerade das zugibt, was die Medien ohnehin beweisen können).
Ruft also ein Unternehmen laut «Krise!», ist es die Aufgabe von uns Kommunikationsfachleuten, es bei der Analyse des Ereignisses und der Wahl der rich¬tigen Kommunikationsmassnahmen zu unterstüt¬zen. Eine Krise ist nicht gleich Krise, Krisenkommunikation nicht gleich Krisenkommunikation.

Patrick Rohr (43) ist Kommunikationsberater und Buchautor. Die Firma des ehemaligen Fernsehmoderators («Arena», «Quer») bietet Medien- und Krisentrainings an und macht Video- und Fernsehproduktionen («Basler Zeitung Standpunkte»). Seine Ratgeber «Reden wie ein Profi» und «So meistern Sie jedes Gespräch» (erschienen im Beobachter Buchverlag) wurden Beststeller. www.patrickrohr.ch.

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Buchtipp
Prägnante Aussagen im Interview, Medienmitteilungen, die publiziert werden, Krisenkommunikation, die überzeugt: Patrick Rohr verrät das Geheimnis des erfolgreichen Umgangs mit Presse, TV, Radio und den neu¬en Medien. Sein Ratgeber richtet sich an Unternehmer, Politiker, Vereins- und Behördenvertreter. 224 Seiten, Fr. 45.– 1. Auflage, 2011 ISBN 978 3 85569 464 8
 

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