Am Freitag konnte in der alten Bea-Halle in Bern das Musical «Alperose» eine umjubelte Premiere feiern. Mit einem berührenden Gastauftritt von Polo Hofer durfte auch das Corpus Delicti dieser Idee seinen verdienten Applaus entgegen nehmen. Polo soll angeblich nicht besonders begeistert gewesen sein, dass seine Pionierrolle in politischen Unkorrektheiten und sein langjähriges Zeugen als Vater der Schweizer Rockszene nun in einem Musical weichgeduscht werden soll. Doch die Bedenken sind während den Proben immer mehr verflogen.
«Es gefällt ihm. Er hat es nur noch nicht persönlich in eine Kamera oder ein Mikrofon zugeben wollen», war bei der Premierenfeier am Freitag zu hören. Bei dieser feierten in der Erlebniswelt mit den diversen Gastro-Angeboten von Chinesisch über US-Hotdogs bis Italienisch eine hochkarätige Fangemeinde des Altrockers gemeinsam mit den Kids der diversen neuen Wellen, von denen Polo und seine Rumpelstilz oder Schmetterband bis jetzt immer noch nicht weggespült worden sind. Und mit dem neuen Mix aus Berner Rock und internationalem DJ-Sound, der in diesem Musical zum Heiraten kommt, dürfte der Hype noch einmal richtig angeheizt werden.
Immerhin sind noch vor der Premiere bereits über 40‘000 Tickets für «Alperose» verkauft worden. Im BernExpo Musicaltheater kann es zwar keine Verlängerung über Mitte April hinaus geben. Man sei aber schon im Gespräch mit Luzern und Zürich, war von Mediensprecher Heier Lämmler und den Produzenten Walter Hitz und Daniel Greber zu hören.
Zur Sprache beziehungsweise zum Singen kommen in «Alperose» die Geschichten aus dem Innern und die Sehnsüchte nach der grossen weiten Welt von ein paar der typischen Berner Bürger und Aussenseiter, wie sie in den Songs von Polo Hofer immer wieder eine Grundlage für einfühlsame Texte gegeben haben. 27 dieser Songs sind im «Musical» von Autor Walter Hitz und in der Regie von Mirco Vogelsang zu einer Handlung verknüpft worden. Der musikalische Teil der Kompositionen stammt von Stefan Mens und Polos langjährigem Keyboarder HP Brüggemann, der auch selber in der Bühnenband mitspielt, sowie von Remo Kessler, Hanery Amman, Georges Müller und Matthias Köhli.
Diese Songs und das langjährige Engagement von Greber und Hitz haben schliesslich ein Produktionsgeld von 5 Millionen Franken für eine neue Form als Musical generieren können. 40 Sattelschlepper haben das Bühnenbild aus den Werkstätten in Wien nach Bern transportiert. Da erscheint selbst die Bühne der Rolling Stones mit etwas Augenzwinkern fast wie ein kleiner Kiosk. Auf 33 Meter Breite spielt sich das Geschehen ab. Mit hübschen Details und viel überraschenden Ideen wurde von Ausstatterin Conny Kraus die Berner Matte als «Mini Bern» nachempfunden. Szenenapplaus gab es für die alles überspannende «Kirchenfeldbrücke».
Über diese fährt effektvoll und einsam auch «Ds letschte Tram», währenddessen sich in der Matte unten ein ebenso einsamer Rosenverkäufer unter tosendem Applaus zu erkennen gibt. Es ist Polo Hofer, der in 13 der bis jetzt 58 geplanten Vorstellungen einen kleinen Gastauftritt hat. Zu einem anderen Publikumsliebling wird Marc Dietrich, früher bekannt mit Peter, Sue & Marc. Er spielt den in die Jahre gekommenen Bünzli Heiri. Wäre es nach ihm gegangen, hätte es dieses Musical nie gegeben. Als die Figur Pesche ihm klagt, dass er extra für seine Lorraine früher einen Song mit dem Titel «Alperose» komponiert habe, findet Heiri das zwar schön, muss aber trocken feststellen: «Aber e Hit hets ämu nie gä». Er hat sich massiv getäuscht.
Kreativ eingebaut in die Handlung wurden auch die Sponsoren. Während ein «echt» einfahrender Zug der BLS zu einem Element des Dekors wurde, ist die Migros sinnvoll in einen Dialog eingeflossen. Die Region Pilatus wurde in einem Kalauer mit der Fitness-Technik Pilates verwechselt. Dabei haben an der Premiere nicht nur die eingeladenen Gäste dieser Sponsoren sondern auch das übrige Publikum die Winks mit dem Zaunpfahl als witzig empfunden und das kulturelle Engagement mit einem verdienten Applaus verdankt.
Andreas Panzeri
(Bilder: Keystone)