Kreativ-Ranking 2012

Zusammen mit einer hochkarätigen Delegation von BSW und ADC hat sich die Werbewoche auf eine Liste für das Kreativ-Ranking 2012 geeinigt.

(in Klammern der jeweilige Gewichtungsfaktor)

Cannes (5)
Clio (5)
D&AD (5)
One Show (5)
The Cup (5)
ADC*E (4)
Eurobest (3)
ADC Schweiz (3),
Effie (2)

Aus den nachstehenden Awards kann jede Agentur für sich zwei auswählen, die ebenfalls für das Ranking zählen sollen:

Epica (1)
London International Award (1)
Die Klappe (1)
Spotlight-Festival (1)
Swiss Poster-Award (1)
Edi (1)
DM-Award (1)
Crossmedia Award (1)
Best of Swiss Web (1)

Zusätzlich wurde beschlossen, dass nur die höchste vergebene Auszeichnung gilt, wenn eine Kampagne in derselben Jurykategorie eines Wettbewerbs mehrere (für mehrere Einzelsujets) Auszeichnungen gewonnen hat. Auszeichnungen für mehrere Einzelsujets in der gleichen Kampagne und Kategorie gelten als ein Preis. Auszeichnungen für Spezialpreise wie Clio Healthcare oder andere Unterwettbewerbe zählen nicht für das Ranking.

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ONZ stellt Betrieb ein

Die ONZ Obwalden und Nidwalden Zeitung erscheint am Freitag, 2. März 2012, zum letzten Mal als gedruckte Ausgabe, danach werden auch die Online-Kanäle abgeschaltet.

Der Verwaltungsrat der ONZ Obwalden und Nidwalden Zeitung AG hat entschieden, das Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen zu schliessen und eine geordnete Liquidation einzuleiten, wie es in einer Mitteilung vom Donnerstag heisst. Den 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der ONZ wurde auf Ende Februar gekündigt, wobei sämtliche vertraglichen Verpflichtungen erfüllt werden. Die Mitarbeiter wurden am Mittwochmorgen vom Verwaltungsrat über diesen Entscheid in Kenntnis gesetzt, nachdem sie in den Wochen zuvor bereits über den wirtschaftlichen Stand des Unternehmens informiert worden waren.

Der Schliessungsschritt sei notwendig geworden, weil die kommerzielle Entwicklung der Zeitung mehr Zeit benötigt habe als ursprünglich angenommen, heisst es weiter. Zwar seien die Ausgaben stets im Rahmen des Budgets geblieben, weil aber die Werbeeinnahmen und die Einnahmen aus den Abonnements deutlich unter den Erwartungen gelegen seien, stehe die ONZ Obwalden und Nidwalden Zeitung AG vor der Überschuldung. Um alle Verpflichtungen erfüllen zu können, habe  der Verwaltungsrat deshalb die geordnete Liquidation der ONZ Obwalden und Nidwalden Zeitung AG beschlossen. Diese Liquidation ermögliche das Einhalten der Verpflichtungen gegenüber den Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Kunden. So hätten auch die Abonnentinnen und Abonnenten der ONZ die Möglichkeit, eine Rückzahlung für nicht vollständig erbrachte Leistungen anzufordern.

Trotz zahlreicher Massnahmen keine Trendumkehr

Die letzte gedruckte Ausgabe der ONZ erscheint am Freitag, 2. März 2012, danach werden auch die Online-Kanäle abgeschaltet. Mehr als 400 Aktionärinnen und Aktionäre der ONZ hatten Anfang 2010 innerhalb weniger Wochen Aktien im Wert von 3 Millionen Franken gekauft und den Start der ONZ überhaupt erst ermöglicht. Durch die Liquidation des Unternehmens gehen sämtliche geleisteten Einlagen verloren. Dass das Aktienkapital nach zwei Jahren aufgebraucht sein wird, wurde bereits im Zeichnungsprospekt 2010 festgehalten. Die ONZ Obwalden und Nidwalden Zeitung AG wird kurzfristig eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen, an welcher der Verwaltungsrat die Auflösung und Liquidation der Gesellschaft beantragen wird.

Da sich auf der Einnahmeseite eine Trendumkehr zum Positiven trotz zahlreicher Massnahmen in den Bereichen Marketing, Preissetzung, Werbung und Personal nicht abgezeichnet habe, halte es der Verwaltungsrat nicht mehr für zielführend, weiterhin in die ONZ zu investieren, so das Unternehmen. Der Verwaltungsrat bedaure es ausserordentlich, dass es nicht möglich gewesen sei, die ONZ Obwalden und Nidwalden Zeitung langfristig als publizistische Stimme zu etablieren und mit dem Unternehmen für seine Aktionäre Gewinne zu erzielen.

Publizistisch ein Erfolg, wirtschaftliche Ziele nicht erreicht

Publizistisch sei die Zeitung ein Erfolg gewesen, heisst es weiter. In den bald zwei Jahren ihres Bestehens habe sich die ONZ zu einer vielbeachteten Stimme entwickelt, die in Obwalden und Nidwalden aber auch darüber hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht habe. Die Zeitung habe mehr als 3‘000 Abonnenten gezählt, welche die Berichterstattung zweimal in der Woche in der gedruckten Ausgabe mitverfolgt hätten. Zusätzlich habe die ONZ jeden Monat mehr als 30‘000 Online-Nutzerinnen und -Nutzer erreicht, die sich auf den verschiedenen Kanälen über das Geschehen in den beiden Urkantonen informiert hätten.

Wirtschaftlich habe die ONZ ihre Ziele von Anfang an nicht erreichen können. Gemäss dem Businessplan sei es das Ziel gewesen, im ersten Geschäftsjahr rund 4‘000 Abonnenten zu gewinnen und diese Zahl bis ins dritte Geschäftsjahr auf 8‘000 zu steigern. Doch die Zahl der Abonnenten habe sich bei 3‘000 eingependelt. Im Inseratebereich seien die Einnahmen stets rund ein Drittel unter den Erwartungen gelegen. Als Vergleichsgrösse seien die Zahlen der nach dem gleichen Konzept erscheinenden Jungfrau Zeitung im Berner Oberland hinzugezogen worden.

Die Werbekunden hätten sich von Beginn weg nur sehr zögerlich bei der ONZ engagiert, das sehr aktive Verkaufsteam sei betreffend Inserateschaltungen immer wieder auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet worden. Offensichtlich sei es der ONZ Obwalden und Nidwalden Zeitung nicht gelungen, genügend Vertrauen im Markt aufzubauen, um die Werbeeinnahmen namhaft steigern zu können. Dies obwohl die Qualität des Produktes auch von potenziellen Inserenten nie in Zweifel gezogen worden sei. Ausserdem habe die Konkurrenz auch im kommerziellen Bereich gut und schnell reagiert, was die Etablierung der ONZ im Markt zusätzlich erschwert habe.

 

Der bodenständige Kosmopolit

Nach vielen Jahren in Zürich und den USA hat es Ralf Kostgeld wieder in seine Heimatstadt gezogen. Seit Ende 2011 ist der langjährige Creative Director von Publicis bei Ammarkt in St. Gallen. Was führte den Kreativen, dessen Arbeiten mit über 180 nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet wurden, zur Strategieagentur?

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In weissem Hemd und dunkelblauen Jeans sitzt Ralf Kostgeld am Sitzungstisch, der sich im Eingangsbereich der mehrstöckigen Agenturräumlichkeiten in einem Betongebäude nahe des Stadttheaters befindet. Obwohl er im Laufe der nächsten Stunde oft über die Nähe zu seiner Heimatstadt sprechen wird, vom Gefühl, zu den Wurzeln zurückzukehren, betont Kostgeld, der Standort sei für den Wechsel zu Ammarkt nicht entscheidend gewesen.

Nach über eineinhalb Jahren als Freelancer wollte Kostgeld wieder in einer Agentur mit einem grösseren Team zusammenarbeiten. Weshalb hat sich der Creative Director gerade Ammarkt ausgesucht, eine Agentur, die für ihre Ausrichtung auf Strategie bekannt ist? «Klar, der Normalfall wäre gewesen, in eine Kreativagentur zu gehen», erzählt Kostgeld, der bei Publicis Grosskunden wie die Migros betreute. Weshalb nicht etwas anderes, fragte er sich. Er interessierte sich für die Agentur Ammarkt, die in den letzten Jahren von 21 Pitches 19 gewonnen hat, und wollte wissen, was sie erfolgreich machte. So spannend er die Ausrichtung auf Strategie fand, so sehr sah er das Potenzial darin, das Strategische mit einer überzeugenden Kreation zu kombinieren. Daraus könnte eine interessante partnerschaftliche Zusammenarbeit entstehen, waren sowohl er als auch Ammarkt überzeugt. Schliesslich holten ihn die St. Gallerals Creative Director in die Geschäftsleitung.

Dass Kostgeld nicht den naheliegenden Weg zu einer Kreativagentur wählte, ist für ihn charakteristisch. Der Kreative bewegt sich gerne in Randgebieten, wie er selbst sagt, will ausbrechen, wenn er sich eingeschränkt fühlt. Bereits in der Schule empfand er es als störend, nach einem vorgegebenen Ablauf einen Aufsatz schreiben zu müssen. «Ich wollte etwas Neues schaffen, meine Kreativität einbringen.» Als er den Vorkurs an der damaligen Kunstgewerbeschule St. Gallen besuchte, gefiel es ihm, sich frei entfalten zu können, und er wusste, dies würde seine Laufbahn werden. Er beschloss, die Fachklasse für Grafik zu absolvieren. Sich auszuprobieren, faszinierte ihn. Allerdings gab es ihm auch dort zu viele Einschränkungen: «Die waren sehr streng.» Dogmatisch. Die Univers-Schrift wurde hochgelobt. Alles war sehr nah am Bauhaus und der Ulmer-Schule. Kostgeld wollte aber mehr und schaute von internationalen und nationalen Arbeiten ab. Die «Toni im Glas»-Werbung von Jean-Etienne Aebi gefiel ihm, und er wusste: «Eigentlich muss es das sein.»

Nach dem Abschluss der Fachklasse zog es Kostgeld nach Zürich, wo er zuerst bei einer kleineren Agentur, später beim internationalen Agenturnetzwerk McCann Erickson arbeitete. Seine Pläne, für McCann auch im Ausland zu arbeiten, erwiesen sich als schwierig. Zuerst müsse er sich die Sporen abverdienen, hiess es. Das dauerte ihm zu lange. Dank eines Trainee-Exchange-Programms erhielt er ein Visum und eine Arbeitsbewilligung für zwei Jahre in den USA, wo er zuerst als Freelancer arbeitete, danach in San Francisco bei Levinson & Associates als Art Director Werbung und Corporate Design machte und sich dazwischen sprachlich und in Film und Multimedia weiterbildete. Dabei wurde ihm bewusst, dass es richtig ist, sich auf Art Direction zu konzentrieren. Er führt gerne Regie, liebt es, Ideen zu entwickeln.

Als er schliesslich von Levinson & Associates angefragt wurde, in die Agentur einzusteigen, stand er vor der Entscheidung, sich definitiv in den USA eine neue Existenz aufzubauen. «Ich hatte eine super Zeit in den USA.» Doch er vermisste die Schweiz, die damalige Freundin und die kulturelle Vielfalt Europas. 1996 entschied er sich zurückzukehren. Durch Claude Martin, damals Creative Director von Publicis, gelangte er zur Grossagentur, wo er seine Leidenschaft für Film, Crossmedia und Corporate Design in diversen Arbeiten ausleben konnte. Unter dem Claim «Tiefer als man denkt» startete er, um das Hochpreisimage der Swisscom zu korrigieren, eine breit angelegte Kommunikationsoffensive mit Spots, Inseraten, Plakaten inklusive Guerilla-Aktionen mit Klebern und Give-aways. Boris Jelzin und Bill Clinton liess er in einem TV-Spot als Unterhaltungsduo mit Übersetzungsschwierigkeiten für die Gelben Seiten werben. Und Aufsehen erregte 2007 auch eine von ihm mitentwickelte Viralkampagne für Chocolat Frey, die mit einem Videoclip eines jungen Paares begann, das im Val Cama im Tessin ein Einhorn gesichtet haben wollte. Das Video verbreitete sich schlagartig im Internet, wurde von den Medien aufgegriffen, bis die Werber das Märchen schliesslich als Kampagne zu erkennen gaben. Immer wieder wagte sich Kostgeld auf neue Felder, zum Beispiel ans Thema «Branded Entertainment» zusammen mit Jean-Etienne Aebi und einem für ihn hervorragenden Team bei Publicis, als 2008 zur Fussball-Europameisterschaft für die Migros 6-Minuten-Blöcke im Schweizer Fernsehen gebucht wurden, um dort unter der Marke des Detailhändlers mit den «Fanmeisterschaften» die Zuschauer zu unterhalten.

Eine Zäsur gab es 2009, als das Kunsthaus Zürich anlässlich des Jubiläums Topkreative anfragte, ihre Vision von «100 Jahre Kunsthaus» umzusetzen. Als Kostgeld den Zuschlag erhielt, war dies der richtige Moment für die Selbstständigkeit. «Nach vielen Jahren bei einer Grossagentur war es Balsam für die Seele, wieder Zeit für eigene Projekte zu haben», so der Kreative. «Ich hatte eine schöne Zeit bei Publicis, tolle Kunden.» Das Kunsthausprojekt gab ihm jedoch die Möglichkeit, in sich zu kehren, freier zu arbeiten und selbst Regie zu führen. Die Arbeit an seinem Film «Chez toi» erfüllte ihn – auch persönlich. Und obwohl es ihn reizte, diese Linie weiter zu verfolgen, fühlte er sich als Creative Director in der Werbung, der «angewandten Kunst», mehr zu Hause. Strömungen aus dem Bereich Kunst lässt Kostgeld allerdings gerne in die Kommunikation einfliessen, was er bei Ammarkt bereits in der Alcacyl-Werbung mit den dampfenden Kochtöpfen zeigte. Anstatt auf Computeranimation zu setzen, liess er die fiebrigen Gesichter von einer kanadischen Künstlerin mit Öl auf die Töpfe malen.

Auch sein Steckenpferd Film will Kostgeld bei Ammarkt in Zukunft vertiefen. Nicht nur in TV-Spots. «Ich finde es momentan eine höchst spannende Zeit», schwärmt er. Heute sei so viel möglich: im Online-Bereich, mit crossmedialen oder viralen Kampagnen. Nur einen Teaser als TV-Spot zeigen und den Rest online umsetzen. Oder Corporate-Filme realisieren, bei denen gar nicht mehr klar ist, ob es sich um einen langen Werbefilm, einen visionären Kurzfilm oder doch um einen Corporate-Film handelt.

Eine gute Idee oder tolle Geschichte allein reicht dabei nicht, so ist Kostgeld, der sich als Mitglied des Art Directors Clubs für die Verbesserung der Werbung einsetzt, überzeugt. «Kunden wollen nicht etwas, das nur super kreativ ist, aber nicht zum Ziel führt.» Schon bei Publicis fand er es spannend, für Grosskunden zu werben, während andere Kreative Kunden wählten, mit denen man einfacher Preise gewinnen konnte. «Wenn du nie fähig bist, für eine grosse Firma eine gute Arbeit zu machen, die kreativ ist, aber auch im Markt funktioniert, hast du etwas falsch gemacht.» Gelungen ist Kostgeld dieser Balanceakt beispielsweise mit der über 10-jährigen crossmedialen Kampagne für die Gelben Seiten, die sowohl wirtschaftlich erfolgreich war als auch international über 50 Preise gewann.

Die Brücke zwischen Kreation, Strategie und Wirtschaftlichkeit zu schlagen, ist nun sein Ziel bei Ammarkt. Hier spürt er die Nähe zur Universität St. Gallen (HSG), zu Kunden und Wirtschaft. So haben sich auch CEO Michael Schmid und Heinz Frischknecht (VRP), welche die Agentur gründeten, an der HSG weitergebildet. Im Verwaltungsrat der Agentur sitzt zudem HSG-Marketingprofessor Torsten Tomczak, der ab und zu bei Projekten dazustösst. Ferner legt man bei Ammarkt viel Wert darauf, Ergebnisse aus der Forschung in die Arbeit einfliessen zu lassen. Während die Beratung und Strategie eine stark unternehmerische Sicht pflegen, sorgt Kostgeld dafür, dass der Kundennutzen auf interessante, kreative Art umgesetzt wird. Darüber hinaus will er dafür sensibilisieren, was es braucht, um einen Kreativ-Award oder einen Effie zu gewinnen. Zu zeigen, dass erfolgreiche Werbung nur in guter Teamarbeit entstehen kann, ist ihm ebenso wichtig.

Mit Kostgeld treffen bei Ammarkt nicht nur Strategie und Kreativität zusammen, sondern auch Bodenständigkeit und kosmopolitischer Hintergrund – zwei Dinge, die in ihm selbst nicht nur aufgrund der Aufenthalte im Ausland vereint sind. Sein Vater, gebürtiger Deutscher, nahm die österreichische und später schliesslich die Schweizer Staatsangehörigkeit an. Die Mutter ist ursprünglich Tirolerin. Von dort her sei in ihm drinnen eine Kombination verschiedenster Dinge: «Eine Mischung aus Währschaft und Kosmopolit.» Ganz heimgekehrt nach St. Gallen ist Kostgeld denn auch nicht. Nach wie vor wohnt er, gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin, in Schlieren bei Zürich. Für den Notfall – sollte es einmal länger dauern – kann er auf sein Kinderzimmer bei den Eltern in St. Gallen Rosenberg zurückgreifen.

Gleichwohl hat er viel in Zürich zu tun. Einzelne Kunden, aber vor allem auch Produzenten, mit denen Ammarkt zusammenarbeitet, sind in der Limmatstadt beheimatet. Und selbst wenn der Fokus auf der Ostschweiz liegt, sieht sich Ammarkt nicht als reine Ostschweizer Agentur, die ausschliesslich lokale Kunden betreut. In der Werbung ist vieles auf Zürich fokussiert. Kostgelds Idee ist es, mit dem Team von Ammarkt etwas aufzubauen, das gesamtschweizerisch Gewicht hat. Für die Zukunft wünscht er sich ausserdem das eine oder andere internationale Mandat.

Als Kunde käme für Kostgeld auch die Stadt St. Gallen selbst in Frage, die seinem Empfinden nach zwar als währschaft, wirtschaftsnah, aber als nicht ganz so innovativ gesehen wird. «Ich würde mir wünschen, dass St. Gallen etwas anders wahrgenommen wird.» Bietet die Ostschweizer Stadt doch viel Interessantes. Mit der Lokremise ist neben dem Bahnhof im ehemaligen Ringdepot ein aussergewöhnliches Kulturzentrum entstanden. Firmen wie das Modelabel Akris, Jakob Schlaepfer Textilien, daneben die HSG sind international bekannt. Vielleicht müsste man die Stadt ab und zu etwas provozieren, kitzeln, meint er. «Die Ostschweiz dürfte ihre Innovationen ruhig etwas mehr nach aussen tragen.»

Isabel Imper

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Ammarkt
Die Fullservice-Agentur für Strategie, Marketing und Werbung ist seit über 13 Jahren unabhängig und inhabergeführt. Gegründet wurde sie von Heinz Frischknecht (VRP) und Michael Schmid (CEO), der heute mit Marcel Odermatt (CEO), Ralf Kostgeld (CD) und Lucia Burtscher (Senior-Beraterin) die Geschäftsleitung bildet. 32 Spezialisten aus klassischer Werbung bis Social Media setzen ihr Know-how für ihre Kunden ein. Mit dem Ergebnis, dass 19 von 21 Pitches gegen insgesamt 54 Agenturen gewonnen wurden.

Best of Swiss Web 2012: neuer Teilnehmerrekord und seriöses Handwerk

Die Schweizer Webszene ist vital wie nie zuvor. Das zeigt sich schon am neuen Teilnehmerrekord bei Best of Swiss Web 2012. Aber auch handwerklich wurde ein beeindruckendes Niveau erreicht – wirkliche Kracher waren hingegen dünn gesät. Die Jury hat befunden, und die Masterkandidaten sind bestimmt.

Mit über 400 Eingaben erreichte die Teilnahme an Best of Swiss Web dieses Jahr einen Rekord. Das sind gut ein Viertel mehr als letztes Jahr und entsprechend aufwendig und intensiv war die Arbeit der 84 Jurymitglieder. Am Jurytag vom 8. Februar freute sich Claudio Dionisio, Präsident von Best of Swiss Web, über die grosse Beteiligung: «Der neue Teilnehmerrekord zeigt die Dynamik im Web- und Mobile-Markt.» Gleichzeitig sieht er aber auch einen gewissen Handlungsbedarf: «Die grosse Zunahme im Mobile- und Social-Media-Bereich ist zwar nicht ganz überraschend – dürfte jedoch im nächsten Jahr zu einer oder zwei neuen Kategorien führen.» 

Die neun festen Kategorien waren unter den Bewerbern unterschiedlich beliebt. Am meisten Projekte wurden unter den Kategorien Creation (79) und Digital Branding Campaigns (69) ins Rennen geschickt. Am wenigsten gab es in der Kategorie Public Affairs (20) und Business Efficiency (28). Auch dieses Jahr gibt es wieder eine Spezialkategorie: Unter dem Titel «Silver Surfer: Ctrl, Alt, Delete?» werden Projekte gewürdigt, die für Menschen gedacht sind, denen das Smartphone nicht schon in die Wiege gelegt wurde. 

68 Eingaben schafften es auf die Shortlist. Das sind zwar nur 2 weniger als letztes Jahr, aber das Verhältnis von Anzahl Eingaben zu Shortlist-Plätzen ist deutlich geschrumpft. Landeten 2011 noch fast 23 Prozent aller Eingaben in der Shortlist, waren es dieses Jahr nur noch gut 17 Prozent. Heisst das, dass dieses Jahr strenger bewertet wurde, oder waren die Projekte weniger gut? Wenn man sich in Die Schweizer Webszene ist vital wie nie zuvor. Das zeigt sich schon am neuen Teilnehmerrekord bei Best of Swiss Web 2012. Aber auch handwerklich wurde ein beeindruckendes Niveau erreicht – wirkliche Kracher waren hingegen dünn gesät. Die Jury hat befunden, und die Masterkandidaten sind bestimmt. den Jurys umhörte, bekam man ein differenzierteres Bild. Von verschiedener Seite war zu hören, dass die Qualität im Schnitt durchaus gut war. Es sei viel seriöse Arbeit geleistet worden. Besonders die technische Qualität habe mittlerweile ein respektables Niveau erreicht. Der Anteil an wirklich herausragenden Projekten – und nur die schaffen es in die Shortlist – sei hingegen deutlich kleiner als in anderen Jahren. Daniel Liebhart, eine der grauen Eminenzen in der Jury, formulierte es so: «2012 ist ein Jahr der Integration. Wir hatten viele technisch sauber gelöste Projekte, aber nur weniges war brandheiss.» 

Weniger von den «Grossen» 

Zieht man den Kreis noch enger und sieht sich die Liste mit den Masternominierten an (siehe PDF), fällt auf, dass die Dominanz der grossen Organisationen etwas abgenommen hat. Letztes Jahr war diese Spitzengruppe noch fast vollständig von grossen Firmen oder Institutionen gestellt. Krass war die Rolle der Migros: Sie stellte nicht weniger als fünf der zwölf Kandidaten und war damit der grosse Hecht im Karpfenteich. 

Die diesjährigen Kandidaten für den Mastertitel sind in ihrer Herkunft deutlich heterogener. Zwar findet man auch darunter wieder drei Eingaben der Migros, wenn man Ex Libris und die Tochterfirma Bischofszell Nahrungsmittel AG dazuzählt. Auch das Schweizer Fernsehen und die SBB darf man zu den Grossen rechnen. Daneben konnten sich aber die Jungen und Wilden des Jugendsenders Joiz ebenso einen Platz ergattern wie die Strassenverkehrsorganisation Road Cross oder die Mountain Vision AG mit ihrer App für Laax/Flims. Was dieses Jahr unter den Masterkandidaten allerdings fehlt, ist ein reines B2B-Projekt. 

Jahr des Tourismus? 

Besonders erfrischend ist, dass sich ein Projekt wie «Ferien ohne Internet» von Schweiz Tourismus ins famose Dutzend zu schmuggeln vermochte. Es greift die Klischees und Absurditäten des Web-2.0- Rummels auf und richtet sich in Form einer innovativen Social-Media-Kampagne direkt an Online- Junkies. Apropos Tourismus: Wenn man denn unbedingt ein Motto für die diesjährigen Masternominierten haben müsste, dann könnte man es als Jahr des Tourismus bezeichnen. Mit «Ferien ohne Internet », Laax & Flims Mobile, Einbündnerung und My Switzerland haben sich gleich vier Tourismusangebote Startplätze für den Master gesichert. Und mit viel gutem Willen könnte man auch noch den neuen SBB-Auftritt dazuzählen. Im Übrigen darf festgestellt werden, dass die Interaktivität im Web weiter wächst, das mobile Internet flott spriesst und auch die Gamifizierung munter ins Kraut schiesst. 

Noch etwas fiel auf: Gegenüber früheren Jahren konnten bemerkenswert viele klassische Werbeagenturen mit interessanten Projekten aufwarten. Das erstaunt auch Claudio Dionisio, der gesteht, diesen Relikten aus der alten Medien- und Kommunikationswelt nicht mehr viele Chancen eingeräumt zu haben. «Doch heute zeigen sich einige von ihnen erstaunlich fit in der Onlinewelt – so richtig agil halt.» 

René Mosbacher 

swissweb
Der Sieger von Best of Swiss Web 2011: Migipedia – rechts mit der
Masterboje die damalige Online-Chefin der Migros Leila Summa. 

 

Net-Metrix: Browser-Landschaft wird immer mobiler

Im Vorjahresvergleich zeigen sich für Januar 2012 markante Verschiebungen in der Browser-Landschaft: Der Anteil mobiler Browser wächst ungebrochen, der Internet-Explorer hält sich jedoch in der Schweiz nach wie vor unangefochten an der Spitze.

Vergleicht man die Anteile der Browser von Januar 2012 und Januar 2011, stechen vor allem das Wachstum von Android und der Rückgang der Protagonisten Internet Explorer und Firefox ins Auge: Mittlerweile werden 3.5 Prozent der Website-Besuche über ein Android-Gerät abgewickelt (im Vorjahr 1 Prozent), was mehr als einer Verdreifachung entspricht. Die Anteile der Besuche über Internet Explorer (43.9 Prozent; -7.8 Prozentpunkte) und Firefox (19.1 Prozent; -4.2 Prozentpunkte) setzen hingegen ihren Sinkflug fort. Die Anteile der Visits über iApps (9.8 Prozent) und den Mobile Safari (5.6 Prozent) verdoppeln sich beide im Vergleich zu Januar 2011; somit legen sowohl das mobile Surfen über Apps als auch das über den Browser von iPhone, iPad und iPhone weiter zu. Als einziger stationärer Browser kann Google Chrome mit einer Steigerung aufwarten (von 4 auf 6.5 Prozent). Mit insgesamt 2.3 Prozent (im Vorjahr 3.4 Prozent) fällt der Anteil aller übriger Browser von Opera, Black Berry, Nokia, Samsung und weiteren unspektakulär tief aus. Hier ist kein Wachstumskandidat in Sicht.

Grafik I: Browserverteilung im Januar 2012 und 2011 im Vergleich

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Die Tendenz zu einem markant höheren Anteil mobiler Systeme zeigt sich auch bei den Betriebssytemen: Der Anteil von Klassenprimus Windows sinkt von 77.6 auf 66.1 Prozent, was immer noch deutlich für den Spitzenplatz reicht. Während Apples Mac OS praktisch unverändert auf 12 Prozent stagniert, wird es vom eigenen mobilen Pendant iOS mit mittlerweile 15.7 Prozent (im Vorjahr 7.9 Prozent) klar überflügelt. Im Gegensatz zu 2011 wurden also im Januar 2012 über iPhone, iPad und iPod insgesamt mehr Internet-Besuche abgewickelt als über alle Mac OS-Geräte. Auch bei den Betriebssystemen wächst Androids Anteil am stärksten, nämlich analog zum Browsing von 1 auf 3.5 Prozent. Überraschungsgast unter den Expandierern ist sicher Linux: Mit einem Wachstum von 0.7 auf 1.4 Prozent verdoppelt sich die Zahl der Besuche im Vorjahresvergleich.

Grafik II: Betriebssystemverteilung im Januar 2012 und 2011 im Vergleich

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Zu guter Letzt: Scharfer Burger, scharfes Weib

Der Burger im neusten Spot der Restaurantketten Carl’s Jr. und Hardee’s ist scharf. So scharf, dass es der Dame, die ihn vertilgt, heiss wird. So heiss, dass ihr nichts anderes übrigbleibt, als sich auszuziehen.

Dass sie dabei im Autokino ist und erst noch in einem Cabrio sitzt, scheint sie nicht wirklich zu stören. Den jungen Mann im Wagen nebenan jedenfalls freut’s eindeutig. Was man ja auch irgendwie verstehen kann. Ebenso kann man verstehen – wenn man denn über ein Minimum an Empathiefähigkeit verfügt –  dass seine Freundin nicht wirklich begeistert von seiner Freude ist.
 

Zur Sache: You got mail

Internet und E-Mails sind aus der täglichen geschäftlichen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. 

Auch wenn der Wiener Philosophieprofessor Peter Kampits kulturpessimistisch feststellt, dass das Internet einen dramatischen Verlust von Wirklichkeit und damit einen regelrechten Kulturzerfall mit sich gebracht habe. Und wer der Übeltäter sei, weiss Kampits auch: die E-Mail. 

Da bin ich mit dem Herrn Professor einverstanden, die E-Mail-Flut ist die tägliche Krux. Dank immer besserer Filter ist die Flut unerwünschter Spam-Mails zwar drastisch zurückgegangen. Immer seltener kriegt man ein Mail von einem illegitimen Sohn eines nigerianischen Ex-Ministers, der einem unbedingt einen Anteil an seinem Vermögen von 15 Mio. $ schenken will, auch die Aufforderung REAL FIAGRA landet seltener in der Inbox. Aber es geht gar nicht um diese Art von Mails, es geht um die ganz normalen täglichen Geschäftsmails. Dass man dank iPhone unerwünschte Mails auch von unterwegs löschen kann, macht die Sache nur wenig besser.

Sascha Lobo, Autor, Blogger, Microblogger und Strategieberater mit den Schwerpunkten Internet und Markenkommunikation (das ist der mit der feuerroten Shakiri-Frisur) nimmt das zum Anlass, um auf ironische Art und Weise «17 Tipps gegen die Mail-Flut» zu geben. Seine Ausführungen auf Spiegel online sind amüsant:

«Sporadisch eingestreute Flüchtigkeitsfehler deuten auf einen lustlosen oder hektischen Absender hin und reduzieren so die Mail-Freude beim Empfänger, was sich in der Regel günstig auswirkt.» Sehr gefallen hat mir auch Tipp 12: «Im Zeitalter des Smartphones nimmt man Rücksicht auf die armen Leute, die von unterwegs mailen müssen. Das lässt sich auch am Schreibtisch ausnützen; die Anmutung einer mobil verfassten E-Mail erreicht man durch wirre Fehler, konsequente Kleinschreibung und die angehängte Grussformel ‹freundliche grüsse vno unterwegs›. Nur sehr unangenehme Menschen werden einen langatmigen Mail-Dialog beginnen mit einer Person, die offenbar gezwungen ist, einhändig mit schwachem Akku im hastigen Gehen Mails zu schreiben.» Schön finde ich auch: «Mit jedem zusätzlichen Mail-Empfänger steigt die Wahrscheinlichkeit einer Antwortmail. Wenn es sich aus politischen oder sozialen Gründen nicht vermeiden lässt, andere einzubeziehen, sollte man möglichst viele Empfänger in cc setzen. Mails in cc reduzieren die gefühlte Antwortverpflichtung dramatisch.»

Heute um 14.34 Uhr erhielt ich eine Mail. Um 15.12 Uhr hatte ich sieben Mails zur gleichen Sache. Immer cc, direkte Empfänger gab es je nach Absender zwei bis drei. In der letzten Mail hat sich der Knoten dann gelöst. Wie war das mit dem Kulturzerfall?

Pierre C. Meier, Chefredaktor [email protected]
 

Werbung aus der Schweiz wird zur Mode

Mit einem Film für Pringle of Scotland hat die Zürcher Agentur Neutral im letzten Sommer einen Gold-Award beim ADC Europe gewonnen. Ein sehr seltenes Ereignis für die Schweiz. Für Neutral die Bestätigung: Man kann auch von Zürich aus internationale Werbung machen.

Seit drei Jahren arbeitet die Zürcher Agentur Neutral für die Traditionsmarke Pringle of Scotland. In sehr enger Zusammenarbeit mit dem Managing Director konnten die Kreativen von der Langstrasse in dieser Zeit die Schotten von einem etwas altmodisch wirkenden «Strickladen» zu einem angesagten Label im Bereich Lifestyle und Prêt-à-porter entwickeln.

Angefangen hat die Story mit einem Job für Puma. Auch hier sollte eine alte Sportmarke zum Premium Lifestyle-Brand gewandelt werden. Es gab dazu einen Pitch mit englischen und amerikanischen Agenturen. Gewonnen hat schliesslich Neutral aus der Schweiz. Als der Brand Manager Benoit Duverger von Puma als Director of Global Communications zu Pringle wechselte, hat er Neutral «mitgenommen». Seither bringt sich die Agentur von Michelle Nicol und Rudolph Schürmann bis hin zur Entwicklung von Produktlinien und Ladenarchitektur ein. Und Benoit Duverger wurde zwischenzeitlich zum Managing Director befördert. Er bringt die Zusammenarbeit auf den Punkt: «Mit der Agentur Neutral zu arbeiten bedeutet, einen klaren Fokus auf Inhalte zur strategischen Markenentwicklung zu setzen. Dies hat sich in der Vergangenheit und bis heute für die Marken Puma und Pringle voll bezahlt gemacht. Denn Marken ohne Inhalte braucht 2012 niemand mehr.»

«Als langweilige Marke im hohen Schottland schafft man es mit seiner Kollektion nie in die grossen Modemagazine. Also braucht es einen attraktiven Aufhänger. Wir haben Editionen mit Künstlern und Institutionen lanciert und diese dann über geeignete Events und Shows präsentiert», erklärt Schürmann die Strategie. So wurde eine alte Marke auf einmal cool. Coolness produziert Neutral auch für Bally, hier mit der Kollektion BallyLove, die jeweils von einem Künstler entworfen und mit Art Basel und Art Basel Miami Beach gelauncht wird.

Pringle of Scotland gilt heute als das kultige Label aus dem Herzen der Kashmere-Industrie in Schottland. Bereits nach der Gründung 1815 revolutionierte Pringle die Modeindustrie mit feinstem Cashmere und bisher nie dagewesenen Schnitten. Vor allem der technische Fortschritt ermöglichte es dem Modehaus seither mit neuartigen Herstellungsverfahren die luxuriösen Stoffe zu weben und zu innovativer Aussenbekleidung zu verarbeiten. Die Modeschöpfer von Pringle gelten auch als die Urväter des Twin Sets. «Der Traditionsbrand hatte aber seinen Lebenszyklus überschritten », analysiert Schürmann.

Die Agentur Neutral positioniert seither Pringle in der Kommunikation weiterhin als schottische Traditionsmarke – aber mit neuen Inhalten, die auf den traditionellen Werten beruhen. Zum Beispiel wurde die schottische Oscargewinnerin Tilda Swinton als Testimonial gewonnen. Ein besonders kreativer Streich war auch das Lancieren von «195 Collaborations» – eine Serie von Künstlerprodukten in Zusammenarbeit mit der Serpentine Gallery. Nach dem Londoner Event sowie weiteren Präsentationen in Mailand, Berlin, Miami oder New York wurde die «195 Collaborations»-Kollektion von führenden Händlern in aller Welt übernommen.

Die heutige Besitzerfamilie von Pringle stammt aus Hongkong. Viele erfolgreiche Asiaten treffen sich an der Art Basel Miami Beach. Dort ist Neutral Partner und baute in der Folge mit den Zürcher Architekten Andreas Fuhrimann und Gabrielle Hächler einen Pop-up-Shop. «Viele Fashion Brands inszenieren sich an der Art Basel Miami Beach. Der PR-Niederschlag ist sehr gross. Danach startet der Verkauf.»

Eine wichtige Rolle in der Arbeit von Neutral für Pringle spielen alle Jahre wieder neue Imagefilme. Für die Männer-Kollektion Herbst/Winter 2011 hat Neutral einen Film mit dem Zürcher Künstler und Kult-Fotografen Walter Pfeiffer gedreht. Für einen früheren Imagefilm aus der Kreation von Neutral zeichnete der Regisseur Ryan McGinley verantwortlich. Die Premiere des Films markierte nach fünfjähriger Abstinenz im Jahre 2009 die Rückkehr von Pringle an die London Fashion Week.

Das neueste Werk von Neutral hat 2011 als einziger Schweizer Beitrag am ADC Europe eine goldene Trophäe gewonnen. Der in Glasgow wohnhafte Künstler David Shrigley wurde von Neutral und Pringle eingeladen, einen Corporate-Film zu realisieren. Auf den Filmkünstler ist man gekommen, weil Michelle Nicol schon vor Jahren mit ihm als Illustrator gearbeitet hatte, «als er noch völlig unbekannt war». Die Premiere dieses Films fand im Januar 2011 im Rahmen der Menswear Show in Mailand statt. Shrigley inszenierte bereits 2010 das berühmte Pringle Twinset für die London-Fashion-Week-Plakat-Kampagne. Die witzigen Zeichnungen werden seither für eine T-Shirt-Kollektion benutzt. Eine dieser Zeichnungen hat auch schon den Weg auf das Cover der englischen Elle gefunden. Lanciert wurden die Shirts an der Vogue Fashion Night Out in London. Die Sujets sind auch eingeflossen in spezielle Schaufenster-Konzepte für Retail-Partner Colette in Paris, Corso Como in Mailand oder Murkudis in Berlin.

Andreas Panzeri

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Es hat für die Schweiz geklappt

Der Wettbewerb Die Klappe zählt wieder für das Ranking der Werbewoche. SFLB kann bereits profitieren.

Der Schweizer Filmpreis EDI, die Awards vom Spotlight-Festival sowie die Auszeichnungen beim Bewegtbild-Wettbewerb Die Klappe gehören zu den Awards, deren Punkte wahlweise wieder für das Kreativranking der Werbewoche gezählt werden können (siehe auch Seite 35). Bei der Klappe, die am vergangenen Wochenende in Hamburg ihre bereits 32. Auflage erleben konnte, sind bereits einige Schweizer Produktionen ins Rennen gegangen. Mit 207 Filmen hat der vom Kommunikationsverband organisierte Wettbewerb seine Einreichungen gegenüber dem Vorjahr noch einmal steigern können. Rund 30 Jurymitglieder aus dem Bereich Agenturen, Filmproduktion und Medien – darunter auch die Werbewoche – haben für 2012 insgesamt 31 Klappen verteilen können. 9 Silber und 22 Bronze. Für Gold zeigte man sich zu «knauserig», obwohl der Jahrgang «sehr gut» war. Es war aber «nichts Herausragendes» dabei. Die Schweiz hat es mit Spillmann Felser Leo Burnett zu zwei Klappen mit Bronze und Silber geschafft. Mehr zu den anderen Preisträgern wie Hornbach, Constantin Film, Deutsche Bahn u. a. sind auf Dieklappe.de zu finden.

Andreas Panzeri

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Mit dem Film «Mehr als Berge» hat Spillmann Felser Leo Burnett bei der
Klappe Bronze gewonnen. Dazu gab es für SFLB auch noch Silber für die
Idee mit 50 Prozent Rabatt bei Micasa, wenn man den richtigen Namen
hat. Hier wurden mehrere Spots als eine Kampagne gewertet.

Schöne Ideen kommen unter der Dusche

Renzen Communications hat den führenden Schweizer Armaturenhersteller KWC beim Entwickeln eines neuen Sortiments «Shower Culture» kreativ begleitet und auch die internationale Launch-Kampagne realisiert.

Duschen soll heute je nach Wunsch und Bedürfnis erfrischen, entspannen, aufwecken oder träumen lassen. Dabei spielen die funktionalen und ästhetischen Anforderungen an den «Erlebnisraum Bad» eine immer wichtigere Rolle. Mit dem Begriff «Shower Culture» hat KWC zusammen mit der Kommunikationsagentur Renzen in Aarau ein international einsetzbares Label kreiert, welches verschiedene KWC-Produkte unter einem Dachbegriff mit Brandcharakter zusammenfasst. Das neue Sortiment bedeutet Bade- und Duschkultur mit neuen Materialien und sinnlichen Farben verbunden mit innovativer Technologie. An der Swissbau Basel wurden die neuen KWC-Shower-Culture-Produkte im Januar 2012 zum ersten Mal einem breiten Publikum präsentiert. Jetzt folgt eine internationale Launch-Kampagne mit diversen Massnahmen.

Wissenschaftlich abgestützt

Wo trifft ein potenzieller Käufer seine Entscheidungen? Gemeinsam mit KWC und in Zusammenarbeit mit dem Branding Institute Wollerau unter der Leitung von Marco Casanova, dem Dozenten für Corporate Brand Management an der Universität Bern, hat Renzen sich intensiv mit den Konsequenzen der Limbik hinsichtlich der Entscheidungsfindung von Konsumenten auseinandergesetzt.

Es ging dabei um die Frage, in welcher ästhetischen Welt (Fachbegriffe: Dominanz, Stimulanz, Balance) sich eine Person wohl und zu Hause fühlt. Das Bad als Lebensraum: Renzen hat die Entwicklung von KWC Shower Culture von Anfang an begleitet und mit gestaltet. Am Beispiel von KWC Bossanova heisst das: Von der Gestaltung des Namensschriftzugs über die Entwicklung von Piktogrammen für die Gebrauchs- und Pflegeanleitung bis hin zum Broschüren- und Packaging-Design war die Kreativabteilung in jeden Schritt mit eingebunden. Bei der Brause KWC Ely hat das Grafiker- Team von Renzen mit den Grundformen Zylinder und Ellipse gespielt – was an die Formensprache der Architektur des Guggenheim-Museums in Bilbao erinnern soll. Das Modell KWC Bossanova soll Farbe und Emotionen in die Dusche bringen. Je nach persönlichem Geschmack kann man für diese Handbrausen die Varianten «urban grey», «fancy purple», «midnight blue» oder «harmonic blue» wählen. Dabei gibt es nicht nur verschiedene Farben, sondern auch eine neu entwickelte «ergoSkin»- Oberfläche aus Mehrkomponentensilikon, die besonders hautfreundlich ist.

Andreas Panzeri

renzen

Sawi vermittelt Wissen für Strategische Planung

Das Sawi hat in Zusammenarbeit mit dem BSW und der Account Planning Group Switzerland einen neuen dreiteiligen Kurs konzipiert. Er soll den Teilnehmenden das methodische Basiswissen für eine erfolgreiche Strategische Planung vermitteln.

Der Kurs richtet sich gemäss Mitteilung an Mitarbeitende in Werbeagenturen mit einigen Jahren Berufserfahrung im Bereich Kommunikationsberatung. Der Dozentenstab besteht aus Persönlichkeiten aus der nationalen und internationalen Kommunikationspraxis.

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Scharf, schärfer, am schärfsten

Diese Woche werden die bisher auf HD Suisse ausgestrahlten Sendungen in die normalen SF-Programme integriert. Damit wird jedes Detail auf unseren Bildschirmen schärfer erkennbar. Sehen wir damit auch klarer die Welt, wie sie wirklich ist? Nicht wirklich. Ein Plädoyer für die Unschärfe einer Kurzsichtigen von Josefa Haas, Leiterin Medieninstitut.

haas

Eifrig wird in die Technik investiert, damit unsere Bilderwelt scharf und schärfer wird. Die Bilder beeindrucken in der Tat. Und was technisch möglich ist, wollen die Menschen auch zu ihrem Nutzen realisieren. Doch macht eine Fernsehwelt, die uns jede Pore und jedes Härchen zeigt, auch zufriedener? Mit Silikon geschminkte Moderatoren zeigen die Künstlichkeit dieser vermeintlich scharfen Realität. Erst durch die Unschärfe wird unsere Bilderwelt lebendig und real. Denn in Wirklichkeit sehen wir nur selten ganz scharf, und das zu unserem Vorteil.

«Die Bäume haben ja Blätter», war mein Kommentar, als ich mit meiner ersten Brille aus dem Optikergeschäft kam und mir die Allee ansah. Was mir bisher als grosse grüne Flecken erschien, präsentierte sich als eine Vielzahl von einzelnen Blättern. Als stark Kurzsichtige eröffneten mir die Sehhilfen eine neue Welt. Die Brille war ein Segen und gleichzeitig eine unpraktische und unattraktive Krücke. Deshalb lebte ich weitgehend in zwei Welten, in meiner natürlich unscharfen und der künstlich scharfen.

Mein unscharfer Blick zeigt mir eine Welt voller Farbe und Licht. Deshalb gönn ich mir gelegentlich einen Spaziergang, bei dem sich alle Umrisse in Farbenfeldern verlieren. Ein Sternenhimmel wird zu Von Josefa Haas, Leiterin Medieninstitut Aufgespiesst Chefredaktor-Stv. Andreas Panzeri über Satire, Realsatire und Medien. Die sechste Macht 10 Meinung einem Spektakel mit riesigen Lichtkreisen. Wie bereichernd der verwischte Blick ist, zeigen die Bilder von Malern, für die Unschärfe das künstlerische Prinzip ist. Es war ein besonderes Erlebnis, zum ersten Mal die Welt in Museen so zu sehen, wie sie sich mir ohne Brille präsentiert. Im Internet finden sich Untersuchungen, die bei 48 Prozent der Maler des Impressionismus eine Kurzsichtigkeit bestätigen, dabei fallen so bekannte Namen wie Claude Monet, Edgar Degas, Pierre-Auguste Renoir, Paul Cezanne und Jacob Abraham Camille Pissaro. Monet habe bewusst auf eine Brille verzichtet, weil er die Welt nicht so scharf sehen wollte. Der britische Augenmediziner Patrick Trevor-Roper zeigte in seinem Buch «The World Trough Blunted Eyes», wie die Sehfehler die Kunst beeinflussten und uns die Schönheit von Monets Gärten vermitteln.

Auch die Literatur inspiriert der unscharfe Blick. Ingeborg Bachmann beispielsweise verzichtete nicht nur aus Eitelkeit auf eine Brille. In ihrem Roman «Manila» will Miranda die Welt nicht immer in voller Schärfe erleben. Bachmann beschreibt Rom mit ihrem kurzsichtigen Blick und zeichnet damit ein eindringliches Bild der Stadt. Zum Erlebnis der Farben und Formen kommt die Intensität der Geräusche und Gerüche.

Film und Fotografie leben vom bewussten Spiel mit Unschärfen. Es ist immer wieder eindrücklich, mit der Dichte des reproduzierten Bildes aus den Anfängen der analogen Zeit konfrontiert zu werden. Für den französischen Cineasten Jean Renoir ging der Anspruch an die vollkommene Abbildung der Realität mit Dekadenz einher. Wer sollte schon den Wunsch haben, sich im Kino eine Kopie des Waldes anzusehen, wenn wir im Original spazieren gehen können, meinte Renoir. Vermeintlicher Realismus ist platt, Interpretationsspielräume fordern hingegen unsere Sinne heraus. Es ist wohl kein Zufall, dass in der digitalen Kinowelt von heute der grosse Abräumer bei den Oscar-Verleihungen ein nostalgischer Stummfilm ist.

Einen dramatischen Gewinn an Bildschärfe, Detailgenauigkeit, Plastizität und auch Farbtreue bringe uns der grösste Fortschritt, seit 1954 das Farbfernsehen eingeführt wurde, verspricht das HDTVForum Schweiz vollmundig. Dramatisch kann sich das hochauflösende Fernsehen in der Tat auswirken, wenn uns aufs Auge gedrückt wird, was wir gar nicht so scharf sehen wollen. Blendet unser natürlicher Sehsinn unattraktive Schönheitsfehler gnädig aus und konzentriert sich auf den allgemeinen Eindruck, verschonen uns die scharfen Bilder vor keinen Falten oder Schweisstropfen. Die Alternative sind retuschierte Aufnahmen, bei denen die Natürlichkeit technisch aufgehübscht wird.

Die digitalisierte Welt gaukelt uns Perfektion vor. Keine Information soll uns mehr vorenthalten werden, keine Daten mehr verloren gehen, keine Spur mehr verwischt. Diese kristallklare digitale Welt ist letztlich eine künstliche, eine manipulierte. Die Behauptung, damit die Realität reproduzieren zu können, bedeutet eine Verklärung der Digitalisierung. Vergessen geht dabei, dass es letztlich wir Menschen sind, die mit diesen Werkzeugen ihre Lebenswelt gestalten. Technische Brillanz setzt intellektuelle und kreative Brillanz voraus. Deshalb freuen wir uns über diejenigen, welche auch in der digitalen Bilderwelt die Dramatik der Unschärfe pflegen.
 

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