Studie: Social Media-Nutzung in der Schweiz
Prof. Bruhn & Partner hat gemeinsam mit dem Link Institut eine Studie durchgeführt. Sie konzentriert sich auf die Frage, wie Unternehmen mit einer geringen Anzahl aktiver Social Media Nutzer den Kaufentscheidungsprozess beeinflussen können.
Die rasante Entwicklung neuer Technologien, der Siegeszug von Social Media Plattformen und der Anstieg von mobilen Applikationen führen verstärkt zu einem Information Overload bei den Konsumenten. Was auf den ersten Blick nach unbegrenzten Möglichkeiten zur optimalen Entscheidungsfindung klingt, kann in Wahrheit Unsicherheit und Entscheidungshemmungen auslösen. Dies schreibt Prof. Bruhn & Partner in einer Mitteilung zur aktuellen Studie, welche die Agentur in Zusammenarbeit mit dem Link Institut durchgeführt hat. Die Studie soll neue Informationen liefern zur Social Media Nutzung in der Schweiz. In der Online-Befragung, an der 1‘002 Personen teilgenommen haben, wurden das Informationsverhalten im Internet, die Einflussnahme auf Kaufentscheidungen wie auch die Glaubwürdigkeit und Relevanz von Internetquellen untersucht.
Zunächst belegt die Studie, dass das Internet von der Mehrheit der Schweizer aktiv zur Informationssuche über Produkte, Marken und Unternehmen genutzt wird und Kaufentschei-dungen beeinflusst: Mehr als ein Drittel der Schweizer nutzt das Internet häufig zur produktbezogenen Informationssuche und ein gleich grosser Anteil lässt sich bei Kaufentscheidungen häufig durch Informationen und Beiträge im Internet beeinflussen. Dabei kommt jedoch nicht jedem Online-Kanal die gleiche Bedeutung zu. Die Relevanz einer Internetquelle ist stark abhängig von der Suchintention sowie dem Vorwissen der Nutzer. Erfolgt die Suche im Internet ohne themenspezifischen Hintergrund, erzielen Suchmaschinen, Wikis und Videoplattformen die höchste Reichweite in der Bevölkerung. Bei der gezielten Suche nach Produkten, Unternehmen und Marken belegen hingegen Unternehmens- Websites und Preisvergleichs-Websites die ersten Ränge. Lediglich bei den Suchmaschinen gibt es keinen Unterschied: Sie stehen bei der spezifischen wie auch allgemeinen Suche an erster Stelle und dienen als Einstiegsportal.
Die Analyse der Nutzungshäufigkeit hat ebenfalls Unterschiede zu Tage gefördert. So werden Suchmaschinen, soziale Netzwerke und Newsportale regelmässig, Online-Tagebücher, Bewertungsportale und Preisvergleiche nur selten benutzt. Verbindet man die Reichweite mit der Nutzungshäufigkeit dieser Internetquellen, wird ersichtlich, dass Suchmaschinen, soziale Netzwerke und Wikis die effektivsten Massenmedien, Blogs, Twitter und Foren lediglich unterstützende Nischeninstrumente darstellen (siehe Abbildung 1).
Der Erfolg liegt im Online- und Offline-Mix
Neben der hohen Bedeutung von Online-Kanälen für die Informationsbeschaffung verdeutlicht die Studie aber auch, dass diese in den meisten Fällen lediglich als komplementäre Informationsquelle herangezogen werden (siehe Abbildung 2). Die Entscheidung über den «optimalen» Informations-Mix ist somit keine «Entweder-Oder-Entscheidung» zwischen Online und Offline, sondern die Kombination ist entscheidend.
Lohnt sich der Aufbau eines online Empfehlungsmarketing?
In Zusammenhang mit der Relevanz von Internetquellen für den Kaufentscheidungsprozess wird häufig diskutiert, dass sich nur ein sehr kleiner Teil von Personen im Internet aktiv äussert. Es stellt sich die Frage, ob die wenigen Nutzer, die online ihre Meinung kundtun auch tatsächlich einen Einfluss auf andere Nutzer ausüben. Oder sind dies nur Einzelmeinungen, die nicht repräsentativ sind? Hier gibt die Studie folgende Auskunft: Demnach sind zwar nur wenige Personen selber aktiv, indem sie Kommentare und Bewertungen verfassen. (Fokus von Bewertungen bilden hierbei Reisen sowie langlebige Güter wie zum Beispiel Autos und Elektronik.) Hingegen lesen knapp 70 Prozent der Schweizer Bevölkerung häufig oder ab und zu die Kommentare und Bewertungen Dritter und stehen somit als Publikum bereit (siehe Abbildung 3). Hinzu kommt, dass über die Hälfte der Nutzer angibt, dass diese Kommentare und Bewer- tungen mit ihren persönlichen Erfahrungen übereinstimmen und somit eine hohe Glaubwürdigkeit besitzen (siehe Abbildung 4). Die Mehrheit der Nutzer wird demnach bei ihren Kaufentscheidungen von den Beiträgen einer kleinen Gruppe von Aktiven beeinflusst, die auf diese Weise einen hohen Wert für das Empfehlungsmarketing darstellen: Sie werden mehrheitlich als glaubwürdig eingestuft und können somit als aktive Entscheidungstreiber im Kaufprozess fungieren.


